Sprich mit mir! Über Krebs. Lisa über eine ganze besondere Freundschaft

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Ihr Lieben, ihr kennt uns ja und wisst, dass wir hier sehr offen reden. Und heute möchten wir das auch. Wir möchten mit euch über Krebs reden.

Wir alle kommen im Laufe unseres Lebens mit Krebs in Kontakt, kennen jemanden oder jemanden, der jemanden kennt. Sind selbst betroffen, in der Familie oder im Freundeskreis. Und selbstverständlich gibt es keine allgemeingültigen Regelungen, wie wir damit umgehen.

Krebs ist nicht gleich Krebs, aber reden darüber hilft eigentlich immer. Und deswegen möchte ich euch heute im Rahmen der Kampagne „Sprich mit mir! Über Krebs“ der Krebsgesellschaft NRW über eine ganz persönliche Freundschaft sprechen…

Neulich war ich mit meiner Freundin Nicole verreist. Wir teilten uns das Hotelzimmer, hatten ein Glas Wein in der Hand, es lief Musik, da sagte sie: „Mensch Lisa, wenn ich keinen Krebs gehabt hätte, dann würden wir uns gar nicht kennen.“
staud1 1 Foto: Sylvia Kroll

Ich schaute sie an und erwiderte: „Nicole, das stimmt so nicht. Wenn ich keine Journalistin geworden wäre, dann würden wir uns auch nicht kennen.“ Manchmal ist es der Blickwinkel, der den Unterschied macht.
Nicole Staudinger und ich haben uns in einem Interview kennengelernt.

Ich war (übrigens nach einer Nachricht von ihr an Stadt Land Mama) als Reporterin für eine Zeitschrift zu ihr gefahren, weil sie als Mutter von zwei Kindern an ihrem 32. Geburtstag einen Knoten in der Brust ertastet hatte. Wie sich später herausstellte war es eine der aggressivsten Formen von Brustkrebs.

Würde sie die Einschulung ihrer Kinder noch erleben? Darüber sprachen wir in dem Interview, das mit glasigen Augen auf beiden Seiten des Tisches endete. Es war der Beginn einer tiefen, echten Freundschaft.
Wir kannten uns nicht und hatten uns doch schon so viel erzählt.

So viel Tiefe zugelassen, vielleicht gerade weil wir uns nicht kannten. Wir sprachen über Karl-Arsch, wie sie den Tumor nannte, wir sprachen über Angehörige, die sich aufopfern, obwohl es uns doch schon immer schwerfiel, Hilfe anzunehmen.nicolelisa3

Ich hatte noch keinen Krebs – und trotzdem war es kein einseitiges Gespräch. Meine Familiengeschichte ist geprägt von viel zu frühen Verlusten.

Wir hatten da eine Ebene, auf der wir uns treffen konnten mit unseren tiefen Gefühlen, die es offenbar zuließen, dass da dieser Draht war. Dieses Band zwischen uns. Sisters in crime. Ich wusste nicht, wie sie sich fühlte, aber wir konnten uns auf Augenhöhe begegnen, ganz da unten.

Und wer tief fühlen kann, der kann auch hoch fühlen. Kann das Glück in seiner Reinform erleben, dankbar sein für die vermeintlich kleinsten Dinge des Lebens. Morgens einfach wieder aufzuwachen. Eine grüne Wiese mit Tau. Ein warmer Kakao mit Sahne. Was haben wir für ein Glück, das alles erleben zu dürfen.

Das heißt jetzt nicht, dass wir uns nicht auch mal heulend anrufen, weil mal grad alles doof zu sein scheint im Alltag… Niemand kann jeden Tag leben als wäre es sein letzter – sonst würden ja keiner den Müll rausbringen oder die schmierigen Fenster putzen. Aber ihr wisst schon, was ich meine. Ich meine den Schritt zurück zu tun. Das Sehen des Großen und Ganzen. nicolelisa2

Wir haben an diesem Wochenende zusammen gestrahlt wie die Honigkuchenpferde und tun das auch, wenn wir uns mal nur kurz zwischendurch auf ein Käffchen treffen. Weil wir uns anschauen und wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir dieses Leben leben dürfen. Dass wir Kinder haben und Partner, Familien und Freunde. Ein Dach über dem Kopf und leckeres Essen. Freiheit, Frieden, Gesundheit.

Lasst uns über Krebs reden. Lasst uns über Krebs lachen, denn ja, auch Humor kann manchmal helfen. Lasst uns gleichzeitig den Krebs verfluchen. Lasst uns ihm böse Namen geben. Oder ihm danken, dass er uns Freunde ins Leben gespült hat. Aber lasst ihn uns nicht ignorieren.

„Sprich mit mir! Über Krebs.“ So heißt die neue Kampagne der Krebsgesellschaft NRW. Sie hat dazu ein ganz wunderbares Buch herausgebracht, das helfen soll, das Schweigen zu brechen. Das Buch ist kein Ratgeber geworden, sondern eine Einladung zum Dialog. Und den möchten wir hier gern weiterführen.

Welche Erfahrungen verbindet ihr mit dem Thema Krebs? Schickt uns dazu gern eure Gedanken oder Geschichten und lasst uns damit das Schweigen brechen.
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Und weil es viele Menschen und Institutionen braucht, die wertvolle Bücher wie dieses unterstützen, kommt hier ein Dankeschön, das von Herzen kommt. Danke, dass ihr so vielen Betroffenen wie Nicht-Betroffenen mit der Unterstützung dieses Werkes helft:

Krebsstiftung NRW, AOK Rheinland/Hamburg, Arbeitskreis der Pankreatektomierten e.V., Familienhilfe Darmkrebs e.V. / Semi-Colon, Deutsche ILCO Landesverband NRW e.V., Frauenselbsthilfe nach Krebs NRW e.V., Landesverband Prostata-Selbsthilfe NRW e.V., Non-Hodgkin-Lymphom Hilfe e.V., Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V.

Fotos: René Weides, Sylvia Kroll, privat

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2 comments

  1. Reden ist toll
    Ihr Lieben,ihr wisst ja das mein Sohn vor 1 Jahr an Krebs erkrankt ist.
    Sein Tumor heißt Blasti.
    Wir sind von Anfang an ganz offen mit dem Thema umgegangen. Wer fragt bekommt auch Antwort. Aber er bekommt auch die ungeschönte Wahrheit erzählt,das ertragen viele nicht.
    Uns als Familie tut es gut offen darüber zu reden und das Thema nicht tot zu schweigen,wie auch,denn man sieht ihm seine Erkrankung nun mal an.
    Danke das ihr auch über die „Schattenseiten“ganz offen schreibt.
    Denn es zeigt uns immer wieder,wir sind nicht allein.
    Übrigens geht es meinem Sohn mittlerweile wieder gut,Blasti ist k.o.

  2. Mit Freunden reden/schweigen
    Mit Freunden reden/schweigen können finde ich ganz persönlich die beste Hilfe
    Danke fürs teilhaben lassen und Danke für die gefühlvollen liebevollen ehrlichen und manchmal auch traurigen Worte/Gedanken in den anderen Büchern

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