Ihr Lieben, habt ihr zu euren Kindern schon mal gesagt: „Ich hol dich da raus, egal was ist?“ Oder signalisiert es auf andere Weise? Einfach in allem, was ihr tut und wie ihr handelt? Wie reagiert ihr, wenn sich die Schule bei euch meldet und zum dringenden Telefonat morgen um exakt 12.15 Uhr bittet? Da dreht bei euch vermutlich auch erstmal die Adrenalinkurbel hoch. Ihr sprecht mit eurem Kind, fragt nach, was vorgefallen ist.
Zunächst tut es vielleicht erstmal so, als wüsste es von nichts. Vielleicht wisst ihr, dass die Lehrkraft manchmal übertreibt und fragt deswegen nochmal nach: Gab es nicht vielleicht eine einzig kleine Kleinigkeit, die vielleicht bei einer erwachsenen Person komisch angekommen sein könnte?
Und dann sprecht ihr den Satz aus, der so wichtig ist: „Schatz, egal, was vorgefallen ist, ich steh hinter dir. Das weißt du. Wir halten hier zusammen. Du kannst mir alles erzählen, alles sagen, wir kommen da zusammen durch und auch wieder raus.“ Und dann kommt doch zutage, dass es vielleicht einen Konflikt auf dem Schulhof gegeben hat. Oder dass es ein Missverständnis gab. Oft geht es ja nicht um essentiell Schlimmes, sondern um DInge, die dazugehören und geklärt werden können.
Aber sagt ihr solche Sätze? Dass ihr da zusammen durchkommt? Dass für füreinander einsteht und da seid? Und: Habt ihr selbst solche Sätze zu hören bekommen in eurer Kindheit? Oder zumindest gespürt, dass es so ist?
„Ich hol dich da raus“
Wie war das, wenn ihr früher ausgegangen seid. Vielleicht durftet ihr gar nicht so lang raus und jetzt ist aber grad irgendwas komisch und es ist nachts um 2 Uhr und trotzdem wählt ihr die Nummer eurer Mama: Kannst du mich abholen? Hier stimmt was nicht? Und dann sammelt sie euch ein.
Auf dem Heimweg gibt es keine Vorwürfe. Sie ist einfach da. Und ihr fragt euch. Hä? Was ist hier los? Auch am nächsten Tag: Kein Wort zur Nacht. Einfach nur ein normales gemeinsames Frühstück. Und ein paar Jahre später fragst du sie: „Sag mal, was war da los damals? Wie cool warst du bitte?!“ Und sie sagt: „Ich war einfach nur froh, dass du angerufen hast… damit hatte ich doch alles erreicht in der Erziehung. Ich wusste, du vertraust mir.“
Hausarrest bei Alkoholkonsum?
Bäääm. Und dann kommt euer Kind nach Hause und erzähl euch, dass jemand ziemlich „abgekackt ist“ von Alkohol und Kiffe. Und dass niemand der Freunde die Eltern anrufen wollte, weil er sonst Minimum drei Wochen Hausarrest kriegen würde. Krankenwagen rufen ging auch nicht, die Sanis hätten bestimmt die Eltern informiert. Der große Bruder hätte auch gepetzt. Also liegt dieser Jugendliche da weiter kurz vor der Bewusstlosigkeit und alle hoffen nur.
Das sind extreme Fälle, die ich hier erzähle. Aber das sind Situationen, die vorkommen. Die nicht ausgedacht sind. Und die uns zeigen dürfen, wie wichtig unser Support ist. Dass wir doof finden, wenn unsere Kinder übertreiben, sie aber trotzdem nicht im Stich lassen, für sie da sind, im Notfall helfen. Immer.
„Wir sind für euch da!“
Sagt euren Kindern, dass ihr für sie da seid. Dass ihr sie rausholt, wenn sich etwas komisch anfühlt – Tag und Nacht, zu jeder Zeit. Und dass euch ihr Leben und ihre Gesundheit wichtiger sind als jeder Scheiß, den sie bauen. Sie können sich melden. Sie sollen sich melden. Kein „Selber schuld“, sondern ein „Ich bin für dich da“ kann sie erwarten.
Ist es nicht das, was wir erreichen wollen? Kein fehlerloses Leben, sondern Fehler machen (machen wir alle!) und dann für sie geradestehen üben – MIT unserem Support, nicht mit unserer Gegenwehr? Was erwächst aus einem Gefühl, dass die eigenen Eltern Backup sind statt Strafinstanz? Das Vertrauen, das da entsteht, ist unersetzlich. Wir halten zusammen. Wir stehen füreinander ein.
Oder wie haltet ihr es damit? Erzählt doch mal von Situationen aus eure eigenen Jugend und wie ihr es jetzt mit euren Teenagern macht.




7 comments
Ich würde sogar noch weitergehen. Immer heißt immer! Eins von meinen Kindern hat eine gute Ausbildung in einer anderen Stadt abgebrochen. Mehr oder weniger plötzlich weil sie unerlaubt minderjährig auf eine Party gegangen sind. Wir haben ihn mit Sack und Pack abgeholt. Ich hab ihn in den Arm genommen und ihm gesagt, dass er immer wieder nach Hause kommen kann ,immer! Inzwischen macht er eine andere Ausbildung, die sehr gut läuft! Das Vertrauen muss immer da sein ,auch mit schlimme n oder dummen Fehlern kommen zu können. So haben es mir schon meine Eltern beigebracht!Das ist Familie!
Ich muss für mich sagen, dass dieses bedingungslose „Immer“ für mich zu krass ist. Ich meine, welche Mutter (oder auch Vater natürlich) kann das denn wirklich leisten? Ich meine, was ist denn mit EUREN Bedürfnissen? Seid ihr nicht mal müde und kaputt und habt wirklich gar keine Lust, am Wochenende im Bereitschaftsmodus zu sein und JEDERZEIT, halt auch nachts, eventuell loszumüssen um Schnapsleichen einzusammeln (überspitzt gesagt). Natürlich finde ich es wichtig, dass meine Kinder wissen, dass ich sie liebe und für sie da bin, aber ich bin doch auch ein Mensch mit Bedürfnissen. Das in solchen Beiträgen davon nie die Rede ist, als ob die Eltern so Roboter sind, die nie kaputt und müde sind, das verstört mich. Ich habe 3 Kinder, die beiden Großen sind nun schon sehr selbständig, die Tochter fährt mit 18 jetzt selbst Auto (was mich natürlich am Wochenende, wenn sie unterwegs ist, auch nicht grad ruhig schlafen lässt, da bin ich beruhigter, wenn sie bei einer Freundin schläft als wenn ich weiß, dass sie nachts allein rumfährt, wir wohnen auf dem Dorf).
Ich kenne es aus meiner eigenen Jugend so, dass ich mich um meine Wege zu Diskos und Parties selbst gekümmert habe und da sind wir schon manchmal bei komischen Leuten mitgefahren, zum Glück ist nie was passiert. Bestimmt hätten meine Eltern mich geholt, aber erstens: wie hätte ich sie erreichen sollen, es gab ja noch keine Handies, zweitens: ich wollte das auch gar nicht, in meiner Jugend waren Eltern eher peinlich, wir wollten selbst alles hinkriegen. Bestimmt hätte meine Mutter mich geholt, wenn sie gewusst hätte, wann und wo, sie konnte auch oft erst schlafen, wenn ich wieder zuhause war. Mein Jüngster ist 13 und bei ihm habe ich auch das Gefühl, dass er selbständig sein möchte. Manchmal nimmt er sogar lieber die Öffis oder fährt mit dem Fahrrad (und da geht es nicht um Kumpels aus dem Dorf sondern 20 km entfernt über Landstraße) weil er das toller findet, als von mir gefahren zu werden. Also wir suchen da unseren Weg, zumal er viel „frühreifer“ ist, als seine großen Geschwister das waren. Aber ich sag dann schon mal: Ich hole Dich bis Mitternacht ab, dann möchte ich gern schlafen, wenn Du länger bleiben willst, dann frag doch bitte, ob Du da übernachten kannst. Oder ich sage auch mal, das etwas halt nicht geht. Trotzdem hoffe und denke ich, dass sie mich im Notfall anrufen würden und ich dann auch zur Stelle wäre.
Aber ist das für viele Mütter wirklich so normal, IMMER und SOFORT zur Stelle zu sein und sich selbst so hinten anzustellen? (Kommt natürlich auch sehr darauf an, wie aktiv die Kinder sind, wenn die einmal im Quartal auf einer Party sind ist das auch was anderes, als wenn das Thema jede Woche aufkommt.)
Du Liebe, aber es geht doch in dem Beitrag um genau diese Notfälle, von denen du sprichst. Im Notfall können sie uns jederzeit kontaktieren und wir fahren los. Hier ist ja nicht die Rede davon, dass wir jede Nacht in Jacke parat sitzen, bis die Kinder wieder zu Hause sind. Wir gehen ganz normal schlafen, wenn die Kids auf der Piste sind. Lassen aber ein Handy an, damit wir im Zweifel, falls irgendwas sein sollte, helfen könnten. Bislang haben sie diese Option erst einmal genutzt, als Vandalierer ihr Microcar verwüstet hatten und sie nicht wussten, ob sie die Polizei rufen sollen. Das haben wir dann begleitet. Ansonsten mussten wir durch diese Notfall-Option noch nie unsere Bedürfnisse zurückstellen.
Danke für Deine Antwort, dann habe ich das etwas falsch verstanden. Habe nur in letzter Zeit oft z.b. bei Insta solche Beiträge gesehen in denen ganz viel und groß gedruckt die Worte IMMER, BEDINGUNGSLOS, JEDEN usw vorkommen. Wo ich mich als Rabenmutter fühle, wenn ich denke, ich kann und will aber nicht stets parat stehen.
Ich war eine gute Mutter. Und dann ging ich ins Internet …
Eine Psychologin sagte erst vor kurzem zu mir, Sorgen müssten wir uns erst machen, wenn sie als Teenager keine Grenzen austesten.
Wir hatten gerade erst die Situation, dass eine Lehrerin in der Freizeit unser Kind beim vapen gesehen hat und das der Schule gemeldet hat. Der Anruf von unserem Kind kam sofort und ich habe ihr auch sofort Unterstützung zugesagt.
Auch Alkohol spielt eine immer größere Rolle, wir haben nur Tipps gegeben, wie man einen Absturz vermeiden kann und bisher hat das gut funktioniert. Es gibt bei uns nur eine Regel, wer kotzt wird nach Hause gebracht, denn ich habe keine Lust mir für die Freunde die Nacht um die Ohren zu schlagen. Da kam unser Kind aber um halb 1 zu uns und hat es uns erzählt, da es auch überfordert zu uns. Kam aber bisher nur einmal vor und da kam am nächsten Tag auch eine Entschuldigung, wobei ich finde sie müssen sich bei den Freunden entschuldigen und nicht bei mir, denn denen haben sie so den Abend verdorben und eine Verantwortung gegeben, die nicht sein muss.
Ich finde gerade in dem Alter sollte man als Eltern nicht vergessen, wie es selbst war.
Unser Kind ist noch kein Teenie. Den Satz „wir holen dich ab“ und „wir stehen das gemeinsam durch“ kennt es trotzdem schon. Es ist so wichtig, dieses Vertrauen vor der kritischen Phase aufgebaut zu haben (und auch in jüngeren Jahren können sich Dinge komisch anfühlen und wir Eltern sind gefragt).
Ich habe diesen Satz als Kind nie gehört oder gespürt, das merke ich in meiner Denkweise (alleine klarkommen ist stark, manchmal ist es das vllt nicht) und möchte meinem Kind mehr Sicherheitsgefühl mit in diese Welt geben. Und bedingungslosen Rückhalt.