Ihr Lieben, Anastasiia ist wie so viele geflohen aus der Ukraine, als der Krieg losging. Ihre Heimat zu verlassen war für sie und ihre Familie eine der schwersten Entscheidungen ihres Lebens. Die junge Mutter floh allein mit zwei Kindern Richtung Deutschland, ihr Mann blieb vor Ort. Hier kommt ihre Geschichte.
„Der 24. Februar 2022 ist das schlimmste Datum im Leben unserer Familie. Früh am Morgen erfuhren wir, dass der Krieg begonnen hatte. Schon in den ersten Stunden waren Explosionen zu hören, und unser gewohntes Leben veränderte sich von einem Moment auf den anderen.
Einige Tage blieben wir noch in der Ukraine und hofften, dass alles bald vorbei sein würde. Doch nach einer Nacht, die ich mit meinen Kindern während eines Luftalarms im Keller verbrachte, wurde mir klar, dass ich meinen Töchtern ein solches Leben nicht zumuten möchte. Deshalb traf ich eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens – die Ukraine zu verlassen.
Mein Mann brachte uns zur Grenze, und von dort aus machte ich mich allein mit zwei Kindern auf den Weg durch mehrere europäische Länder. So kamen wir schließlich nach Deutschland, in die Stadt Blomberg. Warum gerade Blomberg? Dort lebt seit vielen Jahren eine gute Freundin von mir aus Saporischschja. Früher haben wir zusammen Handball gespielt, und auch später blieben wir immer in Kontakt. Als der Krieg begann, sagte sie sofort zu mir: „Komm zu mir, du bist hier nicht allein.“
Ihre Unterstützung gab mir die Kraft, diesen Schritt zu wagen und in Deutschland neu anzufangen. Natürlich hatte ich Angst. Aber meine größte Sorge galt nicht mir selbst, sondern meinen Kindern und meinen Angehörigen, die in der Ukraine geblieben sind. In den ersten Wochen des Krieges war es erschütternd zu sehen, was in meiner Heimat geschah.
Geflohen aus der Ukraine

Jeden Tag hörten wir von zerstörten Städten und Menschen, die ihr Leben verloren hatten. Besonders schmerzlich waren die Nachrichten über getötete Kinder. Als Mutter wusste ich, dass ich alles tun musste, um meine Töchter zu schützen. Als ich die Ukraine verließ, dachte ich nicht, dass ich für lange Zeit weggehen würde.
Im Gegenteil – ich war überzeugt, dass ich nur für ein paar Wochen zu meiner Freundin fahre. Ich nahm nur einen Koffer und die wichtigsten Dinge mit, in der Hoffnung, bald wieder nach Hause zurückzukehren. Ich glaubte, dass der Krieg schnell vorbei sein würde. Vor mir lag eine völlig unbekannte Zukunft: ein neues Land, eine neue Sprache, ein neues Leben. Doch die Angst vor dem Unbekannten war kleiner als der Wunsch, meinen Kindern Sicherheit zu geben. Ich habe einfach versucht, meine Kinder zu retten.
Damals wusste ich noch nicht, dass diese Reise der Beginn eines völlig neuen Lebensabschnitts sein würde und dass Deutschland für uns für viele Jahre zu einer zweiten Heimat werden würde. Nein, auf keinen Fall. Wenn mir vor fünf Jahren jemand gesagt hätte, dass mitten in Europa ein Krieg ausbrechen würde und ich meine Heimat verlassen müsste, hätte ich das niemals geglaubt.
Vor fünf Jahren führte ich ein ganz normales und glückliches Leben: Ich erzog meine Kinder, machte Pläne für die Zukunft, arbeitete und hatte viele Träume. Für mich gehörten solche Ereignisse in die Geschichtsbücher und nicht in unsere moderne Welt. Deshalb war der Krieg für mich und Millionen von Ukrainern ein großer Schock.
Niemand ist darauf vorbereitet, eines Tages sein Zuhause verlassen und in einem anderen Land noch einmal von vorne beginnen zu müssen. Die ersten Tage und sogar das erste Jahr in Deutschland fühlten sich für mich wie ein Nebel an. Wir lebten ständig in der Hoffnung, dass der Krieg bald vorbei sein würde und wir nach Hause zurückkehren könnten.
Meine jüngere Tochter wachte über viele Monate hinweg fast jeden Morgen mit derselben Frage auf: „Mama, ist der Krieg vorbei?“ Diese Frage beschreibt sehr gut, wie wir uns damals gefühlt haben. Wir machten keine langfristigen Pläne – wir warteten einfach.
DANKE, Deutschland!
Heute kann ich Deutschland von Herzen Danke sagen. Dieses Land hat uns und vielen anderen ukrainischen Familien in einer sehr schweren Zeit geholfen. Besonders dankbar bin ich den Menschen, die wir hier kennenlernen durften. Ihre Freundlichkeit, ihre Unterstützung und ihre Hilfsbereitschaft haben uns geholfen, ein neues Leben aufzubauen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass uns diese Menschen genau im richtigen Moment begegnet sind.
Deshalb kann ich über Deutschland und seine Menschen nur mit großer Dankbarkeit und Wärme sprechen. Ja, auf jeden Fall. Das Schönste und Positivste in den vergangenen Jahren war für mich zu sehen, wie meine Kinder wieder glücklich sind, sich entwickeln und ihre Zukunft gestalten können.
Als wir nach Deutschland kamen, war alles neu und ungewiss. Doch Schritt für Schritt ist es uns gelungen, ein neues Leben aufzubauen. Heute gehen meine Kinder zur Schule, treiben Sport und fühlen sich wohl. Ich bin sehr stolz auf meine Töchter. Meine ältere Tochter hat die Grundschule erfolgreich abgeschlossen und wird nun ein Gymnasium besuchen. Beide Mädchen schwimmen und haben bereits ihre ersten sportlichen Auszeichnungen erhalten. Außerdem spielt meine ältere Tochter Handball und wurde mit ihrer Mannschaft Regionalmeisterin.
Das größte Geschenk sind für mich jedoch nicht Medaillen oder Schulnoten. Das Wichtigste ist, dass ich den Mut gefunden habe, noch einmal neu anzufangen und meinen Kindern eine glückliche Kindheit, Sicherheit und Zuversicht für die Zukunft schenken konnte. Darauf bin ich besonders stolz.
Heute ist mein Leben viel ruhiger und stabiler als in den ersten Jahren nach meiner Ankunft in Deutschland. Seit inzwischen vier Jahren arbeite ich in einem Kindergarten. Es macht mir große Freude, Kinder auf ihrem Weg zu begleiten und zu sehen, wie sie wachsen, lernen und die Welt entdecken. Einen großen Teil meiner freien Zeit widme ich meinen Töchtern, ihrer Schule, ihren Hobbys und ihren sportlichen Aktivitäten. Es ist mir wichtig, sie zu unterstützen und für sie da zu sein.
Außerdem gibt es noch ein weiteres Herzensprojekt in meinem Leben: mein Kinderbuch. Neben meiner Arbeit versuche ich derzeit, dieses Buch bekannt zu machen und möglichst viele Menschen damit zu erreichen. Noch habe ich keine große deutschsprachige Leserschaft, aber ich wünsche mir, dass diese Geschichte Leserinnen und Leser in vielen Ländern findet.
Dieses Buch ist aus meinen persönlichen Erfahrungen und Überzeugungen entstanden. Damit möchte ich Kinder und Erwachsene daran erinnern, wie schön die reale Welt um uns herum ist, wie wichtig gemeinsame Zeit ist und wie wertvoll die Dinge sind, die man nicht kaufen kann.
So sind meine Tage heute erfüllt von meiner Arbeit, meiner Familie, meinem Buch und der Hoffnung, dass diese Geschichte auch andere Menschen berühren kann. Mein Kinderbuch erzählt die Geschichte eines Mädchens namens Margarita, die – wie viele Kinder heute – sehr viel Zeit mit ihrem Handy verbringt.
Eines Morgens geschieht jedoch etwas Unglaubliches: Als sie aufwacht, befindet sie sich plötzlich im Inneren ihres Handys. Doch die Welt, in die sie geraten ist, ist ganz anders, als sie es sich vorgestellt hat. Sie ist schwarz-weiß und fast ohne Farben. Dort lernt Margarita ihren treuen Begleiter kennen – einen kleinen Hund namens @. Gemeinsam begeben sie sich auf eine spannende Reise durch die Welt im Handy. Um wieder nach Hause zurückzukehren, muss Margarita alle Farben des Regenbogens finden und diese Welt wieder bunt machen.
Auf ihrem Weg erlebt sie viele Abenteuer, begegnet neuen Freunden und lernt wichtige Dinge über die Welt und über sich selbst. Schritt für Schritt sammelt sie die Farben des Regenbogens, denn nur wenn der Regenbogen vollständig ist, kann sie den Weg zurück nach Hause finden.
Wenn ich Eltern einen Rat geben dürfte, dann wäre er ganz einfach: Schätzt die Zeit, die ihr heute habt. Wir leben in einer wunderbaren Welt voller Farben, Geräusche, Gefühle und echter Begegnungen. Doch im Alltag und zwischen Bildschirmen vergessen wir oft, diese Schönheit wahrzunehmen. Wir denken, die wichtigen Momente würden irgendwann kommen, dabei findet das Leben genau jetzt statt.
Genau deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. Es ist nicht nur für Kinder gedacht, sondern auch für Erwachsene. Ich wünsche mir, dass Eltern und Kinder es gemeinsam lesen und sich daran erinnern, wie wichtig es ist, das Handy manchmal zur Seite zu legen, in den Himmel zu schauen, den Vögeln zuzuhören, spazieren zu gehen, miteinander zu sprechen und einfach Zeit miteinander zu verbringen.
Der Krieg hat mir gezeigt, wie zerbrechlich das Leben ist
Der Krieg hat mich vieles gelehrt. Er hat mir gezeigt, wie zerbrechlich das Leben ist und wie schnell sich die gewohnte Welt verändern kann. Dadurch habe ich verstanden, dass nicht Dinge oder Erfolge das Wichtigste sind, sondern die Menschen, die wir lieben, die gemeinsame Zeit und die kleinen glücklichen Momente des Alltags.
Deshalb lautet mein wichtigster Rat: Verschiebt das Leben nicht auf später. Nehmt die Schönheit um euch herum wahr, verbringt Zeit mit euren Liebsten und bewahrt die Augenblicke, die eines Tages zu euren wertvollsten Erinnerungen werden. Zum Schluss möchte ich mich von Herzen für Ihre Fragen, Ihr Interesse an meiner Geschichte und Ihre Bereitschaft bedanken, mich zu unterstützen.
Für mich als angehende Autorin bedeutet jede Unterstützung sehr viel. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich Ihren Followern vorstellen oder meine Instagram-Seite teilen würden. Vielleicht findet mein Buch gerade durch solche Menschen seine ersten Leserinnen und Leser. Ich hoffe sehr, dass mein Buch schon bald erscheinen wird. Und wenn es soweit ist, würde ich Ihnen gerne als Zeichen meiner Dankbarkeit eines der ersten Exemplare schenken.
Ich glaube daran, dass Bücher die Welt verändern können – vielleicht nicht auf einmal, aber Schritt für Schritt. Mit meinem Buch möchte ich Kinder und Erwachsene an die wirklich wichtigen Dinge erinnern: Familie, Freundschaft, gemeinsame Zeit, die Schönheit unserer Welt und daran, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu leben.
Vielen Dank, dass Sie mir die Möglichkeit gegeben haben, meine Geschichte und meinen Traum mit Ihnen zu teilen.“


3 comments
Liebe Anastasiia,
ihr Geschichte berührt mich und
ich wünsche ihnen und ihren Kindern weiter alles Gute. Ich hoffe ihrem Mann und dem Rest der Familie geht es, den Umständen entsprechend, gut.
Viel Erfolg auch für ihr Buch, das hört sich sehr spannend an.
Alles Gute der Familie!
mich würde interessieren, wie es dem Vater der Familie geht? Es wurde nur geschrieben, dass er in der Ukraine geblieben ist, aber nicht, wie es ihm geht.
Toller Artikel! Ich wünsche der Familie weiterhin alles Gute und habe Riesen-Respekt davor was sie in den letzten Jahren geleistet haben, um sich ein neues Leben aufzubauen.
Mich würde interessieren, ob es das Kinderbuch schon zu kaufen gibt. Falls nein, fände ich es klasse, wenn ihr dann nochmals einen Update-Artikel bringen könntet!