Kontaktabbruch des Kindes: Wir haben Erlebnisse unterschiedlich wahrgenommen

Kontaktabbruch des Kindes

Foto: pixabay

Ihr Lieben, als Eltern können wir versuchen, alles richtig zu machen… und wissen dennoch nicht, ob es bei unseren Kindern auch genauso „richtig“ ankommt. Unserer Leserin und ihrem Mann war ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern immer wichtig, trotzdem kam es bei einem Schwierigkeiten und zum Kontaktabbruch des Kindes mit den Eltern, nachdem es selbst eine Familie gegründet hatte. Wie die Eltern damit umgehen, haben wir die Mama gefragt

Du Liebe, hier kommen unsere Fragen zum Kontaktabbruch eures Sohnes. Ist er euer einziges Kind?

Nein, er ist das zweite unserer drei Kinder. Er hat einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester.

Wenn du an die Kindheit deines Sohnes zurückdenkst, welche schöne Situation fällt dir da als Erstes ein?

Da fällt mir nicht die eine Situation ein, sondern ganz viele kleine. Ich hatte immer das Gefühl, zu ihm eine ganz besondere, enge Verbindung zu haben, wie ein sehr dickes Band zwischen uns.

Schon als Kind hat er gerne etwas für andere getan. Ihm war wichtig, dass es den Menschen um ihn herum gut geht. Diese Verbundenheit blieb auch bestehen, als er erwachsen war. Fast jeden Morgen kam eine kleine Nachricht: „Guten Morgen, Mama.“ Gerade solche Kleinigkeiten gehören heute zu meinen schönsten Erinnerungen.

Wie hat sich euer Mutter-Sohn-Verhältnis dann zur Jugend hin entwickelt?

Ich habe unsere Beziehung in seiner Jugend sogar als noch enger erlebt. Er war früh sehr selbstständig und hat sich gerne in unser Familienleben eingebracht. Gleichzeitig war mir bei allen drei Kindern wichtig, dass sie ihre eigenen Wege gehen dürfen. Freiheit ist für mich ein sehr hoher Wert.

Heute sehe ich manches differenzierter. Mein Sohn hat durch seine hilfsbereite und sehr präsente Art viel Raum in unserer Familie eingenommen und ich habe ihm diesen Raum auch gegeben. Wenn ich ehrlich bin, war das manchmal ziemlich bequem für mich. Manche Familiendynamiken erkennt man erst, wenn sich plötzlich etwas grundlegend verändert.

Dein Sohn hat dann geheiratet und es kündigte sich Nachwuchs an. Wie hast du darauf reagiert?

Eigentlich war die Reihenfolge andersherum: Erst kündigte sich unser erstes Enkelkind an, danach kam die Hochzeit. Wir haben uns unfassbar auf das Baby und darauf gefreut, Großeltern zu werden. Wir waren viel miteinander im Austausch und haben geholfen, wenn wir gefragt wurden.

Zumindest habe ich diese Zeit so erlebt. Diese Einschränkung ist mir heute wichtig, denn ich habe gelernt, dass zwei Menschen dieselbe Situation erleben und trotzdem mit völlig unterschiedlichen Erinnerungen daraus hervorgehen können.

Das Baby kam. Kurz darauf kam es zum Kontaktabbruch des Kindes. Magst du uns von dem Tag erzählen?

Babybodys
Foto: pixabay

Das war im Sommer 2024. Wir hatten die Wohnung und die Garage der jungen Familie für ihre Rückkehr aus dem Krankenhaus geschmückt: Luftballons, Girlanden, einen großen Storch und selbst gebastelte Wimpelketten aus kleinen Babybodys. An diesem Tag war es ungewöhnlich stürmisch.

Als unser Sohn aus dem Auto anrief und sagte, dass sie jetzt vom Krankenhaus nach Hause fahren, war ich neugierig, ob unsere Dekoration den Sturm überstanden hatte und natürlich auf ihre Reaktion. Der Weg nach Hause dauerte nur wenige Minuten und ich blieb mit ihm am Telefon. Als sie ankamen, fragte ich: „Und, was siehst du?“ Seine Reaktion traf mich völlig unvorbereitet: „Was soll ich schon sehen? Es ist halt dekoriert.“ Das Gespräch war kurz darauf beendet.

Erst im Nachhinein wurde mir klar, wie unterschiedlich wir diesen Moment erlebt hatten. Meine Frage war einfach Ausdruck meiner Freude und Neugier auf ihre Reaktion. In den Gesprächen danach wurde deutlich, dass mein Verhalten bei ihm eher als Einmischung in einen Moment angekommen war, den die junge Familie gerne für sich gehabt hätte.

Natürlich entsteht ein Kontaktabbruch nicht wegen eines einzigen Satzes. Rückblickend weiß ich, dass es auf seiner Seite schon vorher Erlebnisse und Wahrnehmungen unserer gemeinsamen Geschichte gab, deren Bedeutung mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst war. Was sich für mich bis dahin noch nach einer sehr engen und grundsätzlich guten Beziehung angefühlt hatte, hat er in Teilen offensichtlich anders erlebt.

Dieser Moment war deshalb vermutlich weniger die Ursache als der Auslöser dafür, dass etwas sichtbar wurde, das schon länger zwischen uns stand. Später entwickelte sich darüber ein Streit. Das war der Beginn unseres ersten Kontaktabbruchs. Heute ist diese kleine Szene für mich fast sinnbildlich für etwas, das ich später erst lernen musste: Ich kann wissen, was meine Intention war. Ich kann aber nicht bestimmen, was beim anderen ankommt.

Als dein Vater ein halbes Jahr später starb, hattest du das Gefühl, es könnte noch einmal zur Annäherung kommen …

Natur

Ja. Als mein Vater einige Monate später starb, schrieb ich meinem Sohn eine Nachricht. Nach fast einem halben Jahr mit so gut wie keinem Kontakt rief er mich an. Es entstand wieder vorsichtige Annäherung und wir hatten Hoffnung auf einen Neuanfang. Einige Wochen später kündigte er an, mit uns über die Zukunft sprechen zu wollen.

Mein Vorsatz war: zuhören, nicht rechtfertigen, nicht die Vergangenheit aufrollen. Doch genau um diese Vergangenheit ging es an diesem Abend. Es fielen harte Vorwürfe und mir wurde deutlich, wie unterschiedlich wir unsere gemeinsame Familiengeschichte wahrnahmen. Als ich darum bat, das Gespräch für diesen Abend zu beenden, fiel der Satz, dass wir sie und unser Enkelkind nicht wiedersehen würden, wenn sie jetzt gingen. Dann gingen sie.

Kurze Zeit später waren wir auf allen Kanälen blockiert. Seitdem haben mein Sohn und ich weder miteinander gesprochen noch geschrieben.

Wie lang ist dieser letzte Kontakt jetzt her und welche Trauerphasen hast du seitdem durchlaufen?

Der letzte Kontakt ist inzwischen rund eineinhalb Jahre her. Von klaren Trauerphasen würde ich gar nicht sprechen. Dafür war es viel zu chaotisch. Da waren Wut, Enttäuschung, Traurigkeit, Fassungslosigkeit und Selbstzweifel. Ich fragte mich, was ich falsch gemacht hatte, ob ich eine schlechte Mutter gewesen war und was ich hätte anders machen können.

Der Wendepunkt kam erst Monate später. Im Herbst 2025 war ich mit meinem Mann auf einer griechischen Insel. Eigentlich habe ich Angst davor, ins Meer zu gehen. Eines Tages ging ich trotzdem hinein, stand bis zur Brust im Wasser und fragte mich plötzlich: „Was passiert, wenn ich es trotzdem mache?“

Einige Wochen später waren wir in Berlin. Auf dem Dach unseres Hotels entdeckte ich eine Schaukel in 130 Metern Höhe und buchte einen Termin. Ich stand dort oben mit Winterjacke, Handschuhen und Stirnband und setzte mich, gesichert in einem Klettergeschirr, auf dieses schmale schwarze Schaukelbrett. Dann wurde ich angeschaukelt.

Ich breitete die Arme aus, ließ mich nach hinten fallen und schaute auf Berlin hinunter. Und plötzlich war dieser Gedanke da: Das ist Freiheit. Das ist Leben. Das ist mein Leben. Mir wurde klar: Jeder Tag, an dem ich darauf warte, dass sich etwas verändert, ist ein Tag meines Lebens, den ich im Warten verbringe. Und: mein Warten verändert die Entscheidung meines Sohnes nicht. An diesem Tag habe ich beschlossen, wieder zu leben.

Du weißt nicht einmal, wo er wohnt. Du sagst: Auch Kinder sind freie Menschen und dürfen Entscheidungen treffen. Du hast gelernt, dass du nicht in den Frieden kommst, indem du auf Antworten wartest, sondern indem du aufhörst, sie zu brauchen …

Heute weiß ich tatsächlich nicht, wo mein Sohn lebt. Und es gibt Fragen, auf die ich vermutlich nie eine Antwort bekommen werde. Lange dachte ich, ich müsste verstehen, was passiert ist, um Frieden damit schließen zu können. Heute glaube ich das nicht mehr.

Vielleicht gibt es auch gar nicht die eine Wahrheit, die alles auflösen würde. Es gibt meine Wahrnehmung und seine, die offenbar in Teilen völlig anders ist. Und irgendwann kam bei mir eine Frage auf: Was ist, wenn niemand Schuld hat? Ich muss seine Entscheidung nicht verstehen, um sie zu akzeptieren und Akzeptanz bedeutet nicht Zustimmung.

Was liegt noch in meinem Einflussbereich? Seine Entscheidung nicht. Aber wie ich lebe, welche Beziehungen ich pflege, welche Grenzen ich setze und wer ich nach all dem sein möchte, das liegt bei mir.

Was macht die Situation mit euch als Elternpaar? Wie reagiert euer Umfeld, könnt ihr euch mit Menschen dazu austauschen?

Mein Mann und ich sind sehr unterschiedlich damit umgegangen. Ich musste reden und bei mir war lange viel Wut. Mein Mann zieht sich eher zurück, bei ihm war es eher Trauer. Trotzdem hat uns der Kontaktabbruch als Paar näher zusammengebracht. Wir haben viel gesprochen, reflektiert und auch vor unserer eigenen Tür gekehrt.

Auch unser Familiengefüge hat sich verändert. Unser Sohn hatte immer viel Raum eingenommen und als dieser Raum plötzlich leer war, war das zunächst schmerzhaft. Gleichzeitig haben wir irgendwann aufgehört, ausschließlich auf den leeren Platz zu schauen und so sind die Beziehungen zu unseren anderen beiden Kindern und auch ihre Beziehung zueinander inniger geworden.

Unsere Familie ist ohne unseren Sohn nicht besser. Sie ist anders und auch dieses Andere ist heute wertvoll. Im Umfeld hieß es anfangs oft: „Der kommt schon wieder.“ Später erzählten uns immer mehr Menschen von Kontaktabbrüchen in ihren eigenen Familien. Da haben wir erst gemerkt, wie viele dieses Thema betrifft und wie wenig darüber gesprochen wird.

Wenn du fünf Jahre weiterschaust, was würdest du dir wünschen?

IMG 64901

Meine Tochter hat dazu einen Satz gesagt, den ich wunderschön finde: „Egal, was in fünf Jahren ist, es ist gut so.“ Ich stelle mir die Beziehung zu meinem Sohn heute wie eine Tür vor. Sie ist nicht abgeschlossen, sie steht aber auch nicht sperrangelweit offen. Sie ist angelehnt.

Wenn es irgendwann eine Annäherung gibt, würde ich mich darüber freuen und gleichzeitig könnten und möchten wir nicht einfach dort weitermachen, wo wir aufgehört haben. Auch ich habe Grenzen und Bedürfnisse. Mein Sohn darf seine Entscheidungen treffen und ich darf meine treffen.

Er darf einen Platz in unserem Leben haben und dieser Platz ist nicht mehr automatisch derselbe wie früher. Und wenn er keinen Kontakt möchte, darf auch das so sein. Es darf mich traurig machen. Aber mein gutes Leben hängt nicht mehr davon ab.

Was möchtest du anderen Eltern in eurer Situation mit auf den Weg geben?

Als Erstes würde ich wahrscheinlich gar keinen Rat geben. Ich würde sagen: Es tut mir wahnsinnig leid. Ich wünsche niemandem, durch diese Hölle gehen zu müssen. Und dann würde ich irgendwann sagen: Schau dir deinen eigenen Anteil an und übernimm Verantwortung für das, was du heute anders machen möchtest und hör auf, nach dem einen Schuldigen zu suchen.

Die Entscheidung deines erwachsenen Kindes liegt nicht in deinem Einflussbereich. Unsere Kinder gehören uns nicht. Wir geben ihnen Wurzeln und Flügel und manchmal benutzen sie diese Flügel auf eine Weise, die uns sehr wehtut. Und dann würde ich dieser Mutter oder diesem Vater vor allem wünschen, wieder zu leben. Nicht weniger zu lieben, nicht zu vergessen, aber das eigene Leben nicht im Warten zu verbringen.

Wenn der Schmerz dafür noch zu groß ist, darf man sich Unterstützung holen. Das Kind ist ein Teil unseres Lebens, es ist nicht unser ganzes Leben. Das ist mein Leben. Und ich darf es leben.

e1f756c9f0ad447a83fb4780af321538


13 comments

  1. Hallo,
    ich fasse es kaum in Worte zu fassen, was ich hier für Kommentare lese.
    Ich verstehe diesen Bericht der Mutter als eine Aufforderung, nach diesem schmerzhaften Kontaktabbruch als betroffe Eltern, neuen Mut zu fassen und sich nicht von dem unerträglichen Schmerz das Lebensgefühl nehmen zu lassen.
    Was allerdings vergessen wird, ist, dass auch die Kinder eine Verantwortung tragen. Ich meine nicht als Kleinkind oder junger Erwachsene, sondern als ein selbstbestimmter Mensch. Einfach gehen und die Eltern im Regen stehen zu lassen ist unfair. Es gibt keine perfekten Beziehungen und ich behaupte, alle Eltern machen Fehler. Wie wäre es wenn der Sohn mal darüber nachdenkt was die Eltern für eine Biographie haben. Vielleicht entsteht dadurch etwas Verständnis füreinander. Außerdem gibt es professionelle Hilfe, die wenn man möchte annehmen kann.
    Der Sohn scheint ein sehr dominates Verhalten in der Familie gezeigt zu haben. Er hat viel Raum eingenommen. Darauf wird hier nicht eingegangen. Auch Kinder haben Fehler und sind nicht immer die Opfer.
    Danke an die Mutter. Weiter so und lassen Sie sich nicht von Außenstehende runter ziehen.

  2. Danke für den Text.
    Erist ohne Bitterkeit, dafür Respekt. Auch dafür, dass die Autorin den Punkt erreicht hat.

    Niemandem hier steht es zu, zu urteilen oder zu spekulieren, wer in der Sache „Recht“ hat.

    Bei diesen Dingen geht es nicht um Recht haben.

    Der Sohn hat seinen Eltern seinen Frust offenbar vor die Füße gekotzt als erwachsener Mensch. Als die Eltern die Grenze gezogen haben, dass bitte jetzt keine weiteren dazu kommen an dem Tag, kam eine Drohung und die Umsetzung dieser.

    Kann man alles machen, sie werden ihre Gründe gehabt haben.
    Sie hätten aber den Kontakt wohl eh abgebrochen.
    Wie sollte aus so einer Situation Versöhnung wachsen? Eher nicht.

    Ich habe oft genug meine Mutter aufgefangen, wenn mein Geschwisterkind nebst Ehegatten solche Aktionen gebracht haben.
    Ebenso, als meine Mutter lange vorher den Kontakt zu ihrer hochbetagten Mutter abgebrochen hat.

    Und nein, ich habe kein gutes oder enges Verhältnis zu meinen Eltern.

    Finde es auch wichtig, es zu lassen, wenn es einem nicht gut tut. Diese Form von „Auskotzen und gehen“ ist aber nicht fair.

    Vielleicht überlegen sich die Krigikerinnen hier alle mal, wie sie sich fühlen, wenn ihre grade noch kleinen süßen Kinder das in 30 Jahren so handhaben.

    Da braucht es keine Kommentare, die nachtreten.

    Ach nein, MIR passiert das nicht, ich mache alles richtig mit meinem Kind…. bestimmt….

    1. Ich finde nicht, dass es nachtreten ist. Aber ich denke, niemand kann ein Kind großziehen und keine fehler machen. Da sollte es doch leicht fallen zu sagen: ich habe Fehler gemacht und es tut mir leid. Das mach das verzeihen nämlich viel einfacher, als das doch etwas lapidare: du hast da halt eine andere Wahrnehmung.

    2. @Monika: „Frust vor die Füße gekotzt“ ist jetzt auch keine wertfreie und der vorurteilsfreien Sachlichkeit zuträgliche Formulierung?

  3. Ich finde, dass es ein ganz toller Beitrag ist. Die Mutter klingt sehr reflektiert und das erleichtert mich total. Eine Eltern-Kind-Beziehung ist ja nicht auf Augenhöhe, weil sich Kinder eben lange in einer Abhängigkeitsposition befinden. Deshalb finde ich es wichtig, dass Eltern die Verantwortung übernehmen, dafür dass in der Kindheit und Jugend, Dinge vielleicht anders gelaufen sind, als das Kind es gebraucht hätte.
    Bei den Fällen in meiner Familie sind die Eltern nicht in der Lage dazu ihren Anteil zu sehen, sich zu entschuldigen und die Verantwortung zu tragen. Deshalb versöhnt mich der Artikel ein wenig mit der Generation unserer Eltern…

    1. @Kiki: wo siehst du im Text, dass die Mutter Verantwortung übernimmt und sich entschuldigt? Ich lese nur etwas von unterschiedlicher Wahrnehmung?

      1. Ich gehe davon aus, dass es in dieser Familie keine Gewalt gab und auch keine emotionale Erpressung. Und trotzdem hat ein Kind bewusst einen Kontaktabbruch gewählt. In Familien hat jeder irgendwann eine Rolle inne, die die Verbindung zu den anderen sichert. Z.B. weil man besonders hilfsbereit ist und auf andere acht gibt. Irgendwann fängt man das innerlich zu hinterfragen und sich abzugrenzen und sich selbst zu finden. Manchmal erst mit 30 Jahren und genug Raum. Dinge auch anders zu machen, wie andere das von einem als Heranwachsende/=r gelernt haben. Dann kann das auch mitunter zu Konflikten und Kontakabbruch führen, weil man für die anderen nicht mehr „einfach“ ist und „man sonst so nicht war“. Dann fühlt es sich an, dass man als Persönlichkeit nicht mehr so akzeptiert wird und lieber alle blockiert. Ich hoffe die Familie bekommt irgendwann die Chance sich gegenseitig neu kennenzulernen. Ohne Vorwürfe.

  4. Ich möchte etwas zu den einführenden Worten sagen. Was mich immer schon etwas wundert ist, das fast alle und jeder mit „Du Liebe“ angeredet wird. Was heißt das denn? Es ist ein lieber Mensch? Wer weiß das schon? Wie gut kenn Ihr die Menschen, die Ihr so ansprecht? Oftmals gar nicht.
    Und auch die Annahme, dass alle Eltern ihr bestes Versuchen und es halt vielleicht „anders oder nicht richtig beim Kind ankommt“.
    Damit liegt der Fehler in der Wahrnehmung des Kindes. Aber ehrlich, es gibt Eltern, die einfach gravierende Fehler machen, die großen Schaden anrichten, ob bewusst oder unbewusst.
    Wie oft habe ich in dem Kontext den Satz gehört: „ich hab s doch nur gut gemeint“. Für wen? Wenn man immer die gleiche Rückmeldung bekommt, nämlich, dass es nicht gut ist, und trotzdem genauso weitermacht, dann geht es halt nicht ums Kind, sondern die eigenen Bedürfnisse. Das deutet die Autorin ja auch zart an, dass es bequem für sie war.
    Ich meine das auch nicht konkret auf den Fall hier bezogen, sondern eher allgemein. Es ist nicht alles eine Wahrnehmungssache. Manches ist einfach ganz sachlich schlimm.

    1. Da gehe ich mit. Es gibt einfach Punkte, wo noch nicht Mal die grundsätzlichen psychischen oder/ und physischen Bedürfnisse von Kindern, auch erwachsenen Kindern gewährt werden und keinerlei Veränderungsbereitschaft und echte Verantwortungsübernahme stattfindet. Das kann man echt nicht unter „sie geben doch ihr Bestes“ wegloben. Nicht konkret auf den Artikel bezogen Hier fand ich aber außer unterschiedlicher Wahrnehmung es auch schwierig, überhaupt ein konkretes Thema zu finden, um das es bei ihr und ihrem Sohn ging. Irgendwie war alles verwaschen.

    2. Ich nicke die ganze Zeit bei deinem Beitrag.
      Ich denke, das Problem ist, nicht seine Sicht zu hören – wieder. Es würde mich bei diesen „Mein Kind hat den Kontakt abgebrochen“-Geschichten immer viel mehr interessieren, was diese Kinder zu sagen haben, zumindest mal in der Gegenüberstellung.
      Und dass die Eltern oft nicht wirklich einsichtig sind, erklärt dann auch wieder den Kontaktabbruch. Also ein Teufelskreis…

  5. Ja krass und traurig.

    Du schließt mit der Metapher der angelehnten Tür.

    Und dann ist da dieser Absatz:

    „Doch genau um diese Vergangenheit ging es an diesem Abend. Es fielen harte Vorwürfe und mir wurde deutlich, wie unterschiedlich wir unsere gemeinsame Familiengeschichte wahrnahmen. Als ich darum bat, das Gespräch für diesen Abend zu beenden, fiel der Satz, dass wir sie und unser Enkelkind nicht wiedersehen würden, wenn sie jetzt gingen. Dann gingen sie.‘

    Ich könnte mir folgendes vorstellen: Genau da hast du (aus der Perspektive deines Kindes) deinem Sohn die Tür ins Gesicht geknallt. Weil es wieder nach deinen Spielregeln gehen musste. Weil dir der emotionale Aufwand zu hoch war sollte er sich zurücknehmen. Wenn das sein grundsätzliches Thema in eurer Familie war, verstehe ich sehr gut, dass er für seinen eigenen Frieden gehen musste. Er hat es ja versucht…

    Alles Gute

    1. Wenn ich von diesem Thema lese, tun mir die Beteiligten meistens unfassbar leid, weil es in diesem Konstrukt eigentlich niemandem gut geht. Aber in diesem Fall fällt es mir eher schwer, die Seite der Mutter einzunehmen.
      Es sind einige so genannte red flags für mich da.
      Mir fehlt die Entschuldigung an den Sohn, spätestens als er sie mit all den Vorwürfen konfrontiert hat oder zu dem jetzigen Zeitpunkt, wo sie sich entschließt an die Öffentlichkeit zu gehen.
      Warum heißt die Überschrift nicht , es tut mir von Herzen leid. Nur weil man etwas gut meint, ist es nicht gut. die Situation mit der Dekoration finde ich persönlich übergriffig. Niemals gehe ich ohne Erlaubnis in die Wohnung und die Garage und dekoriere diese in solch einer sensiblen Zeit, selbst wenn ich den Schlüssel habe. Warum hat die Außentür nicht gereicht? Der Sohn schien es ähnlich empfunden zu haben.
      Warum sage ich, dass in der Jugend das Band enger wurde? Sollte es nicht so sein, dass das Band in dieser Zeit eigentlich eher fast strapaziert wird und es durch die Wurzeln gehalten wird, also die Peer Group in dieser Zeit wichtiger wird. Da scheint eine Schieflage da gewesen zu sein, die sie auch heute nicht wahrnimmt.

      Warum hat sie die Wahrnehmung des Sohnes in all den Jahren nicht erfragt?
      So könnte ich weiter mache, aber ich höre jetzt auf. die Geschichte tut mir von Herzen leid für die Betroffenen. Es schafft viel Leid und ich hoffe, dass sie sich eines Tages bereinigen lässt.
      aber ich wünsche dass die Mutter erkennt dass es nicht nur eine unterschiedliche Wahrnehmung ist..denn ihr Sohn war mindestens einige prägende Jahre lange abhängig von ihr. Eltern Kind Beziehungen sind emotional zunächst mal keine Beziehungen auf Augenhöhe. Sie dürfte sich dafür entschuldigen, seine Wahrnehmung, sein Gefühl dazu nicht erkannt zu haben, sie nicht erfragt zu haben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert