1 Jahr nach dem Auszug: Das Land-Kind zieht WG-Bilanz in der Teen Time

1 Jahr nach dem Auszug

Ihr Lieben, bald sind es schon zwölf Monate, seit die große Land-Tochter von zu Hause ausgezogen ist. Wir haben sie gefragt, wie es ihr 1 Jahr nach dem Auszug geht und wie es ihr mit der neuen Selbständigkeit in der eigenen Bleibe geht. Ein Mutter-Tochter-Interview zwischen Lisa und ihr.

Du Liebe, du bist ja ein Jahr lang von deinem Zuhause aus zur Uni gependelt, wie stressig war das für dich?

Ich muss sagen, ich fands am Anfang noch total okay, weil ich es auch noch toll fand, zu Hause zu wohnen und es dafür in Kauf genommen hab. Nach einem halben Jahr wurde das aber echt stressig. Ich war dadurch an der Uni auch noch nicht so angekommen und hab einfach mehrere Stunden am Tag im Auto verbracht. Das Studium ist aber eh recht aufwendig und ich merkte, dass ich die Stunden besser nutzen könnte.

Du hast dann mal so ganz lose überlegt, mal nach möglichen Wohnungen rund um die Uni zu schauen, weißt du noch, wie das losging?

Ich weiß noch, dass ich irgendwann an dem Punkt war, dass ich mir auch Immoscout runtergeladen hab, da war aber noch kein Drang, kein Druck. Dann hab ich mich mit einer Freundin zusammengetan, die aus ihrer alten WG rauswollte und alleine nichts fand, wir waren abends zusammen unterwegs und hatten grob drüber gesprochen, haben dann in der App mal ein paar Wohnungen angeschrieben und hatten dann direkt Glück.

Hattest du auch Sorgen im Vorhinein? Wie das wohl würde, mit einer Person zusammenzuwohnen, mit der du nicht verwandt bist und die du noch gar nicht so lang kennst?

Ich muss sagen, ehrlich gesagt hatte ich gar keine Sorgen, was sie angeht. Ich mochte sie vorher eh schon total gerne. „Das kriegen wir hin“, dachte ich. Ich hatte eher Sorgen, was das Ausziehen generell angeht und wie das so wird. Wie das ist, alleine zu wohnen, wie die Stadt so ist, wie das wird mit meinem Freund. Das größte Problem war erstmal: Was brauche ich für Möbel, was brauche ich überhaupt alles? Ansonsten hab ich mich einfach total darauf gefreut. Also, ich hatte schon Respekt, wow, ohne euch alle, aus Vermissensgründen aber ich hatte nicht das Gefühl, ich krieg das nicht hin.

Erinnerst du dich noch an eure erste Wohnungsbesichtigung? War da direkt ein Gefühl von: Oh, die ist aber toll, das könnte ich mir vorstellen?

Bei der Besichtigung war ich gar nicht 😉 Da war meine Freundin alleine, weil ich im Urlaub war. Ich hab nur Bilder gesehen. Die Wohnung war da noch komplett eingerichtet, die Aufteilung sah man da auch nicht gut, ich war dann zum ersten Mal dort zur Vertragsunterschrift, da hab ich mich aber direkt wohlgefühlt mit Holzboden, kleinem Bad und zwei quasi gleichgroßen Zimmern in direkter Uninähe.

Du warst grad im Urlaub, als ihr die Wohnungszusage bekamt, erinnerst du dich an das erste Gefühl in deinem Bauch?

Ich glaube als Erstes hab ich mich total gefreut. Die Tage, nachdem wir die Wohnung zugesagt hatten und noch nicht wussten, ob wir sie bekommen, war da ein Gefühlsmix. Als wir das Okay dann hatten, fühlte sich das schon sehr überstürzt an, ich konnte die erste Nacht gar nicht schlafen. Auch wenn ich das Gefühl hatte, dass es das größte Glück ist, dass es klappt. Wer kriegt denn heute noch direkt ne Wohnung?

Du bist ja eine Person, die größere Schritte im Vorhinein gern erstmal ausblendet, um nicht zu aufgeregt zu werden und dann erst, wenn es soweit ist, so richtig reinhüpft ins Abenteuer, war das hier auch so?

Ja, absolut, ich hab mich vorher eigentlich nur gefreut, nicht richtig realisiert. Den ersten Schock hatte ich dann, als ich die erste Nacht allein da schlafen sollte, da dachte ich: Was hab ich mir da denn angetan?! Ab da war aber alles gut. Es war nur der allererste Tag, wo ich dachte: Ach du Sch**ße.

Was hat dich zu Anfang überrascht?

Eigentlich relativ viel, aber gleichzeitig auch nicht so viel. Dass man Rundfunkgebühren zahlen muss, wusste ich, wie viel Geld das ist, aber nicht. Wie das mit Warm- und Kaltmiete abläuft war mir auch nicht so klar. Wie das mit Erst- und Zweitwohnsitz ist. Was da besser ist. Es war schon viel Neues, aber so ganz gar überrascht war ich nicht, ich hatte da auch im Freundkreis viel mitgekriegt. Mit dem WLAN wars so ein bisschen nervig alles, aber sonst total ok.

Wie habt ihr euch über die Zimmer-Aufteilung in der WG geeinigt?

Da war es so, dass ich eigentlich insgeheim von Anfang an ein bisschen gehofft hatte, das Zimmer zu bekommen, dass ich dann auch bekam, weil in dem ein bisschen mehr Platz neben der Tür war, wo meine Möbel besser reinpassten, aber ich hab erstmal meine Freundin gefragt, welches sie lieber haben mag und sie wollte direkt das andere. Da gab es gar keine Probleme.

Wie war die erste Nacht in der neuen Wohnung?

An die erste erinnere ich mich noch, da war mein Freund mit dabei, wir hatten versehentlich nur eine 90cm Luftmatratze reingepackt, weil mein Bett noch nicht da war, da hat dann einer auf der Luftmatratze und einer auf dem Boden geschlafen, das war dann nicht die gemütlichste Nacht.

Wie klappt der Alltag? Wann geht ihr einkaufen, hat jede eigene Dinge oder teilt ihr, kocht ihr auch mal zusammen, wie geht ihr mit Besuch um, wer spült, welche Regeln gibt´s zu Übernachtungsbesuchen?

Regeln haben wir überhaupt keine. Wir haben auch noch nie einen Putzplan erstellt oder uns vorgeschrieben, wer wen wann empfangen darf. Das hat von Anfang an gut gematcht. Wir essen auch eigentlich immer zusammen und gehen auch oft gemeinsam einkaufen. Wenn eine früher einkaufen geht, dann schicken wir uns ein Bild, damit die andere das nicht nochmal kauft.

Wenn Spülmaschinentabs fehlen, kauft die die, die als Erstes einkaufen geht. Was Putzen angeht, machen wir das meistens zusammen, um Uni zu prokrastinieren. Wenn wir uns an Aufgaben setzen sollen, fangen wir oft an zu putzen 😉 Wir sind da noch nie aneinandergeraten. Morgens machen wir uns unseren Chia Pudding mit Früchten und dann schauen wir immer, worauf wir Lust haben.

Wann hast du gedacht: Krass, ich wohn hier jetzt ja echt auf eigene Faust und seh meine Familie wirklich nur noch ab und zu?

Ehrlicherweise erst vor ein paar Monaten. Ich hab euch ja auch vorher unter der Woche oft wenig gesehen, wenn ich an der Uni war. Erst als meine Brüder irgendwann sagten „Krass, die ist echt ausgezogen“, wurde mir das so richtig klar. Ich bin ja auch oft an den Wochenenden zumindest mal auf Stippvisite zu Hause, weil ich noch in der Gegend meinen Studijob habe.

1 Jahr nach dem Auszug: Wie hat sich dein Leben verändert – vom Landleben zum Stadtleben?

Also ich finde das Stadtleben schon deutlich toller. Dass man einfach rausgeht, in die Bahn steigt und in der Innenstadt steht, jeden Abend unterwegs sein kann und immer noch irgendwie mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu kommen. Das ist anders als aus dem Land wo manchmal nur ein Bus pro Tag fährt.

Was ist es für ein Gefühl, an Wochenenden auch mal nach Hause zu kommen?

Mutter Tochter

Ich find´s schon schön, dass ich noch oft zu Hause bin und dass ich euch, meine Familie, dann nochmal sehe, auch wenn ich dann oft kaum Zeit habe, weil ich z.B. lernen muss. Und ich muss sagen, meine Brüder haben sich in dem Jahr schon sehr verändert! Sie sehen erwachsener aus, strukturieren sich ihre Tage mit Sport und Freunden und ihrem Microcar sehr selbständig, sie sind jetzt viel reifer als bei meinem Auszug.

Was würdest du anderen Studis als Tipp mitgeben, wenn sie zum ersten Mal alleine oder in einer WG wohnen?

Erstmal würde ich sagen: Zieh auf jeden Fall aus! Es ist die beste Chance, um an der Uni und an dem Ort anzukommen. Du lernst Leute kennen, die dir den Start erleichtern und ich würde sagen, dass man sich da gar keinen Druck machen sollte. Man sollte sich Zeit geben, es muss nicht von Anfang an alles direkt toll sein, es braucht auch Zeit, bis man Leute findet, aber man ist eben, wenn man vor Ort ist, auch viel offener.

Und im größten Notfall könnte man ja auch zurück nach Hause, das dürfen wir ja im Hinterkopf behalten. Denn dieses „Das muss jetzt für immer so bleiben“ kann ja auch stressen. Ich persönlich mag´s total, wo ich jetzt bin und würde dort auch gern meinen Master machen, leider gibt es da so wenige Studienplätze, dass unklar ist, ob das klappt und dann müsste ich im Zweifel nochmal weiterziehen.

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