„Du musst!“ Teen-Time Jugendkolumne vom Müssen und Wollen

Haushalt

Ihr Lieben, müssen eure Teenager bei euch im Haushalt bzw. Alltag gewisse Dienste übernehmen? Gibt es womöglich sogar Wochenpläne? Müssen sie sich Geld dazuverdienen, um sich gewisse Träume zu erfüllen oder x-mal Rasen mähen dafür?

Bekommen sie etwas dafür, wenn sie auf kleinere Geschwister aufpassen? Sind gewissen Dinge an Bedingungen geknüpft? Wenn du deinen Müll rausräumst fahr ich dich zum Sport. Oder andersrum. Hier gibt es das alles nicht.

Dankbarkeit

Und bevor jetzt die Empörungsschreie losgehen: Sie tun natürlich trotzdem was. Eins unserer Kinder wäscht zum Beispiel alles komplett selbst. Es findet nämlich, dass ich kein Talent im Waschen habe und dass es seine Kleidung entweder gar nicht mehr oder zu klein zurückbekommt. Was ist das eigentlich für ein toller Erziehungstipp? Einfach Unfähigkeit an den Tag legen – zack, Aufgabe erledigt 😉. Es funktioniert alles also weniger geplant, als vielmehr auf Zuruf.

Zwei Teenies allein zu Haus

Neulich waren wir Eltern für zwei Nächte weg, mitten in der Woche, ich hatte Konzertkarten für Robbie Williams in Luxemburg zu Weihnachten geschenkt bekommen, wir versprachen den Jungs, sie morgens früh anzurufen, weil der Wecker eben manchmal überhört wird.

Und ja, die Herren sind 17, die können schon Nudeln kochen und Toasts in den Sandwichmaker quetschen. Trotzdem war´s das erste Mal Wegsein seit dem Auszug der großen Schwester, die sonst vieles an Orga übernahm.

Und siehe da: Es klappte. Ja, sie waren vielleicht nicht gaaanz pünktlich in der Schule, das lag aber daran, dass die Pancakes, die sie sich zum Frühstück backten, nicht schnell genug braun geworden waren 😉 So lernt man das.

Müssen

Und ja, es gab einen Anruf, ob man die Folie um die Spülmaschinen-Tabs entfernen muss, aber hey: Spülmaschine betätigen?! Erst später erfuhren wir, dass sich Gäste angekündigt hatten und deshalb alles clean aussehen sollte, aber reicht das nicht? Dass sie es können, wenn es drauf ankommt?

Müssen eure Kinder aufräumen?

In den fabelhaften „Grüßen aus der Einschlagbegleitung“ von Nora Imlau ging es neulich darum, dass sie als Kind Aufräumen gehasst hatte. Wenn sie bei einem anderen Kind zu Hause spielen war und später aufräumen musste, wollte sie da nie mehr hingehen.

Und Nora, als heutige 5fach Mama und renommierte Erziehungsexpertin gab auch zu bedenken, dass Kinder, die wissen, dass sie später wieder akribisch aufräumen müssen, von Anfang an unfreier spielen bis hin dazu, dass sie ihre Fantasie lieber drosseln, um später nicht zu viel Arbeit zu haben.

Eigene Wege finden lassen

Mich brachte das zum Nachdenken. Denn obwohl sie das früher wirklich nicht leiden konnte, hat sie heute Wege gefunden, um mit ihrem Mann zusammen die Bude irgendwie in Ordnung zu halten ohne komplett über ihre Grenzen gehen zu müssen. Ohne Druck und Zwang, sondern so, wie es zum eigenen Leben und Empfinden passt.

Und ich weiß noch, dass ich mal kurz in eine Kita ging, in der wir mittags alle Speisen probieren MUSSTEN – ohne etwas trinken zu dürfen. Erst nach dem Essen gab es eine Tasse Tee. Ich habe dadurch bis heute Schwierigkeiten mit Tee, weil er so negativ besetzt ist seither. Ist das, was zu frühes Müssen mit uns macht?

Manchmal steht das Geschirr AUF statt IN der Spülmaschine. Landet es mal DRIN erwähne ich das und sag, dass mich das freut. Ganz nach dem Motto: positive Bestärkung. Ich sammle schon auch mal Teller und Tassen aus Jugendzimmern und feiere aber, wenn das Zeug selbst runtergebracht werden. Oder wenn dann mal jemand Lust hat, ein Menü für die ganze Familie zu kochen, wie toll ist das?!

Kurz vor dem Geburtstag der großen Schwester stand ich vor einer Abgabe, also hat der kleine Bruder die Torte gebacken, samt Einkaufen. Denn nein, nur, weil es keine festen Dienstpläne gibt, heißt das eben nicht, dass die Mama oder die Eltern alles alleine stemmen. Das ist nicht der Deal. Es geht eher drum zu schauen, wo grad welche Kapazitäten frei sind.

Sie müssen, müssen, müssen

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Und klar, sie müssen zur Schule. Sie müssen was tun, wenn sie nicht sitzen bleiben wollen. Sie müssen sich an rechtsstaatliche Regeln halten. Sie müssen einen Führerschein machen, wenn sie Roller oder Auto fahren wollen.

Es gibt also keine Jugend ohne Müssen. Aber ihr Zu-Hause-Alltag ist dafür eben recht flexibel. Es gibt auch keine festen Zeiten, wann sie am Wochenende zu Hause sein müssen und es gab nie feste Zubettgeh-Zeiten (das heißt nicht, dass es hier gar keine Regeln gibt, in der Woche wird zum Beispiel nicht woanders übernachtet, da hat Schule Priorität). Wir haben das tatsächlich von ihrer Müdigkeit abhängig gemacht, als wir noch darüber walteten, mittlerweile entscheiden sie selbst, wann sie schlafen gehen.

In meiner Kindheit war das genauso. Dafür war sowohl bei mir damals auch auch heute bei meinen Kindern die Freude dann aber umso größer, wenn von ganz allein und wie von Geisterhand die Küche aufgeräumt oder das Bad geputzt oder das Essen zubereitet war oder ist. Ganz bedürfnisorientiert und so, wie es für sie selbst eben gerade passt.

Wichtig, dass sie wissen, wie es geht

Wichtig ist doch, dass sie wissen, wie all das geht. Und dass das dazugehört. Und wenn es zu übel wird, gibt´s halt mal nen Hinweis. Meist wissen sie dann selbst schon ganz genau, dass es mal wieder dran wäre – oder es kündigen sich neue Gäste an und es geht wieder ganz von selbst 😉

Nicht alle von euch werden bei diesem Konzept vermutlich mitgehen. Und es soll auch wirklich gar keine Handlungsempfehlung darstellen, sondern nur einen Einblick in unsere individuelle Herangehensweise geben. Es muss ja auch zu jeder Familie passen und auch wir Erwachsenen haben hier eben keine durchritualisierten Aufgaben wie: dienstags Bad putzen, mittwochs Küchenfronten wienern (das entspräche unserem Naturell einfach nicht).

Deswegen interessiert uns natürlich jetzt: Wie handhabt ihr das mit euren Teenagern zu Hause… gibt es feste Dienste und Bedingungen oder eher flexibles Auf-Zuruf-Agieren?  

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2 comments

  1. Als Teenager und junge Erwachse hat mein Zimmer daheim katastrophal ausgesehen.
    Ganz abgesehen davon dass meine Aufgaben im Haushalt sehr überschaubar waren, meiner Mutter waren die ewige Diskussionen einfach leid.
    Kochen lernen?! Wie uncool! Hat mich alles nicht interessiert.
    Mir wurde aber Ordnung und Sauberkeit vorgelebt von meiner Familie, daher hat sich meine Einstellung dazu schlagartig geändert als ich in meine eigene Wohnung gezogen bin.
    Und heute? Bin ich selbständig im Bereich haushaltsnahe Dienstleistungen, es besteht also noch Hoffnung 😀

  2. Meine sind noch jünger, aber es geht ja nicht nur darum, dass sie lernen, selbständig zu sein, sondern auch um Wertschätzung und Empathie. Wenn ich etwas wegräume oder putze und eine Stunde später sieht es aus wie vorher, dann ärgere ich mich nicht nur, sondern gehe ggf. auch irgendwann auf dem Zahnfleisch weil ich dem Dauerchaos nicht mehr Herr werde. Wir wohnen alle hier und nicht zwei Leute im Hotel mit Butler und Putzfrau. Jeder darf lernen, den Dreck, den er verursacht, selbst wegzumachen. Ich bin dafür, dass Kinder lernen, dass auch Mama und Papa Gefühle haben und irgendwann an ihre Grenzen kommen. Das nimmt manchmal Auswüchse im Internet an, die ich nur schwer nachvollziehen kann. Wenn mein Kind mir wehtut, dann nehme ich das nicht hin, sondern sage dem Kind, dass es damit aufhören soll. Wenn ich gestresst bin, weil vor und nach dem Geldverdienen versuche, uns eine saubere, schöne Umgebung zu schaffen, dürfen meine Kinder das ruhig sehen. Heißt nicht, dass ich Frust an ihnen auslasse, aber sie dürfen durchaus merken, wenn Mama an ihre Grenzen kommt, weil sie (die Kinder) das Hamsterrad immer weiter befeuern. Wenn Mama weinend in der Ecke sitzt, haben nämlich auch die Kinder nichts davon und spätestens dann sollte sich in einer intakten Familie die Empathie bei den Kindern einstellen, dass man Mama nicht wie eine Dienerin behandeln muss.

    Vielleicht kommen jetzt die Kommentare, dass ich keine Kinder hätte bekommen sollen, wenn ich mit ihnen überfordert bin. Nein, ich bin nicht pausenlos überfordert, nur manchmal wie jede von uns. Ich bin ein Mensch mit Gefühlen und auch mein Tag hat nur 24 Stunden, die ich versuche zwischen allem aufzuteilen. Bei all dem, was ich für andere tue, möchte ich auch ein bisschen Zeit für mich selbst haben, was nicht möglich wäre, wenn ich nur am Putzen bin.
    Ich selbst und viele in meiner Generation wurden sehr viel strenger erzogen, als wir heute unsere Kinder erziehen. Ich finde es gut, wenn sich vieles gelockert hat, aber man kann es auch übertreiben. Kein Kind erleidet einen Schaden, wenn es sein Spielzeug nach dem Spielen selbst wieder wegräumen soll.
    Ich hatte früher ein paar Aufgaben im Haushalt. Überarbeitet habe ich mich deswegen nicht. Mein Kinderzimmer sah wüst aus, aber darum haben meine Eltern sich nicht mehr gekümmert als ich Jugendliche war. Tür zu, fertig. Dass man Ordnung halten und Putzen muss, kam mit der ersten eigenen Wohnung und in noch verstärkter Form, als ich selbst Kinder bekommen habe. Nichtsdestotrotz, wie gesagt, wenn man merkt, man geht auf dem Zahnfleisch, muss das keine von uns hinnehmen, sondern darf Unterstützung von den Kindern verlangen. Der Partner übernimmt hoffentlich ja sowieso seinen Anteil.

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