Age Gap als Dreifachmama: „Mein Freund ist 11 Jahre jünger als ich“

Age Gap

Ihr Lieben, Nathalie ist über beide Ohren verknallt… und dabei hätte sie nie gedacht, dass ihr das als Mutter von drei Kindern so nochmal passieren würde. Ihr neuer Freund ist 11 Jahre jünger als sie, es gibt also einen Age Gap, der zumindest das Umfeld beschäftigt. Ob der Altersunterschied auch in der Beziehung eine Rolle spielt? Ob direkt klar war, dass die beiden füreinander bestimmt sind? Das erzählt uns Nathalie hier.

Liebe Nathalie, du bist total verknallt, erzähl doch mal von dem Mann, der dir dein Herz so geklaut hat… 

Ich glaube, das Erste, was mir bei ihm aufgefallen ist, war, wie leicht sich plötzlich alles angefühlt hat. Keine Spielchen, kein Rätselraten, kein ständiges Hinterfragen, wie er dies und jenes meint. Er ist ein unglaublich liebevoller, aufmerksamer und emotional intelligenter Mensch und sehr reflektiert.

Jemand, der zuhört, sich Gedanken macht und der mich jeden Tag spüren lässt, dass und wie wichtig ich ihm bin. Und das, obwohl ich seine erste richtige Partnerin bin und er das Beziehungsleben in dieser Art bis dahin gar nicht kannte.

Was mich wahrscheinlich am meisten überrascht hat, war die Tatsache, dass ich vorher keine Ahnung hatte, wie viel Luft nach oben bei einer Beziehung überhaupt noch sein kann. Viele Dinge, die ich heute als selbstverständlich empfinde, kannte ich so vorher gar nicht.

Nun ist es so, dass ihr nicht gleich alt seid und es da ein Age Gap gibt, erzähl mal, was es damit auf sich hat und welche Bedenken du vielleicht auch selbst hattest… 

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Er ist fast 11 Jahre jünger als ich. Natürlich hatte ich da am Anfang Bedenken. Nicht, weil mich der Altersunterschied wirklich gestört hätte, sondern weil ich wusste, dass er evtl. andere Menschen stören würde.

Mein erster Gedanke war tatsächlich: Was werden die Leute sagen? Mein zweiter: Ob das langfristig funktionieren kann. Und irgendwo tief in mir war natürlich auch die Frage, ob ein jüngerer Mann wirklich Interesse an einer Frau mit drei Kindern haben kann und es wirklich ernst meint.

Aber auch so Fragen, wie „Was, wenn er mal eigene Kinder will, bin ich dann vielleicht schon zu alt oder möchte ich selbst überhaupt noch welche?“ haben mich schon relativ früh beschäftigt. Letzteres sollte man meiner Meinung nach in dieser Alterskonstellation schon frühzeitig klären.

In Beziehungen mit einem geringeren Altersunterschied wäre das wahrscheinlich deutlich später Thema geworden. Am Ende bewahrt es aber beide Seiten vor Enttäuschungen. Letztlich waren es fast alles Themen, die viel mehr in meinem Kopf stattgefunden haben als in unserer Beziehung.

Wie hat das Umfeld dann wirklich reagiert, als es hieß: er ist 11 Jahre jünger? Was haben die Kids gesagt? 

Die Reaktionen waren tatsächlich sehr unterschiedlich. Von „Ist doch völlig egal“ bis „Meinst du wirklich, das kann funktionieren?“ und „Glaubst du echt, der meint das ernst?“ war alles dabei. Manche fanden es spannend, manche ungewöhnlich und manche hatten ganz klare Meinungen dazu.

Lustigerweise hatte ich im Bekanntenkreis bereits Frauen, die selbst auch deutlich jüngere Männer zum Partner haben oder daten. Meine Kinder haben dagegen deutlich entspannter reagiert als viele Erwachsene. Für sie war das Alter eigentlich gar kein Thema, sondern viel wichtiger, wie er mit ihnen umgeht und ob ich glücklich bin. Kinder interessieren sich oft erstaunlich wenig für Dinge, an denen Erwachsene sich stundenlang abarbeiten und sich den Kopf zerbrechen.

Ist das Alter bzw. der Age Gap heut noch Thema bei euch und in eurer Liebe?

Eigentlich nur dann, wenn andere es zum Thema machen, was mir vor allem auf Social Media auffällt, weswegen ich darauf aufmerksam machen möchte, dass solche Vorurteile offensichtlich immer noch sehr präsent sind. In unserem Alltag spielt es keine Rolle.

Da geht es um die gleichen Dinge wie in jeder anderen Beziehung auch: Nähe, Vertrauen, Kommunikation, miteinander wachsen, gemeinsame (Zukunfts-)Pläne und manchmal auch darum, wer den Müll nach draußen bringt oder die Küche macht. Die elf Jahre sind auf dem Papier deutlich präsenter als in unserem echten Leben.

Ich glaube, das liegt aber auch sehr stark daran, dass wir beide so viele gemeinsame Interessen haben. Gemeinsam feiern, auf Raves und Festivals gehen, verreisen und möglichst viel von der Welt sehen. Wir haben noch so viel vor und da ist das Alter wirklich nebensächlich.

Warum meinst du, gilt ein größerer Altersunterschied als normal, wenn der Mannälter ist – nicht aber die Frau?

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Weil wir uns gesellschaftlich einfach daran gewöhnt haben. Ein älterer Mann mit einer jüngeren Frau wird seit Jahrzehnten als völlig normal wahrgenommen. Der Mann ist der Erfahrenere, derjenige mit Sicherheit und Status. Dieses Bild steckt immer noch tief in vielen Köpfen.

Bei einer älteren Frau mit einem jüngeren Mann wird dagegen oft hinterfragt, warum sie das macht, ob sie in der Midlife-Crisis steckt oder ob das überhaupt funktionieren kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die Rolle der Frau verändert hat.

Frauen sind heute viel unabhängiger und brauchen nicht mehr automatisch einen älteren Partner als Versorger oder jemanden, der ihnen Sicherheit gibt. Viele Frauen suchen sich heute viel bewusster aus, wer zu ihnen passt – unabhängig davon, ob das in ein altes Rollenbild passt.

Am Ende reden wir aber über das Gleiche: Zwei erwachsene Menschen, die sich füreinander entschieden haben. Ich finde es spannend, wie unterschiedlich wir dieselbe Situation bewerten, nur weil einmal der Mann und einmal die Frau älter ist.

Wie habt ihr euch kennengelernt? War da sofort klar: DAS ist es?

Wir haben uns über Bumble kennengelernt. Und wenn du mich fragst, ob sofort klar war, dass das die große Liebe wird, dann lautet die Antwort ganz klar: Nein. Ganz im Gegenteil. Wir hatten zunächst zwar wirklich schönen Kontakt, haben geschrieben, uns gut verstanden und uns über unsere Leidenschaften, Techno und Reisen ausgetauscht – aber dann hat er mich plötzlich fünf Wochen lang geghostet und ich war tatsächlich kurz davor, unser Match aufzulösen, weil ich dachte: Er ist doch wie alle anderen.

Zum Glück habe ich das dann doch nicht getan, denn heute weiß ich, dass sein Nichtmelden persönliche Gründe und nichts mit mir zu tun hatte, denn irgendwann hat er sich dann doch wieder gemeldet. Zunächst nur mit einem „Hallo, wie geht’s dir?“, was ich erstmal ignoriert habe.

Danach folgte ein weiterer Text, in dem er mir erklärt hat, warum so lange Funkstille war. Wir kamen erneut ins Gespräch und dieses Mal entwickelte sich alles ganz anders. Haben uns dann kurz darauf zum ersten Mal getroffen und sind seitdem unzertrennlich.

Rückblickend bin ich fast froh, dass unsere Geschichte nicht perfekt angefangen hat. Vielleicht auch deshalb, weil sie mich daran erinnert, dass das echte Leben selten wie ein Liebesfilm funktioniert. Es gab kein plötzliches „Das ist jetzt der Mann meines Lebens“. Was es aber gab, war dieses Gefühl, dass da jemand ist, mit dem sich alles erstaunlich leicht anfühlt und der mich genauso akzeptiert, wie ich bin. Mit allem, was dazu gehört. Und dieses Gefühl wurde mit der Zeit immer stärker.

Du sprichst auf Instagram offen über eure Geschichte – und erzählst, dass du noch nie einen Mann hattest, der dich so behandelt hat. Meinst du, das ist vielleicht auch eine Generationensache? 

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass man das so pauschal an einem Alter festmachen kann. Es gibt Männer mit Anfang zwanzig, die emotional unglaublich reflektiert sind. Und es gibt Männer mit fünfzig, die vor jedem schwierigen Gespräch wegrennen. Aber genauso auch andersrum. Was ich bei meinem Partner erlebe, hat für mich viel mehr mit seiner Persönlichkeit zu tun als mit seinem Geburtsjahr.

Vom Vater deiner Kinder hast du dich nach 15 Jahren getrennt, wie erinnerst du dich an die akute Trennungszeit und die Phase danach? Dachtest du vielleicht auch, du würdest nie wieder jemanden finden mit drei Söhnen am Start? 

Als feststand, dass eine Trennung unausweichlich ist und die Beziehung keine Zukunft mehr haben würde, war ich zunächst einfach nur am Boden zerstört. Ich habe viel geweint, war verzweifelt und habe mich natürlich gefragt, wie es nun weitergehen würde.

15 Jahre sind schließlich eine lange Zeit und man hat in diesen Jahren sehr viel miteinander erlebt und aufgebaut. Vielleicht hätte man sich ja nur mehr anstrengen müssen und sich einfach wieder zusammenraufen? Es war ein Gefühlschaos durch und durch. In erster Linie tat es mir leid für die Kinder – ich glaube, dass wir auch ihnen zuliebe länger zusammengeblieben sind als nötig.

Dann kamen die Ängste, wie ich das alles allein bewältigen soll. Ich glaube, ich habe tatsächlich weniger der sowieso schon jahrelang bröckelnden Beziehung nachgetrauert als der Gewohnheit und der vermeidlichen Sicherheit, in der ich mich so lange wägte. Diese Ungewissheit, was nun auf mich und die Kinder zukommen würde, hat mich fast wahnsinnig gemacht. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keinen festen Job, ich habe quasi bei null angefangen.

Und ja, natürlich habe ich mich auch gefragt, ob mich jemals wieder ein Mann zur Partnerin nehmen würde mit drei Kids im Schlepptau. Und das wurde mir während meiner Datingphase, die dann folgen sollte, auch mehrfach direkt oder indirekt so zu verstehen gegeben. Heute weiß ich, dass die richtigen Menschen nicht zuerst auf die Anzahl deiner Kinder schauen.

Was möchtest du allen Frauen mit Kindern mutmachend zurufen, die grad in einer Trennung stecken oder sich neu orientieren? 

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Ich glaube, das Wichtigste ist, sich selbst Zeit zu geben. Man muss nicht sofort stark sein. Nicht sofort wieder glücklich oder wissen, wie alles weitergeht. Eine Trennung bedeutet oft, dass ein ganzes Leben auseinanderbricht, das man sich über Jahre aufgebaut hat. Es ist völlig normal, Angst zu haben. Ich hatte sie auch.

Was ich heute weiß: Die meisten Dinge, vor denen ich solche Angst hatte, sind nie eingetreten. Dafür sind viele schöne Dinge passiert, mit denen ich niemals gerechnet hätte. Deshalb würde ich keiner Frau sagen, sie soll sich trennen. Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen. Ich würde ihr aber sagen, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse nicht jahrelang übergehen sollte. Und dass ein Neuanfang manchmal viel weniger das Ende ist, als man in diesem Moment glaubt.

Gab es einen Schlüsselmoment, in dem du nach langem Kämpfen in deiner Beziehung mit dem Vater deiner Kinder gemerkt hast: Ich kann und möchte so nicht mehr weitermachen?

Es gab nicht diesen einen großen Knall und auch nicht diesen einen Streit, nach dem ich wusste: Jetzt ist alles vorbei. Wir hatten nach 15 Jahren Beziehung und drei gemeinsamen Kindern schon mehrmals versucht, uns wieder zusammenzuraufen. Den Kindern zuliebe, weil man so lange zusammen war und weil man nicht einfach alles aufgibt, was man sich gemeinsam über so lange Zeit aufgebaut hat. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass es so einfach nicht mehr weiter gehen kann.

Eines Tages habe ich meine übliche Laufrunde gedreht, um den Kopf frei zu bekommen. Und auf dieser Laufrunde passierte etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Ein fremder Jogger sprach mich an. Ich war komplett verschwitzt, ungeschminkt und wahrscheinlich knallrot im Gesicht. Also wirklich nicht in einem Moment, in dem ich mich besonders attraktiv gefühlt hätte.

Er sagte mir, dass er mich süß findet und fragte mich nach einem Date. Ich war völlig überrumpelt. Ich hatte nie damit gerechnet und war einfach nur sprachlos, habe herumgestammelt und am Ende nur gesagt: „Sorry, ich bin verheiratet.“ Er verabschiedete sich dann freundlich und meinte noch, ich solle meinem Mann ausrichten, dass er alles richtig gemacht hätte.

Erst später habe ich verstanden, was diese Begegnung eigentlich in mir ausgelöst hatte. Es ging überhaupt nicht um diesen Mann. Er war nicht der Grund, warum meine Beziehung gescheitert ist. Aber er hat mir etwas gezeigt, was ich fast vergessen hatte: Dass ich nicht nur Mutter bin. Nicht nur die Person, die funktioniert, organisiert und für alle da ist. Sondern dass ich auch noch eine Frau bin. Dass ich gesehen und begehrt werden kann. Und genau dieses Gefühl hatte ich so lange vermisst.

Dieser Moment hat mir nicht die Entscheidung abgenommen. Die Entscheidung war eigentlich schon vorher da. Aber er hat mir gezeigt, wie sehr ich mich selbst in den letzten Jahren verloren hatte. Ich bin an diesem Tag nach Hause gelaufen und wusste: So kann ich nicht weitermachen. Wie ich dann versucht habe, nach meiner Trennung den Jogger wiederzufinden, ist eine andere Story 🙂

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