Mein Kind lügt – ich weiß nicht, was ich machen soll…

Kind

Foto: Pixabay

Ihr Lieben, kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen? Das fühlt auf jeden Fall unsere Leserin Henrike gerade. Ihre 14-jährige Tochter ist grad mitten in der Pubertät und sorgt für ganz schon Trubel zu Hause. Wir haben Henrike mal dazu befragt:

Liebe Henrike, eure 14-Jährige macht euch grad etwas Sorgen, richtig?

Ja, sie ist eben gerade voll in der Pubertät und möchte sich ausprobieren und abgrenzen. Das ist sicher ganz normal und ich kann das auch gut verstehen. Aber dennoch gibt es Grenzen – und diese überschreitet sie regelmäßig.

Seit wann ist es denn schwerer mit eurer Tochter?

Seit ungefähr einem Jahr. Sie ist ein richtig tolles Mädchen, hatte viele Hobbys und Freunde. Dann hat sie ein paar neuen Leute kennen gelernt, die nur noch chillen wollten und auf nichts mehr Bock hatten. Von denen hat sie sich irgendwie anstecken lassen und hat sich verändert.

Du hast ja gesagt, dass sie lügt. Wann zum Beispiel?

Das fing ganz klassisch an, dass sie gesagt hat, dass sie zu einer Freundin geht – dann aber ganz wo anders war. Oder dass sie sagte, die ersten zwei Stunden in der Schule würden ausfallen, was aber nicht stimmte. Diese Lügen kamen immer über kleine Umwege heraus, was mich erst geärgert hat, mir aber auch zu Denken gegeben hat. Warum lügt unsere Tochter? Hat sie das Gefühl, dass wir zu streng sind? Warum glaubt sie, dass sie lügen müsste und traut sich nicht, die Wahrheit zu sagen?

Hast du deine Tochter genau das mal gefragt?

Ja, habe ich. Aber da kam wenig Reaktion. Generell erhalten wir auf fast alles nur noch Schulterzucken. Das ist frustrierend, um ehrlich zu sein.

Wo lügt sie denn noch?

Neulich fehlte Geld aus meinem Geldbeutel, da hab ich sie gefragt, ob sie sich welches geliehen hat. Sie bestreitet es, aber irgendwie sagt mein Bauchgefühl mit was anderes. Es war übrigens schon das dritte Mal, dass plötzlich weniger Geld im Geldbeutel ist.

Sie lügt was Hausaufgaben angeht, was Verabredungen angeht, wo sie wann mit wem ist. Sie lügt, dass sie Sachen erledigt hat oder auch zu Konflikten in der Schule. Ich kann sie aber ja nicht einsperren, aber ich weiß einfach nicht, wie ich mich verhalten soll.

Das heißt, du bist dir unsicher, welche Konsequenzen du ziehen sollst?

Bei uns gibt es die Regel, kein Handy nach 20.30 Uhr im Zimmer. Wenn sie die bricht, sich heimlich das Handy wieder aus der Küche holt, ist die Konsequenz klar – dann sperre ich das Handy weg. Aber über Schulstunden oder Hausaufgaben – da weiß ich nicht wieder. Und nochmal: Ich will sie ja nicht komplett einsperren, sie soll ja auch raus mit Freunden gehen und was erleben. Ich fürchte nur, dass ich ihr gar nicht mehr vertrauen kann…

Wie war denn euer Verhältnis früher?

Eigentlich gut. Wir haben viel zusammen unternommen, sie hat mir auch immer viel erzählt – dass sich das irgendwann ändert, war mir auch klar. Aber sie ist nur noch genervt von uns Eltern und ihrem kleinen Bruder, der Ton wird rotziger und man kann sich nicht mehr auf sie verlassen.

Und was macht das mit dir jetzt?

Es macht mich natürlich sehe traurig, weil das definitiv nichts ist, was man sich als Eltern wünscht. Ich möchte ein offenes und ehrliches Verhältnis.

Was würdest du dir an Reaktionen auf diesen Artikel wünschen?

Es ist das erste Kind, das ich durch die Pubertät begleite. Ich weiß oft nicht wie ich mich verhalten soll – aber diese Lügerei ist für mich besonders herausfordernd. Was soll ich tun? Wie reagieren andere Eltern, wenn sie angelogen werden? Was kann ich tun, wenn mein Kind keinerlei Reaktion auf Ansprachen, Bitten, Erklären hat? Ich würde mich sehr über den Austausch freuen.

1dda4c7fe7f24e38b89a6287d1037c0d


4 comments

  1. Viele vor allem der Mädchen im Alter meiner Söhne haben Zuhause gelogen. Das war zum Beispiel die Konsequenz aus sehr engen Grenzen, die die Eltern gezogen hatten, beispielsweise hatten die Eltern zum 15. Geburtstag nur eine Mädchengruppe erlaubt, mein Junior war aber eingeladen und hat heimlich mitgefeiert (deswegen weiß ich davon). Eine andere Schulfreundin habe ich stockbesoffen im Freibad angetroffen, die Jugendlichen haben „Turbine“ getrunken. Ihre Eltern sollten auf keinen Fall etwas erfahren, ihr ging es aber so schlecht, dass ich die Mutter angerufen habe. Sie hatte die Vorstellung, dass ihr Kind gar keinen Alkohol trinken darf.
    Aber auch Angst vor Ärger, Liebesentzug, Strafen etc. hielten Jugendliche davon ab, ihren Eltern die Wahrheit zu sagen. Und das Gefühl, dass die Familie enttäuscht sein könnte oder keine Empathie habe. Ich rate zu mehr Offenheit: nehmt am Leben eurer Teens teil, seid aktiv dabei, führt ein offenes Haus für die Freunde und habt ein offenes Ohr für alle, probiert ihre Games zuerst gemeinsam und beratet euch zu Einträgen auf social Media. Dann kommen auch eure jungen Erwachsenen noch mit ihren Sorgen zu euch.

  2. Erstmal lese ich aus dem Text eine reflektierte Mutter, die wirklich bemüht klingt, ein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter zu bewahren. Ich habe zu dem Alter noch gar keine Erfahrungen und kann keine Ratschläge geben, stelle es mir aber auch sehr herausfordernd vor. Ich wollte nur den Gedanken da lassen, dass deine Einwände und geteilten Sorgen bestimmt schon bei deiner Tochter ankommen, auch wenn es erstmal nicht so wirkt und sie nicht direkt darauf reagiert. Also lass dich davon vielleicht nicht komplett entmutigen. Alles Gute für euch!

  3. Es ist natürlich schwer von außen anhand des Interviews wirklich sich dazu zu äußern. Aber ich gebe hier mal meine Gedanken wieder als Mutter, die schon zwei Kinder durch die Pubertät gebracht hat und eins gerade ebenso in dem Alter hat.

    Wenn die Tochter den Eindruck hat, dass sie sich nicht mit ihren Freunden treffen kann und das machen kann, was sie will, wird sie aus reiner Konfliktvermeidung eher lügen, um sich Diskussionen und Kommentare zu verkneifen. Ich lese in dem Interview, was die Mutter von den Freunden hält und ich lese Kontrolle bzgl Handynutzungszeiten, die vermutlich nicht mehr passend zum Alter sind aus Sicht der Tochter. Denn in dem Alter ist es nicht ungewöhnlich, dass die Kinder auch abends spät noch aktiv sind. In der Pubertät wird durch den Hirnumbau deutlich später Melatonin ausgeschüttet. Die Freunde sind noch später als halb neun am Handy. Die Regel könnte die Tochter aus ihrem sozialen Umfeld ausschließen.

    Mir wäre wichtiger, dass ich nah am Kind bleibe. Mich dafür interessiere, was denn an den Freunden interessant ist. Wofür sie sich so begeistern. Ich würde auch meinem Kind anbieten, dass man sich zusammen setzt und schaut, wie man die bestehenden Regeln anpasst. Ganz nach dem Motto: Ich habe gemerkt, der Rahmen, den wir Dir geben, scheint Dir zu eng geworden zu sein. Lass uns überlegen, wie wir ihn weiter machen können, so dass wir beide damit klar kommen. Dabei würde ich die elterliche Sorge ebenso stark gewichten wie die Wünsche des Kindes.

    Und ich würde vermeiden meinem Kind zu suggerieren, dass ein Umgang schlecht ist mit den Freunden. Lieber nah dran bleiben und ggf hier und da mal etwas einordnen, wie man selber etwas sieht. Freunde sind so wichtig in dem Alter. Da würde ich sehr vorsichtig sein, die schlechtzureden vor dem Kind, falls das überhaupt passiert.

    Ansonsten Vertrauen haben in das eigene Kind und die Werte, die man ihm in den ersten Jahren mitgegeben hat. Und ein Umfeld zuhause schaffen, in dem lügen nicht mehr nötig ist.

    <3

    1. Ich finde den Kommentar sehr passend, das sind auch meine Gedanken.
      Ich begleite mein erstes Kind durch die Pubertät und was mir immer hilft, wenn ich unsicher bin, ist der Gedanke an ihre Bedürfnisse.
      (Beispielhaft kannst du dir Podcasts von Kathy Weber zu gewaltfreier Kommunikation anhören. Sie erklärt auch viel zur Pubertät.)
      Viel Glück!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert