Unterhaltsvorschuss kürzen auch für Halbwaisen? Nicht mit uns! Bitte unterzeichnet die Petition

Unterhaltsvorschuss

Ihr Lieben, Kati ist seit 6 Jahren verwitwet und hat einen 11-Jährigen Sohn und eine 16-Jährige Tochter. Sie ist Beamtin und kommt mit der Witwenrente in Steuerklasse 6 gerade so über die Runden. Als sie von den neuen Planungen der Bundesregierung zum Unterhaltsvorschuss hörte ist sie fast umgekippt…

…und hat direkt gewusst: Das können wir so nicht stehen lassen. Kati hat umgehend eine Petition ins Leben gerufen. Wie es ihr und ihren Kindern nach dem Verlust geht und was es mit ihrem politischen Engagement auf sich hat, erzählt sie uns hier. Ihre Hoffnung: Gemeinsam noch Änderungen bei den geplanten Kürzungen zu erreichen.

Liebe Kati, du bist seit 6 Jahren verwitwet, wie geht es dir und den Kindern heute (rein emotional) mit dem Verlust, wie hast sich eure Trauer verändert? 

Wir haben schwere Zeiten gut überstanden. Jeder muss seinen Weg der Trauer leider selbst gehen. Kinder verarbeiten unterschiedlich schnell und unterschiedlich intensiv in Wellen. Es gibt bestimmte Auslöser, die manches wieder hochholen. Da ist Wut und tiefe Traurigkeit, die irgendwann etwas abgedämpfter erscheint. Wir kennen es mittlerweile, damit umzugehen, dem Ganzen Raum zu geben und es zu akzeptieren. 

Ich selbst habe mit Hypnose die besten Fortschritte erzielt. Wir leben mit dem Schmerz und vor Feiertagen, an Geburtstagen oder bei Lebenswende, Einschulung oder neuem Lebensabschnitt am Gymnasium tut es uns allen immer noch sehr weh. Wir weinen auch gemeinsam und lassen alles da sein, was da ist. 

Ich denke, die Trauer zu zeigen und sich nicht gegen die Wellen zu stemmen, ist tatsächlich das Wichtigste für uns. Zeit heilt leider nicht alle Wunden. Diesen Spruch können wir alle drei so nicht mittragen. Es wird anders… aber nie wieder wirklich gut.

Du bist Beamtin und kommst mit der Witwenrente „so gerade über die Runden“, sagst du. Was ist für euch als Familie damit drin – und was vielleicht auch nicht?

Einkommensverteilung
Foto: pixabay

Ehrlich gesagt hatte ich gedacht, ich sei super abgesichert mit der Witwenrente. Dass das nicht so ist zeigt sich erst etwa zwei Jahre später, wenn das Ehegattensplitting wegfällt und die Steuerklasse 6 für die Witwenrente richtig zuschlägt. Das hat mir kurz vor der Lebenswende meiner Tochter echt die Luft genommen. 

Ich bin mit meinen Kindern privat versichert. Das geht leider nicht anders als Beamtin. Also schieße ich jede Impfung, jede Arztrechnung vor. Die Abrechnungen sind aufwändig und ich muss immer kontrollieren oder in Widerspruch gehen, weil so viel gekürzt wird.

Meine Kinder haben den Mountainbike-Radsport aufgegeben. Das ging zeitlich und finanziell nicht mehr. Ein Rad kostet um die 2.500 Euro. Den Urlaub bestreite ich von meinen Ersparnissen von früher. Ich hab dann immer ein schlechtes Gewissen, weil das eigentlich das Polster für das Studium für beide war. Winterurlaub ist eigentlich nur alle paar Jahre für ein paar Tage im Erzgebirge drin. 

Es gibt auch kaum noch Markenkleidung und ich schaue sowohl bei Lebensmitteln, als auch Kleidung immer nach Angeboten. Das war früher nicht so. Ich spare v.a. an mir selbst. Die derzeitigen Hobbies Rudern und Tanzen sind noch erschwinglich. 

In meiner Arbeit als Trauerbegleiterin erzählen mir viele Witwen und Witwer, dass die Bürokratie etwas ist, dass ihnen in der Trauer das Leben NOCH schwerer macht, kannst du das auch unterschreiben?

Absolut. Ich hatte das Gefühl, der Boden wurde mir unter den Füßen weggezogen und es hörte zwei Jahre nicht auf, dass Schreiben kamen, Auflösungen von Konten dauerten bzw. ich für die finanzielle Sorge für meine Kinder kämpfen musste, obwohl ich beruflich öffentliche, europäische Gelder verwalte und auch außerhalb des Erbes für meine Kinder finanziell Sorge trage.

Diese Erbengemeinschaft aufzulösen, hat drei Jahre gedauert. Unglaublich im Nachhinein, was ich da für Zeit und Nerven investiert habe. Der Kampf mit dem Finanzamt. Nachweise bei Versicherungen… und jedes Jahr die Vorlage der Alleinsorgeberechtigung mit Sterbeurkunde in der Schule. Das ist echt anstrengend, weil ich gefühlt nie zur Ruhe kam.

Was müsste sich für Hinterbliebene deiner Meinung nach ändern? 

Es bräuchte eine Begleitung durch den Behördendschungel, die einen dann auch emotional unterstützt. Jeder Brief, der kommt und noch an den Ehemann gerichtet ist, macht etwas mit einem. Trotzdem hast du den Alltag, der bewältigt werden muss. Ich hätte wohl 6 Monate eine Haushaltshilfe haben können. Das ging in Coronapandemie-Zeiten nicht. Das kam bei uns dann noch dazu, dass alles im Shutdown war.

Also: Es braucht Alltagsbegleitung, Trauerbegleitung und Beratung zu finanziellen Dingen. Man hat kaum Angebote, um sich als alleinerziehende Witwe zu informieren und vor allem keine Zeit. Vom Unterhaltsvorschuss habe ich zum Beispiel erst vor drei Jahren in einem Forum gelesen und ihn dann beantragt. Ich wusste nicht, dass es diesen auch bei verstorbenen Vätern gibt.

Nun soll der Unterhaltsvorschuss nicht mehr bis zum 18. Geburtstag verlässlich gezahlt werden, was war da für ein Gefühl in dir, als du das zum 1. Mal gehört hast? 

Ich war ehrlich gesagt schockiert und dachte erst, das ist nur eine Überlegung, die hoffentlich nicht ernstgemeint ist. Ich bin verärgert, dass da Einsparpotenzial gesehen wird, wo es echt gar nichts zu sparen gibt. Erstens sind die Kinder unsere Zukunft.

Zweitens ist die Begründung, dass man ja einfach ab 16 Jahre als Elternteil wieder Vollzeit arbeiten kann, ein absoluter Witz. Schließlich haben einige ja auch mehr Kinder und ich bestrafe dann meine Jüngeren und sorge nicht mehr umfassend für sie… und viele gehen doch schon Vollzeit und es reicht nicht.

Mein Tag beginnt um 5 Uhr und endet um 22 Uhr mit Wäsche legen oder Haushalt, Rechnungen anweisen oder Abrechnungen. Ich würde gern noch täglich zwei Stunden beim Universum dazubuchen. Dann kann ich auch mehr arbeiten und trotzdem alle Fahrdienste im ländlichen Raum absichern, Stoff für die nächste Klassenarbeit abfragen, gemeinsam Vorträge ausarbeiten, kochen, waschen und einkaufen. 

Es ist halt oft echt leicht gesagt… und die Realität ist doch schon echt hart genug. Dann ist so eine Forderung einfach nur ein Schlag ins Gesicht jedes verwitweten Elternteils, der seine Bedürfnisse eh schon zurückstellt für Jahre.

Du sagst auch, dass die Kosten für Kinder ab 12 zunehmen durch Wachstum Schulbesuche, Hobbies und soziale Teilhabe zu. Einige Kommunen zahlen ab 16 Jahre aber keine Schulbusse bzw Fahrkosten mehr. Was können wir gegen diese soziale Ungerechtigkeit tun?

Ich denke, dass nur organisierter Protest hilft, sich politisch zu engagieren bei den Parteien, die auch sich WIRKLICH sozial einsetzen. Ich hab mich an Bundestagsabgeordnete gewendet. Die konnten leider auch nicht helfen. Es braucht halt Mehrheiten und vor allem kein Desinteresse für die Demokratie. Gemeinsam können wir etwas bewegen. 

Du hast nun eine Petition gestartet für mehr Bildungsgleichheit trotz Verlust eines Elternteils, denn immerhin gibt es in Deutschland 500.000 alleinerziehende Verwitwete! Wie kamst du auf die Idee? 

Ehrlich gesagt war das einfach eine spontane Idee. Ich hab geschaut, ob es schon eine Initiative gibt… und es gab keine. Ich hab gerade Urlaub, sonst hätte ich die Zeit nicht. Ich hatte der Bundesfamilienministerin eh schon geschrieben. Da dachte ich, tue es einfach. Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. So muss ich mir dann nicht vorwerfen, nur zugesehen zu haben. Ich nehme gern Dinge selbst in die Hand und packe an. Das war mit der Petition auch so. Wenn wir nicht für uns einstehen, wer soll es sonst tun?

Du schreibst, dass die Gefahr besteht, dass einige Halbwaisen nach der 10. Klasse abgehen, obwohl sie eigentlich Abitur machen wollen – um schneller in Lohn und Brot zu kommen… was macht der Gedanke mit dir?

Letzter Schulltag
Foto: pixabay

Ich kann das kaum ertragen. Die Halbwaisen oder Kinder mit einem Elternteil haben es eh schon schwerer im Bildungssystem. Wir sind ein Sozialstaat. Da muss es doch möglich sein, dass da Bildungsgleichheit herrscht. Das wäre in skandinavischen Ländern undenkbar. Natürlich sollen auch meine Kinder Abitur machen und studieren dürfen, wenn ihnen danach ist. Sie haben genug zu tragen und genug gelitten. Ich werde immer als Löwenmama für ihre Zukunft kämpfen… und wenn ich für andere gleich mitkämpfen kann, dann tue ich das auch.

Wie lautet deine Forderung? 

Ich fordere, dass auch verwaiste oder halbverwaiste Kinder bis 18 Jahre staatlich unterstützt werden und ohne finanzielle Not ein Studium anstreben dürfen.

Wenn ihr unterschreiben möchtet, hier geht es zur Petition.

572548fb08124bcbbc327f2b05961862


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert