Masking und Meltdowns: „Ihr könnt euch nicht vorstellen, was wir durchmachen“

Masking

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Ihr Lieben, heute nimmst uns Gloria mit in ihr vergangenes Jahr als Familie und schenkt uns zumindest einen kleinen Einblick in ihr Leben, auch wenn es eigentlich noch so viel mehr zu erzählen gäbe über ADHS, Autismus im PDA Profil, Masking, Meltdowns, Schulabstinenz und ein siebenjähriges Kind im Burnout.

„Unsere Familie, das sind mein Mann Moritz, unsere beiden Töchter und ich. Zum Schutz nenne ich unsere Mädels hier – wie auch auf meiner Instagramseite @bunt.und.funtastisch – zarte Seele (7 Jahre) und Sonnenschein (5 Jahre).

Unsere zarte Seele wurde im Sommer 2025 eingeschult. Mit vollumfänglicher Schulbegleitung (das bedeutet eine Begleitperson während der gesamten Schulstunden) und wir starteten mit einer Art Eingewöhnung. Aber fangen wir von vorne an, denn irgendwie beginnt diese Geschichte bereits Monate im Vorfeld.

Uns war bereits im Kindergarten klar, dass ein Schulbesuch für die zarte Seele eine Herausforderung werden würde und wie das klappen sollte, war uns ehrlich gesagt ein Rätsel, denn bereits im Kindergarten verweigerte sie oft den Besuch. Während ich hier von „verweigern“ schreibe, höre ich schon in meinem Kopf diese ganzen Stimmen da draußen, die aufschreien „Da muss man eben konsequent sein!“. Doch wenn ich von Verweigern schreibe, dann fehlen mir eigentlich die Worte, um zu beschreiben, was da wirklich passiert…

Masking & Meltdowns

Wut
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Ein Kind, das Panikattacken bekommt, sich festkrallt, beinahe anfängt zu hyperventilieren, weint, schreit, nach allem tritt und schlägt, was auch nur in die Nähe kommt, teilweise nicht fähig ist, Kleidung auf der Haut zu tragen, weil die Nähte unerträglich sind. Ein Kind, dem es nicht möglich ist, die Haustür zu übertreten, weil selbst diese vermeintlich kleine Anforderung viel zu groß ist. Vielleicht rückt dieser wirklich kleine Eindruck die Vorstellung von „Verweigern“ etwas zurecht. 

Diese Tage hatten wir also bereits im Kindergarten und an den Tagen, an denen sie es schaffte, sich anzuziehen und das Haus zu verlassen, an denen brach sie nach dem Kindergarten vollends zusammen. Wie wir inzwischen wissen: Sie hatte Meltdowns. Das Ergebnis von Überreizung, Überlastung und vor allem, merk dir das für später, dem unterbewussten Maskieren (Masking), also dem Unterdrücken und Überspielen ihrer Bedürfnisse und Empfindungen, um nicht aufzufallen.

Wenn du das gelesen hast, wird dir vielleicht auch klar, weshalb wir uns irgendwann auf den Weg der Diagnostik machten. Ein harter und steiniger Weg mit Kindern – oft Mädchen – die maskieren können. Denn wenn sie das im Kindergarten tun, können sie das auch überall anders.

Wir wurden viele Male nicht gesehen, wurden als die Eltern abgestempelt, die übertreiben und die ihr Kind nicht richtig erziehen können, weshalb sich dieser Prozess Monate und Jahre hinauszögerte. Bis wir endlich zu einer Diagnostikstelle kamen, die unsere zarte Seele sah – mit alldem was ist.

Auch jetzt höre ich die Stimmen im Off schon wieder, die sagen „Na, wenn man eben immer weitermacht… Irgendwann findet man halt irgendjemanden, der die Diagnose ausstellt.“ – Diese Stimmen, glaubt mir: Ich hatte sie selbst in meinem Kopf. Doch eine Sache war stärker: Die Liebe zu meinem Kind.

Not, Hilflosigkeit und Verlorensein

Ich habe sie gesehen, ihr Wesen, ihre Liebe, ihre Zartheit und auch ihre Not, die Hilflosigkeit und das Verlorensein. Ich habe Bücher über Autismus gelesen, wir waren ständig im Austausch mit Fachpersonen und mit anderen betroffenen Familien. Die Diagnose erhielten wir nach einem langen Weg letztendlich im Dezember 2025 nach Schulstart. Ich sage euch: Zum Glück war sie dann da, denn was ohne passiert wäre… ich möchte es nicht wissen!

Zurück zum Schulstart Sie begann also mit Schulbegleitung und stundenweiser Eingewöhnung in die erste Klasse einer Regelschule. Wir standen bereits vor Schulbeginn im Austausch mit allen Beteiligten und waren wirklich überglücklich eine Schule gefunden zu haben, die augenscheinlich für einen gemeinsamen Weg bereit war.

Die zarte Seele hatte zu Beginn große Freude, sie ging gerne in die Schule. Alles war neu, sie mochte die Schulbegleitung und auch ihre Lehrerin. Eine maximale Ausschüttung an Dopamin, ein absoluter Düsenantrieb bei ADHS. Wir steigerten also die Stunden allmählich, waren weiterhin im Austausch.

Doch irgendwann merkten wir zuhause Veränderungen: Sie tat sich morgens zunehmend schwerer und nach der Schule kamen die bekannten Meltdowns zurück. Seitens Schule hieß es gleichzeutig, wir müssten die Stunden jetzt weiter hochfahren, „es gibt ja schließlich die Schulpflicht“.

Panikattacken vor Schulbeginn

Meltdown
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Und dann kam der Tag der Tage… Die zarte Seele konnte morgens nicht mehr das Haus verlassen. Sie hatte Panik, schrie, weinte „Ich kann da nicht hin!“. Im eigenen Kopf rattert es in solchen Momenten natürlich, schließlich müssen Kinder ja in die Schule. Wie soll das gehen? Wenn wir sie heute zuhause lassen, was wird dann morgen sein?

Es war also absolut keine leichtfertige Entscheidung, sie an diesem Tag zuhause zu lassen und wie sich dann im Nachgang zeigte, aber die einzig richtige! So also fing die Zeit der Schulabstinenz und unser Absturz in den Burnout eines siebenjährigen Mädchens an. Es war Mitte November und wir gaben täglich alles, sie zur Schule zu motivieren, doch eins war uns ganz klar: Wo wir Gewalt brauchen, liegt unsere Grenze!

Ohne Schule, ohne die starken Anforderungen von außen, ohne Masking wurde immer sichtbarer, wie schlecht es ihr wirklich ging. Die Lebensfreude unseres Mädchens war weg. Wir hatten täglich mehrfach Meltdowns. Unsere zarte Seele konnte nicht mal mehr mit uns in sozialer Interaktion sein, Essen war nur noch mit Tablet möglich. Sie verlor für Monate einen Teil von sich.

Wir verbrachten den November und Dezember fast nur zuhause, weil ein Verlassen des Hauses so gut wie überhaupt nicht mehr möglich war. Wir waren isoliert. Niemand konnte uns besuchen und wir Eltern konnten auch nicht gehen, weil ihre Ängste zu groß waren, als dass das in irgendeiner Relation gestanden wäre.

Ich kann jetzt sagen: Es war und ist bis jetzt die schlimmste und herausforderndste Zeit meines Lebens. So etwas zu erleben, mit ansehen zu müssen und dabei absolut macht- und hilflos zu sein, wünsche ich absolut niemandem!

Die lang ersehnte Diagnose AuDHS im PDA Profil

Irgendwann, nach gefühlt ewigem Warten, bekamen wir die lang ersehnte Diagnose dann schriftlich zugeschickt. Man könnte meinen, dass ich einfach nur vor Freude getanzt hätte. Doch stattdessen war da überwiegend Leere mit einem kleinen Funken Erleichterung. Unser Kind also wirklich AuDHSlerin (AuDHS = ADHS und Autismus) im PDA Profil, wir hatten es schwarz auf weiß.

Wer hatte eigentlich entschieden, dass wir für ein autistisches Kind überhaupt „die Richtigen“ waren? Und was genau bedeutet das eigentlich? Fragen wie diese schossen mir durch den Kopf, obwohl ich es ja eigentlich vorher schon wusste und über alle Diagnosen schon eine Menge gelesen hatte und all das auch in der zarten Seele sehen konnte.

In Bezug auf Schule war es jedenfalls sehr gut, dass wir all das nun schriftlich vorliegen hatten, denn ich hatte das Gefühl, uns hatte vorher niemand geglaubt. Als hätten wir uns die Diagnose Autismus ausgedacht, die uns mündlich vorab mitgeteilt wurde. Denn in der Schule hieß es, man merke es der zarten Seele ja nicht an und sie hätte ja immer so viel Spaß.

Von Masking wollte niemand so wirklich etwas wissen. Es wurde im Außen so sehr gezweifelt, dass ich irgendwann sogar mich selbst und das Gespräch mit der Diagnostikerin infrage stellte und ob ich das alles mit den Diagnosen überhaupt richtig verstanden hatte. Aber der Beweis war da: Auf mein Gehirn ist Verlass! (Meistens jedenfalls. 😉)

Das Licht in den Augen unserer Tochter war erloschen, die Lebensfreude, die Begeisterung, das Quirlige, das Lachen. All das war nicht mehr da. Das zu sehen, bricht einen als Elternteil. Das kannst du mir glauben. Und man könne meinen, dass das schon schwer genug zu tragen war und dass das ausreicht… Spoiler: Da kam noch so viel mehr!

Ordnungswidrigkeit samt Ordnungsgeld

Emotionen
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Seitens Träger der Schulbegleitung, Schule, Schulamt und Regierungspräsidium bekamen wir extrem viel Druck. Es fielen Sätze wie „Wollen Sie wirklich verantwortlich dafür sein, wenn das Ordnungsamt vor Ihrer Tür steht?“, „Das Kind muss in die Schule, egal wie! Wir haben hier schließlich eine Schulpflicht.“ oder „Da muss man mal auf die Erziehungsfähigkeiten der Eltern schauen.“ und es hieß, entweder dem Kind geht es gut und es kommt in die Schule oder es müsse stationär in eine Klinik.

Warum wir das für keine gute Idee hielten? Weil ein autistisches Kind im Erschöpfungszustand vor allem Ruhe, eine vertraute Umgebung und Druck raus braucht, um heilen zu können. Während wir also eigentlich all unsere Energie für unser Kind im Burnout gebraucht hätten, ging ein sehr großer Teil unserer Kraft für das System drauf.

Obwohl wir von Beginn an transparent und offen kommuniziert hatten und allen Beteiligten klar war, dass wir bereits ganz dringend auf der Suche nach einer psychiatrischen Anbindung waren und auf sämtlichen Wartelisten standen, hieß es auf einmal, wir müssten ein Attest vorlegen.

Im Januar kam dann per Post der Vorwurf der Ordnungswidrigkeit samt Ordnungsgeld, weil „ich nicht genügend um den Schulbesuch unserer Tochter gesorgt hätte“. Was das alles an Energie kostet! Ein Kind, ohnehin schon mit Pflegegrad, im Burnout und dann kommen on top Vorwürfe, Drohungen und Bußgeldbescheide. Auf einmal sitzt du da und schreibst Widersprüche, telefonierst nochmal alle psychiatrischen Praxen ab, um letztendlich gesagt zu bekommen man könne sich in zwei Monaten wieder auf einen Platz „bewerben“.

Stark bleiben, wenn man am Ende ist

Chaos
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Ich war absolut am Ende und bin es noch immer und trotzdem muss ich irgendwie stark bleiben. In meinem Kopf immer wieder der Satz „Gloria, du darfst auf keinen Fall zusammenbrechen, sonst heißt es noch, das alles kommt nur, weil die Mutter psychisch labil ist.“ Ich übertreibe nicht! Nicht selten geht es auf einmal um Kindeswohlgefährdung, weil (eigentlich eher: obwohl) das Kind nicht zur Schule gehen KANN…

Ich glaube inzwischen: Ist ein Kind im Burnout, ist es die ganze Familie. Das geht an niemandem spurlos vorbei und unsere Kräfte sind endlich. Irgendwann können wir nicht mehr. Ich bin so unglaublich dankbar, dass wir an diesem einen Samstagmittag Anfang 2026 für zwei Stunden in die Selbsthilfegruppe für Eltern autistischer Kinder gehen konnten und dort über eine andere Teilnehmerin den Kontakt zu einem Psychiater bekamen.

Eigentlich war auch hier kein Platz in der Praxis, aber durch die Notsituation und den Kontakt konnten wir einen Ersttermin vereinbaren. Stand heute kann ich sagen: Wir haben dadurch einen Psychiater gefunden, der hinhört, die zarte Seele und uns als Familie sieht und unterstützt. Das sollte eigentlich der Standard sein. Doch leider ist es ein absoluter Ausnahme- und Glücksfall! 

Wie geht es weiter?

Mittlerweile haben wir eine Krankschreibung und eine klare Stellungnahme. Sind wir damit im Beschulungs-Thema wirklich weiter? Nun ja, nach zwei Widersprüchen ist der Vorwurf der Ordnungswidrigkeit gegen mich fallen gelassen worden. Die Web-Beschulung, die wir bereits Januar 2026 beantragt haben, haben wir jedoch noch immer nicht genehmigt bekommen.

Da schreit das System „ABER DIE SCHULPFLICHT!“, doch anscheinend geht es dabei um die Anwesenheit im Schulgebäude. Das richtige Lernsetting (reizarm und vorhersehbar) und somit der Zugang zu Bildung an einem Ort, an dem die zarte Seele lernen kann, eine Onlineschule, bleibt ihr bislang durch Hürden der Bürokratie verwehrt.

Wir sind inzwischen am Schuljahresende angelangt und unsere zarte Seele heilt. Aber alles dauert seine Zeit. Ich durfte wieder einmal lernen, dass Heilung nicht linear verläuft und dass es hier nicht um Geschwindigkeit geht, sondern um die richtige Richtung. Wir Eltern können noch nicht heilen, wir laufen weiterhin mit unserem schweren Rucksack durch die Gegend und ich wünsche mir nichts mehr, als dass wir endlich wieder LEBEN können, statt nur zu überleben.

Hier findest du weitere Infos zum Thema Masking:

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14 comments

  1. Danke für diesen Artikel!
    Unsere Kinder sind zwar noch kleiner, aber wir erfahren schon Ähnliches im Kindergarten. Mein 4 jähriger mit ASS und PDA-Profil erlitt im Alter von 3 Jahren ein autistisches Burnout und konnte sich bis jetzt noch nicht vollständig davon erholen!

    Wie das mit Schule funktionieren soll ist mir ein Rätsel.
    Als letzten Ausweg sehen wir die Auswanderung als Alternative für unsere Familie, um dem ständigen Druck der Schulpflicht umgehen zu können.

  2. Danke für diesen großartigen Artikel! Ich kann vieles direkt nachempfinden, denn wir haben auch ein sehr nah zu begleitendes PDA-Kind. In den Kiga schafft es unser Kind nur 1-2 Mal pro Woche und wir hoffen deshalb auf die Aufnahme in einer sehr anforderungsarmen Freien Schule ohne Noten und Druck. Das beste wäre jedoch weg von der starren Schulpflicht die uns als Eltern schon Jahre vorher in Angst versetzt….

  3. Liebe Gloria, es ist unfassbar, was Ihr durchgemacht habt, welche Wege Ihr gegangen seid und was Ihr jetzt im Hier und Heute für eure Tochter erreicht habt. Da konnte einen ja wirklich gar nichts drauf vorbereiten. Was für ein Segen, dass eure zarte Seele euch als Elterm bekommen hat. Ich wünsche euch alles erdenklich Gute der Welt ❤️.
    Und dies auch allen anderen, die hier kommentiert haben, weil sie ähnliche Situationen haben. Ich wünsche wirklich, dass eure Kids gesehen und auf ihrem Weg unterstützt werden. Ihr alle klingt wie wahre Felsen, die sich erfolgreich der Brandung widersetzen und sie fernhalten. Und wenn es dann irgendwann mal etwas Windstille gibt, hoffe ich sehr, dass Ihr wieder zu mehr Zeit für euch selbst als Menschen zurückfinden könnt. 🌅

  4. Es tut mir in der Seele weh zu lesen, was ihr ertragen müsst. Was macht unser Land nur mit seinen Kindern? Wir haben 3 Kinder im Teeniealter, die eher von der sensiblen Sorte sind, und von daher bin ich auch alles andere als glücklich mit unserem Schulsystem. Schreiende Lehrer, der ständige Druck wegen der Noten (der nicht von uns Eltern, sondern von der Schule ausgeht!), das ständige Herunterputzen im Sinne der „Motivation“, Beschimpfungen durch Lehrer bis Kinder weinen, Bloßstellungen vor der ganzen Klasse, Kollektivstrafen,… gehen an meinen Kindern nicht spurlos vorbei. Dazu fehlt ihnen das dicke Fell. Schule ist in Deutschland kein Wohfühlort. Die guten Lehrer sind in der Minderheit. Und oft sitzt ein rückgratloser Schulleiter tatenlos daneben, der dem Treiben seiner LehrerInnen nichts entgegen zu setzen hat. Und das alles unter dem Deckel der Schulpflicht!! Es tut mir so leid, wie ihr behandelt werdet und wurdet, aber in meinen Augen habt ihr es genau richtig gemacht für euer Kind! Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft und viel Kraft weiterhin!!

  5. Wir kennen das leider auch zu gut und hinter uns liegt auch das schwerste Jahr unserer Elternschaft und wir sind noch im Überlebensmodus. Unser 8 jährige Sohn wurde zurückgestellt und sollte eine Regelschule besuchen. Wir haben Gespräche vorab gesucht und wollten Lehrer und Schule bestmöglich auf die Heausforderungen vorbereiten, da unser entwicklungsverzögertes ADHS Kind sehr impulsiv sein kann. Man wollte unvoreingenommen sein und erstmal abwarten also startete unser Kind ohne Unterstützung in die erste Klasse und die Überforderung äußerte sich lautstark mit aggressiven Verhalten nach ca 6 Wochen. Stund n wurden reduziert und Schulbegleitung wurde mit Eilantrag schnell gefunden, aber die Situation änderte sich nicht. Nach Weihnachten haben wir schon mal oben Schulwechsel auf eine Förderschule vorbereitet, aber das zog sich und es folgten 4 Monate in der Beschulung nicht möglich war, die Schule freute sich, das Ruhe war und die neue Schule konnten wir aus Bürokratischen Gründen noch nicht besuchen, erst 6 Wochen vor Sommerferien und auch dort wiederholen sich die gleichen Muster, aber die Fehler sucht man bei den Eltern und der Erziehung und nicht in d m System, dass neurodivergente Kinder nicht mitdenkt und zu allem Überfluss gibt es für Kinder wie unseren Sohn mit Sonderpädagogischen Schwerpunkt in den Bereichen Lernen und Sozi-Emotional ab sofort keine Schulbegleitung mehr. Diagnostik und Therapieplätze sind selbst bei uns in Hamburg zudem schwer zu ergattern, was die Aussicht auf das nächste Schuljahr sehr düster macht.

  6. Danke für diesen Artikel! Ich fühle als Mutter eines ASS-Kindes mit. Wir hatten bis jetzt ganz viel Glück mit dem System, aber Hilfe und Entlastung gab es trotzdem nicht – immerhin aber Akzeptanz und Wohlwollen.

  7. Liebe Gloria,
    ich weiß ganz genau, wie du dich fühlst! Ich drück dich unbekannterweise feste und schick dir einen Berg an Kraft.
    Ein Kind zu haben, das „nicht ins Raster passt“, ist wahnsinnig anstrengend, herausfordernd und frustrierend. Nicht (nur) wegen dem Leid des Kindes, sondern vor allem wegen den unendlichen Hürden, die einem von der Gesellschaft in den Weg gelegt werden.
    Ich selbst habe gleich zwei nicht / kaum beschulbare, psychisch und körperlich belastete Kinder und weiß genau, wovon du sprichst.
    Was uns geholfen hat? Dass ich selbst ins Burnout rutschte und dann angefangen habe, mich um meine Bedürfnisse zu kümmern, ich habe inzwischen auch Therapie, wir haben zusätzlich zu unseren Einzeltherapien noch Familientherapie und wir holen uns Hilfe, wo es nur geht, zB auch vom Jugendamt.
    Außerdem hat bei mir das Kümmern um mich selbst dazu geführt, dass wir insgesamt als Familie mehr darauf achten, was für uns gut und wichtig ist und dass ich auch die Belastungen besser aushalten kann.
    Ich weiß, jede Familie muss ihren eigenen Weg finden. Ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass ihr diesen schwierigen Weg durchsteht und auf eurem Weg immer wieder gute und hilfreiche Menschen trefft, die euch unterstützen und vielleicht auch neue Perspektiven eröffnen können. Alles Gute und viel Kraft weiterhin! 🫂🙏❤️‍🩹

  8. So eine treffende Beschreibung des Alltags mit all seinen Hürden und den massiven Belastungen im Familiensystem. Bei uns trat der Burnout schon mit 4Jahren ein, aufgrund der Überlastung durch das ständige Maskieren im Regelkindergarten (man konnte es sehen, wenn man fachkundigen Blick angewendet hätte : starker Fokus /fast Besessenheit auf eine Bezugsperson, große Probleme mit Ausnahmen und Übergängen, Orientierung an den ganz Kleinen oder den ganz großen um Konflikten mit gleichaltrigen zu umgehen.. geschweige denn die sensorische Überreizung von der zuhause berichtet wurde, im Kindergarten aber permanent übergangen wurde ). Regeneration erfolgte über komplettes Rausnehmen bis zur Einschulung- 1,5 Jahre. Zweieinhalb Jahre vom Erstverdacht bis zur Doppeldiagnose AuDHS- und viele Gedanken wie bei euch, Kommentare etc. Nach massiven Anpassungen im Alltag, viel Ruhe, kaum bis wenig Kontakte nach Außen kam Vertrauen wieder, Freude und Kreativität ..
    Dann so weit stabil um mit Schulbegleitung in Förderschule Emotional-soziale Entwicklung zu gehen (trotz kognitivem Regelschulniveau). Lernt hauptsächlich autonom und vor allem ohne Druck. Wir haben eine wunderbare Schule die das sieht und unterstützt.
    Wir sind kein Einzelfall! Es sieht nur kaum jemand die massiven Belastungen in den Familien, die sich wirklich kein Mensch ausdenken könnte!

  9. Toller Artikel! Dem kann ich nur so zustimmen. Wir haben ebenfalls eine 7 jährige Tochter mit AuDHS im PDA Profil. Sie war mit 5 Jahren im Burnout und das war auch unsere schlimmste Zeit im Leben. Neben der Pflege, der 24/7 Co Regulation, das Auffangen der Meltdowns ist es ein riesiger Kraftakt „nebenbei“ noch das ganze organisatorische zu leisten wo man immer für sein Kind einstehen muss weil vieles nicht oder anders gesehen wird seitens Behörden/Schule etc. mal abgesehen davon dass arbeiten gehen für einen Elternteil oft schlicht nicht möglich ist neben der Pflege. Wir kämpfen weiter auch wenn wir eigentlich keine Kraft mehr dafür haben. Danke Gloria fürs sichtbar machen!

  10. Liebe Gloria, danke für den Einblick 🙏 , ähnliches machen wir auch durch. Es wird so fest an der Schulpflicht festgehalten, weil es um das Wohl des Kindes ginge. Dabei wird gar nicht auf das Kind selbst geschaut. Außenstehende glauben einen nicht „Ämter sind ja zum Helfen da“ wir müssen uns überall beweisen und mit Bürokratie herumwälzen, während wir eigentlich voll und ganz für unsere Kinder da sein sollten

  11. Wir hier auch. Seit Dez 25 schulabsent.
    Mein Sohn maskiert so sehr, das natürlich in der Schule keine Auffälligkeiten waren. Es ist so erschreckend wie mit uns „Einzelfällen“ umgegangen wird.

  12. Vielen Dank für diesen offenen und ehrlichen Bericht, der sichtbar macht, was so viele von uns (er)tragen. Wir befinden uns aktuell auch in dieser Situation inklusive Anzweifeln der Erziehungsfähigkeit, demnächst beim Familiengericht. Die Energie, die das alles kostet brauche ich eigentlich wirklich dringend an anderen Stellen.

  13. Die Worte von Gloria sind für uns sehr greifbar, weil wir genau an den gleichen Punkten im Leben sind! Bournout in der 2. Klasse und wir kämpfen uns langsam zurück. Aber wie es weiter geht?! Das kann noch keine offizielle Stelle sagen.
    Es ist wirklich eine harte Zeit-wie sie sagt, die schlimmste Zeit bisher in unserem Leben!

  14. Ich fühle so mit Dir! Die Sorgen, die man sich um Gegenwart und Zukunft macht, die vielen Termine, die Nachmittage, an denen man ausbügelt, was am Vormittag war, und fördert, damit das Kind schreiben und lesen lernt,der Schriftverkehr und das normale Leben haben bei mir als Mutter dazu geführt, dass ich jetzt in den Sommerferien kaum das Haus verlassen kann und viel im Bett liege. Natürlich mit Vorwürfen, denn die Kinder haben viel zu viel Medienzeit. Aber wie und wann sollen wir Mütter und denn erholen?

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