Rushhour des Lebens: Perimenopause, Pubertät und Mann bald Burnout

Rushhour des Lebens

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Ihr Lieben, die spannendsten Geschichten entdecken wir oft in den Kommentarspalten. Da spielt sich unheimlich viel echtes Leben ab, da antworten unsere Leserinnen authentisch aus dem Leben. Bei unserer Leserin Jara hörte es sich so sehr nach Rushhour des Lebens an, was bei ihr grad alles los ist, dass wir sie baten, uns einmal mehr dazu zu erzählen.

Sie sagt: „Ich habe versucht, das alles möglichst ehrlich zu beschreiben“. Ihr sei es aber wichtig, wichtig, dass ihr Mann dabei nicht als schlechter Mensch oder desinteressierter Vater rüberkommt. Das würde ihm und unserer Situation nicht gerecht werden, vielmehr möchte er für alle alles richtig machen, was zu viel Anspannung führt: zwischen Job (bei ihm), Pubertät (beim Kind) und Perimenopause (bei ihr). In manchen Phasen kommt einfach alles zusammen.

Du Liebe, als wir den Artikel über den Papa mit Burnout bei uns im Blog brachten, schriebst du: „Wie bei uns! Ich warte nur auf den Burnout meines Mannes“ – was genau meintest du damit, wie ist die Lage gerade? 

Burnout
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Natürlich meine ich das nicht wörtlich in dem Sinne, dass ich darauf warte oder es ihm wünsche. Im Gegenteil. Es ist eher eine Sorge, die ich schon lange habe. Mein Mann arbeitet sehr viel, hat einen enormen Anspruch an sich selbst und ich habe das Gefühl, dass er eigentlich dauerhaft unter Strom steht. Darunter leidet die Familie, aber natürlich auch er selbst, da wenig Zeit für anderes ist (Pausen, Freunde treffen, Hobbys). 

Er sagt seit Jahren immer wieder, es sei „gerade eine stressige Phase“. Meine Wahrnehmung ist inzwischen genau andersherum: Der Stress ist der Normalzustand und zwischendurch gibt es mal Phasen, in denen es etwas ruhiger ist.

Das Schwierige ist, dass er durchaus da ist. Er ist kein Vater, der seine Kinder kaum sieht oder nicht weiß, was in ihrem Leben passiert. Er fragt, wie ihr Tag war, kennt ihre Freunde, interessiert sich für sie und übernimmt auch einzelne Dinge. Und trotzdem richtet sich unser Familienleben sehr stark nach seiner Arbeit. 

Eine Frage hat mich vor einiger Zeit ziemlich getroffen: „Wenn dein Mann eine Woche nicht da wäre – was müsstest du zusätzlich übernehmen?“ Und mir fiel fast nichts ein. Vielleicht die Mülltonnen rausstellen. Das war ein Moment, in dem ich selbst gemerkt habe, wie selbstverständlich diese Verteilung für mich inzwischen geworden ist.

Du gehst mittlerweile in Therapie, u.a. auch weil du zu Hause viel auffängst. Deine Therapeutin und du seid euch aber eigentlich einig, dass ihm eine solche Unterstützung viel eher helfen würde?

Ich würde nicht sagen, dass ich wegen meines Mannes in Therapie bin. Das wäre unfair und auch zu einfach. Aber unsere familiäre Situation und die Frage, wie viel Verantwortung ich übernehme und wie ich damit umgehe, sind natürlich Themen. Meine Therapeutin hat mich einmal gefragt: „Was übernimmt Ihr Mann eigentlich komplett? Also etwas, bei dem Sie wissen: Darum muss ich mich überhaupt nicht kümmern?“ Und wieder fiel mir nichts ein. 

Das ist für mich der entscheidende Unterschied zwischen „helfen“ und Verantwortung tragen. Natürlich macht mein Mann Dinge. Aber sehr vieles muss ich sehen, planen, anstoßen oder zumindest im Kopf behalten. Schule, Termine, Freizeit, Verabredungen, Geburtstage, Urlaube, Organisatorisches – dieses permanente Hintergrundrauschen läuft fast ausschließlich bei mir. 

Meine Therapeutin ist tatsächlich der Meinung, dass auch ihm Unterstützung guttun könnte. Nicht weil mit ihm „etwas nicht stimmt“, sondern weil wir glauben, dass hinter diesem enormen Leistungsanspruch und der Schwierigkeit, wirklich abzuschalten, bestimmte Muster stecken. Aber die Bereitschaft, sich solche Dinge anzuschauen, muss von ihm selbst kommen. Das kann ich nicht auch noch für ihn übernehmen.

Du sagst, es würde dich nicht wundern, wenn er eines Tages zusammenklappt …

Weil ich nicht weiß, wie man dieses Tempo auf Dauer durchhalten soll. Es geht gar nicht nur um Arbeitsstunden. Es ist dieses ständige Gedanklich-bei-der-Arbeit-Sein, die Anspannung, die Gereiztheit und die Schwierigkeit, wirklich abzuschalten. Dann gleichzeitig aber auch der Anspruch, hier in der Familie präsent zu sein, auch seine Erkenntnis, wie schnell die Kinder groß geworden sind, wie viel er doch schon auch verpasst hat usw.

In dem Artikel über den Papa mit Burnout ist es sehr gut beschrieben, dieses Aufreiben zwischen Job UND Familie. Ich denke, der Wille ist da, etwas zu ändern oder präsenter in der Familie zu sein, aber es funktioniert eigentlich nicht. 

Manchmal denke ich daher: Irgendwann wird der Körper oder die Psyche einfach sagen, dass es so nicht weitergeht und ihn zwingen hinzusehen und Dinge oder Ansprüche zu hinterfragen. Und gleichzeitig scheint er selbst diese Gefahr viel weniger zu sehen als ich. Das macht mir durchaus Angst. Denn bei allem Frust möchte ich natürlich nicht, dass mein Mann krank wird. Ich möchte eigentlich, dass er vorher merkt, dass etwas verändert werden muss – und zwar nicht erst, wenn gar nichts mehr geht.

Nach mehr als einem Jahrzehnt Beziehung hast du vieles auch drangegeben. Was zum Beispiel?

Vor allem habe ich aufgehört, bestimmte Gespräche immer wieder zu führen. Ich habe sehr lange erinnert, angesprochen, erklärt, eingefordert und versucht, deutlich zu machen, was mir fehlt. Irgendwann merkt man aber: Wenn man seit Jahren immer wieder dasselbe Gespräch führt und sich grundsätzlich nichts verändert, kostet einen irgendwann allein das Gespräch mehr Kraft, als man noch hineinstecken möchte.

Das ist wahrscheinlich eine Art Resignation, die sich bei mir eingeschlichen hat. Ich erwarte bei manchen Dingen einfach nicht mehr, dass sie anders werden. Ein gutes Beispiel ist Urlaub. Wir haben kürzlich eine wirklich große, wunderschöne Reise gemacht, die ein Lebenstraum von mir war. Aber die komplette Vorbereitung und Organisation lag praktisch bei mir. Als ich irgendwann sagte, wie wahnsinnig viel Arbeit das sei, kam sinngemäß zurück: „Aber du wolltest diese Reise doch. Sei doch froh, dass wir das machen.“

Und genau darin liegt für mich das Problem. Natürlich wollte ich diese Reise. Aber warum bedeutet das automatisch, dass ich deshalb auch die gesamte Arbeit übernehmen muss? Und umgekehrt: Wäre es sein Lebenstraum gewesen, hätte natürlich auch ich alles organisiert und vorbereitet. 

Ihr redet offenbar sehr viel über eure Situation. Habt ihr euch auch schon gemeinsam Hilfe geholt?

Ja. Und das ist mir tatsächlich wichtig zu sagen, weil bei Beziehungsthemen schnell der Rat kommt: „Ihr müsst einfach mehr miteinander reden.“ Wir reden viel. Mein Mann weiß, wie es mir geht und was mir fehlt. Das sind keine Gedanken, die ich seit Jahren mit mir herumtrage und ihm gegenüber nie ausgesprochen habe.

Wir haben uns auch schon professionelle Hilfe geholt und eine Paartherapie gemacht. Viele dieser Themen haben wir dort sehr ausführlich besprochen. Ich glaube sogar, dass bei meinem Mann durchaus Einsicht da ist und dass er vieles nachvollziehen kann. Es ist also nicht so, dass wir ein einziges klärendes Gespräch bräuchten und danach wäre alles anders.

Das Schwierige ist vielmehr der Transfer in den Alltag. Nach Gesprächen verändert sich durchaus etwas, manchmal bemüht er sich sehr und eine Zeit lang funktioniert manches besser. Aber irgendwann greifen wieder dieselben Muster. Die Arbeit wird wieder dringender, der Alltag übernimmt und wir landen erneut in einer ähnlichen Aufgabenverteilung.

Ich möchte ihm dabei gar nicht absprechen, dass er sich bemüht. Im Gegenteil, ich glaube, dass er selbst durchaus das Gefühl hat, in den letzten Jahren einiges verändert zu haben. Vielleicht ist gerade das so schwierig: Wir können beide guten Willens sein und trotzdem erleben wir die Realität unseres Familienlebens sehr unterschiedlich.

Und genau das ist vielleicht auch ein Teil meiner Resignation: Nicht das Gefühl, nie gehört worden zu sein, sondern die Erfahrung, dass Verstehen und Verändern zwei verschiedene Dinge sind. Irgendwann möchte man nicht mehr das hundertste Gespräch darüber führen, was eigentlich längst ausgesprochen, verstanden und sogar mit professioneller Hilfe bearbeitet worden ist. 

Hello Rushhour des Lebens: Du merkst bei dir zusätzlich auch die Menopause anklopfen. Was macht das mit deinen Launen?

Frau
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Ich merke durchaus, dass sich hormonell etwas verändert und dass ich manchmal dünnhäutiger oder emotionaler bin. Gleichzeitig habe ich, seit die Kinder größer werden, wieder mehr Zeit für mich und auch mehr Raum zum Nachdenken und Reflektieren. Dabei kommen plötzlich Fragen auf, für die im jahrelangen Familienalltag oft gar kein Platz war: Wer bin ich eigentlich außerhalb meiner Rolle als Mama? Was möchte ich noch vom Leben? Wie soll mein Leben die nächsten Jahre aussehen?

Und vielleicht führt diese Lebensphase auch dazu, dass ich Dinge stärker hinterfrage, die ich jahrelang einfach so hingenommen habe. Diese Fragen zuzulassen, ist nicht nur befreiend, sondern auch ganz schön unbequem. Es fällt mir daher nicht immer leicht, da in mich zu gehen und mich damit auseinanderzusetzen. Denn wenn man ehrlich hinschaut, muss man vielleicht auch Antworten aushalten, die man gar nicht hören möchte. 

Ich finde es aber auch wichtig, den eigenen Anteil zu sehen und daran zu arbeiten und nicht jede schlechte Stimmung dem Partner zuzuschreiben. Gleichzeitig möchte ich aufpassen, dass daraus nicht die einfache Erklärung wird: Die Frau ist in den Wechseljahren und deshalb plötzlich unzufrieden. Die Themen, über die wir sprechen, bestehen seit vielen Jahren.

Vielleicht habe ich heute weniger Kraft oder auch weniger Bereitschaft, manches einfach wegzustecken. Aber die Hormone haben unsere Aufgabenverteilung nicht erfunden. Vielleicht führen sie sogar dazu, dass ich deutlicher merke, wo meine Grenzen liegen und was ich so nicht länger möchte. 

Trotzdem denkst du in dieser wilden Phase manchmal daran, dass du eigentlich gern noch ein weiteres Kind hättest. Wie erklärst du dir das?

Das klingt wahrscheinlich völlig widersprüchlich. Ich weiß rational sehr genau, dass ein weiteres Kind unser Leben nicht einfacher machen würde – im Gegenteil. Und trotzdem gibt es diesen Gedanken.

Ich glaube, dass das weniger der konkrete Wunsch ist, jetzt tatsächlich noch einmal von vorne anzufangen. Es ist eher Wehmut darüber, dass diese Lebensphase vorbei ist. Die Kinder werden größer, brauchen einen anders und lösen sich langsam. Und plötzlich merkt man, wie endgültig bestimmte Dinge sind.

Vielleicht kann man gleichzeitig völlig erschöpft vom Familienalltag sein und trotzdem traurig darüber, dass genau dieser Familienalltag irgendwann vorbei sein wird. Das widerspricht sich für mich inzwischen gar nicht mehr.

Euer großes Kind ist mitten in der Pubertät und hält sich nicht immer an eure Absprachen. Was macht das mit dir und deinem Mann?

Pubertät
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Die Pubertät fordert uns gerade sehr. Es geht um Grenzen, Vertrauen, Regeln, Dinge heimlich zu tun und darum, wie viel Freiheit man geben kann und wann man eingreifen muss. Und das ist ohnehin schon emotional anstrengend. Für unsere Beziehung kommt hinzu, dass auch bei solchen Themen sehr viel bei mir landet.

Ich beschäftige mich damit, recherchiere, führe Gespräche, überlege Konsequenzen und frage mich nachts, ob wir gerade richtig reagieren. Mein Mann ist dabei und wir sprechen darüber, aber ich habe häufig trotzdem das Gefühl, dass die gedankliche Hauptverantwortung bei mir bleibt.

Und natürlich bin auch ich dabei nicht immer gelassen oder pädagogisch perfekt. Manchmal bin ich wütend, manchmal habe ich Angst, manchmal reagiere ich zu emotional. Aber ich wünsche mir in solchen Situationen auch einfach jemanden neben mir, der genauso viel Verantwortung dafür empfindet wie ich.

Ein Erweckungserlebnis war, als euer Kind neulich fragte, ob der Papa schon immer so gewesen sei oder ob die Arbeit ihn kaputtgemacht habe …

Das war tatsächlich ein Moment, der mich sehr getroffen hat. Eines unserer Kinder hat vor Kurzem nach einem Streit sehr harte Dinge über seinen Vater gesagt. Unter anderem fiel die Frage, ob Papa eigentlich schon immer so gewesen sei oder ob die Arbeit ihn so verändert habe.

Natürlich sind Kinder – gerade in diesem Alter und wenn sie wütend sind – gnadenlos. Ich würde deshalb nicht jeden Satz auf die Goldwaage legen. Mein Mann ist auch kein schlechter Vater. Er liebt seine Kinder und interessiert sich für sie. Aber diese eine Frage ist bei mir hängen geblieben. Vielleicht deshalb, weil ich mich selbst manchmal frage, was über die Jahre passiert ist.

Ich glaube nicht einmal, dass mein Mann bewusst entscheidet: „Meine Arbeit ist mir wichtiger als meine Familie.“ Wenn man ihn fragt, sagt er genau das Gegenteil. Aber wenn ich darauf schaue, wohin über all die Jahre Zeit, Energie, Geduld und Aufmerksamkeit fließen, dann nimmt die Arbeit sehr, sehr viel Raum ein. Und irgendwann spüren das eben auch die Kinder.

Das war schmerzhaft zu hören und hat gesessen. Vielleicht aber nicht nur, weil es von unserem Kind kam, sondern weil in diesem Moment jemand Anderes Dinge ausgesprochen hat, die ich selbst oft wahrnehme. Das hält einem den Spiegel vor, in den man nicht unbedingt schauen möchte. Ich habe mich danach schon gefragt, ob ich manche Dinge über die Jahre Dinge vielleicht stärker normalisiert habe, als mir bewusst war. 

Was würdest du dir gerade am meisten wünschen, wenn eine Fee vorbeikäme?

Dass ich nicht mehr diejenige sein muss, die eine Veränderung herbeiführen muss. Ich wünsche mir gar nicht den Mann, der plötzlich jeden Nachmittag um vier Uhr den Laptop zuklappt, die Wäsche faltet und das Abendessen kocht. Und ich möchte ihn auch nicht zu einem anderen Menschen machen.

Ich würde mir wünschen, dass er selbst einmal innehält und sich fragt: „Wie möchte ich eigentlich leben? Was bekommen meine Frau und meine Kinder von mir – und was bekommt meine Arbeit?“ Und dass eine Veränderung dann von ihm ausgeht. Nicht weil ich zum hundertsten Mal darum gebeten habe. Nicht weil wir wieder gestritten haben. Und bitte auch nicht erst, weil er irgendwann tatsächlich zusammenbricht.

Vielleicht wünsche ich mir am meisten, wieder das Gefühl zu haben, dass wir gemeinsam für dieses Leben verantwortlich sind – und dass ich nicht diejenige sein muss, die es für alle zusammenhält.

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16 comments

  1. Liebe Jara, ich habe es so verstanden, dass dein Mann durchaus „leidet“, aber es nicht schafft dauerhaft etwas zu verändern. Außerdem hat mich aufhorchen lassen, dass er gar nicht (mehr) abschalten kann. Vielleicht lohnt es sich in Richtung ADHS zu untersuchen. Es gibt etliche Betroffene mit leichten Symptomen, die das jahrelang kompensieren/ bewältigen. In der Regel führt der chronische Stress aber zu Begleiterkrankungen und oft mündet er im Burn Out. Mein Vater hat sich jahrelang in die Arbeit verrannt, seine Hobbies vernachlässigt und nicht präsent im Hier und Jetzt gelebt. Mit Anfang 50 ist er an Parkinson erkrankt. Ich habe aus seiner Biografie gelernt und richte mein Leben nicht mach Arbeit aus. Außerdem praktiziere ich Achtsamkeitsübubgen und achte auf Präsenz im Alltag und ver suche dem chronischen Stress (den man mit ADHS-Symptomem stets hat) zu benennen. LG LH

  2. Vielen Dank für das ehrliche Gespräch.

    Natürlich hören wir nur eine Seite des Ehepaares.

    Aber: Beide scheinen überlastet zu sein. Egal, wer nun wieviel arbeitet und/ oder sich um die Kinder kümmert. Die Ehefrau fühlt sich belastet, unabhängig davon, wieviel sie arbeitet oder was wir als „angemessen“ empfinden. Ab wieviel Stunden pro Woche Arbeit und ab wieviel Kindern darf ich mich denn belastet/ überfordert fühlen? Gibt’s da ne Richtlinie, von der ich nix weiß?

    Insgesamt hört sich das Familienleben schwierig an. So ein bisschen kann ich beide Seiten nachvollziehen.

    Ich habe lange einen Job mit vielen Dienstreisen und auch vielen Deadline Aufgaben gehabt. Mein Mann und ich mussten nicht nur einmal morgens um vier diskutieren, ob ich um sechs in den Flieger steige um meine Dienstreise anzutreten, oder ob mein Mann zur Arbeit gehen kann… Irgendwer muss zu Hause bleiben, um sich um das kranke Kind zu kümmern. Ich stand auch oft spät nachmittags mit Dienst Handy auf dem Spielplatz und habe noch auf Mails gewartet, die dringend waren. Alles doof, viel Stress. Immer das Gefühl, ich kann es weder meiner Familie noch meinem Arbeitgeber recht machen. Meinem Mann wird es ähnlich gegangen sein. Wir kümmern uns gleichberechtigt um die Familie.

    Das Ende vom Lied: ich war insgesamt drei Jahre an einer Depression erkrankt, das konnte ich mit Therapie managen, aber Spaß ist was anderes.

    Ich war auf dem guten Weg der Besserung, als mein Mann von einem Tag auf den anderen mit einem Burnout / Schwere Depressionen wortwörtlich zusammenbrach. Nichts ging mehr. Mehrere Wochen Krankenhaus/ Reha / monatelange Arbeitsunfähigkeit. Das war für uns alle (!) extrem schwierig, dass alles irgendwie auf die Reihe zu kriegen.

    Wir haben seit dem versucht, an äußeren Umständen zu arbeiten: im Job runter geschraubt (beide!), im Familien-Leben, vor allem nach außen, „entrümpelt“ (weniger Besuche der Familie in der mehrere Autostunden entfernten Heimat) , nur ein Hobby pro Kind, die Kinder mehr Wege alleine zurück legen lassen/ mehr Selbstständigkeit bei Spielverabredungen. Der letzte Punkt kam aber fast von alleine, die Kinder haben einfach gerade das richtige Alter für sowas.

    Gibt es Möglichkeiten, sich es in Alltag leichter zu machen?
    Manchmal helfen ja Kleinigkeiten. Ihr habt ja nun echt schon eine Menge versucht, damit ihr besser als Paar zusammen arbeitet. Aber vielleicht hilft eine Änderung der äußeren Umstände (sofern möglich) ja mehr?

    Der Job deines Mannes wird ihm immer wichtig sein, da kann man wahrscheinlich nicht viel ändern. Er fällt ja laut deiner Aussage immer wieder in die alten Muster zurück. Ich kann das an sich gut verstehen. Auch er wird sich wahrscheinlich zerrissen fühlen und ist nicht zufrieden.

    Das kann jahrelang gut gehen, muss aber nicht. Meine Depression war schon nicht einfach. Aber der Burnout meines Mannes war um Längen schlimmer. Er war wirklich psychisch schwer krank und die Genesung hat sehr lange gedauert.

    Viele Grüße und Alles Gute

  3. Die genaue Lebenssituation wird von Jara nicht erläutert, wie z.B ob sie auch berufstätig ist, wie alt die Kinder sind, wie die Lebenssituation allgemein ist (Haus, Stadtleben etc.). Daher nur allgemeine Gedanken zum Thema Mental Load/ Overload. Jeder Mensch hat Ansprüche ans Leben/ Familienleben.Und bei den Ansprüchen muss man sich selber Fragen, was ist wirklich meins und was der Anspruch der Gesellschaft/ Freunde/ Familie, den ich einfach übernommen habe. Da lässt sich viel einfach schon wegstreichen, was dann zur Entlassung führt. Und man merkt, dass man die Sachen so gar nie gebraucht hat (putzen, kochen, Kinder zu jedem Termin fahren statt sie mit dem Fahrrad zu schicken etc.) Daraus ergibt sich auch die Überlegung, was ist wirklich meine Verantwortung und was kann ich einfach beim anderen lassen oder weg delegieren. Selber nur soviel übernehmen, was man tragen kann. Und sich nicht verantwortlich fühlen z.B. für die Beziehung vom Vater und der Kinder. Das sollte komplett sein Thema sein und nicht einen selber zu „optimieren der Zeit“ Gesprächen/Ideen führen. (Meistens ist das auch von außen projiziert und entspricht eventuell nicht dem Wunsch der drei, die es angeht. Ein gutes Gespräch am Abend ist ihnen mehr wert, als ein erzwungener Ausflug, weil man das so bei andrren sieht). Wichtig ist aber auch, dass man als Person klare Grenzen setzen kann und seinen Anspruch/Regeln an die drei anderen klar kommuniziert und durchsetzt. Als Beispiel hier: Mutter kocht nicht am nächsten Tag, wenn der Rest der Familie abends nicht die Küche fit macht. Und es dann auch ohne meckern/erneutes erklären durchsetzt. Dann gibt es eben dreimal die Woche Brot. Und Vater sorgt am Wochenende für das warme Essen. Dann eben bestellt, wenn er nicht kochen will. Und je nach alter der Kinder können sie schon viel übernehmen.
    Und der letzte Gedanke, seid nachsichtig, dass der andere es eben anders macht. Und meckert nicht dran rum, das zieht einen runter. Und ermuntert einen nicht weiter zu machen. Wenn mein Partner nach Hause kommt und mir erzählt, dass es nicht ordentlich geputzt ist, dann würde ich wohl dezent wütend. So als Überlegung: es gibt keine Anleitung, wie der Besteckkasten eingeräumt wird aus der Spülmaschine, also brauch ich auch nicht sauer sein, wenn es ausgedachten Ansprüchen nicht genügt. Und versucht doch mal, den Partner/Kinder mal positiv zu sehen, vor allem die Dinge die sie tun. Ja er ist so kompetent auf der Arbeit und zu Hause sieht er nicht, dass der Müll raus muss. Aber durch ständige ansprechen dieser „Fehler“? fühlt man sich gestresst und das zu Hause wird über die Zeit kein persönlicher Zufluchtsort mehr. Sondern ein Ort, bei dem man performen mmuss. Dann könnt ihr abends auch mal über eure Pläne sprechen, statt über Ansprüche. Und die Pläne bitte auch nicht klein machen, weil sie irgendwelchen Ansprüchen nicht genügen. Ihr seid zwei bzw. vier unabhängige Menschen mit eigenem Kopf und Gefühlen. Und jeder will für sein Ich akzeptiert werden, statt das Gefühl zu bekommen, man ist nicht genug. Das wünsche ich euch als Paar. Weil ich nicht denke, dass einer es böse mit dem anderen meint (keine Gehässigkeit gemerkt im Text).

  4. Ich weiss jetzt auch nicht…
    wenn der Mann Alleinverdiener ist, verstehe ich den Stress schon.
    Das geht leider aus dem Text nicht hervor.
    Franzi hat Recht finde ich.
    Ihr schafft das.

  5. Beim Lesen fragte ich mich, warum der Mann zusammenbrechen soll. Es liest sich so, als ob die Mutter fast alles zu Hause macht und der Mann in erster Linie arbeitet und „sich für die Kinder interessiert“. Letzteres kann man in 10 min am Tag erledigen. Daran zerbricht man nicht, wenn Muttern zu Hause den Rücken freihält. Eher zerbricht die Mutter daran, wenn da auch noch Erwerbsarbeit in größerem Umfang dabei ist.
    Und was ändern wird der Mann auch nicht, wenn er nicht will. Ist doch bequem für ihn. Und vielleicht auch genau das, was er vom Leben will.

  6. Fast immer wenn es um tiefsitzende Muster, Prägungen etc geht, reicht der gute Wille zur Änderung nicht. Wie beschrieben hält der Vorsatz mal 3 Wochen an und dann kippt es wieder un die alten Muster. Und dafür gibt es einen Grund. Die Muster sind Anpassungsstrategien auf früheres Erleben und haben zu einer gewissen Zeit im Leben, meist in der Kindheit, das „Überleben“ (die Bindung) gesichert. Außerdem ist es so, dass diese Art von Muster selten mit einer Gesprächstherapie zu lösen sind. Hier sind andere Methoden erfolgversprechender. Voraussetzung ist natürlich, dass jemand diese Arbeit machen möchte. Andernfalls kann man nur zugucken, wie die Person weiterrennt und sich und ihr Umfeld zerstört. Manche halten das sehr sehr lange durch, sogar für immer, und andere klappen irgendwann zusammen. Beides ist kein Spaß, aber letzteres bietet immerhin die Chance, dass sich danach was ändert.

  7. Verrückt, das könnte auch ich sein! Tolle Zusammenstellung und ganz heildam zu lesen, dass es auch anderen Frauen, Ehefrauen und Mamas so geht. Alles Gute!!

  8. Hmmm, auf der einen Seite Hilflosigkeit, Überforderung, Erschöpfung und therapeutische Unterstützung. Dabei sehe ich dafür wenig Gründe. Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, berufliche 40h-Belastung wird nicht erwähnt und auch keine Pflege von nahen Angehörigen. Das Organisieren des Alltags hängt überwiegend an der Mutter, da der Papa beruflich sehr engagiert und nicht so präsent ist. Das ist eine tolle Leistung, keine Frage. Aber viele andere haben es deutlich schwerer. Auf der anderen Seite ist die Mutter reflektiert und nicht vorwurfsvoll. Der Papa will sich ebenfalls einbringen. Beide sind an ihren Kindern und am Gelingen der Beziehung interessiert. Das sind doch beste Voraussetzungen. Vielleicht kann das Leben ganz einfach sein. Nehmt Euch Zeit als Paar und geht mal gemeinsam freitags wandern oder in die Sauna, während die Kinder in der Schule sind. Je nachdem, wie alt das kleine Kind ist, übergebt Eurem Teenie gelegentlich die Verantwortung (notfalls sind sicher die Nachbarn im Hintergrund erreichbar). Die Wohnung muss nicht immer glänzen, Hausaufgaben dürfen auch mal vergessen werden. Es darf auch gelegentlich Nudeln mit Ketchup geben oder Pellkartoffeln mit Leberwurst. Das schafft dann auch der Papa alleine. Nimm dir Zeit als Frau/Individuum und triff dich abends mit einer Freundin, geht ins Kino oder zum Sport oder lass dich im Restaurant verwöhnen. Und sei stolz auf deinen tollen, selbst organisierten Urlaub. Davon würde ich mir einen Kalender machen und über den Küchentisch hängen. Dann kannst du im nächsten Jahr jeden Tag in herrlichen Erinnerungen schwelgen.
    Und tritt deinem Mann einfach mal in den Hintern. Nicht vorwurfsvoll, sondern lustig. Wenn er von der Arbeit erzählt, sage ihm, dass dich das gerade gar nicht interessiert. Lade seine Freunde ein und verlange von ihm, dass er kocht. Schicke ihn sonntags mit den Kindern in die Schwimmhalle, damit er sich körperlich auspowert. Kauf Konzertkarten, an dener er Freude hat. Oder buche einen Kochkurs für Euch beide. Erlaube ihm Computerspielzeit, während du Serien schaust. Er lernt schon wieder, dass es ein Leben neben der Arbeit gibt. Und ganz wichtig, schicke ihn zu den Elternabenden. Alles Gute.

  9. Liebe Jara, vielen Dank für deinen ehrlichen Bericht. Bei uns läuft es fast eins zu eins genauso. Ich bin allerdings sehr zufrieden mit der Situation. Ich habe da in den letzten Jahren meinen Blickwinkel komplett verändert. Mein Mann leistet einfach bei der Arbeit seinen Beitrag für die Familie. Ich mach den Rest. Seit ich nicht mehr berufstätig bin, ist das für mich total fein. Jeder gibt sein Bestes für die Familie. Allerdings hat mein Mann auch Bereiche in unserem Leben außerhalb der Arbeit, die er komplett managed (eher die Klassiker, Finanzen, Auto..). Mein Mann hat sehr viel mental Load bei der Arbeit (Führungsrolle, Verantwortung für Mitarbeitende, internationale Teams). Ich hab den mental load zu Hause und kann ihn gut tragen. Du schreibst ja, dass dein Mann nicht nur bei der Arbeit so engagiert ist, sondern auch in der Familie richtig präsent sein will und es auch ist. Das ist so ein tolles Engagement von ihm! Der gibt echt alles auf allen Ebenen. Unser Land läuft nicht rund, wenn alle nur 35,2 Stunden arbeiten, auf den Feierabend schielen und die Freizeit heilig ist. Sei stolz auf deinen hart arbeitenden Mann. Ich hoffe, die viele Arbeit drückt sich bei ihm auch in einer entsprechenden Position, Verdienst und Arbeitszufriedenheit aus. Dann ist das Ganze eigentlich ein runder Deal. Und ihr könnt ein tolles Leben haben. Man muss da auch für sich selber mal Abstand nehmen zu den Diskussionen auf Social Media, dass alles zu Hause fifty-fifty aufgeteilt sein soll. Michelle Obama sagt dazu: „Live is never fifty-fifty“.

    1. Da ich auch mit dem Gedanken spiele wie schön es wäre mich nur noch um die Familie zu kümmern, statt mich ständig zu zerteilen, habe ich eine ganz ehrliche Frage: Was machst du, wenn die Kinder ihre Mama in 10 Jahren/als Teenager nicht mehr so sehr brauchen und in ihr eigenes Leben starten, aber du 10 Jahre aus dem Job raus bist und da dann sicher auch nicht mehr einfach zurück kommst? Deswegen wollte ich eigentlich wenigstens 50 % arbeiten, aber mit so wenig Stunden bekomme ich nur die sch… Themen, weil das für etwas Wichtiges nicht reicht. So bin ich nun doch bei 70 % und zerteile mich ziemlich.

      1. Liebe Anne, ich verstehe das als Frage an mich, deshalb gerne eine kurze Antwort. Ich hab auch kein Patentrezept, hab aber mein jüngstes Kind spät bekommen und werde deshalb bis ich Anfang 50 bin intensiv gebraucht. Und selbst meine Teenies genießen bei aller Selbständigkeit, dass ich Zeit für sie hab. Ich mach vormittags Sport, treffe Freundinnen, interessier mich für mich Mode und möchte wieder mehr ins Museum. Ich hab 1000 Interessen, die ich auch ausbauen kann. Ich mach Ehrenamt. Ich freu mich schon auf die Zeit, wo ich alleine reisen kann, weil mich mal 3 Tage keiner braucht. Aber klar, wenn alle Kinder ausgezogen sind wird das bestimmt nicht leicht. Viel Glück bei deiner Entscheidung!

    2. Hui, das ist aber sehr gewagt, zu sagen, dass „das Land nicht rund laufen würde, wenn alle nur 32,5 Stunden arbeiten“, wenn man selbst überhaupt nicht arbeitet! Mit dieser Aussage bin ich gar nicht fein.
      Das ist sogar nicht nur gewagt, sondern ein bisschen unverschämt gegenüber den Doppelverdiener-Paaren, die außerdem noch 2 oder 3 Kinder aufziehen (denen ihr Tag hat nämlich auch nur 24 Stunden), nebenbei die Steuer- und Sozialabgaben-Töpfe des Landes füllen und sich in den Familien die Auseinandersetzungen über die gerechte Aufteilung von Care-Arbeit und mental-load geben (müssen).
      Klar kann es am Ende jede Familie für sich selbst entscheiden, wie sie es macht, aber fortschrittlich ist es, wenn beide Partner 30 Stunden arbeiten und sich die Care-Arbeit (einigermaßen) gerecht aufteilen. Damit haben sie zusammen 60 Stunden Erwerbsarbeit geleistet und somit deutlich mehr für das „Rundlaufen des Landes“ als ein Paar mit klassischer Aufgabenteilung.

    3. Liebe FallFlower, deine Gedanken kann ich nachvollziehen, habe lange selber so gedacht aber zum Glück nicht so gelebt und bin in meinem Job sehr aktiv am Ball geblieben und habe mir meine eigene auch finanzielle Selbstständigkeit gewahrt. Zum Glück, denn obwohl oder vielleicht auch weil ich meinem Mann immer den Rücken frei gehalten habe und seine Karriere so auch supportet habe, hat er mich über Jahre betrogen und nun verlassen. Auch jetzt verhält er sich weiter völlig verantwortungslos gegenüber mir und den Kindern. Also verlasse Dich bloß nicht auf den Goodwill eines Mannes sondern bleibe immer selbst in der Verantwortung für Dein Leben.

    1. Liebe FallFlower, warum sollte das Land nicht rund laufen, wenn alle „nur“ 35,2 Stunden arbeiten? Ich arbeite 32 Stunden pro Woche, mein Mann 30 Stunden. Ich führe ein kleines Unternehmen mit 3 Angestellten. Die Kinder sind 9 und 12, also schon recht groß, trotzdem waren die letzten zwei Jahre schwer mit der Pflege (bis in den Tod) meiner schwer kranken Eltern. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn das eigene Lebensmodell eher eine klassische Aufteilung mit z.B. 50 Wochenarbeitsstunden bei „ihm“ und 20 Wochenarbeitsstunden bei „ihr“ beinhaltet. Oder auch gar keinebezahlte Arbeit. Ist das nicht eigentlich ganz individuell zu entscheiden? Ich empfinde meinen Beitrag für die Gesellschaft als nicht zu klein, trotz „nur“ 32 Stunden… den Artikel fand ich prima. Alles Gute, zusammenhalten, Mädels!

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