Mama ohne Kinder: „Meine Großen leben beim Papa in Dänemark“

Mama ohne Kinder

Ihr Lieben, wir folgen Marlene bei Instagram schon seit Jahren, nach einem Geburtstagsgruß für ihre Tochter, fragten wir sie für ein Interview an, denn wir fühlten so sehr mit! Eine Mama ohne Kinder, eine Mama, die diesen besonderen Tag hunderte Kilometer von ihrem Kind getrennt verbringen muss, das ist schon eine Nummer. Wie es dazu kam, dass Marlenes Kinder im Alter von 3 und 5 Jahren nach einer Trennung bei ihrem Vater in Dänemark blieben.

Liebe Marlene, in deinen letzten Videos berichtest du darüber, dass du die Geburtstage mit deinen Kindern oft nicht feiern kannst, weil ihr zu weit voneinander weg lebt. Welche Gefühle gehen dir an einem solch wichtigen Tag las Mama ohne Kinder durch den Kopf (und durch den Bauch)?

Besonders die Geburtstage meiner großen Kinder sind schwer für mich auszuhalten. Ich möchte mit ihnen dann am liebsten ganz nah sein, sie an mich drücken, ihnen sagen, wie sehr ich sie liebe, ihnen einen schönen Geburtstagstisch herrichten, die Wohnung schmücken und ihnen damit zeigen, dass sie tolle Menschen sind, die es wert sind gefeiert zu werden.

Stattdessen trennen uns an den meisten Geburtstag viele hunderte Kilometer voneinander und die Trauer darüber steckt dann tief in mir. Es ist wirklich ein körperlicher Schmerz und es liegt eine schwere Last auf meiner Brust. Ich vermisse sie dann mit jeder Faser meines Körpers.

Die Geburtstage treffen mich immer nochmal härter als andere Tage. Ich finde den Gedanken außerdem absurd, dass ausgerechnet die Person, die sie auf die Welt gebracht hat, an ihrem wichtigen Tag nicht mit ihnen zusammen sein kann.

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Ich habe mich 2015 von meinem damaligen Mann getrennt. Wir lebten zu der Zeit alle zusammen in Kopenhagen. Drei Jahre zuvor sind wir mit unserem ersten Kind – und ich im siebten Monat schwanger – nach Dänemark ausgewandert. Bis dahin lebten wir in Bonn, wo auch unser erstes Kind zur Welt kam.

Nach der Trennung war für mich schnell klar, dass ich zurück nach Deutschland muss, weil ich in Dänemark beruflich keine guten Chancen gehabt hätte. Mein deutsches Abitur wurde nicht anerkannt und ich hatte keine abgeschlossene Berufsausbildung, mit der ich in DK hätte Fuß fassen können. Für mich war klar, dass ich mit meinen Kindern zurückziehen werde – was dann vor den dänischen Gerichten folgte, war ein absoluter Albtraum.

In Berlin habe ich mit meinem jetzigen Mann zwei Jahre später mein drittes, und dann mein viertes Kind bekommen. Es gibt also uns als vierköpfige Familie in Berlin und an den Wochenenden und Ferien sind wir zu sechst, wenn meine zwei Großen zu uns kommen.

Sind die Kinder gegen ihre Willen dort?

Die Kinder hat man in diese Entscheidung nie einbezogen. Es wurde damals auch keine Person beauftragt, sich unsere familiäre Situation mal genauer anzuschauen. Leider. Denn dann hätte man die Bindung zwischen den Kindern und mir sehen und erkennen können.

Vom Gericht lautete die Begründung zum Aufenthaltsbestimmungsort, dass man sie nicht aus ihrer gewohnten Umgebung reißen wolle. Meine Kinder waren zu dem Zeitpunkt fünf und drei Jahre alt. Dass das „Zuhause” in dem Alter allerdings viel mehr eine vertraute Person ist als ein Ort, hatte keiner mitbedacht.

Wie war die Anfangszeit für dich?

Die ersten Jahre waren grausam! Ich war Mutter, aber ohne Kinder. Ich habe eine unglaubliche Scham empfunden und hatte immer das Gefühl, dass ich mich für meine Situation rechtfertigen muss. Denn: Welche (schreckliche) Mutter entscheidet sich dafür, nicht bei ihren Kindern zu leben?

Solche Vorwürfe höre ich auch heute noch unter meinen Social-Media-Posts. Aber um unsere Situation zu verstehen, muss man unsere Geschichte kennen – und die tut weh. Schlimm waren auch die Abschiede, besonders von meiner Tochter. Sie wollte mich nie verlassen, hat sich an mir festgeklammert und bitterlich geweint.

Wie sie „Ich will bei dir bleiben” immer und immer rief, hat sich tief in meine Erinnerung gebrannt. Es waren wirklich dramatische Szenen. Beim Vater führte das nur zu Trotz und Gleichgültigkeit. Seine Reaktion: Die hat sich in ein paar Minuten wieder eingekriegt.

Heute weiß ich, dass sie nach den Abschieden noch Tage später viel geweint hat. Allein bei dieser Vorstellung, dass sie sich abends in den Schlaf geweint hat, kommen mir sofort die Tränen. Ich hätte sie damals so gerne an mich gedrückt, beschützt und bei mir behalten, stattdessen musste ich sie gehen lassen. Mein Ex erinnerte mich regelmäßig daran, dass wenn ich sie nicht hergebe, es als Kindesentführung gelten würde.

Wie steht ihr im Kontakt miteinander und wie oft seht ihr euch?

Wir sehen uns ein Mal im Monat am Wochenende und in den Schulferien. Aber auch diese gehören mir nicht allein, sondern sind zu 50/50 aufgeteilt. Es ist ein riesen Apparat der Planung und die Arbeit liegt immer bei mir.

Es gab drei Jahre nach der Trennung nochmal eine extra Bestimmung vom dänischen Familiengericht, die nochmal ganz genau den Umgang festlegte, weil sich mein Ex in der Vergangenheit immer wieder querstellte und mir den Umgang zu den Kindern verwehrte. Es war eine klassische Mutter-Kind-Entfremdung.

Zum Glück hat das Gericht dem Ganzen ein Ende gesetzt und ab da an gab es keine Macht-Spielchen mehr. Das hat insgesamt viel Ruhe reingebracht, weil ich nicht mehr bangen musste, ob ich meine Kinder sehe, oder nicht. Inzwischen sind die Absprachen routiniert, wir versuchen uns aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Hast du darüber hinaus noch Kontakt zum Vater der Großen? Wie leben sie dort? Sind sie glücklich?

Wir haben sporadisch Kontakt und es geht fast ausschließlich um die Reise- und Ferienplanung. Ich würde es schön finden, wenn wir mehr über die Entwicklung der Kinder sprechen würden, aber meine Versuche und Fragen fahren ins Leere.

Erst kürzlich gab es eine Situation, wo eins der Kinder wegen eines Notfalls ins Krankenhaus musste und ich es über drei Ecken und erst Stunden später erfahren habe. Dieses Erlebnis lässt mich mit einem sehr unsicheren Gefühl zurück, weil es mir mal wieder zeigt, dass ich nicht darauf vertrauen kann, dass mich mein Ex informiert wenn es ernst wird.

Gleichzeitig macht es mich auch wütend, weil ich von dem gemeinsamen Sorgerecht nichts merke  – einzig und allein, weil es über Ländergrenzen geht. Das würde hier in Deutschland anders laufen, da wäre ich mir sicher. Dennoch, die beiden leben gerne in Kopenhagen und haben mittlerweile auch doppelte Staatsbürgerschaft.

Es ist ihr Zuhause, dort sind sie sozialisiert. Sie sind jetzt 16 und fast 14 Jahre alt, Freunde und Hobbies haben für sie Priorität. Sie haben sich gut entwickelt und ich hoffe, dass sie trotz ihrer zerrissenen Kinderjahre zu starken, gutherzigen Persönlichkeiten heranwachsen.

Wie reagierte dein Umfeld am Anfang oder heute noch, wenn es zum ersten Mal von den Umständen erfährt?

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Direkt nach meiner Trennung habe ich in meiner eigenen, engen Familie zwei Personen gehabt, die sich mir gegenüber illoyal und absolut grenzüberschreitend verhalten haben. Es ging sogar so weit, dass ihre Meinungen vor Gericht gegen mich verwendet wurden.

Inzwischen haben zwar beide ihre Ansichten geändert, aber es verletzt mich bis heute noch und ist oft Thema in meiner Therapie. Bis auf diese beiden Personen, war mein Umfeld unterstützend und hat an meiner Seite gekämpft. Damals konnte ich gar nicht über meine Situation sprechen, ohne sofort in Tränen auszubrechen. Inzwischen geht das deutlich besser, aber es liegen auch schon 11 Jahre hinter mir, in denen ich gelernt habe damit umzugehen.

2020 habe ich angefangen öffentlich über unser Schicksal zu sprechen. Die Verarbeitung meiner Geschichte in meinen Posts und Videos auf Instagram ist ein Stück weit Selbsttherapie – nicht nur für mich, sondern inzwischen für viele andere Frauen, die ein ähnliches Schicksal teilen.

Ich bekomme regelmäßig Nachrichten von fremden Frauen. Viele sind erleichtert mein Profil gefunden zu haben, weil sie glaubten, sie wären mit dem Thema allein. Aber wir sind so viele! Es ist oft viel Scham dabei, genauso wie bei mir damals. Aber es wird Zeit, diese Scham abzulegen und laut darüber zu sprechen, was Müttern vor Gerichten widerfährt.

Wir sollten Gerichtsurteile mehr infrage stellen und uns fragen, warum die Urteile oft so ausfallen, wie sie ausfallen. Warum die patriarchal geprägte Gesellschaft die Schuld lieber bei „hysterischen” Müttern sucht, anstatt narzisstische, gewaltvolle Männer zu verurteilen. Wenn sich eine Mutter trennt, macht sie das niemals leichtfertig.

Oft stecken Mütter jahrelang in toxischen, gewaltvollen Beziehungen und trauen sich nicht zu gehen, weil sie in einer finanziellen Abhängigkeit stecken und Trennung für viele bedeutet, in Armut zu rutschen. Wenn sich Mütter von ihren Partnern trennen, hat das meistens einen schweren, triftigen Grund und den sollten Gerichte meiner Meinung nach stärker beleuchten.

Wie ist das Verhältnis zwischen den Geschwistern, vermissen sie sich?

Ja, das tun sie! Die Kleinen wahrscheinlich mehr als die Großen. Denn die Großen haben auch auf dänischer Seite nochmal zwei kleinere Geschwister dazubekommen, die im ähnlichen Alter wie meine Jungs sind. Wenn vier Wochen vergangen sind, ist die Vorfreude aufs Wiedersehen immer ziemlich groß.

Was hast du durch die ganze Situation an dir kennengelernt, welche Stärken hast du durch sie vielleicht auch entwickelt? 

Ich weiß, dass ich stark bin und gleichzeitig schwach sein darf. Meine Kinder loszulassen war das Schwerste in meinem ganzen Leben – aber notwendig. Nicht nur, um meine Kinder zu schützen, sondern auch um mich nicht zu verlieren. Kein Kind kann wachsen, wenn es vom Ego seiner Eltern erdrückt wird. Wer sein Kind wirklich liebt, zerreißt es nicht.

Es gab irgendwann, nach den Gerichtsurteilen, einen Schlüsselmoment für mich: Wenn ich wieder Glück in meinem Leben empfinden möchte, muss ich es aktiv zulassen. Ich kann mich ganz bewusst für mich und mein Leben entscheiden. Ich wollte nicht länger fremdbestimmt sein, sondern wieder selbst die Verantwortung für mein Glück übernehmen.

Was möchtest du anderen Müttern mitgeben, die die Liebe hochhalten, auch wenn die Kinder physisch weit entfernt sind?

Bleib dran und gib nicht auf! Zeig deinem Kind, dass es wert ist bedingungslos geliebt zu werden – no matter what. Und versuche deine Kinder nicht zu manipulieren. Jedes Kind hat das Recht beide Eltern zu lieben, ohne dabei in einen Loyalitätskonflikt zu kommen.

Lass niemals die Wut über deinen Ex-Partner am Kind aus, dein Kind soll schließlich nicht in einer Ego-Show aufwachsen. Die Wochenenden, die du mit deinem Kind hast, sind etwas ganz Besonderes. Genieße die Quality-Time und sei dir bewusst, dass Qualität immer über Quantität geht.

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