Ihr Lieben, als Katharina neulich bei Instagram ein Video aufnahm während sie am Vormittag durch den Wald spazierte, schrieb uns Eva, dass sie sich das nicht so ganz allein trauen würde. Aus Umsichtigkeit, nicht aus Angst. Wir wollten dazu gern mehr wissen. Seit wann das so ist, wie es dazu kam und wie sie damit umgeht. Sie war so lieb, uns für dieses Interview direkt zuzusagen. Danke dir, liebe Eva!
Liebe Eva, erzähl doch mal, wer alles zu deiner Familie gehört und wie ihr so wohnt.
Zu meiner Familie gehören mein Mann, meine Tochter (11 Jahre) und mein Sohn (6 Jahre). Ich würde sagen, dass wir eher ländlich oder kleinstädtisch wohnen.
Als Katharina neulich bei Instagram erzählte, dass sie viel spazieren geht, schriebst du, dass du dich gar nicht trauen würdest, alleine in den Wald zu gehen, wovor hast du Angst?
Ja, richtig. Katharina hatte erzählt, dass sie gerne früh morgens alleine im Wald spazieren geht. Das hat mich tatsächlich überrascht, weil ich persönlich solche Situationen eher meiden würde. Mir ist dabei wichtig zu unterscheiden: Ich würde nicht sagen, dass ich mich nicht trauen würde oder grundsätzlich Angst davor hätte. Ich bin nicht besonders ängstlich oder unsicher.
Ich würde mich in einer solchen Situation einfach nicht wirklich wohlfühlen und könnte die Zeit auch nicht als Erholung genießen. Ich bin vermutlich eher vorsichtig, wenn es um Situationen geht, in denen ich mich im Zweifel nicht gut selbst schützen oder Hilfe holen könnte. Das beschreibt es wahrscheinlich am besten.
Hast du eine Ahnung, woher diese Umsichtigkeit kommen könnte?
Meine Eltern haben mich relativ früh Aktenzeichen XY schauen lassen. Das genaue Alter weiß ich gar nicht mehr, aber ich erinnere mich noch an viele Fälle, in denen beispielsweise Frauen nachts alleine auf Rastplätzen überfallen wurden. Solche Geschichten haben mich als Kind natürlich beschäftigt und sind mir teilweise bis heute im Gedächtnis geblieben.
Ich würde beispielsweise nachts auch heute nicht alleine auf einem abgelegenen Rastplatz anhalten. Dazu kommt, dass man natürlich auch als Erwachsene durch Nachrichten und Zeitungsberichte immer wieder mit schrecklichen Ereignissen konfrontiert wird.
Wissen deine Eltern das?
Ja, wir haben darüber schon gesprochen.
Hast du daneben noch weitere Ängste? Gibt es Dinge, die du vermeidest in deinem Alltag?
Also, wie gesagt: Menschen, die mich kennen, würden mich vermutlich nicht als ängstlich beschreiben. Das wäre wahrscheinlich nicht das erste Adjektiv, das ihnen zu mir einfallen würde. Ich war beispielsweise schon früher beim Weggehen immer jemand, der darauf geachtet hat, dass alle gut nach Hause kommen.
Wenn ich jemanden nach Hause gebracht habe, bin ich mit dem Auto stehen geblieben, bis die Person ihre Haustür aufgeschlossen hatte. Oder wenn wir uns abends zum Essen treffen, frage ich schon mal, wo die anderen geparkt haben, und bin häufig diejenige, die vorschlägt, gemeinsam zu den Autos zu gehen.
Das würde ich weniger als Angst bezeichnen, sondern eher als eine gewisse Umsichtigkeit. Ich finde es einfach schön, wenn man aufeinander achtet und alle gut und sicher nach Hause kommen.
Hast du dir da schon mal Hilfe geholt oder ist es nicht so einschränkend für dich, als dass du das für nötig halten würdest?
Nein, so einschränkend ist das für mich nicht. Es hört sich wahrscheinlich im ersten Moment schlimmer an, als es tatsächlich ist. Ich bin durchaus auch alleine unterwegs, nur eben lieber dort, wo andere Menschen sind, und weniger in abgelegenen oder verlassenen Gegenden.
Wie geht es dir da in Bezug auf deine eigenen Kinder, kannst du sie gut ziehen lassen oder wie gehst du da damit um?
Meine Kinder sind noch zu jung, um alleine im Wald oder nachts in der Stadt unterwegs zu sein. Wenn sie älter werden, werde ich natürlich wissen wollen, wo sie sind und wie sie nach Hause kommen. Ich denke, dass ich gerade am Anfang auch noch öfter anbieten werde, sie abzuholen. Das gehört für mich aber auch einfach zum Elternsein dazu und hat nicht unbedingt etwas mit meiner persönlichen Vorsicht zu tun.
Welche Strategien hast du, um deine Angst nicht zu sehr auf die Kinder zu übertragen?
Eine konkrete Strategie habe ich dafür eigentlich nicht. Mir ist aber wichtig, meinen Kindern keine unnötige Angst zu vermitteln. Deshalb lasse ich sie beispielsweise auch keine Sendungen wie Aktenzeichen XY schauen.
Gleichzeitig finde ich es wichtig, ihnen ein gesundes Risikobewusstsein mitzugeben und sie altersgerecht dafür zu sensibilisieren, auf bestimmte Situationen zu achten. Ich möchte, dass sie selbstständig und unbeschwert aufwachsen können, aber trotzdem wissen, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollten.
Wenn deine Umsichtigkeit vor allem vom Medienkonsum kommt, was erlaubst du deinen Kindern, zu schauen bzw. was auf keinen Fall?
Wie gesagt, ich möchte sie möglichst unbeschwert aufwachsen lassen. Deshalb achte ich schon darauf, dass sie nicht mit Inhalten konfrontiert werden, die für ihr Alter noch nicht geeignet sind oder ihnen unnötig Angst machen könnten. Das gilt natürlich nicht nur für Kriminalität, sondern ganz allgemein für Medieninhalte.
Würdest du dir wünschen, du könntest sorgenfreier durch die Gegend laufen? Was würde es dafür brauchen?
Ich denke, es wäre schön, wenn sich jeder Mensch unabhängig von Tageszeit und Ort sicher fühlen könnte. Eine hundertprozentige Sicherheit wird es vermutlich nie geben. Mir ist deshalb vor allem wichtig, ein gesundes Bewusstsein für mögliche Risiken zu entwickeln, ohne sich dadurch die eigene Freiheit oder Lebensfreude nehmen zu lassen.