Glaubenssätze in der Kindheit: „Ich kann das eh nicht.“

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Ihr Lieben, heute schauen wir uns mit Corinna Weber einmal an, wie viele Glaubenssätze eigentlich schon Kinder prägen. Als spiritueller Kinder- und Familiencoach bekommt sie sehr viele Einblicke in diese frühen Überzeugungen. Ihr kennt sie vielleicht von ihrem Buch „Starke Verbindung statt starker Druck in der Erziehung“, mit dem sie im letzten Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste landete.

In ihrer Arbeit begleitet sie Kinder dabei, Selbstvertrauen und innere Stärke zu entwickeln – ohne sie in ein System zu drücken, das oft nicht zu ihnen passt. Dabei findet Corinna, dass Kinder und Eltern wieder lernen dürfen sollten, auf ihre innere Stimme und Intuition zu hören.

Sie ist der Überzeugung: „Alles, was wir brauchen, tragen wir bereits in uns“. Kinder verlieren diese Verbindung zu sich selbst, sobald sie sich nicht mehr sicher fühlen oder das Gefühl haben, nicht sie selbst sein zu dürfen. Für uns hat sie einen Gastbeitrag geschrieben.

Glaubenssätze in der Kindheit

„Ich bin einfach schlecht in Mathe.“ „Ich bin ein Versager.“ „Die anderen sind alle besser als ich.“ Wenn Kinder solche Sätze sagen, trifft das Eltern mitten ins Herz. Eben noch war das Kind „nur“ etwas frustriert, weil eine Klassenarbeit nicht gut gelaufen ist oder weil beim Fußballtraining etwas nicht geklappt hat. Und plötzlich klingt es so, als hätte es ein endgültiges, negatives Urteil über sich selbst gefällt. Viele Eltern fragen sich dann, wie sie darauf reagieren sollen.

Kinder kommen nicht mit einem festen Selbstbild auf die Welt

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Corinna Weber. Foto: CW Starke Kids

Das Bild, das Kinder von sich entwickeln, entsteht nach und nach. Es wächst aus ihren Erfahrungen und den Rückmeldungen der Menschen, die ihnen am wichtigsten sind. Daraus entwickeln sich Glaubenssätze, also innere Überzeugungen, die Kinder entweder stärken oder hemmen. Diese Glaubenssätze beeinflussen, wie Kinder über sich denken und mit Herausforderungen umgehen.

Erlebt ein Kind immer wieder Erfolge, entwickelt es Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Bildet es dagegen aus einzelnen Misserfolgen allgemeine Aussagen über sich selbst, können sich negative Überzeugungen festsetzen. Aus „Die Mathearbeit war heute schwer“ wird dann „Ich bin schlecht in Mathe“. Je häufiger Kinder solche Gedanken denken oder hören, desto stärker verankern sie sich – und fühlen sich irgendwann wie Tatsachen an.

Warum gut gemeinte Sätze manchmal das Gegenteil bewirken

Redet ein Kind schlecht über sich, möchten die meisten Eltern Trost spenden und Druck herausnehmen. Kommt ein Kind traurig nach Hause und erzählt von einer schlechten Mathearbeit, sagen viele ganz automatisch: „Ach, ich war auch nie gut in Mathe.“

Was eigentlich verbinden soll, kann unbeabsichtigt eine andere Botschaft vermitteln. Aus einer schlechten Mathearbeit wird plötzlich eine Überzeugung. Das Kind speichert nicht mehr: „Die Arbeit war schwer.“, sondern: „Ich bin schlecht in Mathe.” Mit jeder weiteren schwierigen Arbeit fühlt sich diese Überzeugung ein Stück wahrer an.

Wie kann ich als Elternteil darauf reagieren?

Hilfreicher ist es, aus einer einzelnen Erfahrung keine allgemeine Aussage über Fähigkeiten zu machen. Eine schlechte Klassenarbeit sagt nichts darüber aus, was ein Kind grundsätzlich kann oder nicht kann. Sie beschreibt lediglich einen Moment. Gleichzeitig brauchen Kinder das Gefühl, mit ihrer Enttäuschung nicht allein zu sein.

Aussagen wie „Das fühlt sich gerade richtig doof an, oder?“ oder „Ich sehe, dass du enttäuscht bist“ nehmen die Gefühle des Kindes ernst. Wenn Kinder sich gesehen fühlen, fällt es ihnen leichter, den Blick wieder nach vorne zu richten. Erst dann ist Raum für Ermutigung: „Heute hat es noch nicht geklappt. Lass uns gemeinsam überlegen, was dir beim nächsten Mal helfen könnte.“

Auch kleine sprachliche Veränderungen können viel bewirken. Aus „Ich kann das nicht“ wird „Du kannst es im Moment noch nicht.“ Aus „Ich bin schlecht in Mathe“ wird „Mathe fällt dir gerade noch schwer.“ Der Unterschied mag klein wirken. Tatsächlich verändert er den Blick auf die Situation grundlegend. Das Problem wird nicht mehr zu einer Aussage über die Fähigkeiten des Kindes, sondern zu einem Lernprozess. Und was gelernt werden kann, darf sich auch verändern.

Woran Eltern negative Glaubenssätze erkennen

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Manche Kinder sprechen ihre inneren Überzeugungen ganz offen aus: „Ich bin dumm.“ Oder: „Das schaffe ich sowieso nicht.“ Andere zeigen ihre Zweifel eher indirekt. Sie möchten sich nicht mehr melden, obwohl sie die Antwort kennen. Plötzlich wollen sie nicht mehr zu ihrem Hobby gehen, das ihnen eigentlich Spaß macht. Oder sie geben schon nach wenigen Minuten auf. Hinter diesem Verhalten können Glaubenssätze wie „Ich schaffe das sowieso nicht“ oder „Ich bin dafür nicht gut genug“ stehen.

In solchen Momenten hilft es oft, neugierig zu werden und nachzufragen, statt sofort zu beruhigen oder zu widersprechen. Fragen wie „Was lässt dich das glauben?“, „Gab es auch schon Situationen, in denen es anders war?“ oder „Bist du dir ganz sicher, dass das immer so ist?“ helfen Kindern dabei, ihre Gedanken zu hinterfragen. Denn ein Glaubenssatz ist keine Wahrheit. Er ist eine Überzeugung und Überzeugungen können verändert werden.

Kinder lernen auch durch das, was wir über uns selbst sagen

Nicht nur die Worte, die wir an unsere Kinder richten, prägen ihr Selbstbild. Auch die Sätze, die wir über uns selbst sagen, bleiben hängen. Wenn Eltern beispielsweise häufig sagen: „Ich war auch immer schlecht in Mathe“ oder „Ich bin einfach unsportlich“, übernehmen Kinder oft unbewusst die Botschaft, dass bestimmte Fähigkeiten unveränderlich sind.

Deshalb lohnt sich eine ehrliche Frage an sich selbst: „Welche Überzeugungen trage ich über mich in mir? Und welche davon möchte ich nicht an mein Kind weitergeben?“

Nicht Perfektion stärkt Kinder, sondern Vertrauen

Kein Elternteil wird immer die richtigen Worte finden. Das müssen wir auch gar nicht. Viel wichtiger ist die Haltung hinter unseren Reaktionen. Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen zutrauen, sich weiterzuentwickeln und die sie nicht auf einzelne Erfahrungen reduzieren.

Ein stabiles Selbstbild entsteht, wenn Kinder erleben: Ein Misserfolg sagt nichts darüber aus, wer ich bin oder was ich grundsätzlich kann. Er ist ein Teil meines Weges – und ich darf daran wachsen.

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Corinna Weber Starke Verbindung statt starker Druck


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