Und Ihr so? Heute bei: Julia, Ingo und ihren sechs Kindern

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Liebe Julia, bitte erzähl doch erstmal, wer alles zu Eurer Familie gehört?

Wir sind Ingo (38) und Julia (36), wir haben am  20.9.2001, am Weltkindertag, geheiratet. Unsere sechs Kinder sind: Saskia (14), Philip (12), Lenya (11), Benjamin (7), Jonas (2) und Linus (31.08.2016 geboren, ET war 26.10.2016)

Wolltest Du schon immer viele Kinder oder hat sich das einfach so ergeben? 

Ich wollte schon immer gerne viele Kinder. Ich habe selber 4 Geschwister und fand es total toll, dass es immer jemanden zum Verbünden gab (Gegenseite zum Streit mit anderen Geschwistern). Ich mag die vielen Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben. Außerdem muss man sich als Mutter so viele Fertigkeiten aneignen – die lohnen sich erst bei vielen Kindern wirklich.

Außerdem finde es für Kinder sehr wichtig, dass sie auch mal Grenzen austesten und "Verbotenes" tun dürfen, ohne gleich die volle Aufmerksamkeit zu haben. Und wenn man viele Kinder hat, ergeben sich zahlreiche solcher Nischen, die für die Persönlichkeitsentwicklung unglaublich wichtig sind. Wie kann ein Kind sich denn selbstständig zu Gutem entscheiden, wenn es regelmäßig "überwacht" und dazu angehalten wird, das "Richtige" zu tun. Ich mag das Leben im Haus, das Kinder hervorrufen – auch wenn das bedeutet, dass nicht immer alles perfekt aufgeräumt ist und glänzt. Unsere Kinder sind alles geplante Wunschkinder!

Was ist das Schönste an einer Großfamilie?

Zu sehen, wie toll sich die Kinder miteinander entwickeln. Ich kann die Kleinen auch viel mehr genießen, weil ich schon erlebt habe, wie schnell Kinder groß werden. Toll ist auch, dass sich die Kinder oft gegenseitig tragen und das meine ich nicht nur physisch. Oft stärken sie sich auch in der Schule gegenseitig den Rücken. Und man bekommt besonders in Kindergarten und Schule viel mehr vom Hintergrund mit, wenn mehrere Kinder in einer Einrichtung sind. Außerdem muss man keine Woche warten, um die Waschmaschine mit z.B roter Wäsche zu füllen 

Und was sind die stressigsten Zeiten mit so vielen Kindern?

Wenn alle am liebsten gleichzeitg ihre Bedürfnisse gestillt haben möchten. Aber auch wenn sehr viele Termine anstehen und sich zusätzlich auch noch welche überschneiden. Das ist immer besonders schwer, weil man ja allen Kindern gerecht werden möchte. Und bei Krankheit, die sich dann auch noch häuft, werden Belastungsgrenzen erreicht. 

Wie finden es Eure Kinder, dass sie so viele Geschwister haben?

Wie bei allen anderen Dingen im Leben, gibt es auch hier zwei Seiten. Immer mal wieder höre ich den Spruch "Ich wäre lieber Einzelkind!", besonders wenn es ans teilen geht oder wir teure Dinge nicht erlauben, weil das Geld bei nur einem Gehalt eben nicht für alle Sonderwünsche reicht. Es ist mir aber sehr wichtig, dass jedes Kind auch mal etwas besonders bekommt und vor allem jeder das, was er wirklich braucht. 
Nach der Geburt unseres fünften Kindes, konnte ich mir im Krankenhaus von den beiden Großen anhören, dass ich ja nicht mehr die Jüngste sei und mich nun beeilen müsse, da sie noch 3 oder 4 weitere Geschwister haben möchten.
Ich erlebe solche Momente auch immer wieder mit den jüngeren Kindern. Unser 4. Kind wollte z.B. immer gerne die Babys von anderen mitnehmen oder direkt eines beim Krankenhaus abholen. Ich denke, sie erleben einfach im Alltag, wie viel Freude kleine Kinder in eine Familie bringen und das überwiegt scheinbar den nervigen Teil den Kinder mit sich bringen. 

Wie reagieren Fremde auf Euch? Schon mal doofe Sprüche bekommen?

Völlig unterschiedlich. Manche sind begeistert und loben uns für unsere Anstrengungen. Andere sind von verwundert bis geschockt. Und wieder andere fassungslos. Als ich mit unserem dritten Kind schwanger war, durfte ich mir von einer Nachbarin anhören, dass die doch alle keinen Arbeitsplatz bekommen und wie man sich sowas heutzutage noch trauen kann, bei allem was in der Welt so geschieht. Oft höre ich "echt toll wie du das alles schaffst, für mich wäre das ja nichts…." oder "Wahnsinn, ich habe mir ja auch immer viele Kinder gewünscht, aber dann kam ……. dazwischen."
Ehrlich gesagt erlebe ich überwiegend positive Rückmeldungen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich selbst eher optimistisch bin und Negatives gerne ausblende, bzw. mich von Menschen fernhalte, die mich runterziehen würden. Und letztlich darf ja jeder seine Meinung haben.

In einem Gespräch mit einer lieben Nachbarin, kamen wir darin überein, dass man-  egal wie man sein Leben lebt – immer auch negative Kritik erntet und das man an besten damit lebt, wenn man sich das regelmäßig bewusst macht und sein Leben so lebt, wie man selber es leben möchte. Schließlich müssen die "Motzer" ja auch nicht die Schuhe für meine Kinder kaufen. 

Wenn Ihr Euer Leben optimieren könntet, was würdest Du ändern?

Wir suchen momentan nach einem größeren Haus, wo wir nicht halbjährlich umräumen müssen, um allen Kindern gerecht zu werden. Am liebsten hätte ich ein größeres Haus genau hier, wo wir jetzt wohnen. Mein Mann hat nur 900m zur Arbeit und Grundschule und Kindergarten sind auch nur 400m entfernt. Außerdem sind wir in 5 Minuten im angrenzenden Wald. Und das Rauschen der Bäume würde ich nachts sicher sehr vermissen. Außerdem haben wir eine unglaublich tolle Nachbarschaft. 

Hast Du Hilfe/Unterstützung im Alltag?

Das meiste schaffen mein Mann und ich ganz alleine, indem wir uns gut organisieren. Hin und wieder springen aber auch Nachbarn oder Freunde ein, wenn Not am Mann ist. 

Wo sammelst Du Kraft für Dich?

Ich liebe lesen, backen und umräumen und mein lieber Ehemann ist mir eine großartige Hilfe bei allem und gibt mir immer wieder den nötigen Freiraum, um auch mal alleine die Zeit zu genießen beim Einkaufen oder bei sportlichen Aktivitäten.
So ganz alleine fühle ich mich allerdings nur selten wohl. Aber hin und wieder, wenn alles zuviel wird, bin ich froh auch mal alleine durchatmen zu können, während mein Mann mit den Kindern schwimmen oder in den Wald geht. 

Wohin geht der nächste Familien-Urlaub?

Mal sehen ein Ferienhaus am Strand steht auf meiner Wunschliste 

Was ist Euch als Familie besonders wichtig?

Regelmäßig Zeit zusammen zu verbringen. Sei es beim Essen, im Wald, an Meer oder wo auch immer. Toll ist, wenn alle gemeinsam dazu beitragen, dass es schön wird und man sich gerne zurückerinnert. Wir füllen seit einigen Jahren jährlich ein Bonbonglas mit vielen bunten Zetteln, auf denen wir besondere Erlebnisse und Momente festhalten und an Silvester lesen wir alles gemeinsam und erinnern uns daran, was im vergangenen Jahr alles Gutes passiert ist.

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2 comments

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  2. So schön!
    Da geht mir das Herz auf, wenn ich diesen Beitrag lese <3. Ich habe selber 5 Geschwister und mittlerweile noch 2 Stiefgeschwister und liebe das Großfamilienleben! Für mich war auch immer klar, dass ich selber mindestens 3 Kinder möchte - und jetzt bin ich fast 30 und habe das schon erreicht (wobei unsere erste Maus leider schwer Herzkrank war nur 1 Jahr alt geworden ist). Bleibt also noch viel Zeit für noch ein paar weitere 😉
    Gerade das mit der roten Wäsche kann ich sehr nachvollziehen 😀 den Gedanken hatte ich schon oft.
    Wir haben das Glück mit meinen Schwiegereltern in einem großen Haus auf dem Land zu wohnen...also viel Platz und immer Hilfe da!
    Wirklich schade, dass man mit 3 Kindern heutzutage schon als Großfamilie gilt und viele sich eine Kinderschar einfach nicht leisten können.