Ein Tisch, viele Wünsche und die Frage: Was koche ich jetzt?

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Fotos: Paul Glaser

Ihr Lieben, wir oft seid ihr gestresst von Thema Essen und Kochen? Der eine mag dies nicht, der andere das nicht – das kann schon mal ganz schön anstrengend sein. Oder wenn man sich immer fragt: Was soll ich dann bitte kochen?

Jenny ist 3-fach Mama und ausgebildete Ernährungsberaterin mit Spezialisierung auf Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Sie ist Gründerin des großen deutschen Foodblogs familienkost.de und Kochbuchautorin – bei uns gibt sie wertvolle Tipps:

Was koche ich jetzt bloß?

Das Kindergartenkind will nur Nudeln und popelt jeden Gemüsewürfel raus, der 15-jährige Teenie zählt im Kopf die Proteine mit und wünscht sich eiweißreiche Gerichte, der Mann des Hauses fragt bei vegetarischen Gerichten immer, wann denn endlich das Fleisch kommt, dabei will die Mama am Tisch eigentlich nur wenig und am liebsten low carb essen. Das ist natürlich etwas überspitzt, in Familien aber gar nicht so selten und macht die Frage “Was soll ich kochen?” alles andere als einfach. 

Ich beschäftige mich als Ernährungsberaterin und Mutter von 3 Kindern seit 13 Jahren mit schnellen und einfachen Rezepten für die ganze Familie. Dabei höre ich immer wieder von meinen Lesern, dass es sie wahnsinnig macht Gerichte zu finden, die für alle passen.

Weil aber oft weder Zeit noch Geld da sind, um für jeden täglich eine Extrawurst zu kochen, habe ich die verschiedenen Esstypen am Familientisch mal etwas überspitzt unter die Lupe genommen. In meinem neuen Buch “Das gibt’s jetzt öfter” gehe ich ihren Vorlieben auf die Spur und teile Tipps, wie man sie alle mit einmal kochen glücklich machen kann. Willst du einen Vorgeschmack?

Wer sitzt denn da am Familientisch?

Das „Ich entscheide selber“-Kind

Kinder essen gern Nudeln und einfache kohlenhydratreiche Gerichte wie Pfannkuchen, Milchreis und Pommes. Sie sind von Natur aus auf süß gepolt und haben eine Ablehnung gegenüber grünen Lebensmitteln. Das ist ein Schutzmechanismus aus der Steinzeit, denn Grünes war oft giftig. 

Der Picky Eater

Der Picky Eater ist nicht automatisch ein Kind. Wählerisches Essverhalten “verwächst” sich nämlich nicht automatisch, sondern kann ein Leben lang bestehen bleiben. Während alle Kinder in bestimmten Entwicklungsschüben neue Gerichte ablehnen, stressen den Picky Eater oft intensive Aromen oder bestimmte Konsistenzen. Das kann daran liegen, dass er eine besonders feine Wahrnehmung hat.

Der Vegetarier

Der größte Trugschluss bei diesem Typen ist, dass es sich bei ihm immer um den größten Gemüse-Fan handelt. Die meisten Vegetarier möchten einfach auf Fleisch und tierische Produkte verzichten. 

Der Fleisch-Fan

Dieser Typ ist meist mit klassischer Hausmannskost aufgewachsen und empfindet eine Mahlzeit nur als vollständig, wenn sie Fleisch enthält. 

Der Protein-Maximierer

Der Protein-Maximierer ist in der Regel sehr gesundheitsbewusst und kümmert sich um seine Fitness. Er rechnet in Gerichten immer den Eiweißgehalt mit und versucht möglichst viel davon in jedes Gericht zu bekommen. Proteinarme Gerichte machen ihn unglücklich und unzufrieden.

Der Low-Carb-Liebhaber

Der Low-Carb-Liebhaber hat meist sein Gewicht oder seinen Blutzuckerspiegel im Auge. Er versucht die Kohlenhydrate in seiner Ernährung zu reduzieren, da er sich damit fitter und ausgeglichener fühlt.

Einmal kochen – alle glücklich? 5 Tipps, die das einfacher machen

Ich kann dir sagen, dass auch ich mir manchmal einen Zauberstab wünsche, um meine 5-köpfige Familie mit ihren unterschiedlichen Vorlieben mit nur einmal kochen glücklich zu machen. Weil ich aber leider keine Fee bin, habe ich viele Tipps gesammelt, die uns das Leben einfacher machen. Was hilft?

  1. Kinder einbeziehen

Lass dich von den eingeschränkten Vorlieben deines Kindes nicht einschränken und koche weiterhin so ausgewogen, wie du es magst. Es kann bis zu 14 Kontakte brauchen, bis ein neues Lebensmittel akzeptiert wird. Verbindungen durch gemeinsames Kochen, eigenen Gemüseanbau und Wochenmarktbesuche können das unterstützen. 

Vermeide Verallgemeinerungen, die das Kind dann selbst glaubt: „Das ist Karl. Der isst kein Gemüse”. (Wenn Karl das immer wieder hört, glaubt er das früher oder später selbst.) Damit wirklich alle satt werden, steht idealerweise immer eine unkritische Komponente auf dem Tisch, die auch pur gegessen werden kann. Das sind z.B. gekochte Nudeln, Kartoffeln, Reis oder Brot.

2. Triggernde Zutaten nicht ins Essen rühren

Viele Eltern machen beim Kochen in letzter Sekunde den Fehler und rühren eine Ladung gehackte Kräuter ins Essen. Zack schiebt der Nachwuchs mit skeptischem Blick den ganzen Teller weg. Stell die Kräuter bei wählerischen Essern lieber zur Selbstbedienung auf den Tisch. Das führt viel eher zum Erfolg. Das gleiche gilt für andere Toppings wie Röstzwiebeln oder geröstete Kichererbsen.

3, Proteine vorab im Auge behalten

Eine ausgewogene Eiweißbilanz tut der ganzen Familie gut, deswegen verwende ich bei den Rezepten in meinem Kochbuch oft Magerquark, Skyr, Hähnchen oder Erbsen. Außerdem kannst du jedes klassische Gericht mit Proteinen aufwerten, indem du weiße Bohnen reinpürierst, Parmesan darüber streust oder körnigen Frischkäse unterhebst. 

4. Toppings und Beilagen für jeden Geschmack

Wenn du verschiedene Toppings zur Selbstbedienung auf den Tisch stellst, kann sich jeder nach Belieben sein Essen ergänzen. Ich denke dabei an knusprig-gebratene Schinkenwürfel für den Fleisch-Fan, an geröstete Kichererbsen für den Vegetarier und an Kürbiskerne für den Protein-Maximierer. Kochst du ein Gericht vegetarisch, wirst du dem Fleisch-Fan gerecht, wenn du ein Hähnchenbrustfilet dazu brätst, separat ein Würstchen warm machst oder Kochschinken unter seine Nudelportion rührst. 

5. Baukastenrezepte

Was hier ein bisschen nach Lego klingt, ist tatsächlich meine Lieblingsmethode für ein glückliches Familienessen mit verschiedenen Typen am Tisch. Dafür stelle ich die einzelnen Komponenten zur Selbstbedienung auf den Tisch und jeder „baut“ sich auf seinem Teller zusammen, was er am liebsten isst. In meinem Kochbuch “Das gibt’s jetzt öfter” bekommst du von mir dafür Rezepte für den Burger-Baukasten, den Gyros-Baukasten, eine schnelle Spontan-Pizza und bunte Bowls zum Frühstück.

Das war nur ein Vorgeschmack. Viele weitere Tipps und Tricks rund um die Familienküche, mehr als 60 einfache Rezepte und 4 Wochenpläne für einen stressfreien Alltag bekommst du in meinem Buch. Ich freue mich, wenn ich dir darauf Appetit machen konnte. 

Deine Jenny


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