Ihr Lieben, wusstet ihr, dass laut aktuellen Studien der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und des Instituts forsa jedes fünfte Kind im Grundschulalter (6 bis 10 Jahre) nicht schwimmen kann? Diese Zahl hat sich seit 2017 verdoppelt. Die Gründe dafür sind vielfältig, es gibt zu wenige Schwimmbäder und zu wenig Personal. Aber es gibt auch viele Kinder, die Angst haben, schwimmen zu lernen.
Auch die Tochter von Friedrich tat sich schwer, in den Schwimmkurs zu gehen – und das obwohl Friedrich selbst Schwimmtrainer ist. Hier gibt er Tipps, wie man Kinder gut für den Schwimmkurs vorbereiten kann:
So lernt dein Kind leichter schwimmen
Endlich ist der Platz im Schwimmkurs da. Die Tasche ist gepackt, die Vorfreude groß. Und dann steht dein Kind vor der Halle, hält dein Bein fest und möchte nicht mitgehen. Als Vater und Schwimmtrainer kenne ich solche Momente. Auch meine Tochter konnte in einer neuen Kurssituation zunächst nicht zeigen, was ihr mit mir im Wasser schon gelang. Die neue Umgebung war noch ungewohnt. Diese zehn Anregungen können dir helfen, dein Kind auf den Kurs vorzubereiten und während des Lernens zu begleiten.
1. Nimm dir Zeit für die Vorbereitung
Für dein Kind kommen viele neue Eindrücke zusammen: eine fremde Lehrperson, andere Kinder, hallende Stimmen, Chlorgeruch. Fahrt vorher den Weg zur Halle oder schaut gemeinsam Fotos an. Vielleicht ist ein Besuch möglich. So kennt dein Kind beim ersten Kurstermin schon etwas wieder. Auch wenige gemeinsame Minuten zu Hause können ein Anfang sein.
2. Finde den passenden Kurs
Schau darauf, welche Wassererfahrungen dein Kind mitbringt und wie es in neuen Gruppen ankommt. Frag die Schwimmschule nach den Voraussetzungen, der Gruppengröße und der Begleitung beim Einstieg. Wenn Wasser und Abschied noch sehr ungewohnt sind, kann zunächst ein gemeinsames Angebot zur Wassergewöhnung passen.
3. Gib den Fragen deines Kindes Raum
„Wer hilft mir? Wo wartest du?“ Solche Fragen lassen sich beim Anschauen einer Bildergeschichte aufgreifen. Aus meinen Erfahrungen als Vater und Schwimmtrainer habe ich dafür ein Kinderbuch und ein begleitendes Elternbuch entwickelt. Bleib bei den Seiten, die dein Kind interessieren. Ihr könnt den Ablauf auch mit Figuren nachspielen. Erkläre, was du über euren Kurs weißt, und kläre offene Fragen mit der Kursleitung. Dein Kind darf einfach zuhören oder weiterspielen.
4. Gehe selbst ruhig ins Wasser
Achte beim gemeinsamen Schwimmbadbesuch einmal auf deinen eigenen Einstieg. Begleitest du ihn jedes Mal mit einem erschrockenen „Oh, ist das kalt!“? Kinder orientieren sich auch an unseren Reaktionen. Du kannst ruhig vorangehen: „Das fühlt sich erst frisch an. Ich gehe langsam hinein.“ Dabei darf dein Kind sein eigenes Empfinden haben. Wenn es friert, ist eine Pause zum Aufwärmen dran.
5. Kläre deine eigenen Fragen
Ein ruhiger Abschied fällt leichter, wenn du den Ablauf kennst. Wer übernimmt dein Kind? Wo wartest du? Wie bleibst du erreichbar, und wann wirst du dazugeholt? Sprich darüber vor dem ersten Termin mit der Kursleitung. Aus diesen Absprachen kann Zuversicht entstehen, die du bei der Übergabe auch zeigen kannst.
6. Gestalte einen verlässlichen Abschied
Nimm dir Zeit für eine Umarmung, wenn dein Kind das möchte. Benenne die vertrauten Absprachen: „Da ist deine Trainerin. Sie geht jetzt mit euch in den Kurs. Ich warte draußen und hole dich danach hier ab.“ Versprich nur, was tatsächlich vereinbart ist. Dein Kind soll mitbekommen, dass du gehst, und wissen, wer jetzt für es da ist.
7. Erlaube einen kleinen Anfang
Wenn dein Kind zögert, kannst du sagen: „Du möchtest gerade noch bei mir bleiben.“ Überlegt mit der Kursleitung, welcher Schritt möglich ist: erst kennenlernen, von einem betreuten Platz aus zuschauen oder ein Brett reichen. Auch darüber kann Kontakt entstehen. Findet dein Kind trotz Unterstützung nicht zur Ruhe oder wehrt sich stark, unterbrecht die Übergabe und besprecht einen anderen Einstieg.
8. Lass zwischen den Kursen Platz fürs Spielen
Welche Übungen passen, hängt vom Lernstand ab. Frag die Kursleitung, was ihr gemeinsam aufgreifen könnt. In meinen Stunden wird ein Schwimmbrett manchmal zum Tablett für ein ausgedachtes Lieblingseis. Das Kind wählt die Sorte und bringt sein Eis durchs Wasser; Strecke und Unterstützung passe ich an. Beim gemeinsamen Baden kannst du an die Freude an solchen Spielen anknüpfen.
9. Sieh die Fortschritte deines Kindes
Ein anderes Kind springt schon hinein, deines spricht heute zum ersten Mal mit dem Trainer. Auch das kann ein wichtiger Schritt sein. Würdige konkret, was du beobachtest: „Du hast gefragt, ob er dir hilft.“ Ein Seepferdchen darf ein Ziel sein; daraus sollte kein Versprechen für einen bestimmten Termin werden. Und wenn etwas gestern klappte und heute schwerfällt, könnt ihr gemeinsam schauen, welche Unterstützung diesmal hilft.
10. Lass dein Kind nach dem Kurs ankommen
Vielleicht braucht es zuerst deine Arme, etwas zu trinken oder Ruhe. „Ich freue mich, dich zu sehen“ lässt Platz dafür. Später kannst du fragen: „Was möchtest du erzählen?“ Dein Kind entscheidet, was es teilen möchte. Auch eine stille Heimfahrt kann guttun. Beim nächsten Termin könnt ihr an das anknüpfen, was bereits vertrauter geworden ist.
Zur Sicherheit: Am und im Wasser bleibt die Aufsicht Aufgabe der Erwachsenen. Nichtschwimmer brauchen durchgehend Begleitung in Armreichweite, auch mit Schwimmhilfen. Das Seepferdchen bescheinigt noch kein sicheres Schwimmen. Im Kurs muss klar sein, wer die Aufsicht übernimmt.
Noch mehr Hinweise zur Sicherheit: DLRG Sicherheitstipps , DLRG zum Seepferdchen
Friedrich Grott ist Schwimmtrainer, ehemaliger Leistungsschwimmer und Vater von zwei Kindern. Mit Inner Ground Studio entwickelt er Kinderbücher, Elternbücher und begleitende Materialien zur emotionalen Vorbereitung auf neue Schritte. Sein Bundle „Schwimmen lernen“ verbindet ein Kinderbuch, ein Elternbuch und einen Patch mit der Schildkröte Mira.