12/02/2015 - 08:26

Stadt-Mama Katharina

Vom richtigen Blick auf die Dinge...

Liebe Lisa, wir hatten bisher keine besonders gute Woche. Alle verschnupft, mit dickem Kopp, genervt vom Wetter und irgendwie unzufrieden. Die Kinder waren unausgelastet und nölig – schon das letzte Wochenende zog sich wie Kaugummi. Gestern Abend, als beide Kids in der Badewanne saßen, hockte ich erschöpft auf  einem Hockerchen davor und überlegt mir, ob ich die Streithähne einfach mit dem Badewasser den Abfluss runter spülen könnte. „Für dieses Dauer-Gezeter habe ich also mein schönes altes Leben aufgegeben“, maulte ich innerlich. „Ich will ins Bett, an meiner fiesen Erkältung rumleiden, Serien gucken und mir die Decke über den Kopf ziehen.“ Kurz: Ich fand alle und alles blöd.

Dann klingelte das Telefon. Eine Freundin von mir war dran. Sie ist in der 12. Schwangerschaftswoche und in den nächsten Tagend steht die Nackenfaltenmessung bevor. Und meine Freundin hat Angst. Erstens ist sie „schon“ 37 und zweitens trägt sie eine ordentliche Last auf ihren Schultern. Sie hat bereits einen 5-jährigen Sohn und wünschte sich immer ein zweites Kind. Doch sie wurde und wurde nicht schwanger. Mit hormoneller Unterstützung klappte es irgendwann doch, aber sie verlor das Baby in der 8.SSW. Und kurz darauf noch eins in der 10. SSW. Diese Schicksalsschläge hat sie bis heute nicht ganz überwunden- verständlicherweise. Wichtig sei es jetzt, positiv zu bleiben, machen wir uns nun Mut und wir sind sicher, dass diesmal alles gut gehen wird.

Und als sie mir dann erzählte, dass es ihr größter Wunsch sei, zu sehen, wie ihre zwei Kinder miteinander spielen, guckte ich in die Wanne, wo meine beiden saßen. Und fühlte mich schäbig. Was hatte ich für ein Glück, zweimal schnell schwanger geworden zu sein und niemals einen Abgang oder eine Fehlgeburt erleben zu müssen. Was habe ich für ein Glück, dass meine Kinder ein Geschwisterchen haben, das sie (wenn alles gut geht) ein Leben lang begleitet.

Als meine Freundin aufgelegt hatte, machte ich meine beiden Mäuse bettfertig, wir kuschelten noch eine Weile, dann brachte ich sie in die Koje. Ich empfand die letzten Tage immer noch als irre anstrengend und ich war froh über ein paar ruhige Minuten alleine auf dem Sofa.

Aber meine Sicht auf die Dinge war wieder gerade gerückt, die Verhältnissmäßigkeiten wieder geklärt.

Manchmal, da klingelt das Telefon wirklich zum richtigen Augenblick. 

Tags: Kinder, schwanger, Geschwister

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Kommentare

Florelei — Do, 02/12/2015 - 09:58

Liebe Stadt Mama, Ich hatte 3 Fehlgeburten und einen Abbruch wegen toxoplasmose... Hab jetzt eine 2,5 jährige Tochter und das zweite kommt in 3 Wochen, und ich kann dir sagen, so zurechtgerückt mein Kopf auch sein sollte: Mann geht die mir manchmal auf die Nerven und wenn ich krank bin will ich auch nur Ruhe und habe die gleichen Gedanken wie du! Ich liebe sie (alle beide) aber wenn ma fertig ist odersie einen Nerven hilft der Blick auf die Vergangenheit auch nix :)

Tomi — Do, 02/12/2015 - 10:10

Liebe Katharina, das kann ich zu 100% unterschreiben!Genau das Gleiche hier: Kinder,Mann und ich selbst alle seit Wochen verschleim-schnoddert, alle irgendwie ausgelaugt und kaputt. Jeder meint er gibt zu viel und bekommt zu wenig (bei den Großen) oder kommt grundsätzlich zu kurz (bei den Kleinen). Keine Hilfe a.k.a. Großeltern,Tanten etc. vor Ort ergo Reserven aufgebraucht, alle am Limit. Und dann ist ja das Gespräch mit der Freundin die alleinerziehend mit zwei Kindern sich mit der Kasse für Unterhaltsvorschusd und ihrem unzuverlässigen Ex rumärgert, die SMS der Freundin die fragt ob man sich mal umhören könne wg. einer Wohnung für sie und die Babytochter, sie würden beim Kindspapa ausziehen usw...Dann werde ick kurz still, drücke meine kleinen und den großen Lieblingsmenschen ganz fest und beschließe,weniger zu jammern und öfter dankbar zu sein. Klappt in der Regel bis zum nächsten kernschmelz-artigen Tobsuchtsanfall der Großen!;)

Tomi — Do, 02/12/2015 - 10:10

Liebe Katharina, das kann ich zu 100% unterschreiben!Genau das Gleiche hier: Kinder,Mann und ich selbst alle seit Wochen verschleim-schnoddert, alle irgendwie ausgelaugt und kaputt. Jeder meint er gibt zu viel und bekommt zu wenig (bei den Großen) oder kommt grundsätzlich zu kurz (bei den Kleinen). Keine Hilfe a.k.a. Großeltern,Tanten etc. vor Ort ergo Reserven aufgebraucht, alle am Limit. Und dann ist ja das Gespräch mit der Freundin die alleinerziehend mit zwei Kindern sich mit der Kasse für Unterhaltsvorschusd und ihrem unzuverlässigen Ex rumärgert, die SMS der Freundin die fragt ob man sich mal umhören könne wg. einer Wohnung für sie und die Babytochter, sie würden beim Kindspapa ausziehen usw...Dann werde ick kurz still, drücke meine kleinen und den großen Lieblingsmenschen ganz fest und beschließe,weniger zu jammern und öfter dankbar zu sein. Klappt in der Regel bis zum nächsten kernschmelz-artigen Tobsuchtsanfall der Großen!;)

Ina — Do, 02/12/2015 - 10:25

... hast ja so recht! Oft weiß man das Glück gar nicht zu schätzen, sehen wir immer nur das Negative. Drei gesunde Kinder sind Grund genug um jeden Tag dankbar zu sein!

anonym — Do, 02/12/2015 - 19:27

Ich leide seit meiner 1. Schwangerschaft unter Depressionen und habe nun zwei Kindern. Es ist nicht leicht mit einem Schulkind und einem Krippenkind die sich nur in den Haaren haben nicht zu verzweifeln. Ich bin leicht reitzbar und schnell genervt. Würde gern alles hinschmeißen aber wenn ich dann an eine Familie denke die grade Mutter und Sohn durch einen Unfall verloren hat, da weiß man erst wieder wie gut es einem geht.

leber — Fr, 10/11/2019 - 04:59

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