Interview von Schwester zu Schwester: Wie ist das Schwanger sein für Dich?

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Eine Schwangerschaft ist ja immer was Besonderes! Aber wenn sie eigene, kleine Schwester das erste Kind bekommt, ist das noch ein bisschen besonderer. Genau das ist bei uns in der Familie so. Vor drei Wochen habe ich das dritte Kind bekommen, im März soll Baby Nr. 1 bei meiner Schwester in München zur Welt kommen. Da gibt es natürlich noch mehr zu besprechen als ohnehin schon. Denn ja, meine Schwester ist wirklich eine sehr sehr enge Vertraute von mir  – wenn nicht die engste. Heute gibt es ein Interview mit ihr – von Schwester zu Schwester – rund um Schwangerschaft, Geburt und unsere Kindheit: 

 

Liebe Eva, Du bist in der 28. SSW mit deinem ersten Kind. Du weisst nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird – warum wollt Ihr Euch überraschen lassen?

Für uns war sofort mit dem positiven Schwangerschaftstest klar: Wir wollen uns auf jeden Fall beide überraschen lassen. Für mich persönlich gibt es kein größeres Wunder als die Entstehung, die Schwangerschaft und die Geburt eines Babys. In der heutigen Zeit weiß man schon so viel über das Ungeborene – regelmäßige Arzttermine, Messungen, Ultraschalle, Untersuchungen und Bluttests liefern uns viele wichtige Informationen, die unsere Eltern und Großeltern sicher noch nicht zur Verfügung hatten.

Sich bei dieser ganzen Infoflut die schönste Überraschung der Welt aufzuheben, ist für uns etwas ganz Wunderbares und Schönes. Oft liegen wir im Bett und rätseln, was es wohl wird. Bei den ersten Untersuchungen sind wir zwar fast geplatzt vor Neugier und mussten bei den Ultraschallen gezielt wegschauen, damit wir nichts erkennen, aber das machte die Besuche beim Arzt immer noch spannender. Laut Ärzten und Hebammen gibt es wohl nur noch wenige Paare, die sich wirklich überraschen lassen.

Eine gute Freundin von mir hat sich auch überraschen lassen und meinte einmal: "Eva, es gibt kein besseres Mittel, um die Presswehen zu überstehen." Einfach nur der Gedanke daran: Komm jetzt endlich raus – bist du jetzt ein Mädchen oder Junge hat ihr geholfen, die Geburt so gut zu meistern – das kann ich mir auch gut vorstellen.

Was findest Du das Schönste am Schwanger sein?

Natürlich die gesamte Entwicklung, die vor sich geht in meinem Bauch – dass da wirklich ein Mini Baby drin sein soll, finde ich schön, aber irgendwie skurril zu gleich.  Ich fühle mich tatsächlich sehr geschmeichelt von den lieben Bemerkungen von Freunden & Familien. Es scheint wohl, dass mir einige Kilos mehr auf den Knochen und eine dicke Kugel gar nicht so schlecht stehen.

Oft sind es auch einfach nur Blicke, nette Gesten oder Hilfe, die einem als Schwangere angeboten werden. München ist da vielleicht auch eine Ausnahme-Stadt, aber von der Bäckerin bis hin zum Busfahrer trifft man hier wirklich auf sehr aufmerksame Leute und viel Unterstützung. UND: Babysachen einkaufen – ich liebe die kleinen Mini Strampler! UND: noch richtig ausschlafen können und erst um 11 Uhr frühstücken! UND: Soviele Freundinnen, die gerade auch schwanger sind und die Vorfreude auf die Zeit mit Ihnen und den Babys.

Und das Blödste?

Naja die ganze Hormonumstellung in den ersten 3 Monaten hat mir schon ganz schön zu schaffen gemacht. Jetzt merke ich auch, dass ich nicht mehr so fit und beweglich bin, abends bin ich sehr müde und kann daher nicht so viel unternehmen, wie ich es gerne machen würde. Was mich tatsächlich oft nervt, ist die Reaktion anderer, die nicht verstehen können, dass wir das Geschlecht des Babys nicht wissen wollen – als ob rosa oder blaue Strampler das einzig Wichtige wären!

Was hörst Du von Menschen, die bereits Kinder haben, am Häufigsten, seit Du schwanger bist?

Das sind tatsächlich leider oft diese Sätze: „Genießt die Zeit noch zu zweit. Es wird sich alles ändern. Ihr werdet keine Hobbys mehr haben. Ihr habt keine Ahnung, was auf Euch zukommt.“

Und was würdest Du viel lieber öfter hören?

Von einer Mutter die bereits 5 Kinder hat (alle 5 Kinder untere 6 Jahren) kam einmal der Satz: "Es gibt nichts Schöneres. Ja, es ändert sich viel, aber es wird alles noch viel schöner und vollkommener."

Da hab ich fast geheult vor Glück, denn endlich hat eine Mutter sich nicht beschwert über wenig Schlaf, zu wenig Zeit für sich und den Ehemann – sondern 5 gesunde Kinder und das damit verbundene Leben als ein riesen Geschenk angenommen. Natürlich tun auch einfache Ermutigungen gut, wie: „Ihr macht das sicher super, das Kind hat sich gute Eltern ausgesucht."

Auf was freust Du Dich am meisten, wenn das Baby da ist?

Am meisten freue ich mich über die Tatsache, dass es tatsächlich „mein Baby“ ist – ich nicht nur wieder die Tante sein werde, sondern wirklich über den Fakt, dass es UNSER BABY ist, 50% mein Freund, 50% ich. Natürlich stelle ich mir auch vor, wie ich das Baby stundenlang anschaue, mit dem Baby kuschel, spazierengehe, Ich freue mich auf den Baby-Duft, das Kind stundenlang zu riechen und nach dem Baden in ein kleines Baby-Handtuch einzuwickeln und mir auf die Brust zu legen.

Und gibt es etwas, vor dem Du Bammel hast?

Viel! Als siebenfache Tante durchläuft man ja eigentlich ein super Training. Trotzdem habe ich vor vielem Angst und enormen Respekt. Typische Bammel-Themen sind: Wenig Schlaf (ich brauch 8 Std Minimum pro Nacht), Verantwortung für ein kleines Menschlein (Tag und Nacht für viele Jahr – wenn nicht sogar für immer!),  Reagiere ich richtig, wenn das Kind schreit, krank ist, Hilfe braucht, wie verändert sich die Beziehung zum Partner, wie verändert sich mein Leben/Alltag/Freundschaften/Job.

Du warst ja gerade erst bei mir in Berlin, um Dir das Mini-Mädchen anzusehen. Wie war das für Dich?

Dein kleines Mini-Mädchen war natürlich mein Highlight. Ein fünf Tage altes Baby im Arm zu haben und zu wissen, dass es das Baby Deiner lieben Schwester ist, ist einfach ein unglaubliches Gefühl. Zudem war es für mich natürlich so kurz vor der anstehenden Geburt auch nochmal wertvoll, sich mit Dir auszutauschen, Tipps einzuholen und zu verstehen, was bedeutet Wochenbett und wie sehen die ersten Tage/Wochen mit Baby aus. Die Woche bei Euch war für mich wunderschön – ich habe den Alltag mit Euch als 5 köpfige Familie geliebt. 

Im Februar waren wir gemeinsam in Kopenhagen und im September in Österreich. Glaubst Du, wir können trotz 4 Kindern weiter solche Auszeiten nehmen?

Was für eine Frage – Natürlich – Ich glaube daran und ich weiß, dass wir das auch weiterhin machen. Vielleicht nicht dieses Jahr, aber auf jeden Fall nächstes Jahr. Wir sind zwar dann beide Mamas, aber trotzdem bleiben wir für immer Schwestern, die Zeit zu zweit brauchen. Ein Wochenende wegfahren und nur mal Zeit für uns haben, ist mit Sicherheit machbar und auch umsetzbar. 

Was glaubst Du, wird Dich am Muttersein am Meisten herausfordern?

– Mangelnder Schlaf und Müdigkeit

– Zu viele Meinungen anderer – Herauszufinden, was bin ich für ein Typ Mutter und welche Ratschläge nehme ich an, auf welche verzichte ich

 Gibt es etwas aus unserer Kindheit, was Du an Dein Kind weitergeben willst?

Ja zwei fallen mir da spontan ein: 1. Die gemeinsamen Mahlzeiten, auf die unsere Mama viel Wert gelegt hat. Dass man als Familie zusammenkommt, viel kommuniziert und sich austauscht ist wichtig  – auch heute noch sind meine Geschwister & Eltern meine wichtigsten Ansprechpartner.

2. Wir haben viel Zeit gehabt zu spielen– die Momente, in denen man unter Kindern allein war, waren die besten. Hier muss man wohl als Mutter auch oft das Helikopter Gen zurücknehmen und vertrauen, dass den Kindern jetzt nichts passiert.

Gibt es eine Erlebnis, das Du stark mit mir als Schwester verbindest?

Ein einziges nicht – das sind viele Momente in der Kindheit, Jugend und im Erwachsenenleben. Von der Scheidung der Eltern bis hin zum großen Herzschmerz haben wir eigentlich alles geteilt. Das Telefon wird sofort gezückt, wenn man eine schnelle Meinung und Rat braucht oder man einfach nur bei Zara in der Umkleide steht und man wissen will, ob man das Kleid kaufen soll.  

Die Situation, einmal mit meiner Schwester gleichzeitig schwanger zu sein hab ich mir tatsächlich sehr gewünscht – umso schöner, dass es tatsächlich in diesem Jahr geklappt hat. Das verbindet einen natürlich nochmal mehr und dafür bin ich unendlich dankbar.

Was wünscht Du Dir für Dein Kind?

Ein gesundes Leben, voll mit Liebe, Mut, Humor und Neugier!kop2

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Zum Weiterlesen: 

So war unser Wochenende in Kopenhagen

Wenn zwei Schwestern Wellness machen

Warum ich meiner Tochter eine Schwester wünsche

 

 

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3 comments

  1. Lisa und Katharina
    Hallo zusammen, ich finde wunderschön dass ihr zusammen könnten die Mama Traum zu erfüllen…ich suche Informationen dass meiner Schwester auch für mich schwanger werden kann. Könnt ihr mich beraten oder Hilfe mir geben um die Info bekommen? Lg und Dankeschön

  2. Geschwister
    Wie sehr ich hoffe, dass meine beiden Süßen sich später auch mal so nah sein werden wie ihr. Ich glaube für Eltern kann es kaum etwas Schöneres geben als zu sehen, dass sich die eigenen Kinder so unglaublich gut verstehen 🙂 Und an Dich, liebe Eva, alles Gute und eine tolle Restschwangerschaft!

  3. Schöner Beitrag
    Was für ein schöner Beitrag. Ich bin auch gerade schwanger und wurde nun dazu inspiriert mich auch vom Geschlecht überraschen zu lassen. Das ist eine wunderbare Idee 🙂 Danke!