Sexuell unglücklich: Ich hab immer „brav“ mitgemacht statt Spaß zu haben

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Ihr Lieben, wann hattet ihr das letzte Mal Sex? Und wie würdet ihr euer Sexleben beschreiben? Wie hat es sich seit den Kindern verändert? Gibt es Tage, an denen ihr euch zum Sex „überreden“ lasst, obwohl ihr gar keine rechte Lust habt? Und sprecht ihr eigentlich mit eurem Partner über eure sexuellen Wünsche?

Natürlich müsst ihr hier nicht antworten, es soll euch nur zum Nachdenken anregen. Viel zu viele Frauen sind sexuell unglücklich, achten nicht auf ihre Bedürfnisse. So auch Nora – sie hat sich bei uns gemeldet und wollte von sich erzählen. Vielen Dank für dein Vertrauen, liebe Nora.

Liebe Nora, du bist Mutter von vier Kindern und hast dich vor Kurzem von deinem Mann getrennt. Wie lange wart ihr zusammen und wie würdest du eure Beziehung ganz allgemein beschreiben?

Wir waren 16 Jahre lang zusammen und alles in allem war unsere Beziehung in Ordnung. Ich hatte schon früher mal den Gedanken, die Beziehung zu beenden, aber mir fehlte der Mut. Dann haben wir uns wieder zusammengerissen und es war ganz ok. Mit der Zeit fühlte ich mich jedoch immer einsamer und konnte auch kein Glück mehr empfinden – nicht mal mehr, als ich mit meinen Kindern zusammen war. Da wusste ich, dass ich was ändern muss.

Das Thema Sex war bei euch nicht ganz einfach. Wie hast du euer Sexleben zuletzt empfunden?

Ja, das Thema Sex war nicht einfach. Ich hatte das Gefühl, mich nur „durchvögeln“ zu lassen. Für ihn war die sexuelle Befriedigung sehr wichtig. Sex stimmte ihn ausgeglichen und er sah Sex auch als Belohnung für sich (bspw. für seine harte Arbeit). Ich wollte ihn nicht enttäuschen und versuchte immer „gut mitzumachen“. Um das seelisch zu ertragen, ging ich dabei in die Beobachterrolle, bin also aus meinem Körper raus. Dadurch konnte ich tatsächlich auch Orgasmen bekommen.

War das von Beginn an so?

Ich glaube, dass ich noch nie richtig offen für Sex war. Ich hatte immer das Gefühl, dass Männer Sex nur zu ihrer eigenen Befriedigung wollen. Und dafür wollte ich mich nur ungern hergeben.

Zu Anfang unserer Beziehung gab es noch Kuscheln und Küssen, als die Kinder auf der Welt waren, zogen wir für den Sex nicht mal mehr das Oberteil und die Socken aus. Zungenküsse und Zärtlichkeit gab es nicht mehr. Der Sex lief immer gleich ab.

Mein Mann fand mich während der Schwaangerschaften immer sehr erotisch und liebte den Sex mit mir. Ich dagegen fand Sex in den Schwangerschaften nicht besonders angenehm und habe einfach wieder nur mitgemacht. Mein Mann wollte auch immer, dass wir nach den Geburten schnell wieder miteinander schlafen – mein Körper hatte nie viele Pause…

Hast du versucht, mit deinem Mann darüber zu sprechen?

Mein Mann war sich schon immer sicher, dass er ein guter Partner in sexueller Hinsicht ist. Er gab sich auch Mühe und es war ihm wichtig, dass ich einen Orgasmus hatte.

Er hat auch offen über seine sexuellen Wünsche gesprochen, dass er gerne mehr Oralsex hätte und dass ich ihm zu verklemmt und passiv sei. Bei mir ist das Problem, dass mein Kopf mir oft im Weg steht und ich es deshalb nicht schaffe, mich zu öffnen. Aber das hat er nie verstanden. Also waren Gespräche über meine Sexualität immer schnell beendet.

Versuch mal konkret zu beschreiben, was dir sexuell gefehlt hat.

Ich konnte nicht richtig vertrauen und mich dadurch auch nicht öffnen. Deshalb verspürte ich gar keine Lust auf den Körper meines Mannes. Ich schämte mich und konnte auch seine Berührungen nur schwer zulassen.

Nun hast du einen neuen Partner – wie erlebst du mit ihm Sexualität?

Auch hier habe ich wieder das Problem, dass ich mich nur schwer öffnen kann. Ich mache mir selbst Druck, dass der Sex funktionieren muss und ich nicht so verklemmt sein sollte. Die Partnerschaft steht noch ganz am Anfang und wir lassen es langsam angehen. Der neue Partner respektiert mein Tempo und meine Grenzen. Das fühlt sich gut an und schafft für mich eine Vertrauensbasis. Da ich bei diesem Thema so vorbelastet bin, wünsche ich mir sehr, dass ich mich für ihn öffnen kann und wir eine gute Sexualität leben können.

Was willst du anderen Frauen raten, die schon lange sexuell unglücklich sind und nicht wissen, was wie wie ändern sollen? 

Ich glaube, dass es wichtig ist, sich selbst zu reflektieren und sich zu fragen, ob man selbst mit einem unguten Gefühl in die sexuelle Beziehung mit dem Partner hineingeht. Wenn das so ist, sollte man die Ursachen dafür herausfinden. Man sollte nicht erwarten, dass der Partner diese Dinge löst. Viel wichtiger ist es, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu achten und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. 

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7 comments

  1. Liebe Nora, das Wichtigste ist in meinen Augen sich klar zu machen, dass es beim Sex gerade nicht darum geht, dass Dein Partner Dich zu seiner Befriedigung ausnutzen möchte, sondern darum, dass er Dich sehr schön und attraktiv findet und Dich begehrt. Einen Orgasmus kann sich frau auch ohne Partner selbst beschaffen, das Gefühl begehrt zu sein nicht, und das ist doch ein sehr schönes Gefühl. Ohne diese Einstellung ist es eigentlich auch unmöglich Sex als Frau zu genießen, denn dieser beginnt im Kopf. Vielleicht hilft es, wenn Dein Partner vor/beim Sex auch sagt, dass er Dich wunderschön findet, welche Körperteile von Dir besonders schön, das macht er sicherlich gerne, wenn Du ihm signalisierst, dass Du es hören möchtest. Auch Rollenspiele können helfen sich mal wie jemand ganz anders zu fühlen und dadurch Hemmungen abzubauen und letztendlich Spaß zu haben.

  2. Ich glaube, diese Mama muss erstmal selbst herausfinden, was ihr sexuell gefällt. Es gibt so viele Möglichkeiten, nicht nur Rein-Raus. Ich würde zum Besuch einer Sexualtherapeutin raten, erst allein und später als Paar. Vielleicht kann sie durch Masturbation herausfinden, was sie gut findet. Auch kann es helfen, als Paar bewusst einige Zeit auf Penetration zu verzichten. Oder eine Zeit lang Sex zu praktizieren, bei dem explizit nur die Frau zum Orgasmus kommen soll. Viele Männer wissen leider nicht, was ihren Partnerinnen gefällt. Und auch die Frauen selbst wissen manchmal gar nicht, wie groß zum Beispiel die Klitoris ist und auf wie viele Arten man sie stimulieren kann.

  3. so ähnlich ist es bei mir auch.
    aber ich würde dafür meinen mann nicht verlassen, er respektiert wenn ich nicht will.
    denn, was man oben heraus liest, mit dem neuen partner fühlt sich die erzählerin doch genauso. also stellt sich mir die frage, liegt es am partner oder der grau selbst? der partner kann doch so toll sein wie er will-wenn in der frau selbst das problem liegt hilft das dann doch nur bedingt, oder?
    gibt es denn noch andere denen es so geht?
    was hat den denen geholfen da selbst weniger kopflastig und entspannter zu werden?
    über so erfahrungen wäre auch ich sehr froh.

    1. Das Problem ist eigentlich klar benannt. Wenn kein Gespräch statt findet wird sich nichts ändern! Niemand kann Gedanken lesen. Das ist leider oft ein weibliches Thema. Sind wir Frauen wirklich noch so altmodisch uns immer zurück zu nehmen und zu meinen Das muss der Partner doch von allein merken??? Da wird immer lauthals der Feminimus propagiert aber da wo es wichtig ist wird dann doch wieder auf den Partner gehofft der das schon von allein erspürt? Ich bin auch eine Frau und rede natürlich auch beim Sex mit meinem Mann und auch über den Sex.

    2. Wenn ich den Artikel lese wird mir ganz anders. „Mitmachen“, wie traurig ist das eigentlich. Niemand sollte mitmachen müssen. Ich bestimme doch selbst über meinen Körper und kein Mann der Welt. Und wenn ich keine Lust habe, habe ich keine Lust. Punkt. Frauen, macht euch mal nicht immer so klein. Seid selbstbewusst und lebt selbstbestimmt! Ich mag Sex und genieße ihn. Offene Kommunikation ist dabei das A und O. Derzeit führen wir eine Art offene Beziehung und ich lebe Sex nochmal ganz neu. Dieses Kleinmachen mancher Frauen ist traurig. Man lebt nur einmal. Also: nehmt euch das Leben und genießt es so wie IHR es wollt! Es dreht sich nicht immer alles um die Männer! Da beginnt doch das Patriarchat. Und ein Mann, der mit seiner Frau schläft wenn sie keine große Lust hat ist wenig wert…

      1. Wenn das alles so einfach wäre… das Mitmachen und dabei aus dem Körper rausgehen kenne ich. Liegt daran, dass ich als Kind sexuell missbraucht wurde. Jede, die Sex so erlebt, sollte sich mal mit dem Thema befassen. Mir hat eine Traumatherapie sehr geholfen.

      2. Ich finde es furchtbar hier der Frau die Schuld in die Schuhe zu schieben. So nach dem Motto: muss sie halt was sagen. Da ist ganz offensichtlich was beim Mann kaputt. Wie kann man es denn nicht mitbekommen, dass die Partnerin nicht will und sogar dissoziiert um es überstehen zu können?! Leider ist das kein Einzelfall, sondern die Regel bei Männern unserer Generation. Die sind in der Hinsicht wahnsinnig schlecht sozialisiert worden. Klar hilft Kommunikation. Das tut sie ja immer. Aber man sollte sich darüber klar sein, aus welcher Position man verhandelt. Sex als emotionale Dienstleistung geht gar nicht! Da muss sich der Mann bewegen und sich mal seiner patriachalen Privilegien bewusst werden. Sonst hilft das beste Gespräch nichts.

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