Impfung für unter 12-Jährige: Marietta über den schweren Corona-Verlauf ihrer kleinen Tochter

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Ihr Lieben, gestern ploppte mittags die EIL-Meldung auf meinem Handy auf: „Biontech-Gründer rechnen mit Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige in wenigen Wochen„. Diese Meldung teilten wir auf unserer Facebook-Seite, sie wurde heftig diskutiert. Klar ist, dass Kinder das Corona Virus wohl besser wegstecken als Erwachsene. Und dennoch gibt es auch bei kleinen Kindern schwere Verläufe. Mariettas Tochter war genau so ein Fall, sie erzählt uns hier ihre Geschichte:

Liebe Marietta, heute kam raus, dass es bald einen Impfstoff für die 5 bis 12-Jährigen gegen Covid geben wird. Das haben wir auf unserer FB-Seite geteilt, worauf es eine hitzige Diskussion gab. Daraufhin hast du dich bei uns gemeldet. Warum?

Wir haben mit sehr großem Interesse diesen Artikel gelesen – und dann die Kommentare. Uns macht es ein wenig Sorge, dass der Verlauf bei Kindern so sorglos betrachtet wird. Denn seit dem letzten Jahr ist bei uns nichts mehr wie vorher.

Deine ganze Familie war nämlich an Covid erkrankt. Wann ist wer erkrankt und wie schwer waren die Verläufe?

Ja, es hat leider alle im November 2020 erwischt. Der Verlauf bei mir war ähnlich einer Grippe, mein Mann fühlte sich erkältet, unsere damals 6- und 12-jährigen Kinder hatten gar keine Symptome. Meine damals noch vierjährige Tochter erkrankte jedoch schwer. Zunächst stieg das Fieber sehr stark an, sie wurde immer schwächer und dann, ca. 2 Tage nach dem positiven Ergebnis, bekam sie starke Atemnot. So heftig, dass wir nachts den Notarzt rufen mussten.

Weil ich zu dem Zeitpunkt schon positiv gestetet war, musste das Kind zunächst alleine auf die Intensivstation, weil kein Isolierzimmer frei war. Bei Aufnahme hatte sie eine Sauerstoff-Sättigung von 72%, musste sediert und beatmet werden. Ich möchte an dieser Stelle der Klinik danken, dass sie alles möglich gemacht hat, mich später doch noch aufzunehmen, obwohl ich Corona- positiv war. So konnte ich dann doch bei meiner Tochter sein. Insgesamt waren wir dann noch 21 Tage in der Klinik.

Wisst Ihr, wo Ihr euch angesteckt habt?

Vermutlich im Kindergarten. Dort gab es mehrere positive Fälle, unsere Tochter hatte am Wochenende nach der ausgesprochenen Quarantäne die ersten Symptome.

Wer von Euch ist geimpft und was denkst du über die Impfungen für jüngere Kinder?

Wir Eltern sind geimpft, unsere 13-jährige hat sich jetzt, als es möglich wurde, sofort auf eigenen und ausdrücklichen Wunsch hin impfen lassen. Ich denke auch, dass wir die jüngeren Kinder impfen lassen, wenn der Impfstoff da ist. Wir vertrauen der Wissenschaft und Biontech. Ich bin mir sicher, dass wir – wenn wir im November 2020 schon geimpft gewesen wären – nicht so einen heftigen Verlauf gehabt hätten.

Wie geht es euch fast ein Jahr nach der Infektion? 

Wir versuchen wieder ein normales Leben zu führen – schützen uns aber weiter so gut geht geht. Unser Fokus liegt auf den Kindern. Sie haben so lange auf Vieles verzichtet.

Die ganze Corona-Zeit hat bei uns Spuren hinterlassen. Und erschöpfen die Diskussionen rund um das Thema und versuchen eigentlich, Gespräche darüber zu vermeiden. Bis auf unsere Jüngste sind wir körperlich aber wieder fit.

Eure Fünfjährige leidet unter Long Covid. Erzähl mal, wie sie sich dadurch verändert hat und wie es ihr genau geht. 

Ja, sie hat große Probleme mit Folgeerscheinungen. Ihr respiratorisches Lungenvolumen ist weiterhin unter der Normgrenze. Sie ist sehr schnell erschöpft, ein Tag im Kindergarten geht nur mit Mittagsschlaf. Turnen, Radfahren, schwimmen – all das ist nur kaum möglich, weil sie schnell ermüdet. Sie leidet seit der Erkrankung auch noch unter einem schwer einstellbaren Asthma Bronchiale und muss daher starke Medikamente nehmen. Zur Sicherheit hat sie nachts einen Monitor, der ihre Atmung überwacht. Und sie ist auch sehr infektanfällig.

Seid ihr in Behandlung? Welche Prognosen gibt es?

Wir sind in einer Long Covid Ambulanz, die sich wirklich gut um sie kümmert. Außerdem betreut uns ein Lungenfacharzt und natürlich unser Kinderarzt.  Es gibt auf Grund der aktuellen Datenlage keine Prognose, wie es für unser Kind weitergehen wird.

Was möchtest du allen Eltern sagen, die meinen, Covid sei ja nicht so schlimm?

Bitte nehmt diese Erkrankung ernst. Vielleicht haben wir einfach Pech gehabt – und mit großer Sicherheit ist unser Verlauf eine Seltenheit.  Aber es gibt eben auch solche Verläufe bei Kindern. Und wenn es euch erwischt, ist nichts mehr wie vorher.

Und was brennt dir noch auf der Seele? 

Auch wenn dieser Beitrag anonym ist….. wir bedanken uns wirklich von Herzen für diese unfassbar gute Betreuung in der Klinik. Das Personal war so am Limit und dennoch immer für uns da. Und unserem Gesundheitsamt danken wir ebenfalls. Jedoch sind wir auch sehr enttäuscht von der Politik. Diese ging und geht mit unseren Kindern nicht so um, wie es jedes Kind in dieser Pandemie verdient hätte. Das muss sich dringend ändern. Kinder sind die Verlierer dieser Pandemie.

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15 comments

  1. Impfpflicht kann nur ab 18 gehen! Erwachsene dir ihre Belange/ Ängste auf Kinder abwälzen geht garnicht! Impfung ist eigene freie Entscheidung. Mein Sohn ( unter 12) ist geimpft weil, ganz ehrlich, er die Einschränkungen umgehen will.
    Es gibt natürlich, wie bei allen Krankheiten, leichte oder schwere Verläufe was für die Betroffenen schlimm ist. Aber wie gesagt das gehört zum Leben, Menschen werden krank und am Ende unserer ( uns geschenkten) Lebenszeit sterben wir. Und ganz ehrlich, alles über 70 sollte man als Geschenk ansehen und genießen.

  2. Impfpflichtig wir hatten schonmal eine Impflicht Kinderlämung das wurde ohne Wiederspruch durch gefürht.Impf Gegner sind derzeit die meisten Patienten im Krankenhaus.Für Diese Leute sind über 90 000Tote kein Problem.Es Seiden Mann betrachtet das von einer Seite. Die meisten Tote sind ältere Mitbürger also zukünftige oder Rentner.Vieleicht wollen diese Leute die Rentenkasse auf diese Art entlasten.Ieder nicht Geimpfte der ietzt imKrankenhaus liegt kostet der Algemeinheit über 10 000 €. Ein Schelm der was Böses dabei denkt.

    1. Erich
      Im Alter lässt das Immunsystem nach ( wie vieles im Körper). Und sonst sind Sie beim falschen Artikel. Es geht hier mal ( ausnahmsweise) nicht um Senioren. Es geht um die Kinder, die Zukunft.
      Und 80jährige haben schon Rentenzahlung erhalten! Und gerade in der Gruppe 50+, 60+ gibt es große Impflücken aber nicht immer die Jungen verpflichten, EIGENVERANTWORTUNG .

  3. Liebe Dani,
    Laut aktuellem Wissenstand hat ein ungeimpfer (falsch) negativ getesteter ein höheres Risiko jemanden unwissentlich zu infizieren als ein symptomfreier ungeimpfer. Quelle:Infektionsschutz.de

    Ein geimpfter kann zwar rein theoretisch Überträger sein, aber sehr selten! Ich als geimpfte teste mich nur bei Symptomen. So ist es doch gut und verantwortungsvoll.

    Liebe Grüße Lilu

  4. Ich finde leider auch, daß die Kinder die Verlierer sind. Keine Luftfilter in der Schule, 8 Std. Maske tragen, keine AG’s, zum Glück wurde die Testpflicht ab 12 J. hochgestuft. Hätte gedacht, daß dieses Land “familienfreundlicher” ist. Vorbild für mich hier ganz klar D änemakt.

    1. @Miriam
      Hallo!
      Wieso finden bei euch keine AGs statt? Bei uns am Gym in NRW finden sie unter Einhaltung der Hygieneregeln auch Klassen-/Stufengemischt statt. Da alle Klassen 2-3x getestet werden, ein Großteil geimpft ist und alle Masken tragen, ist das doch kein Problem.

    2. Miriam
      Die Politik ist nur so kinderfreundlich wie die Gesellschaft allgemein. Und Deutschland ist ein sehr überaltertes Land, Platz 2 hinter Japan. Also ausgerichtet auf die Bevölkerung 60+, hat sich ja auch bis letztes Jahr deutlich im Durchschnittsalter der Regierung widergespiegelt ( fühlte mich zeitweise stark an die Volkskammer und ZK der SED= DDR erinnert). Kinder/ Jugendliche brauchen dringend eine starke Lobby.

  5. Lena, ich kann dir in dem Punkt, dass eine Impfung eine rein individuelle Entscheidung sein sollte leider nicht zustimmen. Es geht auch um die soziale Verantwortung, da es eben Menschen gibt, die sich nicht impfen lassen können und da auf die Solidarität ihrer Mitmenschen angewiesen sind. Wenn jemand die individuelle Entscheidung treffen möchte, sich bewusst nicht impfen zu lassen, muss er sich einfach klar machen, dass er jemanden anstecken kann (egal ob Covid oder Masern oder auch Windpocken), der schwer erkrankt oder auch stirbt. Und im Bezug auf die Corona Impfung auch ganz klar dazu beiträgt, dass unseren Kindern ein erneuter Lockdown droht. Ich bin nicht dafür, die Covid Impfungen zur Pflicht zu machen, aber dann sollte es einfach möglich sein bewusst Ungeimpften gewisse Dinge nicht zu ermöglichen (zB Schwimmbad, Restaurant, Sport). Es gibt einfach sehr, sehr wenig Gründe, warum sich ein Mensch, Kinder im Alter der Zulassung, nicht impfen lassen sollten.

    1. @Lena: aber es ist klar, dass selbst geimpfte Menschen Überträger sein können? Ich selber bin geimpft, mein Mann nicht. dafür geht er jedesmal zum Test, wenn er was machen will, ich ehrlicherweise nicht. Ihn halte ich inziwschen für verantwortungsvoller als mich. LG

      1. Liebe Dani, deine Aussage wurde ja schon kommentiert. Aber ich würde gerne noch hinzufügen, dass die Infektionszahlen unter den ungeimpften um ein vielfaches höher sind, als unter den geimpften Personen. @Miriam:
        Ich verstehe nicht, was so schlimm daran ist, dass wir unsere Kinder regelmäßig testen, wenn wir ihnen damit ermöglicht, dass sie wieder ein halbwegs normales Leben haben können. Ich sehe Familien bzw Kinder auch als die Verlierer, aber sie nicht regelmäßig zu testen und zu wollen, dass sie alles normal machen dürfen, geht einfach momentan nicht. Das kann man auch kleinen Kindern erklären.
        Klar, Corona nervt, aber wir können es nur „ändern“ wenn wir uns impfen und eben die Kinder testen.

  6. Vielen Dank für deinen Beitrag, es ist immer einfach über Dinge zu diskutieren, die man selbst nicht erlebt hat.
    Ich wünsche euch und eurer Tochter alles Gute und dass sie bald wieder die „Alte“ ist.
    Was ich gut finde, ist, dass du von einer Seltenheit sprichst. Denn das ist eine schwere Covid-Erkrankung im Kindesalter nun mal.
    Es ist einfach wichtig zu wissen, dass es passieren kann. Aber auch, dass es selten ist. So wie bei den meisten Krankheiten. Auch bei Windpocken kann es in ganz seltenen Fällen zu schweren Verläufen kommen.
    Trotzdem ist die Entscheidung für oder gegen eine Impfung ganz allein die eigene (bzw die für die Kinder). Ich finde es ganz wichtig, dass das nach wie vor so bleibt und wir jeden Menschen akzeptieren, egal, welche Entscheidung sie/ er trifft.

    1. Windpocken mit SARS COV 2 Viren zu vergleichen ist aber auch ein starkes Stück!
      Bitte immer bedenken, dass Windpocken Viren im Körper verbleiben und Jahre später Gürtelrose auslösen können (ist nicht so selten). Und das ist eine sehr unangenehme und schwere Erkrankung! Bitte dies hier lesen, bevor man sich gegen eine Windpocken Impfung beim eigenen Kind entscheidet! https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/windpocken-guertelrose.html#c1198

      1. Ich habe Windpocken nicht mit Covid verglichen. Jede Krankheit kann im Einzelfall zu schweren Verläufen führen, auch Windpocken.
        Übrigens: Die Windpocken-Impfung schützt nicht unbedingt vor Gürtelrose, die kann ich trotzdem bekommen

      2. Tina
        Mir freier individueller Entscheidung haben Sie es nicht so? Sie missionieren lieber? Und zur Info, im Alter ( ab ca.60) gibt es extra nochmal die Impfung gegen Gürtelrose für die Senioren. Also kann man da selbst ganz allein in Eigenverantwortung agieren und muss nicht gleich auf Andere verweisen.

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