Meningitis bewegt: „Mein Baby hatte eine Meningokokken-Erkrankung“

VoIhr Lieben, wir wissen, dass das Leben mit Kindern nicht immer planbar ist, aber wenn das eigene Baby schwer erkrankt, scheint einfach wirklich erstmal die Welt still zu stehen. Im Rahmen der Kampagne „Meningitis bewegt“ hat Miri auf einer Pressekonferenz anlässlich der Welt-Impfwoche im April über die Meningitis-Erkrankung ihrer Tochter Hannah erzählt. Sie war als Baby erkrankt.

Ich hab ehrlich gesagt erstmal nachgeschaut, ob unsere Kinder gegen Meningokokken geimpft sind. Alles, was nicht Corona ist, geht ja grad so ein bisschen unter. Wir wollten jedenfalls in diesem Zuge gern mehr über Miris Geschichte erfahren. Ihr ist es ein Anliegen, darüber aufzuklären, was es wirklich heißt, wenn das eigene Kind an Meningokokken erkrankt, die eine Hirnhautentzündung mit sich bringen können.

Liebe Miri, erzähl uns doch erstmal, wer alles zu eurer Familie gehört und wie es euch aktuell als Familie geht – vor allem gesundheitlich.

Also wir, das sind: Hannah, Louis, Valentino, mein Partner Manuel und ich. Zum Zeitpunkt von Hannahs Meningokokken-Erkrankung waren wir aber noch zu dritt.

Deine Tochter Hannah hatte als Baby eine Meningokokken-Erkrankung, wie lang ist das jetzt her und lassen sich noch Nachwirkungen spüren oder ist alles ausgeheilt?

Hannah heute.

Hannah erkrankte 2010 an Meningokokken. Zu dem Zeitpunkt war sie ein halbes Jahr alt. Sie war eine kleine aktive Entdeckerin, wollte alles sehen, anfassen und immer dabei sein.

Die Erkrankung hat sie glücklicherweise ohne bleibende Schäden überstanden. Es wurden in den folgenden Jahren regelmäßig Seh- und Hörtests durchgeführt. Zwar war sie sprachlich zunächst etwas langsamer, hat aber inzwischen alles aufgeholt. Mittlerweile besucht sie ein Gymnasium, spielt Handball und tanzt, sie ist außerdem im Schulsanitätsdienst aktiv und liebt es zu reiten. Wir spüren also aktuell nichts mehr von möglichen Folgeschäden – zum Glück!

Wie hast du damals gemerkt, dass etwas nicht stimmt mir ihr?

Sie bekam sehr plötzlich hohes Fieber, trank wenig und war sehr schläfrig und schlapp. Zu Beginn machte ich mir noch nicht so starke Sorgen. Ich dachte, es sei eine normale Erkältung. Trotzdem stellte ich sie nachmittags bei der Kinderärztin vor. Unsere eigentliche Ärztin war an diesem Tag leider nicht in der Praxis, also wurde Hannah von der Vertretungskinderärztin untersucht. Sie meinte zu mir, ich solle mich beruhigen, sie hätte bereits 20 Kinder an diesem Tag mit denselben Symptomen untersucht.

Auch auf meine Anmerkung, dass Hannah sehr berührungsempfindlich am Kopf sei, ging sie nicht wirklich ein. Ich verließ die Praxis mit einem sehr unguten Bauchgefühl. Wirklich zufrieden war ich nicht, wollte aber zuerst warten, ob es ihr im Laufe der Nacht besser gehen würde. Sie schlief in dieser Nacht vermeintlich ruhig. Ich dachte bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich sie wecken wollte, dass es ihr besser gehen würde.

Als ich jedoch versuchte, sie zu wecken, reagierte sie kaum noch. Sie ließ die Arme und Beine schlapp hängen und war nicht richtig ansprechbar. Ich packte sofort eine Tasche für das Krankenhaus und fuhr zu meiner Kinderärztin, die an dem Morgen zum Glück wieder in der Praxis war. Sie erkannte den Ernst der Lage sofort und ich bekam direkt eine Überweisung für die Uniklinik Frankfurt.

Wie ging es dir als Mutter mit der Diagnose?

Ich war komplett hilflos. Ich musste zusehen, wie es meiner Tochter so schlecht ging und konnte nur bei ihr auf der Intensivstation sein und hoffen, dass die Medikamente möglichst schnell greifen. Ich wusste nicht, was uns die nächsten Tage, Wochen oder auch die nächsten Jahre erwarten würde. Es war eine sehr schlimme Zeit. Teilweise machte ich mir selbst auch viele Vorwürfe, weil ich die Erkrankung nicht verhindert habe, aber auch, weil ich mich trotz meines unguten Bauchgefühls habe beruhigen lassen.

Wie lang wart ihr insgesamt in der Klinik und was hat euch in dieser Zeit Kraft gegeben?

Wir waren damals sieben Tage auf der Intensivstation und weitere drei Tage in einem Isolationszimmer. Als wir in der Klinik angekommen sind, kam Hannah sofort in ein Isolationszimmer auf der Intensivstation. Es wurde eine Hirnwasserpunktion gemacht und festgestellt, dass sie eine Meningokokken-Meningitis hat. Deswegen starteten die Ärztinnen und Ärzte sofort mit einer Dreifach-Antibiose.

Das heißt, sie bekam drei Antibiotika zur gleichen Zeit, die starke Nebenwirkungen wie Blindheit oder Taubheit hätten auslösen können. Aber eine andere Option auf Heilung gab es nicht und durch die sehr seltene, aber lebensbedrohliche Meningokokken-Erkrankung hätte sie schwerbehindert oder stark beeinträchtigt bleiben können.

Kraft hat mir die Hoffnung gegeben, dass sie alles gut überstehen würde. Ich habe einfach nur gehofft, eine andere Wahl gab es nicht. Aufgeben war zu keinem Zeitpunkt eine Option.

Was hat die kritische Lage eurer Tochter von damals insgesamt mit euch gemacht? Geht ihr demütiger/dankbarer durchs Leben?

Wir hatten ein riesiges Glück! Ich kläre seitdem so viele Menschen in meinem Umfeld auf und versuche Fragen wie: „Welche Schutzmöglichkeiten gegen Meningokokken gibt es?“, „Welche Symptome sind typisch und was für Folgen kann eine Erkrankung haben?“ zu beantworten und so zu verhindern, dass ihnen Ähnliches passiert.

Seit der Erkrankung bin ich noch sicherer im Umgang mit Krankheiten bei meinen Kindern. Ich als Mama kann und konnte sie am besten einschätzen, ich vertraue deswegen heute noch intensiver auf mein Bauchgefühl. Und ja, ich bin definitiv dankbarer und schätze es sehr, dass Hannah alles ohne bleibende Schäden überstanden hat.

Was möchtest du anderen Eltern mit auf den Weg geben, die eine solche Erkrankung bei ihrem Kind miterleben?

Vertraut auf die Therapie, und darauf, dass die Ärztinnen und Ärzte alles in ihrer Macht Stehende tun. Und gebt die Hoffnung nicht auf, dass alles gut wird. Auch wenn es ein steiniger Weg ist.

Und was möchtest du allen Nicht-Betroffenen mit auf den Weg geben?

Ein genauer Übertragungsweg konnte damals nicht festgestellt werden. Wir vermuteten jedoch, dass sie die Bakterien beim Einkaufen aufgenommen hat. Wie Kleinkinder nun mal so sind, hat sie den Wagen angefasst und danach ihre Finger abgeschleckt. Wie hätte man so etwas verhindern können?! Die wenigsten wissen, dass viele Erwachsene Meningokokken im Nasen-Rachenraum tragen. Komplett symptomlos. Bei ihnen bricht die Erkrankung nicht aus, sie können sie aber weitergeben. Das macht die Erkrankung so heimtückisch, auch wenn sie sehr selten ist.

Ich rate jeder Mama und jedem Papa, sich genau über die unterschiedlichen Schutzimpfungen zu informieren. Jeder trifft die Impf-Entscheidungen für sein Kind selbst, da möchte ich auch niemanden belehren! Aber wichtig zu wissen ist, welche Möglichkeiten bestehen, die Kleinen zu schützen, und sich in der Kinderarztpraxis beraten zu lassen.

Und am aller wichtigsten: Hört bitte immer auf euer Bauchgefühl! Ihr kennt euer Kind am allerbesten. Lasst euch nicht abbringen.

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3 comments

  1. Hallo und danke für diesen Artikel.
    Die Impfung gegen Meningokokken der verschiedenen Serogruppen wird auch bei uns gerade diskutiert. Schwierig dabei ist, dass es in unserer Kinderarztpraxis zwei völlig konträre Meinungen dazu gibt. Der eine Arzt empfiehlt uns die Zusatzimpfungen wärmstens mit Hinweis auf seine Berufserfahrung mit derartig erkrankten Kindern. Der andere Arzt ist eher dagegen und gibt und zu bedenken, dass im Falle eines Impfschadens niemand (also weder Krankenkasse noch der Staat) aus rechtlicher Sicht finanziell aufkommen muss, sofern es sich nicht um eine von der STIKO empfohlene Impfung handeln würde. Außerdem sei die Erkrankung eh so selten…
    Das macht es uns Eltern nicht einfach, die richtige Entscheidung zu treffen. Hat hier sinst noch jemand Erfahrungen damit?

    1. Hallöchen, ich habe meine 3 Kinder gegen eine weitere Gruppe impfen lassen. Warum? Weil die Hirnhautentzündung schwer, selten oder zu spät erkannt wird. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass leider zu viele Ärzte Symptome runterspielen oder auf die psyche schieben oder einfach nicht in Zusammenhang bringen können.
      Ich kenne 2 Beispiele bei denen die Hirnhautentzündung in der Pubertät kam und die Jugendlichen über starke Kopfschmerzen klagten. Machen sich die wenigsten ernsthafte Sorgen. Aber es schwenkt so schnell um und es geht gravierend abwärts. Sowas braucht niemand.
      Einige Krankenkassen übernehmen sogar die Kosten voll oder anteilig von 2-3 Impfungen, je nach Alter der Kinder.
      Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.
      PS. Das Argument der Impfschäden ist natürlich nicht außer Acht zu lassen. Kleines Beispiel : Kind 1 rotavirus nicht empfohlen, also nicht geimpft.
      2 Jahre später kind 2: rotavirus mittlerweile empfohlen und DRINGEND anzuraten… 🤷🏼‍♀️🤷🏼‍♀️

  2. Vielen Dank für den persönlichen Artikel. Ich finde es sehr wichtig über Impfungen aufzuklären und auch aufzuzeigen, dass das was unwahrscheinlich erscheint eben doch eine Familie treffen kann. Welch ein Glück, dass die Meningitis bei Hannah so gut ausgegangen ist.
    Schwierig finde ich die Aussage, „es muss beim Einkaufen passiert sein“, wenn zugleich beschrieben wird, das Erwachsene Überträger sein können. Dann könnte es doch von jedem Erwachsenen im Nahen und Fernen Umfeld übertragen worden sein.
    Warum mich die Aussage so triggert? Ich sehe auf Spielplätzen Mütter mit Feuchttüchern hinter ihren Kindern her rennen und beim Einkauf mit Desinfektionsmittel hantieren. Ja ich möchte meine Familie auch schützen, aber dieser übertriebene Wahnsinn wirkt sich auch auf unsere Kinder aus und ich sehe da mehr Nachteile als Vorteile.

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