Denise M`Baye: „Die Heldinnen meiner Kindheit waren weiß und männlich“

Rassismus

Foto: Sven Brauers

Ihr Lieben, die Krise bringt an vielen Stellen auch Positives hervor und so wurden hier und da Projekte realisiert, die längst in der Schubalde lagen, für die aber vielleicht die Zeit oder die Muße fehlte. So hat sich auch die wunderbare Schauspielerin Denise M`Baye hingesetzt und Figuren geschaffen, mit denen sich möglichst alle Kinder identifizieren können sollten.

Liebe Denise, du bist Schauspielerin, Sängerin, einfach eine kreative Seele, wie gut oder weniger gut kamst du als Selbständige bislang durch die Pandemie?

Die Pandemie ist seit nun zwei Jahren eine große Belastung in unser aller Leben und für Selbständige und Kunstschaffende auch existenziell eine Herausforderung. Dadurch, dass ich als Schauspielerin vorwiegend drehe, hatte ich jedoch das Glück arbeiten zu können und war Teil einiger Film- und Fernsehproduktionen, die natürlich auch unter erschwerten Bedingungen produziert wurden. Ich hatte jedoch jobtechnisch zwei gute Jahre, was auch daran liegt, dass ich auf vielen kleinen Standbeinen stehe.

Wie ging´s und geht es dir und den Kindern, wart ihr auch das ein oder andere Mal überfordert wie so viele Familien, die wir kennen?

Meine Kinder sind schon groß, mein Jüngstes ist 14. Natürlich hat auch mich das Homeschooling ziemlich gestresst. Es gab bei uns zusätzlich Probleme, da das Online-Lernprogramm meines Kindes, das Apostroph in unserem Nachnamen M`Baye nicht akzeptiert hat und wir so teilweise gar keinen Zugang zu den Aufgaben und Meetingräumen hatten.

Viel schwieriger fand und finde ich es aber, herauszufinden, wie es den Kindern wirklich geht, was sie bewegt in dieser Zeit. Ich glaube wir brauchen alle ein bisschen mehr Geduld und einen liebevollen Blick auf uns und auf unsere Kinder. Wir machen das alle richtig toll.

Nun stand dein kreativer Kopf aber in der ganzen Zeit nicht still und nun ist Camil da! Erzähl mal mehr darüber…

denise3

Ich bin gerne in Bewegung und Stillstand halte ich nicht so gut aus. So entstehen viele meiner kleinen Projekte. Wie z.B. der Podcast mit Ninia La Grande „Die kleine schwarze Chaospraxis“ oder auch das Glückslabor in dem ich mit meiner erwachsenen Tochter Shana OnlineYoga und Koch-Events teile.

Nach einem Brainstorming mit meiner Kollegin Ninia zum Thema Podcast für Kinder, habe ich mich hingesetzt und konnte nicht aufhören zu schreiben. Parallel habe ich bei mir zu Hause auch schon aufgenommen und die erste Folge der Kinderhörspielreihe „Camil aus dem Zweiten“ fertig produziert.

Da ich meine Unabhängigkeit liebe und auch sehr ungeduldig bin, habe ich die Geschichte dann auch gleich als Podcast veröffentlicht. Und freue mich nun über Unterstützung und Feedback der Hörer:innen auf Steady um weitere Folgen produzieren zu können. Im Moment schreibe ich an Teil drei. Die ersten beiden Folgen gibt es überall wo es Podcasts gibt.

Welche Idee steckt dahinter?

Die Held:innen meiner Kindheit waren immer weiß und meistens männlich. Mit „Camil aus dem Zweiten“ möchte ich Figuren entwickeln, die gendergerecht erzählt sind und deren Lebensrealität möglichst divers ist. Das Umfeld der Figuren ist weniger „Bullerbü“ als vielmehr eine stinknormale Stadt. Ich möchte von Kindheit erzählen, in der es einen abenteuerlichen Alltag gibt, aber auch märchenhafte Elemente. Ich möchte nicht alles vorwegnehmen und erklären.

Ja, es gibt die alleinerziehende Mutter und auch die Familie, mit wenig Geld oder ein Kind mit Rollstuhl. Das alles kommt vor, ist aber ganz selbstverständlich Teil der Geschichte. Auch wenn Camil mit Tieren sprechen kann, werden die meisten Probleme und Fälle in der Peergroup gelöst.

Hast du das Gefühl, dass wir in Sachen Diversität schon auf einem ganz guten Weg sind oder passiert da noch immer viel zu wenig? Wenn du sagst, dass die Heldinnen deiner Gegenwart meist weiß und männlich waren – wie ist das grad für deine Kinder?

Ich muss sagen, dass ich mich sehr darüber freue zu sehen, dass im Bereich der Kinderliteratur Diversität heute eine größere Rolle spielt, als noch vor ein paar Jahren. Wir sind auf einem guten Weg, allerdings erst am Anfang. In „Camil aus dem Zweiten“ erzähle ich die Protagonist:innen Camil und Luca durchgehend genderneutral und ich merke, dass ich mich richtig daran gewöhnen muss.

Schauspielerin
Denise M`Baye. Foto: Sven Brauers

Es ist allerdings an den Rückmeldungen zu meiner Hörspielreihe spannend zu sehen, dass es den meisten gar nicht auffällt. Manche Kinder haben mir ein Feedback geschrieben und Camil dann immer eher dem eigenen Geschlecht zugeordnet. Das gibt mir die Hoffnung, dass sich auch nichtbinäre Kinder leichter mit meinen Figuren identifizieren können.

Du möchtest mit deinem Hörspiel auch kleine philosophische Impulse geben…

Ja, genau, solche, die von den Kindern weitergedacht werden und vielleicht auch mit den Erwachsenen und anderen Kindern diskutiert werden: „Was ist schön?“ „Was bedeutet Freundschaft?“ „Warum sind die Gedanken frei?“

Liegt es auch an Zeiten wie diesen, dass dir gerade diese positiven Gedanken so wichtig sind? Dass du den Fokus innerhalb der Familien auch nochmal auf die schönen Dinge des Lebens legen willst?

Ich glaube am Wichtigsten ist es mir wirklich den Fokus darauf zu legen, dass wir schon ganz gut sind, so wie wir sind und dass wir wirklich liebevoll auf uns und unsere Mitmenschen schauen. Bei „Camil aus dem Zweiten“ ist niemand perfekt und das ist gut so. Wir brauchen nicht noch mehr Superheld:innen, die uns das Gefühl geben, wir seien nicht ausreichend.

b0c1aaafe963464884eb3d88df2c6da4

Du magst vielleicht auch





5 comments

  1. Liebe Denise,
    ich höre sehr gerne deinen Podcast mit Nina La Grande. Und freue mich über diese spannende Hörspiele Reihe.
    Viel Erfolg 🍀
    Liebe Grüße Yvonne

  2. Kinder suchen sich ihre Helden aus. Und das hat ja offenbar die Autorin auch getan ohne Schadenbzu nehmen. Weil es um die Geschichte/ den Inhalt geht nicht um Äußerlichkeiten. Und bezeichnenderweise nicht nach vorgeschriebener Quote, liebe Erwachsenen. Ich lese Bücher die mir gefallen und sehe Filme die mir gefallen. Und auch mein Sohn wählt seine Geschichten… selbst aus. Wir sind noch nie auf die Idee gekommen eine Geschichte nach Poc zu wählen und was gefällt ist sowieso persönlich. Wie vermessen seinen Kindern Bücher… vorzuschreiben und deren Phantasie zu unterdrücken. Es sollte um Qualität/ Inhalt gehen nicht um Frauenquote, Herkunft…? Im Geschäft lese ich die kurze Inhaltsveschreibung eines Buches und nicht welcher Herkunft der Autor ist oder die Figuren im Buch. Altmodisch wie ich bin..

  3. Hallo,
    ich habe mich auch schon oft am im Text angesprochenen Problem gestört und ich finde es ganz toll, dass Frau M`Baye selbst aktiv geworden ist.
    Leider sind Hörbücher und Podcasts nicht so meins, wir lesen lieber klassische Bücher. Und da dachte ich, ich könnte vielleicht einmal das „Schwarmwissen“ hier nutzen und fragen, ob ihr spannende Romane für ca. 5-9-jährige kennt, in denen die Held*innen oder ansonsten wenigstens mal die besten Freund*innen eben mal dunklere Haut haben. Habt ihr Empfehlungen?

    1. Liebe Kerstin,
      ich kann deinen Kommentar gar nicht verstehen und einordnen.
      Ich verstehe nicht was daran vermessen sein soll wenn eine Person eine phantasievolle Geschichte kreiert und damit die Bandbreite an kindlichen Vorbildern für unsere sehr unterschiedlichen Kinder erweitert. Jedes Kind hat ein Recht auf heldhafte Personen.
      Zudem finde ich es vermessen zu schreiben, dass eine Person keinen Schaden genommen hat. Das kannst du und auch nicht beurteilen ohne sie selbst zu fragen.
      Viele Grüße Yvonne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.