Urlaub zu Hause mit Kindern – (wie) geht das überhaupt?

Ferien zu Hause

Ihr Lieben, Michaela Anna Ogris ist freie Kulturjournalistin, Sprecherin und ausgebildete Lehrerin und bloggt unter dem Titel „Freitagsgedanken einer Fünffachmama“ auf ihrer Homepage über ihr Leben als Frau und Mama von fünf Kindern. Sie lebt mit ihrer Familie in einem 5000-Einwohner Örtchen mitten in Oberösterreich. Nachdem so viele von euch uns geschrieben haben, dass sie sich einen Urlaub bei den hohen Kosten derzeit nicht leisten können, hat sie sich für uns hingesetzt und erzählt, wie sie mit ihren fünf Kindern Urlaub zu Hause macht.

Als Selbständige hat sie sich ihre Arbeit bzw. Aufträge so eingeteilt, dass sie im Juli nur ein bisschen und im August so gut wie gar nicht arbeiten muss. Ihr Mann arbeitet im Krankenhaus in Linz und hat sich im Juli für viele 25-Stunden-Dienste eingetragen, die es ihm ermöglichen, insgesamt mehr Tage zu Hause zu verbringen und weniger Zeit auf der Strecke in die Arbeit etc. zu verlieren. Das heißt, er arbeitet 25 Stunden am Stück und ist anschließend zwei Tage zu Hause. Im August hat er sich drei Wochen freigenommen.

An Tag 1 nach seinem Dienst bleiben sie einen Tag zusammen zu Hause, an Tag 2 machen sie wieder einen Ausflug. Die 3 Kleinen gehen im Juli auch noch an 3 Vormittagen pro Woche in den Kindergarten und die Großen schmeißen derweil den Haushalt. Den Rest der Zeit verbringen alle daheim oder am Bach, im Park etc.

„Und noch etwas“, schreibt sie, „Ich bin ein totaler Listenmensch. Ich schreibe mir wirklich alles auf. Jede Erledigung, jede Idee, Kochpläne usw. Und meinen großen Töchtern mache ich an diesen erwähnten drei Juli-Tagen pro Woche morgens eine Liste mit Tätigkeiten, die zu tun sind. So geht das alles ganz gut. Was nicht heißt, dass ich nicht jeden Abend ziemlich müde und froh bin, wenn alle schlafen und ich noch ein bisschen Zeit ganz alleine habe – mit einem Buch oder mit meinem Mann 🙂 Aber so geht es uns allen, oder?!“ Hier kommt ihr Gastbeitrag:

Ausschlafen, draußen sein, gutes Essen, gemeinsame Abenteuer und vor allem – richtig viel unbeschwerte Zeit. So muss Urlaub sein! Finde ich. Heuer machen wir vor allem Urlaub zu Hause. Aber geht das überhaupt? Das habe ich mich zu Beginn der 9-wöchigen Sommerferien meiner fünf Kinder (2; 5; 6; 12; 13 Jahre alt) auch gefragt. Jetzt und hier nach gut zwei Wochen kann ich sagen: Ja, das geht. Und zwar sehr gut sogar! Wie? Das habe ich für euch aufgeschrieben.

Unser Urlaubs-Plan

Zu Beginn der langen Sommerferien haben wir alle Sieben gemeinsam gesammelt. Ideen nämlich. Wir haben uns dazu an einem Sonntagnachmittag Ende Juni am Boden im Wohnzimmer versammelt – ich mit Stift und Papier ausgerüstet – und überlegt. Wer möchte in diesem Sommer was erleben, unternehmen, machen?

Als Vorschläge nannten unsere Kinder Ausflüge ebenso wie gemeinsame Projekte. Ich zum Beispiel wünschte mir, an den Traunsee zu fahren. Denn da komme ich ursprünglich her und dort ist es einfach wunderschön! Außerdem ist der See nur 45 Autominuten von uns entfernt und erfüllt damit das Kriterium eines möglichen Halbtages- oder Tagesausflugs.

Unsere Zweitälteste wollte gerne ihr Zimmer umgestalten, da sie kürzlich zu ihrem 12. Geburtstag einen neuen, großen Holz-Schreibtisch bekommen hat. Auch das haben wir in die Liste aufgenommen. Unsere Jüngeren lieben die gelbe lange Wasserrutsche im örtlichen Freibad. Freibad wurde daher notiert.

Meinem Mann war es wichtig, dass wir uns in der freien Zeit viel draußen bewegen – beim Wandern, Radfahren usw. Wir haben uns zu diesem Zweck sogar extra eine Stange fürs Fahrrad gekauft, damit auch unsere Fünfjährige bei den längeren Radtouren gut mitkommt. Mit dieser können wir sie nach Bedarf mit unserem Rad verbinden und sie kann so neue Kräfte sammeln. Wandern und Radfahren – ab auf die Liste.

Nachdem wir alle Vorschläge gesammelt hatten und am Ende nur die tatsächlich Umsetzbaren darauf verblieben sind, sind wir in die Detail-Planungsphase übergegangen. Was kann an welchem Tag oder in welcher Woche gemacht werden? Das Ergebnis war ein grober Zeitplan für neun Wochen Ferien.

Die Details oder: Was macht einen guten Urlaub eigentlich aus?

Eine gute Zeit beinhaltet meiner Meinung nach eine Mischung aus Ruhephasen und kleinen Abenteuern. Diesen Mix versuche ich auch im Urlaub zu Hause beizubehalten.

Kürzlich waren wir an zwei Tagen hintereinander wandern, danach haben die Kinder – und auch wir – dringend Einfach-zu-Hause-sein-Zeit mit viel Zeit zum Spielen und Bauen und Basteln und Lesen gebraucht. Diese unstrukturierte Freizeit ist so wichtig und wird oft völlig unterschätzt. Erst wenn dieses Bedürfnis gestillt ist, haben alle wieder Lust auf Abenteuer.

Auf Entdeckungstour im eigenen Ort

Was macht man fast immer, wenn man auf Urlaub ist? Genau! Man flaniert durch den Urlaubsort – mit allen Sinnen. Mit der Bereitschaft zu staunen, überraschst zu werden, etwas zu erleben. Warum nicht mal genau so durch den eigenen Ort gehen? Nämlich wirklich gehen statt zu hasten. Beeilung ist schließlich etwas, das echt nicht in den Urlaub gehört.

Sicherlich gibt es auch bei euch noch unentdeckte Dinge in der Nähe. Besucht das Museum vor Ort, schaut, welche Kulturveranstaltungen stattfinden usw. Irgendetwas Neues gibt es bestimmt zu sehen oder zu hören oder zu besuchen. Und wenn es am Ende einfach nur die neue Eissorte beim Café im Park ist…

Tipp: Besonders magisch sind unsere nun schon fast traditionellen Spaziergänge zu Sonnenaufgang.

Das machen wir zwar nur ein bis zwei Mal pro Sommer und unsere Teenies sind von Jahr zu Jahr schwerer dazu zu überreden, aber bis jetzt hat es sich noch immer gelohnt. Wenn wir im Sommer z.B. an der Adria sind, stehen wir immer mindestens einmal ganz früh auf um den Sonnenaufgang am Strand zu erleben. Und genau das ist eben auch zu Hause möglich. Auch wenn es Überwindung kostet – so ein gemeinsamer Sonnenaufgang bei milden Temperaturen draußen im Park oder auf dem Balkon – das ist unbezahlbar! Und am Ende gibt es ein ausgiebiges Frühstück mit Croissants und allem Drum und Dran. Ebenfalls draußen natürlich, auf der Picknick-Decke.

Hej, it’s Play-Time!

Was darf im Familienurlaub nicht fehlen? Genau! Die Spielesammlung. Ich meine damit nicht die klassische, sondern die ganz persönliche Familien-Spielesammlung mit all unseren Lieblingsspielen. Am liebsten spielen wir am großen Tisch draußen am auf der Terrasse, eben genau so wie am Campingplatz.

Heuer habe ich extra ein paar neue Spiele für alle Altersstufen angeschafft, um für ein bisschen Abwechslung zwischen Uno, Schokohexe und Co. zu sorgen. Jetzt haben wir ein neues Spiel für unsere ganz Kleine („Tempo kleine Fische“, Ravensburger), das auch die anderen gerne spielen, eines für alle („Dragomino“, Pegasus) und eines nur für unsere beiden Älteren, meinen Mann und mich („Exit“, Kosmos).

Wir überlegen gleich in der Früh, was wir essen möchten und gehen dann alle gemeinsam oder zumindest im kleinen Team einkaufen. Und Kochen – das tun bei uns sowieso alle gerne. Mittlerweile können unsere Großen auch schon echt ganz alleine richtig tolle Mahlzeiten zaubern. Da hat sich mein Credo „Immer-mitkochen-lassen-auch-wenn-es-mehr Arbeit-macht-als-Hilfe-ist“ echt bezahlt gemacht!

Und für uns Erwachsene darf natürlich das Glas Weißwein nicht fehlen, denn auch das bringt absolutes Urlaubsflair.

Urlaub = gut essen! Und vor allem: gemeinsam kochen!

Während in unserem Alltag nur selten alle Familienmitglieder zeitgleich essen können – irgendwer von uns sieben fehlt fast immer bedingt durch Turnverein, Klettertraining, Arbeit usw. – ist das im Urlaub immer möglich. Und daher machen wir es uns dabei besonders schön und gemütlich.

Heuer haben wir bereits einen richtig schönen italienschiechen Abend gemacht mit Meeresfrüchte-Spagetti und Pizzabrot und Tiramisú. Das war mindestens genauso gut wie im Restaurant letztes Jahr in Lignano – hat aber nur einen Bruchteil dessen gekostet. Denn Essengehen, das ist für uns als siebenköpfige Familie mittlerweile schon echter Luxus. Um das Geld, das wir dabei ausgeben müssen, kann ein Pärchen locker einen Wellnessurlaub bezahlen. Daher lohnt sich selbst kochen – noch dazu in der eigenen Küche.

Besonders toll finden unsere Kinder auch Waffeln. Sogar unsere 2,5-Jährige kriegt schon selbst eine hin. Da oftmals im Alltag die Zeit dafür fehlt, ist das sogar ein To-Do auf unserer Urlaubsliste. Genauso wie das Stockbrot am Lagerfeuer, das alle lieben. Wir haben das große Glück, Lagerfeuer im eigenen Garten machen zu können. Aber es gibt auch in jeder Stadt Orte, an denen das erlaubt ist. Am besten ihr informiert euch dazu bei der örtlichen Verwaltungsstelle.

Bewegte Kinder = müde Kinder => Glückliche Eltern 

Was ja im Sommerurlaub immer toll ist: Die Kinder sind vom ganzen Baden am Abend meistens richtig schön müde. Und müde Kinder bedeuten mehr Zeit für meinen Mann und mich. Daher ist uns auch im Urlaub zu Hause wichtig, dass die Kinder viel Bewegung haben. Zumal das ja auch uns gut tut. Daher steht bei uns alle paar Tage eine Wanderung oder eine Radtour am Programm. Im Idealfall ist das Ziel dann ein Badesee oder ein Freibad.

Eine Schaufel, ein Kübel und ein Bach

Was ist das Beste, wenn es heiß ist? Ich finde – ein natürliches Gewässer. Am liebsten in Form eines Meeres. Da dieses aber heuer noch in weiter Ferne liegt, muss bei uns an den meisten Tagen – vor allem dann, wenn mein Mann in der Arbeit ist – der kleine Bach ums Eck herhalten. Ein paar Schaufeln und Kübeln reichen den Kindern meist voll und ganz für mehrere Stunden Bau- und Planschspaß. Und für mich hab ich immer die isolierte Picknickdecke und ein Buch mit. So kann ich weich und trocken sitzen und währenddessen lesen. Klingt idyllisch? Ist es auch tatsächlich – manchmal 😉

Und was ist mit dem ganzen Haushalt?

Natürlich fällt auch im Urlaub gefühlt unendlich viel Hausarbeit an. Diesen in der Urlaubszeit aufs Nötigste zu reduzieren ist mir sehr wichtig. Auch wenn mir das wirklich nicht leicht fällt. Vor allem weil wir so viel Zeit zu Hause verbringen und ich dauernd die Haushaltsbaustellen vor mir sehe.

Daher stelle ich folgende Frage ins Zentrum meiner Überlegungen: Was muss erledigt werden, damit ich mich wohlfühle? Bei mir sind das das Staubsaugen des unteren Stockwerkes, eine saubere Küche und gewaschene Wäsche (das Bügeleisen verwende ich sowieso schon seit Jahren nicht mehr). Außerdem Betten machen, aufräumen, Müll rausbringen. Die täglichen Top 5 eben, nur im Urlaub – unbedingt gemeinsam!

Somit habe ich im Urlaub sogar insgesamt ein bisschen weniger im Haushalt zu tun als normalerweise. Nicht, dass sich die Kinder um diese Aufgaben reißen, aber sie sind es mittlerweile gewöhnt, dass ich nicht ihr Hausmädchen spiele.

Entspannungstipp für heikle Situationen

Und sonst? Ja sonst ist diese Zeit eh immer seeeehr intensiv. Aber am Ende des Tages meistens schön gewesen. Für die super anstrengenden Momente, die fast jeden Tag trotz Urlaub mal entstehen, habe ich mir folgende Technik angeeignet:

Bei aufkommender Panik aus welchem Grund auch immer, seien es die ewigen Streitereien der Geschwisterkinder, die Langsamkeit des Kleinkindes, der Riesensaustall im Haus oder akuter Lagerkoller – zehn Mal tief einatmen und doppelt so lange ausatmen. Dabei unterstützend die Hand aufs Herz legen. Danach sollte die Welt schon wieder ein bisschen besser aussehen. Obwohl natürlich trotzdem währenddessen niemand aufgeräumt hat… aber der eigene Wutanfall, der anschließend zu schlechtem Gewissen geführt hätte, ist damit vielleicht verhindert worden. (Mehr dazu im „Eltern Gespräch Podcast, Folge 194: Mutterängste“ )

Schönen Urlaub euch!


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5 comments

  1. Lieben Dank für den schönen Artikel! Ich stehe gerade vor unserer letzten Ferienwoche, welche ich mit meinen 5 Kids zuhause vebringen werde. Der Papa muss leider arbeiten. Aber mein Vater aka. Opa steht mir zum Glück beiseite. Da kam der Artikel gerade recht. 🙂 Mal schauen, was uns diese Woche noch bringt. Liebe Grüße von der Ostsee ins schöne Österreich!

  2. Mir hat der Artikel sehr gefallen! Pragmatisch, mit konkreten Beispielen und ehrlich, sehr erfrischend! Vielen Dank! Der dazugehörige Blog gefällt mir auch! Alles Gute für die Autorin und ihre Familie 🙂

    1. Liebe Berit! Vielen Dank für deine Rückmeldung! Es freut mich sehr, dass du mit meinem Text und meinem Blog etwas anfangen kannst! Der Begriff pragmatisch trifft meine Einstellung zu vielen Dingen sicherlich sehr gut. Allerdings hat das erst beim dritten Kind begonnen. Davor war ich schon sehr umständlich 😉

      Alles Liebe, Michaela

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