Inside Impfzentrum: Von Rührungstränen und Hoffnungsschimmer

Erleichterung

Ihr Lieben, unsere Leserin Andrea findet, es sei an der Zeit, mal über tolle Erfahrungen in der Corona-Zeit zu berichten, denn während ihrer Arbeit im Impfzentrum hat sie etliche rührende Dinge erlebt. „Diese Erfahrungen haben mein Leben nachhaltig geändert“, sagt sie. „Ich werde sie immer im Herzen tragen.“ Hier erzählt sie ihre Geschichte:

„Ich habe am 17.12. unerwartet meine bisherige Stelle als Arzthelferin verloren, weil mein damaliger Arbeitgeber der Meinung war, ich wäre überbezahlt (weit unter Tariflohn wohlgemerkt!) und somit war ich von heute auf morgen für fast zwei Monate freigestellt.

Wie ich zu meiner Arbeit im Impfzentrum kam

Nach dem ersten Schock kam mir bei Facebook ein Stellenangebot für unser Impfzentrum unter. Ich dachte mir: Zwei Monate bezahlt daheim sitzen (bis mein Arbeitsvertrag beendet ist) oder bewerben und dabei sein? Ich habe mich beworben und wurde sofort genommen! Mit meiner Ausbildung zur Arzthelferin und 20 Jahren Berufserfahrung passte ich da perfekt rein. Eine Vollzeitstelle mit etwas mehr als Tariflohn für Arzthelferinnen.

Anfangs – also noch im Dezember – gab es einiges im Zentrum zu organisieren und ab 01.01.2021 ging es los mit dem Impfen. Zuerst war ich ca. sechs Wochen mit einem Kollegen als mobiles Team in Senioreneinrichtungen im ganzen Landkreis und auch in der nächstgelegenen Stadt unterwegs.

Ende der Einsamkeit: „Im Seniorenheim freuten sich alle so über ihre Impfung“

Wir hatten wunderbare Erlebnisse mit den tollen Mitarbeitern der Heime, der Heimleitung und den Bewohnern der Einrichtungen. ALLE haben sich so sehr gefreut, jetzt endlich geimpft zu werden! Sie waren glücklich, dass wir kamen und dass wir mit jeder Impfdosis mehr, die Hoffnung brachten, dass niemand der Bewohner mehr würde einsam sterben oder leiden müssen. Es waren viele lange Arbeitstage, die aber jede Minute wert waren.

Ich persönlich hatte in dieser Zeit keine Angst mich anzustecken. Alle Hygienemaßnahmen wurden mehr als eingehalten und als Prio 1 geführte Mitarbeiter eines Impfzentrums haben viele von uns Mitarbeitern sofort die erste Impfung erhalten. Ich war wirklich jeden Tag stolz darauf, ein Teil des Ganzen zu sein und in gewisser Weise zum Ende der Pandemie beitragen zu können.

Und dabei stimmte auch noch die Chemie! Ich habe ja schon in einigen Praxen oder Kliniken gearbeitet, aber so ein tolles Team an Mitarbeitern und beteiligten Ärzten habe ich noch NIE erlebt!!! Auch wenn es manchmal stressig war und die bürokratischen Hürden uns teils in den Wahnsinn trieben: DIE KOLLEGEN MACHTEN ES IMMER ZU EINEM TOLLEN TAG!

Tolles Teamwork: Vom mobilen Impfteam ins Impfzentrum

Nachdem alle Bewohner der Seniorenheime geimpft waren, ging es für mich direkt im Impfzentrum vor Ort weiter. Die Menschen, die kamen, waren alle froh, eine Impfung zu bekommen und somit meist gut gelaunt. Ich weiß nicht, wie oft uns Menschen dankten, dass wir das machen – egal ob sonn- oder feiertags.

So viel Dankbarkeit hab ich selten erlebt, es hatte etwas von einer Aufbruchsstimmung in all der Erleichterung. Wir haben seit Beginn immer sieben Tage die Woche geimpft, wenn Impfstoff da war. Und es wurde bei uns NIE auch nur eine Dosis weggeschmissen entgegen mancher Pressemeldung!

Ein Ehepaar hat mich dabei ganz besonders berührt. Beide waren den Tränen nah, als sie sagten: „Endlich können wir nach vielen Monaten wieder ohne Gefahr unsere Kinder und Enkel treffen.“ Sie hatten sich so einsam gefühlt in den Monaten zuvor, weil sie fast ausschließlich allein zu Hause geblieben waren.

Schulkameraden, ehemalige Lehrer, Briefträger: Wiedersehen beim Impfen

Daneben gab es aber viele weitere schöne Szenen… Ich hab alte Schulkameraden nach Jahrzehnten beim Impfen wiedergesehen, ehemalige Lehrer… Meinen Briefträger geimpft, damit meine nächsten Pakete sicher ankommen 🤣 Ach, irgendwie war einfach alles toll. Ganz besonders die großartigen Kollegen, die wirklich zu Freunden wurden.

Natürlich gab es auch mal unschöne Momente, wir wollen hier ja nichts romantisieren. Das ein oder andere Mal stand jemand am Einlass und tat lautstark kund, dass er auf eine Impfung bestehe, auch wenn die Regierung mit ihrer Priorisierung das anders sehe. Aber solche Szenen waren wirklich eher die Ausnahme.

Ich habe mittlerweile jedenfalls große Hoffnung auf Normalität für uns alle. Die Impfungen nehmen Fahrt auf, wir sind auf einem guten Weg. Und auch für mich persönlich hat sich alles zum Guten gewendet. Seit April arbeite ich jetzt wieder als Arzthelferin in einem Krankenhaus – und nebenher natürlich noch im Impfzentrum. Auf 450-Euro-Basis. Weil es Sinn ergibt. Weil es mich stolz und glücklich macht, was wir hier alle gemeinsam erreichen können. Auf dass diese verdammte Pandemie bald mal ein Ende nimmt.

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4 comments

  1. So ein schöner, positiver Beitrag! Danke fürs Erzählen, das mach Mit und gute Laune! Als ich beim Impfen war, war die Stimmung im Impfzentrum auch überall sehr positiv und hoffnungsvoll.

  2. Ein toller mutmachender Beitrag. Auch in unserem Impfzentrum war alles sehr gut organisiert und hat man diese positive Grundstimmung gespürt!

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