Eine Impfung gegen HPV wird für Mädchen und Jungen gleichermaßen empfohlen – ab einem Alter von 9 Jahren. Ein paar Gedanken zum Thema

Ihr Lieben, neulich saß ich mit einem unserer Jungs in der Kinderarztpraxis, weil wir in Zeiten von Corona lieber einmal mehr die aufkommenden Halsschmerzen untersuchen lassen, um ausschließen zu können, dass da möglicherweise eine Infektion vorliegt. Und wie das so ist, kommen Mutter und Sohn besonders dann gut ins Gespräch, wenn mal die anderen Geschwister nicht dabei sind.

Da im Wartezimmer im Moment auch nur eine einzige Familie zugelassen ist, hatten wir also auch keine Mithörer. Und wie wir uns da so umsahen, fielen ihm neue Plakate an der Wand auf. „Mama, wieso hängen hier Plakate von Olympia 72, wenn doch da die israelische Mannschaft ermordet wurde.“ Bääm. Elf Jahre alt und dann das.

Ich kann gar nicht sagen, wie stolz ich in diesem Moment war. Dass er so viel Hintergrundwissen hat, klar, aber auch, dass er mit so offenen Augen durch die Welt geht. Und deswegen ließen wir weiter unseren Blick durchs Wartezimmer schweifen und dann hing da eben auch ein Plakat zum Thema HPV-Impfung bei Jungs, denn offenbar können sie nicht nur Überträger der Krankheit sein, sondern auch selbst an HPV-bedingten Krankheiten erkranken. „Was ist das jetzt also genau?“, wollte er wissen und so informierten wir uns in den Infoblättchen, die ebenfalls verfügbar waren.

HP-Virus und HPV-bedingte Krebsarten

HPV, darüber hatten wir in unserem ersten Artikel zur #entschiedengegenkrebs-Kampage bereits geschrieben, steht für Humane Papillomviren. Diese werden über direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Die Ansteckung erfolgt über Haut- und Schleimhautkontakt, also den unmittelbaren Kontakt mit infizierten Haut- und Schleimhautbereichen. Über kleinste, oftmals nicht sichtbare Verletzungen der Haut bzw. Schleimhaut kann das Virus dabei in den Körper eindringen.

Manche HP-Viren können bestimmte Krebsarten, wie etwa Gebärmutterhalskrebs, Scheiden-und Schamlippenkrebs, Analkrebs oder auch Peniskrebs und Mund-Rachen-Krebs, verursachen.

Da eine Ansteckung oft zunächst beschwerdefrei verläuft, bleibt sie des Öfteren unerkannt. Häufig klingt die Infektion dann auch innerhalb eines Jahres ohne gesundheitliche Einschränkungen wieder ab. Schon einige Wochen nach der Ansteckung können bestimmte HPV-Typen sogenannte Genitalwarzen (auch Feigwarzen oder Kondylome genannt) auslösen. Genitalwarzen sind die häufigste HPV-bedingte Erkrankung im äußeren Genitalbereich. Bei einer anhaltenden Infektion mit bestimmten krebsauslösenden HPV-Typen können sich bei einigen Menschen über viele Jahre bestimmte Krebsvorstufen oder Krebsarten entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel Gebärmutterhals- und Scheidenkrebs bei Frauen sowie Peniskrebs bei Männern. Von Analkrebs und Krebs im Mund-Rachen-Bereich können sowohl Frauen als auch Männer betroffen sein.

Als Mutter möchte ich meine Kinder so gut wie möglich schützen

Ganz so drastisch habe ich das meinem Sohn nicht erklärt, dafür war die Wartezeit in der Arztpraxis auch einfach zu kurz, aber für manche Kinder sind eben Viren und alles, was mit ihnen zusammenhängt  – gerade in der aktuellen Zeit – besonders spannend. Schade, dass ich nicht selbst Ärztin oder Biologin bin, um das noch besser erklären oder darstellen zu können. Dafür bin ich Mutter und als Mutter möchte ich meine Kinder natürlich so gut es geht schützen.

Und eine Form des Schutzes gegen bestimmte HP-Viren ist eben die Impfung. Ich weiß, wie kritisch das viele sehen und wir werden hier auch niemals eine Empfehlung für oder gegen etwas aussprechen, aber es ist uns ein Anliegen, zumindest darüber aufzuklären, DASS wir die Möglichkeit einer solchen Impfung haben.

#entschiedengegenkrebs: Wie sieht es mit der Impfung gegen HPV aus?

Was viele nicht wissen: Die Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) ab einem Kindesalter von neun Jahren empfohlen – und zwar für Mädchen und Jungen gleichermaßen. Wenn zwischen dem 9. Und 14. Lebensjahr geimpft wird, benötigt man zwei Einzelimpfungen im Abstand von fünf Monaten, ab einem Alter von 15 Jahren und bei einem zu kurzen Impfabstand, sind es drei Einzelimpfungen. Für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 17 Jahren wird die HPV-Impfung von den gesetzlichen Krankenkassen und in der Regel auch von den privaten Krankenversicherungen bezahlt. Darüber hinaus bieten viele Krankenkassen im Rahmen einer Zusatzleistung auch erweiterte Altersbestimmungen für die Übernahme der Impfung an.

Bei Zweifeln oder Fragen ist übrigens auch die Krankenkasse ein guter Ansprechpartner! Zudem geben staatliche bzw. seriöse Institutionen wie das Robert-Koch-Institut, die BZgA oder auch das Deutsche Krebsforschungszentrum gute Informationen zum Thema raus – für alle, die sich gern tiefer einlesen möchten.

Wichtig ist vielleicht noch, hier zu erwähnen, dass die HPV-Impfung nicht vor allen HPV-Typen schützen kann, die Krebs verursachen können. Je nach verwendetem Impfstoff kann sie aber bestimmten HPV-bedingten Erkrankungen vorbeugen, wie zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs, Scheiden- und Schamlippenkrebs sowie deren Vorstufen und Genitalwarzen.

Es geht nicht nur um den Schutz des Einzelnen

Mädchen und Jungen können sowohl Überträger als auch Betroffene von HPV-bedingten Erkrankungen sein. Darüber hinaus können die Folgen einer Erkrankung am Gebärmutterhals eben nicht nur die junge Frau selbst, sondern auch die gemeinsame Zukunft mit dem Partner im Hinblick auf einen gemeinsamen Kinderwunsch betreffen.

Bei mir führten diese Infos jedenfalls dazu, dass ich zu Hause nochmal den Impfpass unserer Kinder in die Hand nahm und checkte, wann eigentlich was nochmal aufgefrischt werden müsste. Dadurch, dass unsere drei Kinder jetzt so groß sind, dass sie nicht mehr dauernd zu U-Untersuchungen müssen, kann das ja schnell mal in Vergessenheit geraten.

Für die Entscheidungsfindung finde ich persönlich es aber zusätzlich wichtig, mal mit einem Arzt drüber zu sprechen. Da nehm ich dann alle neugierigen Jungs aus unserer Familie mit hin. Vielleicht klärt sich dann auch die Frage nach den Olympia 72-Plakaten im Wartezimmer… dann hätten wir gleich alle wichtigen Fragen im derzeitigen Kinder-Kosmos geklärt!

Seid ihr denn schon entschieden? Zum Thema Impfung empfehlen wir euch auf unserer Seite noch folgende Beiträge:

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9 Kommentare

  1. Da meine Oma an Gebärmutterhalskrebs gestorben ist, habe ich mich als die Impfung rauskam impfen lassen. Ich war damals bereits über 18 Jahre alt und musste die Impfung selbst bezahlen. Meine Tochter werde ich- wenn sie alt genug ist- auch impfen lassen.

  2. die HPV-impfung ist ja durchaus auch kritisch zu betrachten, leider wird gerne nicht erwähnt das dadurch auch jugendliche gestorben sind…. meine mutter hat sich damals bei meiner schwester und mir klar dagegen ausgesprochen. gerade wenn man nicht dauernd wechselnde sexualpartner hat und sich beide gesundheitlich untersuchen lassen sollte das eigentlich kein problem sein daran nicht zu erkranken. genauso steht die impfung im verdacht gebärmutterhalskrebs auszulösen…. ich finde man sollte da durchaus kritisch hinterfragen ob es nötig ist oder nicht und sich informieren und mehrere meinungen dazu einholen.

    1. Es gibt keinen einzigen dokumentierten Todesfall, der durch die HPV-Impfung ausgelöst wurde, und allenfalls eine Handvoll Verdachtsfälle (bei Millionen von Impfungen). Die Impfung steht auch nicht im Verdacht, Gebärmutterhalskrebs auszulösen, sondern sie schützt im Gegenteil vor Gebärmutterhalskrebs (der durch eine HPV-Infektion verursacht werden kann).
      Für eine Infektion braucht es nicht “dauernd wechselnde Sexualpartner”, sondern genau einen infizierten Sexualpartner (das Risiko, dass einer dabei ist, steigt aber natürlich mit der Anzahl, das ist klar). Ob es realistisch ist, dass Teens und Twens vor jedem Sexualkontakt umfassende medizinische Tests machen lassen oder ausnahmslos immer ultra safe unterwegs sind, na ja…

    2. Woher hast du die Information, dass die Impfung Gebärmutterhalskrebs auslöst? Sie schützt nicht vor allen Viren und zu Beginn der Impfung gab es die Sorge, mit ihr würden vielleicht aggressivere Stämme des HP Virus selektiert. Das ist aber nicht so und in allen Ländern, wie zB Australien, die schon länger Jungen und Mädchen impfen, ist das Auftreten aller Erkrankungen, die durch HP Viren verursacht werden, niedriger als in Ländern, die nicht impfen. Die Impfung soll die Vorsorge ja nicht ersetzten. Jeder kann für sich selber entscheiden aber es reicht ein Sexualpartner, der HPV hat und man hat die Viren auch.

  3. Achtung, das Thema Impfen ist vermutlich mit das am heißesten diskutierte Thema. Aber der Film Vaxxed 2 verbreitet Fehlinformationen, die wissenschaftlich wiederlegt sind! Als Ärztin sehe ich regelmäßig Patientinnen, denen durch eine HPV Impfung wahrscheinlich Gebärmutterhalsveränderungen, die einer OP bedürfen, erspart worden wären.

  4. Allen Interessierten ob Befürworter oder nicht, schaut euch bitte den Film Vaxxed 2. Hier gehts hauptsächlich um diese Impfung und wägt dann für eure Kids ab 🤗

    1. Das ist ein Propagandafilm von Impfgegnern, der aus Verschwörungstheorien und unwissenschaftlichen Schilderungen vermeintlicher Fälle von Impfschäden besteht. Das ist keine Grundlage für eine medizinische Entscheidung, die man ernsthaft gegen die Empfehlungen der STIKO abwägen könnte.

  5. Ich selbst bin mit 22 wegen einer Gebärmutterhalskrebs-Vorstufe operiert worden, meine kleine Schwester mit 21 Jahren. Mit einer Impfung wären uns die Ängste um Fruchtbarkeit mit Anfang 20 erspart geblieben – die gab es aber damals nur bis 18 bzw noch nicht. Meine Tochter werde ich impfen!

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