Ach, die Liebe! Können wir uns unseren Traumpartner eigentlich backen?

Ihr Lieben, manchmal ist es im Alltag mit Kindern gar nicht so leicht, die Liebe zum Partner oder zur Partnerin am Laufen zu halten. Fast in allen Beziehungen ist es so, dass die Schmetterlinge im Bauch im Laufe der Zeit weniger aktiv werden. Die Bösels haben nun ein weiteres Buch zum Thema geschrieben: Liebe – wie gehts? (Affiliate Link) Wir durften ihnen in diesem Interview die wichtigsten Fragen dazu stellen.

Das Paar Bösel. Foto: Stefan Liewehr

Kann man sich Traumfrau oder -mann eigentlich backen?

In Wien würden wir vermutlich sagen „stricken“. Doch ob gebacken oder selbstgestrickt: Die Traumfrau oder den Traummann kann man sich nicht eben mal herstellen, aber Entwicklungen in die gewünschte Richtung sind möglich.
Das Wesen einer Beziehung ist ja, sich einen Menschen auszusuchen, in den man sich verliebt, ohne das Kleingedruckte zu lesen. Klingt die Verliebtheit, von manchen so nett als die schönste Form der Psychose bezeichnet, ab, stößt man auf Ecken und Kanten. Man hat diese unbewusst mitgewählt. Bewusst aber ist man von ihnen überrascht und dann geht es darum, sich mit diesen Ecken und Kanten auseinanderzusetzen.

Ein hilfreicher Umgang damit ist, einander in der Partnerschaft das jeweilige „komische Verhalten“ rückzumelden – wertschätzend, wenn möglich. Man kann einander auch um Veränderungen ersuchen. Eine mögliche Reaktion darauf ist natürlich „nein, du hast mich so genommen, fertig“. Eine wirkliche Beziehung ist aber auch immer Entwicklung, sie ist die gemeinsame Entfaltung von Potenzialen beider Persönlichkeiten. Veränderung um mehr Traumfrau/Traummann zu werden, ist also zu bejahen und ein Teil des unbewussten Deals, den wir zu Beginn einer Beziehung eingehen.

Immer wieder hört man ja von Paaren, wo ein Teil sich den anderen Teil erstmal „zurechtbiegen“ will. Kann das auf Dauer gutgehen?

„Biegen“ ist eine ganz schlechte Idee. Das funktioniert in einer Beziehung gar nicht. Sagt zum Beispiel der Mann zu einer Frau, der Treue sehr wichtig ist „Ich will mit dir leben, aber ich brauche auch die Freiheit, zwischendurch einen One-Night-Stand mit einer anderen zu haben“, dann wird das für ein Frau, für die das ein No-Go ist, auch eines bleiben. Da hilft es nicht, zu biegen, und zu sagen „sei doch nicht so zickig“.

Was statt des Biegens aber in Partnerschaften funktioniert, ist „Dehnen“. Wenn der Partner das eigene Parfüm nicht ausstehen kann, wird es zu schaffen sein, ein anderes zu wählen. Also: verbiegen nein. Dehnen ja. Wobei auch beim Dehnen ein Zuviel die Beziehung reißen lassen kann.

Und trotzdem dürfen wir nicht in die Spirale des „Ich bin halt so, das musst du jetzt auch aushalten“ gehen. Oder?

So ein „du hast mich geheiratet, Pech für dich“ ist natürlich keine konstruktive Haltung. Über verschiedene Wünsche reden und in Austausch kommen, eingebettet in einen Prozess, sollte möglich sein.

Nun lesen ja hier auch viele mit, die bereits Kinder haben und vermutlich schon länger mit ihren Liebsten zusammen sind. Wie schafft es denn ein Partner, aus festgefahrenen Strukturen nochmal auszubrechen? Die Liebe jung zu halten?

Das ist ganz einfach zu beantworten. Letztlich geht das immer – auch wenn wir „immer“ zu sagen aus verschiedenen Gründen auch oft vermeiden – indem man nicht nur noch Eltern ist, sondern auch ein entwicklungsorientiertes Vorgehen als Paar sicherstellt.

Gerade zum Junghalten der Liebe finden sich in unserem neuen Buch „Liebe, wie geht’s?“ zahlreiche Anregungen. Paarzeit ist wichtig, bei aller Wertschätzung für die Kinder und bei aller Wichtigkeit, für Kinder da zu sein. Die Kinder haben ja auch nichts davon, wenn sich die Mutter oder der Vater für die Kinder aufopfert und dabei die Beziehung in die Brüche geht. Liebe ist Aktivität!

Wie kriegt man denn eigentlich genügend partnerschaftliche Liebe im Alltag mit Kindern unter?

Wer nicht nur Eltern, sondern auch Paar sein möchte, nimmt sich eigene Zeit als Paar. Das kann zum Beispiel über fixe Termine funktionieren. Das klingt zunächst vielleicht unromantisch, hilft aber ungemein. Sodass dann zum Beispiel die Paarzeit jeden Donnerstagabend wirklich nur in ganz akuten Notfällen umgestoßen wird. Eine gute Möglichkeit sind auch Reminder: einander daran zu erinnern, dass man eine Paarbeziehung hat. Nachrichten zu schicken tagsüber, über schöne Momente beim Frühstück („es hat gutgetan, dass du meine Hand genommen hast“). Oder über Vorfreude auf Erlebnisse des Abends („ich freue mich schon, wenn wir heute zusammen einschlafen“). Auch Rückfrage-Nachrichten, was aktuell für die Paarbeziehung gebraucht wird, sind ein gute Idee.

Ihr sagt: Beziehungen sollen uns Kraft geben, uns nähren, uns weiterentwickeln. Wie kann das gelingen? Geht es dabei immer auch um eine hohe, beidseitige Kompromissfähigkeit?

Kompromisse sind mit Vorsicht zu genießen und faule Kompromisse sind vollständig zu meiden. In einer Beziehung sollen Bedürfnisse ausgesprochen und aufeinander abgestimmt werden. Was nicht geht, ist Zugeständnisse zu machen, aus Angst, den Partner andernfalls zu verlieren. Beziehung soll ein Prozess auf gleicher Ebene sein, so funktioniert das mit dem genährt sein, mit der Weiterentwicklung.

Was, wenn der Traummann immer und überall seine Socken liegen lässt, sie dafür aber immer vergisst, die Haare aus dem Waschbecken zu entfernen?

Da gibt es einige Tricks. Etwa „den Nutzen des Nervigen“ entdecken, wie wir das in unserem Buch nennen. Gerade, wenn es um kleine Macken geht, kann man lernen, einen kreativen Umgang damit zu finden oder sie, wie das psychologisch heißt, zu „utilisieren“. Man kann das Auffinden der Haare im Waschbecken zu einem Reminder für etwas Sinnvolles machen. Es fortan als Erinnerung für z.B. die Durchführung ohnehin vom Physiotherapeuten angeordneter und oft vernachlässigte Übungen zu verwenden. Oder sie fortan als Erinnerung zu werten, wie sehr sich die, die die Haare hinterlässt, jeden Tag für die Kinder engagiert und wie viel sie als Mutter leistet.

Was, wenn ich wieder und wieder einen Wunsch (zB nach mehr Nähe) formuliere, das auch nickend und akzeptierend aufgenommen wird – dann aber nichts passiert. Man will ja auch nicht als Meckertante dastehen …


Wenn wir an Grenzen stoßen, etwa er oder sie stimmt zwar zu, verändert aber nichts, braucht es mehr. Es braucht eine nächste Ebene. Das kann sein, mal einen Paar-Workshop zu machen. Wenn ich das stärkste Committment mit mir selbst habe, dann geht es darum, dass ich selbst dafür sorge, dass meine Persönlichkeit sich wohlfühlen kann. Unser Impuls im Buch dazu: „Schau auf dich, dann schaust du auch auf die Beziehung“.

Zu guter Letzt, wie haben Sie es durch all die Jahre mit den drei Kindern geschafft, immer noch glücklich zu sein?


Das lässt sich sehr vielschichtig, aber zugleich einfach beantworten: Wir haben es geschafft, indem wir uns immer, auch in Konflikten, dafür entschieden haben, dranzubleiben. Beziehung ist nicht etwas, das einem geschenkt wird. Nicht gleich davonrennen, sich nicht gleich abfinden, sondern sich Zeit geben, ist einer der Schlüssel. Gemeinsame Entwicklung ist möglich und Wertschätzung ist etwas, wofür man sich stets entscheiden kann.

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