Steffi Ewald: Nach 16 Chemotherapien bin ich krebsfrei!

Ihr Lieben, wir begleiten die Familie Ewald ja schon eine ganze Weile und haben hier schon mehrfach über sie berichtet. Und auch Ihr habt immer große Anteilnahme gezeigt. Nachdem Steffi im letzten Jahr das Schlimmste erlebt hat, was man sich nur vorstellen kann – sie hat ihren Mann und ihren Sohn an den Krebs verloren und ist dann auch selbst an Brustkrebs erkrankt – gibt es heute endlich einmal gute Nachrichten. Wir freuen uns sehr sehr mir Dir, liebe Steffi. Du bist eine Heldin – und deine Mädchen auch!

Liebe Steffi, 16 Chemotherapie-Blöcke liegen seit März hinter Dir, dann folgte die beidseitige Mastektomie, also die beidseitige Brustabnahme…

Ja, nachdem ich erkältungsfrei durch die Chemo-Zeit gekommen bin, hatte ich mir tatsächlich doch noch eine Erkältung eingefangen, so dass die Mastektomie auf Ende September verschoben werden musste. Meine Schwester kam dafür extra aus Amerika, um rund um die Uhr auf meine beiden Töchter aufzupassen. Sie ist aktuell auch immer noch ein paar Wochen bei uns, weil ich aufgrund der beidseitigen Brustabnahmen nicht schwer heben darf und generell körperlich noch eingeschränkter bin.

Ich war für die Brustabnahme eine Woche im Krankenhaus und das war auch das erste Mal, dass ich so lange von meinen beiden Mädels getrennt war. Die Mädchen durften mich auch aufgrund Corona nicht besuchen.

Was die ganze Sache sicher noch schwerer machte…

Ja, wir haben ihr versucht zu erklären, dass Mama ins Krankenhaus muss und auch wiederkommt. Denn Papa und Jonas sind ja nicht wieder lebend aus dem Krankenhaus gekommen….

Im Dezember 2019 hast du deinen Sohn Jonas an Krebs verloren, wenige Monate später deinen Mann Basti. Du bist durch die Hölle gegangen – jetzt endlich gibt es gute Neuigkeiten. Erzähl bitte davon. 

Letzte Woche hatte ich dann meine OP-Nachkontrolle und als ich in das Ärztezimmer kam, lachte der Arzt mich direkt an und meinte, er hätte wahnsinnig tolle Neuigkeiten für mich. Eigentlich sind wir davon ausgegangen, dass die Ergebnisse erst die Woche darauf da sind – aber sie lagen schon vor. Tatsächlich konnten keine Krebszellen im Tumor mehr gefunden werden, das heißt es wurde eine Komplettremission erreicht.

Was bedeutet das genau?

Diese Komplettrenission ist zwar keine Garantie für einen Rückfall oder Metastasen, jedoch ist eine pCR (so wird dies genannt) die beste Ausgangslage. Ich brauche nun keine Chemo oder Bestrahlung mehr. Es folgt nun eine Bisphosphonate- Therapie, die die Knochen stärken soll und sich als vorbeugend für Knochenmetastasen bewiesen hat.

Wichtig ist natürlich weiterhin eine engmaschige Vorsorge, denn auch meine Mutter hat, nach einer Brustabnahme und einer Zeit ohne Metastasen, ihren Kampf gegen den Brustkrebs am Ende verloren. Leider haben wir nun auch erfahren, dass auch meine Schwester das Brac1 Gen vererbt bekommen hat und sie steht nun vor der Entscheidung einer prophylaktischen Mastektomie.

Auch deine Tochter Neele hat bereits gegen den Krebs gekämpft. Wie geht es ihr gerade?

Neele hatte letzte Woche selbst wieder ihre Li-Fraumeni-Syndrom Vorsorge -wir hoffen, dass auch da alles gut sein wird. Die Angst schwingt bei uns ja leider trotzdem immer weiter mit, da sowohl bei Neeles Li Fraumeni Syndrom als auch meinen Brustkrebs Erkennung man nie mehr als geheilt gilt.

Wie hast du es all die Monate geschafft, weiter zu kämpfen?

Meine beiden Töchter geben mir Kraft jeden Tag aufzustehen und sind mein Grund warum ich nicht aufgebe. Ich will, dass sie trotz aller Verluste und Ängste eine schöne Kindheit haben und gebe ihnen so viel Liebe wie nur möglich.

Außerdem treibt mich jeden Tag mein Versprechen an Basti und Jonas – ich habe ihnen versprochen, dass wir hier auf Erden mit ihnen im Herzen weiterleben. Sie sind in unseren Erinnerungen und Gedanken immer dabei.

Unendlich dankbar bin ich aber auch meiner Familie und Freunden, die uns zu jeder Tages- und Nachtzeit bedingungslos zur Seite standen und einfach immer für uns da sind. Wir hoffen sehr, dass wir nun endlich einmal durchatmen dürfen und die Katastrophen ganz lange – am Besten für immer – Pause machen. 

Du hast deinen Mann und deinen Sohn verloren, die Mädchen ihren Papa und ihren Bruder. Wie geht Ihr im Alltag damit um?

Wir sprechen und denken täglich an unsere verstorbenen Männer. Neele malt sehr viel und verarbeitet damit die Verluste. Auch bei Lenja sind die beiden sehr präsent und sie singt jeden Abend Papa und Jonas hinterm Mond ein Gute Nacht Lied und erzählt ihnen vom Tag. 
Neele sagt, dass sie keine Angst vor dem Tod hat, da Papa und Jonas ja auf uns warten – aber sie wünscht sich, dass sie mit Lenja und mir und ihren Freunden noch ganz viel erleben darf. 
Wir würden gerne eine Reha mit Schwerpunkt Trauer machen. Dies gestaltet sich derzeit aufgrund Corona sehr schwierig, da Kinder unter 3 Jahre nicht/ kaum aufgenommen werden… Hoffentlich klappt es trotzdem.

Wir gehen auch zu einer Trauergruppe und der Austausch tut uns gut. 
Jetzt stehen uns nochmal schwere Wochen bevor- mein erster Geburtstag nächste Woche ohne Basti und Jonas, dann die Weihnachtszeit ohne die beiden und Erinnerungen an letztes Jahr, wie beide ins Krankenhaus kamen und im Dezember steht schon der erste Todestag von Jonas an.

Was wünscht Du Dir für die nächste Zeit?

Ich traue mich nicht mehr weit in die Zukunft zu planen- das Schicksal hat uns so oft gezeigt, dass alles anders kommt – daher sind wir gerade einfach dankbar. Dankbar, dass wir gerade krebsfrei sind und dass wir drei Mädels uns haben.

Unsere anderen Artikel über die Familie Ewald: Mein Leben zwischen Chemo, Kita und Friedhof,

Chemo für Steffi mitten in der Corona-Krise ,

Abschied von Jonas und auch Papa Basti tritt die letzte Reise an,

Ich weiß nicht, ob wir uns nochmal wieder sehen

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15 Kommentare

  1. Ich hoffe sehr, dass ihr Frauen es schafft, trotz der schlimmen Schicksalsschläge ein gutes Leben führen zu können. Ich hoffe und drücke euch die Daumen, dass ihr gesund bleibt und das Furchtbarste nun hinter euch liegt.

  2. Auch mich hat euer Schicksal so berührt, ich freue mich unheimlich, dass es bei euch jetzt wieder gute Nachrichten gibt und hoffe von Herzen, dass das Glück bei euch wohnen bleibt. Ich wünsche euch alles erdenklich Gute und weiterhin ganz viel Kraft, um alles zu verarbeiten und das Leben wieder genießen zu können nach all den dunklen Stunden. Eure Lieben werdet ihr immer im Herzen mit euch tragen, sie werden immer da sein und auch wir werden sie und eure Geschichte nicht vergessen! Alles Gute!

  3. Ich freue mich auch sooo doll für euch. Musste letzens noch an euch denken und nun lese ich diese tollen Neuigkeiten. Ich wünsche euch auch viel Gesundheit und alles Glück der Welt. Ihr habt es so verdient. Alles Liebe für euch und passt gut auf euch auf.

  4. Sie schreibt, dass sie gerne eine Reha machen würde, aber Schwierigkeiten hat, weil die meisten Kliniken coronabedingt keine U3-Kinder aufnehmen. Die St. Ursula-Klinik in Winterberg ist u.a. auf Trauer spezialisiert und nimmt aufh aktuell die Kleinsten auf. Ich kann die Klinik wärmstens empfehlen (wobei ich mit anderer Indikation dort war). Alles Gute der Familie!

  5. Liebe Steffi, ich kann dir vielleicht weiterhelfen, was die Reha zum Schwerpunkt Trauer betrifft. Wenn du möchtest, können Katharina oder Lisa den Kontakt vermitteln.
    Ganz viel Kraft weiterhin an dich und deine Familie!

  6. Liebe Steffi, ich ziehe meinen Hut vor dir wie du das alles meistert und für deine Mädels stark bist.
    Ich selber bin auch an Brustkrebs erkrankt (auch triple negativ) und stecke gerade mitten in der Chemo. Ich finde es ist eine verdammt harte Zeit, aber auch durch meine drei Kinder ist aufgeben keine Option.
    Alles Gute und viel Kraft für euch drei.

    1. Ich weine Sturzbäche, so sehr freue ich mich für die Ewald-Mädels! Ich kann es kaum aushalten ,an ihre Geschichte zu denken, wie stark die drei sind/sein müssen. Mir fehlen da einfach die Worte…. Alles alles alles erdenklich Liebe und Gute für die Zukunft 🙏

      1. Ich bin gerade durch Zufall auf diesen Beitrag gestoßen und musste Rotz und Wasser weinen. Ich habe wirklich schon viel schlimmes gehört und gelesen und gesehen wie meine eigene Mutter an Krebs gestorben ist. Aber euer Schicksal ist einfach nur furchtbar… Und zugleich bin ich endlos Dankbar, dass bei ihnen der Krebs geheilt wurde. Ich wünsche ihnen und ihren Mädels von Herzen nur das Beste und weiterhin so viel Kampfgeist. Genießt jeden Tag so gut es geht. Keiner von uns weiß, was morgen ist.

  7. Oh, wie freue ich mich! Und wie klein sind die Probleme über die ich mich im Alltag gerne aufrege!
    Liebe Steffi, weiter alles Gute und viel, viel Kraft und Energie und positive Ergebnisse für dich und deine Mädels!

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