Brustkrebs: Frauen, geht zur Vorsorge! Der Tumor fragt nicht, ob ihr Mama seid

Brustkrebs

Ihr Lieben, manchmal kommt alles zusammen. Karneval, Corona – und bei Sabine auch noch eine Brustkrebs-Diagnose. Statt ausgiebig zu feiern, begab sie sich am Rosenmontag in die Behandlung. Ihre Kinder waren erst 6 und 2. Wäre sie nicht zur jährlichen Vorsorge gegangen – sie will sich nicht ausmalen, wie es dann ausgegangen wäre…

Liebe Sabine, wie wichtig Vorsorgeuntersuchungen sind, hast du gemerkt, als du nichtsahnend zum Frauenarzt gingst… welche Diagnose hast du dort bekommen und wie wurde es festgestellt?

Am 4.2.2020 hatte ich einen Routinetermin bei meiner Frauenärztin. Alles war gut, bis sie meine Brüste abtastete. Sie machte sofort einen Ultraschall. Beunruhigung lag in der Luft. Sie zeigte mir drei Knoten, die sie ertastet hatte. Ich sollte schnellstmöglich eine Mammographie machen, um es abzuklären. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch gestillt habe, dachte ich erst mal, es wäre von den Milchdrüsen. Durch den Ultraschall konnte ich die Knoten auch sehen. Den Termin für die Mammographie bekam ich erst am 13.2.2020.

Hattest du vorher nichts geahnt?

Nein, wie gesagt ich habe bis zu dem Zeitpunkt gestillt. Und ehrlich gesagt habe ich mich vorher nie selbst abgetastet. Ich bin da leider etwas nachlässig. Ich hatte aber die letzten Tage vor dem Termin ein komisches Bauchgefühl. Irgendwie hatte das neue Jahr nicht so gut angefangen. Ich hatte einen neuen Job ganz in der Nähe gefunden. Aber es passte nicht von der Empathie. Das Zusammenarbeiten war schwer.

Vielleicht lag es auch an der Krankheit, dass meine Konzentration gestört war. Zu dem Zeitpunkt hatte ich zwei Wochen vorher meine Kündigung erhalten. Meine Mutter sagte mir im Nachhinein, dass ihr aufgefallen war, dass meine Haare nicht mehr so schön wie sonst waren. Sie fielen schnell zusammen. Ich glaube Mütter spüren so etwas.

Wie alt warst du im Augenblick der Diagnose und wie alt deine Kinder?

Ich war gerade 38 Jahre alt. Mein Sohn war 6 und meine Tochter noch 2 Jahre alt.

Mit welchem Gefühl bist du aus der Praxis rausgegangen?

Mit einem sehr schlechten Gefühl. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Was ist, wenn ich jetzt Krebs habe? Sind es nur Zysten? Wie sage ich es meiner Familie? Ich behielt es erstmal für mich.

Und ließ mir überhaupt nichts anmerken. Ich war die nächsten Tage sehr angespannt und gereizt. Es ist schwer, niemanden etwas zu sagen. Und so zu tun als wäre alles in Ordnung.

Wie hast du es deinem Mann, deinen Kindern, deiner Familie erzählt?

Meinem Mann habe ich es erst am Tag der Mammographie und der offiziellen Bestätigung erzählt. Ich konnte nicht länger schweigen. Er war geschockt. Hat mich von der ersten Minute an unterstützt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

An dem Tag habe ich meine kleine Tochter abrupt abgestillt. Ich habe ihr gesagt, dass die Mama ein Aua in der Brust hat und sie deshalb nicht mehr bei mir trinken kann. Zum Glück hat sie es gut verkraftet und auch verstanden. Ich wollte schon viel früher abstillen, aber wir haben beide nicht den richtigen Weg gefunden. Dass es so endet, hätte ich nie gedacht.

Mein Sohn hat sich eher zurückgehalten und keine Fragen gestellt. Meine Mutter war sehr geschockt. Erst dachte sie, ich hätte eine Fehlgeburt gehabt. Weil ich ihr nur von einem Termin beim Frauenarzt erzählt habe. Meine Schwiegereltern und auch der Rest der Familie waren auch sehr geschockt. Alle haben uns volle Unterstützung zugesagt. Wir konnten immer auf sie zählen. 

Musstest du eher sie trösten oder sie dich?

Für mich lief alles wie in einem schlechten Film ab. Ich konnte es nicht richtig begreifen. War das Realität? Wir haben uns gegenseitig getröstet. Es sind sehr viele Tränen geflossen.  Aber ich wollte nicht aufgeben. In den nächsten zwei Wochen folgte ein Termin dem anderen. Ich hatte keine richtige Zeit, über alles nachzudenken. Und zu entscheiden, was jetzt richtig oder falsch ist.

Mir wurde die Entscheidung durch die Ärzte abgenommen. Ich hatte auch keine große Wahl. Mein Mann war meine große Stütze. Denn was bei den Terminen gesagt wurde, ging teilweise total an mir vorbei. Mein Kopf war wie leer.

Welche Untersuchungen folgten?

Nach dem Frauenarzttermin folgte eine Mammographie. Dort hat man gesehen, dass die Knoten gut durchblutet sind, also bösartig. Kurz darauf bekam ich am 19.2.2020 einen Termin im Brustzentrum für eine Biopsie. Mit der Stanze wurden Gewebeproben genommen und diese ins Labor geschickt. Mein Mann war dabei und hat mir die Hand gehalten. Denn die Betäubung tat mehr weh, als die Stanze selbst. 

Am 21. Februar 2020, ich war gerade dabei unsere Tochter aus dem Kindergarten abzuholen, bekam ich den Anruf. SIE HABEN BRUSTKREBS. Bitte kommen Sie am 24. Februar 2020 (Rosenmontag) zur Besprechung. Der Verdacht auf Brustkrebs hat sich also bestätigt. Die Diagnose lautete: Mamma Karzinom rechts.

Am Faschingsdienstag wurde ich für zwei Tage stationär aufgenommen. Alle möglichen Untersuchungen (Blutabnahmen, Computertomographie, Herz-Ultraschall und Skelettzintigramm) wurden gemacht. Ich war vorher zum Glück noch nie richtig krank. Die einzigen Krankenhausaufenthalte waren die Geburten. Einen Tag vor dem 3. Geburtstag meiner Tochter bin ich entlassen worden.

Am 2. März 2020 wurde mir ambulant ein Port eingesetzt. Meine allererste Narkose und Operation in meinem Leben. Über den Port wurden mir die Chemomedikamente per Infusion gegeben. Das ist viel praktischer als alle zwei Wochen einen Zugang zu legen. 

Warst du von Anfang an optimistisch oder hattest du auch größere Ängste?

Zwischendurch gab es immer mal Phasen wo ich aufgeben wollte. Da mir gesagt wurde, dass ich den Krebs mit der Chemotherapie überstehen kann und die Heilungschancen gut sind, habe ich von Anfang an gekämpft. Natürlich denkt man irgendwann daran: Was wäre wenn du stirbst?

Ich hatte die 100 % Unterstützung von meinem Mann. Ihm wurde direkt das Homeoffice genehmigt. Zum Glück hat er einen ganz hervorragenden Chef, der ihm zugesichert hat, dass die Familie erst mal vorgeht.

Gedanken die einem durch den Kopf gehen: Ich werde also in den nächsten Monaten meine Haare verlieren, mich total schlecht fühlen, mich übergeben. Kann mich wahrscheinlich nicht mehr um die Kinder kümmern. Das Wichtigste aber ist: Ich werde kämpfen. Es wird eine sehr harte Zeit. Wir schaffen das als Familie.

Nun fand deine Chemo-Therapie unter erschwerten Bedingungen statt, der erste Block fand zwei Wochen vor dem ersten Lockdown statt. Welche medizinische Bedeutung hatte das für dich (dein Immunsystem war ja vermutlich heruntergefahren, du durftest auf keinen Fall Corona bekommen, oder?)

Ich hatte zuerst vier große Chemos alle zwei Wochen und danach zwölf leichtere jede Woche. Wir haben unsere Kontakte direkt reduziert. Da kam uns der Lockdown eigentlich ganz gelegen. Denn alle mussten Schritte zurück machen. Meine Werte waren bis auf die Eisenwerte fast immer im Normalbereich.

Ich musste nur bei den großen Chemos mit dem roten Medikament die unangenehme Eiweißspritze bekommen. Damit die Leukozyten nicht im Keller landen. Als ich zur 1. Chemo ging, saß da eine junge Frau mit Mundschutz. Und ich dachte noch, das musst du jetzt auch überall tragen um keine Infektion zu bekommen.

Das Thema Corona war zwar schon überall zu lesen und zu hören, aber es war noch nicht im Fokus. Die Einkäufe hat mein Mann erledigt. Ich bin zu der Zeit nur zur wöchentlichen Blutabnahme zur Frauenärztin gefahren und zur Chemotherapie ins Krankenhaus. 

16 Wochen lang habt ihr dann Chemo, Homeoffice und Home Kita zu Hause gestemmt. Wie habt ihr das geschafft – und was hat das mit euch gemacht?

Ich weiß es nicht mehr so genau. Die Chemotherapie begann am 4.3.2020 und endete am 22.7.2020. Die Kinder waren viel draußen mit der Nachbarsfamilie. Zu der Zeit unser einziger Kontakt. Die Großeltern haben sie alle zwei Wochen im Garten gesehen. Mein Mann hat seit der Diagnose im Homeoffice gearbeitet. Wenn ich zur Chemo bin, dann hat er auf die Kinder aufgepasst. Mit Absprache seines Chefs, konnte er so flexibler mit der Arbeit sein.

Wir waren zu der Zeit viel im Wald, damit die Kinder auch mal was anderes als nur das Zuhause gesehen haben. Wir haben uns immer Orte gesucht, wo keine bis wenig Menschen waren. Das ist bis heute so geblieben. Und während der Chemo habe wir einige Fahrradausflüge gemacht. Es hat uns als Familie noch enger zusammengeschweißt. Klar ist es nicht immer einfach zu Viert den ganzen Tag aufeinander zu hocken. Das macht einen manchmal wahnsinnig. Mit 3 und 6 Jahren hat man auch viel mehr Energie, die raus will, als ältere Kinder.

Wie gut hast du die Chemo vertragen?

Bis auf ein paar kleine Wehwehchen, habe ich sie ganz gut vertragen. Meine Haare hatte ich natürlich verloren. Einmal bekam ich eine Mundschleimhautentzündung. Das war auch meine erste Begegnung im Krankenhaus mit der Corona-Schleuse. Die Müdigkeit war immer am Tag der Chemo extrem. Gegen Abend war ich dann so fertig, dass ich noch vor den Kindern ins Bett musste.

Bei den großen Chemos musste ich mir am nächsten Tag eine Spritze ins Bein geben. Damit meine weißen Blutkörperchen nicht zu weit nach unten fallen. Das hat zwei Tage so eine Art Muskelkater ausgelöst. Alles tat weh. Jede Berührung schmerzte. Das Kortison hat mich auch fertig gemacht. Ich habe es dann nach und nach reduziert. Zum Glück hatte ich nie mit Übelkeit ein Problem. Ab und zu mal ein mulmiges Gefühl im Magen.

Bei den wöchentlichen Chemos mit dem Medikament Taxol hatte ich mehrmals eine allergische Reaktion direkt beim Einfließen in den Körper. Aber die schnelle Reaktion der Schwestern hat Schlimmeres verhindert. Die Infusionen haben mich schon vor Ort müde gemacht, weil da ein Beruhigungsmittel dabei war. Zu der Zeit fingen dann die Haare wieder an zu wachsen.

Ich will damit nicht sagen, dass die Chemo ein Spaziergang war. Es ist auch bei jedem anders. Der eine verträgt die Chemo gut und der andere bekommt alle Nebenwirkungen, die es gibt. Aber mit Kindern muss man funktionieren. Sie fordern einfach ein und fragen nicht, ob man gerade keine Kraft hat. Ansonsten konnte ich zum Glück alles machen, was zu der Zeit möglich war. 

Eine Woche nach der Einschulung deines Sohnes fand dann deine OP statt. Wie war das für dich und was wurde genau gemacht?

Der Termin mit der Operation hat nur geklappt, weil ich beim dritten großen Chemoblock an der Corona-Schleuse wegen zu hoher Temperatur gescheitert war. Maske und Mütze erhöhen die Temperatur. Deshalb musste die Chemo um eine Woche verschoben werden. Bei mir wurde eine Mastektomie auf der rechten Seite gemacht.

Leider hatte ich vorher keine Möglichkeit mit einem Chirurgen über einen zeitnahen Wiederaufbau zu sprechen. Mit der Sommerpause und den Corona-Einschränkungen ist das irgendwie untergegangen. Es gäbe nur die Möglichkeit eines Wiederaufbaus mit Eigenfett. Aber das ist wieder eine langwierige Sache. 

Im Nachhinein bin ich ganz froh, dass es so gelaufen ist. Ich hatte nach der OP wenig Schmerzen und auch keine weiteren Einschränkungen. Es gibt so viele schöne BHs und Bikinis, da fällt es überhaupt nicht auf, dass was fehlt. Meinen Mann stört es überhaupt nicht. Bis jetzt habe ich mich damit abgefunden. Aber ich werde eventuell nochmal einen Chirurgen kontaktieren.

Wie geht´s dir heute? Und was hast du aus dieser Zeit mitgenommen?

Heute geht es mir wieder gut. Die Haare sind wieder komplett da. Wenn auch etwas durcheinander. Ich bekomme noch alle drei Wochen eine Antikörperspritze (Herceptin) und muss für fünf Jahre die Antihormontabletten (Tamoxifen) nehmen. Da merke ich bisher noch keine Veränderungen.

Ich bin wieder in meinem normalen Monatszyklus angekommen. Die beiden kleineren Tumore waren nach der zweiten Chemo direkt verschwunden. Der Haupttumor wurde bei der OP nicht mehr gesehen. Da hat man mir noch zwei Vorstufen entfernt. Ich bin bisher krebsfrei und hoffe, dass es so bleibt. Natürlich spielt immer die Angst vor jeder Untersuchung eine große Rolle. Dadurch dass es frühzeitig erkannt wurde, konnten sich auch keine Metastasen bilden.

Ich habe aus dieser Zeit mitgenommen, dass ich auch wichtig bin. Ich muss mich um meinen Körper und meine Gesundheit kümmern. Das vergisst man leider, wenn man eine Familie hat. Ganz viel habe ich in der Zeit der Anschlussheilbehandlung über mich und wie ich mich pflege gelernt. Ich hatte drei Wochen Zeit nur für mich. Das ist echter Luxus. Es waren die schönsten drei Wochen des Jahres 2020. Und ich habe total nette Menschen kennengelernt, mit denen ich immer noch in Kontakt stehe.

Zum Abschluss vielleicht noch: Vorsorge ist so wichtig. Egal ob Mann oder Frau. Geht zu eurem Arzt und lasst euch untersuchen. Bisher ist leider erst ab 50 Jahren eine Mammographie vorgesehen. Der Krebs fragt aber nicht nach dem Alter! Er kommt, wenn er es für richtig hält…

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2 comments

  1. Vielen Dank für Deine Geschichte Sabine und Deinen Kommentar Eva! Ich werde regelmäßiger selber abtasten und auch alle Vorsorgetermine wahr nehmen. Ihr habt mich da aufgerüttelt!

  2. Noch wichtiger Mammographie ist laut Krebshilfe das Abtasten monatlich selber nach der Regelblutung
    und das jährliche Abtasten beim Gynäkologen!!
    https://m.apotheken-umschau.de/brustabtasten

    Hätte ich es nur auch gemacht. Ich habe mit 44 einen Brustkrebs bereits mit Metastasen diagnostiziert bekommen.
    Da waren meine Kinder beide im Kindergartenalter. Jetzt gehen sie in die Grundschule und ich hoffe ich darf sie noch länger begleiten.

    Eine von 8 Frauen bekommt in ihrem Leben Brustkrebs.Erkennt man ihn früh (selbst abtasten!!!) ist er sehr gut behandelbar und heilbar!

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