Mein Mann hat Krebs – Viola über 2020 voller Höhen und Tiefen

Es gibt Geschichten, die uns sehr berühren und an die wir immer wieder denken. Oft fragen wir nach einigen Monaten dann nach, wie es den Beteiligten geht und freuen uns, wenn wir Euch hier auch ein Update geben dürfen.

Viola haben wir im Januar diesen Jahres interviewt, ihr Mann hatte eine aggressive und unheilbare Krebsform und es sah alles nicht gut aus. (HIER das Interview) Dementsprechend bereitete ich mich innerlich auf schlechte Nachrichten vor, als ich Viola nun erneut anmailte. Aber: Es gibt gute Neuigkeiten und wir freuen uns sehr sehr mit Viola und ihrer Familie. Hier also das Update, das sie uns geschickt hat :

„Die Zeit zwischen Januar 2020 und August 2020 war unfassbar hart, einfach nur schlimm und traurig, denn es ging meinem Mann immer schlechter. Die Therapie war so aggressiv, dass er am Ende zu schwach zum laufen war. Dazu kam eine plötzliche Schwerhörigkeit, die sich niemand erklären konnte. Anfang März erwischte ihn noch eine Lungenentzündung, da wurde die ganze Situation wirklich richtig kritisch.

„Wirklich kritisch“, diese Worte belauschten meine Kinder einmal in einem Gespräch von mir mit einer Freundin. Sie fragten danach: „Mama, was heißt wirklich kritisch? Heißt das, dass Papa stirbt?“ Dieses Gespräch mit den Kindern war sehr sehr hart für uns alle.

Doch mein Mann erholte sich. Aufgrund von Corona musste seine Stammzellentransplantation mehrmals verschoben werden, das zerrte sehr an unseren Nerven. Ich hatte ständig das Gefühl, dass uns die wenige Zeit, die uns bleibt, zwischen den Finger zerrinnt. Im Juni/Juli bekam er dann eine Hochdosis-Chemo mit anschließender Stammzellentransplantation.

Dieser Vorgang war sehr heftig. Zu sehen, was diese Therapie mit meinem Mann macht – und ihm nichts von dem Leid abnehmen zu können, brachte mich an meine Grenzen. Dazu kamen auch noch die sehr eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten. Vier Wochen lang bangten wir erneut, denn mein Mann war einfach nur schwach, es ging ihm richtig schlecht.

Doch auch hier kämpfte er sich zurück. Zu Hause ging es wieder bergauf. Ich weiß noch, dass ich es kaum glauben konnte, als er eines Tages plötzlich wieder die Kraft hatte, den Geschirrspüler auszuräumen.

Doch es gab plötzlich neue Herausforderungen. Die Jungs hatten sich daran gewöhnt, dass ich ihre Ansprechpartnerin und Bezugsperson war und ich hatte mich daran gewöhnt, für alles zuständig zu sein. Plötzlich war mein Mann „wieder da“ und wollte einbezogen werden. Diese Neuaufteilung verlief nicht reibungslos.

Momentan ist mein Mann tatsächlich krebsfrei – damit hätte niemand gerechnet. Wir wissen nicht, wie lange das so bleibt. Wir wissen ja aus Erfahrung, dass der Krebs jederzeit zurück kommen kann. Mein Mann wird engmaschig betreut und will Anfang 2021 wieder anfangen zu arbeiten.

Wie kann man weiterleben, wenn man weiß, dass dieser Krebs meinen Mann irgendwann töten wird? Tja, man lernt einfach damit zu leben. Man muss es lernen. Der Krebs begleitet uns wie eine kleine Regenwolken, er ist irgendwie immer da – aber eher hinter uns als über uns. Und man lernt damit zu leben.

Ich bin einfach nur unendlich dankbar für die Zeit, die wir zu viert erleben dürfen. Durch Corona waren wir noch enger als je zuvor zusammen – und das hat uns gut getan. Ich bin seit Mai in therapeutischer Behandlung, was mir sehr gut tut. Die letzten zwei Jahre waren schlimm und ich bin permanent über meine Grenzen hinweggegangen. Nun suche ich die Scherben wieder zusammen und setze sie wieder zusammen.

Ich bin noch dankbarer für all die schönen Kleinigkeiten des Alltags, für jeden Tag ohne den Krebs. Und ich weiß, wie stark ich bin. Das macht mir für all das, was kommen mag, Mut.

HIER NOCHMAL DAS ERSTE INTERVIEW MIT VIOLA: https://www.stadtlandmama.de/content/uns-bleibt-nicht-mehr-viel-zeit-violas-mann-ist-unheilbar-an-krebs-erkrankt


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2 comments

  1. Liebe Viola,
    Eure Geschichte hat mich zutiefst berührt und ich freue mich so sehr, dass es für Euch bergauf geht. Ich wünsche Euch von Herzen nur das Allerbeste. All das erinnert mich so sehr an uns, nur dass in unserer Familie meine Mutter von der Diagnose Multiples Myelom betroffen ist. Das ist sicher nicht das Gleiche, wie Dein sehr viel jüngerer Mann, zumal Ihr ja auch noch jüngere Kinder habt. Aber als ich heute Deinen Beitrag und auch Deinen ersten Bericht gelesen habe, kam vieles wieder hoch. So viele Parallelen – die Wirbelbrüche, die unerträglichen Schmerzen, die Hochdosis-Chemo mit Stammzellentransplantation – alles genau wie bei meiner Mama, die die Diagnose 2018 kurz nach Geburt meiner zweiten Tochter bekam. Nur dass sie leider nicht in Remission ist, aber wirklich das Beste aus der Situation macht und dennoch versucht, das Leben bestmöglich auszukosten.
    Auch die Last der eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten und die Hilflosigkeit, die sich dadurch noch verstärkt, kann ich so gut nachempfinden, denn meine Mutter lebt 3.700 km entfernt in der Türkei, das macht die Situation für uns noch schwerer. Gerade derzeit kann man nicht „mal eben“ hinfliegen.
    Aber es gibt sie, die überraschenden Fälle, Menschen die lange Jahre lang beschwerdefrei sind. Ich wünsche Euch von ganzem Herzen, dass es Deinem Mann genau so geht. Dass er beschwerdefrei bleibt und Ihr die nächsten Jahre ein unbeschwerteres Leben führen könnt als die letzten Monate, ganz besonders für Eure Kinder.
    Alles Liebe, Jasmin

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