Warum sollte ich mein Kind vor HPV schützen?

Ihr Lieben, die letzten zwei Jahre haben wir uns unglaublich viel mit Gesundheitsthemen beschäftigt, wir leben – noch immer – in einer weltweiten Pandemie. Seit dem Beginn der „Corona-Krise“ gingen jedoch viele andere Vorsorge-Themen ein bisschen unter.

Da ich aber weiß, dass hier auch viele Eltern von Kindern zwischen 9 und 17 Jahren mitlesen, möchten wir heute nochmal den Fokus auf das Thema HPV legen. HPV steht für Humane Papillomviren, die bei Mädchen und Jungen im Erwachsenenalter bestimmte Krebsarten verursachen können. Mit Vorsorgemaßnahmen und einer Impfung ab einem Alter von 9 Jahren kann man bestmöglich vorbeugen.

Bestimmte Krebserkrankungen, ausgelöst durch HP-Viren

Immerhin etwa 7.850 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs, der auf HP-Viren zurückzuführen ist. Deswegen sollten wir, je größer unsere Kinder werden, auch mal über dieses Thema nachdenken und sprechen. Unsere Kleinen werden nun mal schneller groß, als wir das manchmal so glauben können…

…und mit dem Teenie-Alter kommt eben nicht nur die Peinlichkeit der Eltern und die Null-Bock-Phase auf den Tisch, sondern auch die Gesundheitsvorsorge nochmal expliziter. Ob der Kinderarzt das anspricht, ob Plakate zu einer möglichen HPV-Impfung in der Praxis hängen oder auf dem Schulhof drüber gesprochen wird.

Wir möchten uns heute auch hier nochmal ausführlich mit dem Thema beschäftigen. Denn die HPV-Impfung kann zwar nicht vor allen durch HP-Viren ausgelösten
Krankheiten schützen, kann aber Gebärmutterhalskrebs und Scheidenkrebs bei Mädchen oder Analkrebs bei Jungen und Mädchen vorbeugen.

Humane Papillomviren und ihre Auswirkungen

Wir möchten euch dazu heute einen übersichtlichen Überblick über die wichtigsten Fakten rund um Humane Papillomviren geben, um vielleicht auch eine Entscheidungshilfe zu liefern, welche Vorbeugemaßnahmen für euch als Eltern für eure Kinder in Frage kommt oder nicht.

HPV: Warum die Vorsorge so wichtig ist

Zu den Hintergründen: Etwa 85-90 Prozent aller Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV. Eine Infektion mit sogenannten Niedrigrisiko-HPV-Typen kann gutartige Warzen hervorrufen. Dauerhafte Infektionen mit sogenannten Hochrisiko-HPV-Typen können allerdings Zellveränderungen auslösen, die sich zu bestimmten Krebserkrankungen weiterentwickeln können. Das Risiko möglicher Folgen einer Infektion mit Humanen Papillomviren wie beispielsweise bestimmte daraus entstehende Krebserkrankungen können durch Impfung und Vorsorgeuntersuchungen deutlich reduziert werden.

Wie steckt man sich mit HP-Viren an?

HP-Viren werden über den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Wie gesagt: Die meisten Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens damit. Überkleinste Verletzungen der Haut bzw. der Schleimhaut können die Viren in den Körper eindringen, vor allem über intimen Körperkontakt.

Welche Krankheiten können HP-Viren verursachen?

Weltweit ist Gebärmutterhalskrebs die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Gebärmutterhalskrebs wird zu nahezu 100 % durch bestimmte HP-Viren verursacht. Bei Männern verursachen HP-Viren vor allem Tumore im Mund-, Rachen-, Genital- und Analbereich.

Sowohl Mädchen als auch Jungen können an Genitalwarzen und im Laufe ihres späteren Lebens an HPV-bedingten Krebsarten erkranken. Auch von Krebs im Mund-Rachen-Bereich sind sowohl Frauen als auch Männer betroffen.

Wie verläuft eine HPV-Infektion?

Eine HPV-Infektion bleibt zu Beginn oft unbemerkt, weil sie in der Regel beschwerdefrei verläuft. Meistens heilt die Infektion innerhalb etwa eines Jahres ohne gesundheitliche Probleme wieder ab. Nur: Wenn die HPV-Infektion länger andauert, können sich daraus Zellveränderungen an den Schleimhäuten oder der Haut ergeben – und sich bei einigen Menschen zu Krebsvorstufen oder Krebs entwickeln.

Was empfiehlt die STIKO?

Zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen gehört die Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt die HPV-Impfung für Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Die Impfung soll – wenn möglich – zwischen 9 und 14 Jahren durchgeführt werden, spätestens aber bis zum Alter von 17 Jahren (bis zum Tag vor dem 18. Geburtstag)

Die HPV-Impfung dient je nach verwendetem Impfstoff zur Vorbeugung vor bestimmten Erkrankungen, die durch bestimmte HPV-Typen verursacht werden wie z.B.: Krebsvorstufen und Krebs des Gebärmutterhalses (Zervix), der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane (Vulva), der Scheide (Vagina) und des Afters (Anus) sowie Genitalwarzen.

Impfung gegen HPV: Die wichtigsten Fakten

Für alle, die sich für die Impfung ihrer Kinder entscheiden, hier noch einmal die wichtigsten Fakten dazu im Überblick.

In welchem Alter wird gegen HPV geimpft?

Die STIKO empfiehlt die frühzeitige Impfung von Jungen und Mädchen. Die Impfung kann bereits ab einem Alter von 9 Jahren erfolgen und somit vor einer möglichen Infektion mit HPV. Zudem reagiert das Immunsystem umso besser auf die Impfung, je jünger die geimpfte Person ist. Außerdem kann der Impfstoff bis zum Tag vor dem 15. Geburtstag in zwei Dosen verabreicht werden, danach sind drei Dosen nötig.

Wie viele Impfungen sind wann nötig?

Die Impfdosen erhalten Mädchen und Jungen bis einschließlich 14 Jahre in zwei Einzelimpfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten. Ab einem Alter von 15 Jahren und bei einem zu kurzen Impfabstand sind drei Einzelimpfungen vorgesehen.

Warum sollten Mädchen UND Jungen geimpft werden?

Mögliche durch HP-Viren verursachte Erkrankungen können beide Geschlechter gleichermaßen betreffen. Die zur Prävention bei Jungen empfohlenen HPV-Impfstoffe sind die gleichen, die auch für Mädchen eingesetzt werden.

Wer bezahlt die Impfung gegen HPV?

Für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 17 Jahren wird die HPV-Impfung von den gesetzlichen und – in der Regel – auch von den privaten Krankenversicherungen bezahlt. Einige Krankenversicherungen übernehmen sogar auch die Impfkosten für junge Menschen über 18 Jahren.

So, das waren jetzt viele Fakten und ordentlich Input. Wenn ihr weiterhin Fragen habt, könnt ihr als Erstes natürlich mal euren Kinderarzt oder eure Kinderärztin
ansprechen. Auch die Krankenkasse könnt ihr anrufen und mit Fragen löchern. Außerdem geben staatliche bzw. seriöse Institutionen wie das Robert-Koch-Institut,
die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder auch das Deutsche Krebsforschungszentrum gute Informationen zum Thema raus – für alle, die sich gern tiefer einlesen möchten.

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7 comments

  1. Es gibt Updates der WHO zur HPV Impfung. Sowohl, dass auch eine einmalige Dosis gut wirksam ist, als auch dass die Impfung für Jungen überdacht wird. Letzteres wohl aus dem Grund, dass der Impfstoff knapp geworden ist.
    https://www.who.int/news/item/11-04-2022-one-dose-human-papillomavirus-(hpv)-vaccine-offers-solid-protection-against-cervical-cancer

    https://www.bmj.com/content/367/bmj.l6765

    https://www.mdr.de/ratgeber/gesundheit/who-impfempfehlung-hpv-viren-gebaermutter-hals-krebs-100~amp.html

  2. Ich finde, man muss das Thema ganzheitlich betrachten. Bei einer Nutzen-Risiko-Abwägung der HPV- Impfung gehört auch die Betrachtung der Impfnebenwirkungen. Das fehlt mir hier leider komplett.

    1. Die Impfung ist freiwillig und diese Abwägung haben die Eltern schon getroffen, wenn sie der Impfung zugestimmt haben. Und Krebs ist, jedenfalls für mich, gefährlicher als die meisten Kinderkrankheiten und meist nicht äusserlich/ offensichtlich zu sehen.
      Deshalb haben sich ja Eltern und Ärzte auch dafür eingesetzt, daß auch für Jungen die HPV Impfung Kassenleistung ist.

  3. Liebe Lisa,
    könnten Sie nochmal recherchieren, ich habe erst kürzlich gehört, die HPV Impfempfehlung soll auf eine Einzeldosis für beide Geschlechter runter gesetzt werden? Ist das schon fest? Fände ich persönlich nicht gut, würde mich interessieren aus welchen Gründen das so verändert werden soll.
    (Mich betrifft es nicht mehr, mein Sohn hat die zweifache HPV Impfung. )

  4. Hallo liebe Welt,

    ich schreibe nicht sehr oft Kommentare, aber ich möchte mein Geschichte teilen. Sie ist klein, grundsätzlich harmlos und enthält Geschlechtsteile.

    Wie sich vermuten lässt, habe ich mich im Laufe meines Lebens (ich bin 37) scheinbar mit HPV angesteckt. Die absolute Gewissheit brachte mir der letzte Sommer. Ich saß nackt mit meine Freund im Garten und genoss ein Sonnenbad. Als ich an mir runter blickte, erkannte ich etwas, was ich für einen Hautlappen hielt. Wie der obige Artikel besagt, kann eine HPV-Infektion gutartige Warzen hervorrufen. Eine solche hatte ich entdeckt. Auf… meiner… Clitoris… Da die Warze nicht nur optisch sondern auch physisch störte, musste sie weg.
    Beim Dermatologen wurden mir 2 Betäubungsspritzen in die Clitoris gegeben. Die Warze wurde mit einem Laser entfernt. Die Betäubung hilft zwar gegen den Schmerz, nicht jedoch gegen die Hitze des Lasers. Es war in jeder Hinsicht eine sehr unangenehme Erfahrung.

    Es ist egal wie gutartig eine Warze sein mag, es ist besser sie erst gar nicht zu bekommen. Eine Impfung hätte das verhindert. Schützt euch! Schützt andere!

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