Hört mein Kind schlecht? Hier gibts Tipps bei Hörproblemen

Hörprobleme

Ihr Lieben, habt ihr auch manchmal das Gefühl, dass euer Kind schlecht hört? Nicht in dem Sinne, dass es euch nicht verstehen will, sondern dass es euch nicht oder nur schlecht verstehen kann, also dass es wirklich Hörprobleme hat? Dann solltet ihr euch dringend an einen Spezialisten wenden, denn Hörminderung bei Kindern kommt öfter vor als man denkt. Wir haben Anja Dreßen, Hörakustikmeisterin und Pädakustikerin bei GEERS, über dieses Thema gesprochen.

Liebe Frau Dressen, heute geht es um Hörgesundheit. Wie viele Kinder haben denn eigentlich Hörprobleme?

Die Hörminderung ist die häufigste angeborene Sinnesstörung, die deutschlandweit laut dem Bundesministerium für Gesundheit schätzungsweise 80.000 Kinder betrifft.

Immer wieder hört man ja, dass Kinder Wasser hinter dem Ohr haben. Wann tritt das auf und ist das gefährlich?

Wasser hinter dem Ohr bedeutet, dass sich Flüssigkeit hinter dem Trommelfell im Mittelohr ansammelt und dadurch kann das Trommelfell nicht mehr normal „schwingen“. Das Kind hört dadurch leiser und dumpfer. Zudem kann der Druck, der durch die Trommelfellspannung verursacht wird, kann auch zu Ohrenschmerzen führen.

Der Grund dafür ist, dass das „Verbindungsstück“ zwischen Ohr und Nasen-Rachen-Raum bei Kindern noch anders verläuft als bei Erwachsenen und zudem sehr kurz und weit ist. Daher sind Kinder besonders anfällig für Mittelohrentzündungen. So können Keime leichter ins Mittelohr vordringen. Dies tritt besonders häufig in der Erkältungszeit auf – im Sommer eher weniger.

Generell: Wenn Kinder schlecht hören welche Auswirkungen hat das auf die Entwicklung des Kindes?

Ist das Gehör durch eine Schädigung beeinträchtig, kann sich dies negativ auf die gesamte geistige und psychosoziale Entwicklung auswirken. Gerade in den ersten Lebensmonaten ist ein gutes Gehör die Basis für eine altersgerechte Hör- und Sprachentwicklung. Zudem kann sich eine Hörminderung auch negativ auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes auswirken. 

Wenn ich das Gefühl habe, dass mein Kind schlecht hört: Wann sollte ich zum Kinderarzt und wann ist ein Spezialist nötig?

Sobald der Verdacht aufkommt, empfiehlt es sich immer direkt einen Spezialisten aufzusuchen. Dies kann der Kinderarzt sein, aber auch der Hals-Nasen-Ohrenarzt. Bei Auffälligkeiten wird dann an die Phoniatrie und Pädaudiologie verwiesen. Wichtig ist, zeitnah zu handeln und notwenige Maßnahmen auch zeitnah einleiten.

Hörprobleme

Wie läuft eigentlich ein klassischer Hörtest ab?

Einen klassischen Hörtest bei Kindern gibt es so nicht, da immer der jeweilige Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigt werden muss. Wir stellen uns immer individuell auf jedes Kind ein und entscheiden in der Hörsituation welcher Test und welches Testmaterial geeignet ist. 

Dies kann zum Beispiel eine einfache Beschallung mit verschiedenen Geräuschen über Lautsprecher sein. Sobald das Kind den Ton registriert und anzeigt, erfolgt eine visuelle Belohnung. Ab ca. 2,5 Jahren kann der Hörtest auch mit einem Holzsteckspiel erfolgen. Hier lernt das Kind bei einem gehörten Ton einen Baustein in ein Steckbrett zu setzen. Später wird der Test um eine Messung mit Wörtern ergänzt. Mit zunehmendem Alter nähern wir uns dem klassischen Hörtest für Erwachsene an, ergänzen aber ggf. noch mit kindgerechten Reizen wie beispielsweise Wörtern. 

Bei allen Messungen, die wir als Pädakustiker:innen durchführen, arbeiten wir immer sehr eng und interdisziplinär mit den versorgenden Spezialisten wie Ärzt:innen, Pädaudiolog:innen, Logopäd:innen, etc. zusammen.

Ab welchem Grad des Hörfehlers wird ein Hörgerät empfohlen?

Generell empfiehlt es sich, auch bei der kleinsten Auffälligkeit, was das Hör- und Sprachverstehen angeht, eine Hörlösung auszuprobieren. Die Diagnosestellung erfolgt immer durch den Spezialisten. Kinder zeigen sehr schnell, ob man auf dem richtigen Weg ist.

Sicher haben einige Kinder Angst, dass sie wegen eines Hörgerätes gehänselt werden könnten. Gibt es dann schon unauffällige Modelle?

Ein Hörsystem ist nichts mehr wofür man sich „schämen“ muss. Es sind inzwischen sehr kleine Hochleistungscomputer, die neben der Hör und Sprachverbesserung auch noch alle „Lifestyle“-Funktionen bieten, wie direktes Musik- und Telefon-Streaming, Bluetooth-Anbindung, etc. Ganz so als hätte man seine HiFi-Kopfhörer bzw. Hearables immer mit dabei.

Kann man das Kind eigentlich dabei unterstützen, das Gehör zu trainieren?

Das beste Training für Kinder mit eine Hörminderung ist das ganztägige Tragen von Hörgeräten, um eine optimale Entwicklung sicher zu stellen. Dazu sollten die Geräte individuell auf die jeweilige Hörminderung eingestellt sein. Hör- und Spachtrainingstherapien werden auch von unserem Spezialist:innen-Netzwerk abgedeckt bzw. angeboten.

dfafe26159474c90a21bb527c9902d80

Du magst vielleicht auch

2 comments

  1. Sie haben recht, ein gutes Gehör ist so wichtig für deren Sprach und Hörentwicklung. Bei unserem Sohn konnten wir die Hörstörung auffinden, als er eine Zeit lang den Fernseher zu laut gestellt hat. Wir haben dann eine Logopädie gesucht, die uns momentan weiterhilft.

  2. Ich bin mir nicht sicher, ob mein Kind eventuell eine Hörschwäche hat. Sehr gut zu erfahren war für mich, dass man am besten eine Diagnosestellung machen sollte, um mehr über die Hörtätigkeit zu erfahren. Ich schaue mich am besten schon mal nach passenden Hörgeräten um.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert