Frage an die Expertin: Lernt mein Kind später laufen, wenn ich es viel trage?

laufen

Ihr Lieben, gerade erst ist mein viertes Kind ein Jahr alt geworden und offiziell kein Baby mehr. Er zieht sich überall hoch, klettert die Treppen hinauf, läuft am Sofa entlang und manchmal steht er sogar schon für kleine Augenblicke frei. Er lernt also gerade laufen, bis zu seinen ersten Schritten ohne Hilfe wird es sicher nicht mehr lange dauern. Was für eine unglaublich aufregende Zeit – für mich und natürlich ihn.

Und wer plötzlich so eine neuen Blickwinkel auf die Welt bekommt, braucht auch immer wieder ganz viele Kuscheleinheiten und einen sicheren Rückzugsort, um all das Neue zu verarbeiten. Ich habe ihn ja bereits von Beginn an in meiner Trage von ERGOBABY getragen. Er liebte diese Körpernähe und wir konnten das Tragen in kleinen Schritten üben und ausprobieren.

Doch mittlerweile ist mein Sohn ein richtig kleiner Wonneproppen und wird mir selbst auf kurzen Strecken auf dem Arm, ohne Tragehilfe, schnell zu schwer. Die Bauchtrageweise in der Trage ist immer noch perfekt für unsere täglichen Kuscheleinheiten oder auch wenn er einen Infekt hat und ganz nah bei mir sein möchte. Was aber, wenn er nach neuen Erkundungstouren Nähe benötigt und ich im Haushalt etwas machen möchte oder in der Stadt unterwegs bin? Ein Kleinkind immer nur vorne zu tragen, kann anstrengend sein. Daher habe ich in der letzten Zeit immer öfter mal die Rückentrageweise ausprobiert, was zunächst etwas ungewohnt war, aber sich schnell als sehr praktisch herausstellte – denn so bleiben auch hier die Hände für die anderen Kinder frei und es gibt dem Kleinsten dennoch Geborgenheit und Körpernähe.

Die ersten Male habe ich zusammen mit meinem Mann geübt und unser Kleiner hat sich sehr schnell an diese neue Position gewöhnt. Ich habe ihn einfach vorne in der Trage platziert, ihn dann mit gelockertem Taillengurt einfach auf meinen Rücken geschoben, bin durch die Schultergurte geschlupft und habe anschließend die Gurte festgezogen. Und ich kann ehrlich sagen: Übung macht den Meister und mein Rücken freut sich! Es fühlt sich an, wie bei einem gutsitzenden Wanderrucksack, der das Gewicht gleichmäßig verteilt.

Von Eltern höre ich allerdings immer wieder, dass sie sich an die Rückentrageweise nicht herantrauen oder sich fragen, ob das Tragen nach dem ersten Lebensjahr nicht die motorische Entwicklung verzögert und eigentlich unnötig ist. Dieser Frage möchte ich heute einmal nachgehen und habe mit Katrin, Hebamme und Trageexpertin von Ergobaby, gesprochen.

Liebe Katrin, mein Kind ist nun 1 Jahr alt und kein Baby mehr. Warum tut Tragen auch Kleinkindern noch gut?

Gucken wir uns das Ganze doch erst einmal entwicklungsphysiologisch an: Kinder machen von Geburt an bis ca. zum vierten Lebensjahr die Hälfte ihrer gesamten Entwicklung durch. Gerade in den ersten Lebensjahren benötigen sie daher eine fürsorgliche, bedürfnisorientierte, feinfühlige und entwicklungsangepasste Betreuung durch ihre Eltern oder andere nahe Bezugspersonen. Das ergonomische Tragen erleichtert dabei enorm den Alltag der gesamten Familie, fördert die kindliche Entwicklung, unterstützt das gesunde Wachstum, stillt Grundbedürfnisse (Nähe, Wärme, Sicherheit, …) und intensiviert die Eltern-Kind-Bindung. Und das von Geburt an.

So hat sich mittlerweile wahrscheinlich auch schon herumgesprochen, dass Menschenkinder aktive Traglinge sind. Denn um sich ergonomisch an ihre Eltern anpassen zu können, bringen unsere Menschenkinder zudem einige besondere körperliche Gegebenheiten mit.

Und was vor 30 Jahren noch eher öko und alternativ war, ist heute modern und artgerecht. Das Anhocken am elterlichen Körper ist die einfachste und günstigste Art des kindlichen Transports, mit einer ganzen Reihe von weiteren Vorteilen.

Welche Vorteile wären das?

Das Tragen hilft bei der Aufrichtung der Wirbelsäule (zur doppelten S-Form) und bei der Entwicklung der motorischen Entwicklung, es aktiviert und fördert das Gleichgewicht, die optische Orientierung über die Augen (als Motivator für Entwicklung und Bewegung), die Koordination, Fußentwicklung und Abstützreaktion der Hände. Es stimuliert außerdem die Symmetrie (aufrechte, zentrierte Haltung), bringt Schulter- und Hüftgelenke in eine gesunde Stellung in der Gelenkpfanne, reguliert den Muskeltonus und kräftigt die Muskulatur.

Ich sage immer: „Tragen ist wie ein kleines Fitnessstudio, das aber zugleich Geborgenheit und Liebe vermittelt und Eltern mehr Freiheit und Flexibilität ermöglicht. Also einfacher geht´s eigentlich nicht.“ Auch Birgit Kienzle- Müller als Kinderpyhsiotherapeutin und Expertin für kindliche Entwicklung äußert sich zum Thema ganz klar: „Tragen ist Entwicklung von Bewegung und Basis der motorischen Entwicklung. Zudem ist es eine Interaktion zwischen Tragendem und Kind.“

Das heißt also, dass man mit dem Beginn des Laufens nicht aufhören muss…

Für mich ist klar, dass das ergonomische Tragen ein echter Alles-Könner ist und das Kind bis über den
Laufbeginn hinaus, begleiten kann. Wenn man jetzt bedenkt, dass die Kinder in ihrer Entwicklung
sehr unterschiedlich sind und einige die ersten Schritte bereits mit 10 Monaten und die anderen
diese erst sehr viel später machen, wird aber noch deutlicher, dass das Tragen nicht mit dem 1.
Lebensjahr oder Laufbeginn endet. Wie sagt Portmann, als Schweizer Biologe, so schön: „Die Kinder
reifen als physiologische Frühgeburten die ersten 21 Monate am Körper ihrer Eltern nach.“ Was dann auch ganz klar fürs Tragen spricht.

Natürlich verändert sich die Tragedauer, die Art/Verwendung der Tragehilfe, die Tragehaltung oder auch die jeweilige Situation, in der getragen wird – je nach Alter und Entwicklung des Kindes. Das Tragen als solches kann aber solange praktiziert werden, wie es allen in der Familie Spaß macht. Klar ist, dass das Kind mit zunehmendem Alter immer mehr Freiraum möchte und auch die motorische Entwicklung auf dem Fußboden, natürlich auch in Bauchlage von Geburt an, benötigt. Gleichzeitig braucht es aber einen sicheren Raum zur Rückversicherung, zum Ausruhen oder einfach nur zum Kuscheln. Und das geht
mit einer ergonomischen Tragehilfe, wie z.B Ergobaby Omni Breeze oder Dream am besten und rückenfreundlichsten.

Es gibt ja dieses Vorurteil: Wenn du dein Kind in dem Alter noch trägst, dann lernt es nie oder viel später laufen. Ist da was dran?

Vielleicht kann man meine Antwort jetzt schon erraten. Ich sage nur Stichwort „kleines Fitnessstudio.“ Natürlich ist genau das Gegenteil der Fall; das kann ich aus meiner langjährigen Erfahrung als Hebamme und Trageexpertin sagen. Mir erscheinen Traglinge motorisch besonders fit. Kinder werden ja auch im Bauch schon getragen und erhalten dort bereits erste Bewegungsimpulse ihrer Mutter. Nach der Geburt erfahren sie dann die Schwerkraft und das aufrechte Tragen hilft, die Muskulatur und Kraftentwicklung im Rumpf zu stärken und die Kopfkontrolle zu fördern.

Dies ist natürlich für das Laufen lernen eine optimale Unterstützung, da Entwicklung immer über Bewegung stattfindet und diese erhalten Kinder beim Tragen natürlich auch. Insgesamt gilt natürlich immer, dass Eltern sich intuitiv auf ihr Bauchgefühl verlassen und wirklich schauen sollten, was sie und auch ihr Kind benötigen und mögen. Da macht es immer die gesunde Mischung aus unterschiedlichen Angeboten und das Tragen gehört ebenso dazu.

Aber natürlich wird ein Kleinkind weniger getragen als ein Baby…

Ja, am Anfang, direkt nach der Geburt, möchte das Neugeborene gar nicht abgelegt werden und wird
daher sehr häufig am Tag getragen. Das ältere Baby/Kleinkind hingegen fordert immer mehr Freiraum und auch Zeit auf dem Boden ein, da es Freiraum zum Spielen benötigt und sich motorisch in seinen Bewegungen ausprobieren möchte und muss, um sich danach wieder bei seinen Eltern anzukuscheln.

Mit den ersten 12 Meilensteinen eines Babys, vom ersten sozialen Lächeln bis hin zum ersten Schritt, ist die Entwicklung natürlich auch noch nicht abgeschlossen, sondern vollzieht sich bis zur Pubertät bzw. ins junge Erwachsenenalter. Daher ist die Tragzeit auch nicht mit den ersten Schritten des Kleinkindes zu Ende, sondern kann so lange unterstützend wirken und im Alltag entlasten, solange alle daran Spaß haben.

Welche Tragen sind ideal dafür, dass alle lange daran Spaß haben?

Wichtig ist, dass die verwendete Tragehilfe gut passt, mitwächst und sich dem Alter entsprechend
anpassen lässt. So kann eine Neugeborentrage, wie z.B. die Ergobaby Embrace, gerade nach der
Geburt und in den ersten Monaten perfekt sein. Eine Komforttrage wie die Ergobaby Omni Breeze
(bis 20,4 kg) oder auch eine Toddler- (bis 27 kg) oder Preschool- (bis 31,8 kg) Trage von der Marke
Tula können bis zum Ende der Tagzeit den immer größer werdenden Nachwuchs komfortabel transportieren, wenn die kleinen Beine müde vom Laufen sind.

Gerade ältere Kinder lieben es, auf längeren Städtetrips oder auch Wanderungen schnell bei Mama oder Papa, auf den Rücken zu springen und ein kleines Nickerchen zu machen. Perfekt hierfür geeignet ist auch die Ergobaby Away Trage, die sich ganz einfach in der eigenen Tasche verstauen lässt. So können die Kinder danach ausgeruht und aufmerksam weiter die Welt erkunden.

Natürlich werden die Kinder aber schwerer – auf was müssen Eltern achten, damit dieses Gewicht keine Rückenschmerzen verursacht?

Tragen ist natürlich immer eine körperliche Belastung, aber die Natur hat es so vorgesehen, dass Babys und Kleinkinder optimal an den elterlichen Körper passen und von ihren Bezugspersonen getragen werden müssen. Vor Tragebeginn macht es generell Sinn zu checken, ob irgendwelche Vorerkrankungen vorliegen, die das Tragen einschränken oder sogar zu Schmerzen führen können.

Sollte man tatsächlich an einer Erkrankung leiden, die durch das Tragen beeinflusst wird bzw. sich verschlechtern könnte , wäre es ratsam, sich das OK vorher in der betreuenden ärztlichen Praxis einzuholen. Zusätzlich ist die körperliche Fitness der tragenden Eltern entscheidend, damit beide unbeschwert durch die doch recht lange Tragezeit kommen. So sind auch tägliche Übungen zur Rückengesundheit empfehlenswert und gerade die Mutter muss nach der Geburt, besonders in den ersten neun Monaten, die Körpermitte wieder ins Lot bringen. Eine stabile Körpermitte besteht aus dem Beckenboden und den Bauch- und Rückenmuskeln. Um ihre Funktionalität und Kraft wiederherzustellen, braucht es Zeit und die richtigen Regenerationsmaßnahmen. So sind 10 Wochen Rückbildungsgymnastik (frühestens ab Woche 8-10) mindestens erforderlich, um danach wieder langsam und schrittweise in ein leichtes und angepasstes Sportprogramm einzusteigen.

Mit zunehmendem Wachstum des Kindes nimmt natürlich auch die Belastung des elterlichen Rückens zu. Eine ergonomische Tragehilfe (z.B. Ergobaby Omni Breeze oder Dream) verteilt aber das Gewicht
gleichmäßig auf den Körper des Tragenden, belastet ihn symmetrisch und bringt ihn in die Aufrichtung, solange die Tragehilfe korrekt benutzt wird. Dies ist sehr viel besser und gesünder, als das Kind ohne Hilfe und eventuell sogar nur auf einer Hüfte zu tragen. Dies führt oftmals tatsächlich zu Schmerzen.

Laufen

Generell ist es natürlich wichtig, die passende Tragehilfe für sich und sein Kind zu finden. Auch falsch eingestellte Tragehilfen können Rückenschmerzen verursachen, was sich aber mit ein paar Handgriffen schnell korrigieren lässt. Also lieber immer erstmal ausprobieren, bei der geschulten Hebamme, dem Fachhandel und/oder Trageberaterin beraten lassen und gerne mehr als eine Tragehilfe anschaffen. So ist man in jeder Situation gewappnet und kann die Elternschaft in vollen Zügen genießen. Und ganz wichtig: Gerade Väter können so ab Geburt bis zum Ende der Tragezeit großartige Abenteuer mit ihrem Kind erleben und nebenher eine innige Bindung aufbauen.

Ab welchem Alter empfiehlst du die Rückentrage?

Besonders beim Thema Rückenschmerzen spielt die Trageposition natürlich eine große Rolle. Ein 3-
jähriges Kind vor dem Bauch oder auf der Hüfte zu tragen, macht keinen Sinn und belastet den Rücken unnötig. Daher am besten ab Geburt mit dem Tragen vor dem Bauch anfangen und je nach Alter des Kindes die Trageposition häufiger am Tag wechseln. Ab einer guten Kopfkontrolle (ab ca. 6 Monaten) kann man auf den Rücken wechseln, vorausgesetzt die Eltern trauen sich das zu. Auch die Hüft- und ergonomische Fronttrageweise sind ab diesem Alter, je nach Situation und Tragedauer, gut einsetzbar.

Sollten Eltern noch unsicher sein, wie die unterschiedlichen Positionen genau funktionieren, lieber einmal mehr in die Trageberatung gehen und schauen, ob man die richtige Tragehilfe besitzt und diese dann auch korrekt eingestellt hat. Auch bei der Rückentrageweise entlastet die Lordosenstütze am Taillengurt (z.B. Ergobaby OmniAdaptAerloom) enorm, da sie vorne am Bauch sitzt, hier nicht einschnürt, sondern gleichmäßig das Gewicht verteilt, wie bei einem hochwertig gepolstertem Wanderrucksack.

Ab ca. 1 Jahr sollte man grundsätzlich auf dem Rücken tragen, da das Kind dann einfach zu schwer wird und die Eltern auch an ihren eigenen Rücken denken sollten. Aber ganz wichtig: das Kind bitte immer im Auge behalten. Benötigt es mehr Kopfstütze oder sogar die Kapuze, weil es gerade einschläft? Mit einem kleinen Taschenspiegel können Eltern dies immer wieder kontrollieren und die Tragehilfe anpassen bzw. die Kopfstütze hochklappen oder die Kapuze an den Schultergurten befestigen, damit ihr Nachwuchs in Ruhe schlafen kann.

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Ihr seht: Tragen über das Babyalter hinaus ist etwas ganz Natürliches und Schönes – bei mir
ist die Ergobaby Omni Breeze Trage nun seit über einem Jahr fast täglich in Gebrauch – in den
verschiedensten Tragepositionen – und wir sind sehr happy über diese großartige und ergonomische Trage. Sie erleichtert uns den Alltag, gibt meinem Sohn viel Sicherheit und entlastet meinen Rücken. Von mir ganz klar: Daumen hoch fürs Rückentragen und das ergonomische Tragen sowieso.

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