Kinderwunsch: „Nun versuchen wir es mit einer Eizellspende im Ausland“

Eizellspende

Foto: Pixabay

Liebe Vera, du bist 41 und hast sechs Jahre „verzweifelten und unerfüllten“ Kinderwunsch hinter dir. Erzähl doch mal von den Anfängen, als ihr dachtet: Och, so ein Kind wäre doch jetzt eine tolle Sache. 

Zu Beginn macht man sich wenig Gedanken darüber. Ich hatte mein Referendariat beendet, eine Festanstellung in der Schule meiner Wahl und da war klar, dass das Projekt Kind endlich starten könnte. Das klang alles schlüssig und klar. Das Einzige, das allerdings klar wurde, war, dass es nicht so einfach werden würde. 

Wie ging es dir, wenn der Test Monat für Monat negativ war? 

Ich fand das zu Anfang noch nicht schlimm, da mein damaliger Frauenarzt so etwas bereits prognostiziert hatte. Aber als dann nach einem Jahr nichts passierte, wusste ich, dass wir wohl Hilfe brauchen würden. Ich hab das sehr pragmatisch gesehen, weil ich wusste, dass es dafür Spezialisten gibt.

Wann hast du zum ersten Mal gedacht: Hmmm, vielleicht stimmt ja irgendwas nicht, was, wenn es nie klappt?

Nach dem dritten Zyklus unter Clomifen durch die Kinderwunschklinik. Die Ärztin erzählte etwas von einer geringen Eizellreserve. Gering, aber nicht unmöglich zu stimulieren. Wenn ich damals schon gewusst hätte, dass ich keine gesunde und befruchtbare Eizelle mehr produzieren kann, hätte ich die weiteren Behandlungen abgelehnt….

Bist du mit eurem Wunsch offen umgegangen oder habt ihr das unter euch ausgemacht? Inwiefern hat das eure Beziehung verändert? 

Unsere Familien und unsere Freunde tragen unser Leid und unseren Kummer mit. Sie unterstützen uns, wo sie können. Und das ist wirklich gut zu wissen. Wir wollten daraus kein Geheimnis machen, weil die Behandlungen ohnehin viel Stress bedeuten und wenn wir es dann noch hätten geheim halten müssen, hätte uns das kaputt gemacht.

Mein Mann ist mein Anker, meine Stütze und mein Fels. Wir sind ein wirklich gutes Team und haben in der Zeit gelernt, offen mit allen Dingen umzugehen, die uns beschäftigen und belasten. Das ist unheimlich wichtig. Wir tragen alle Entscheidungen gemeinsam.

War die Traurigkeit eher ein Grundrauschen oder kam sie in Wellen – mal mehr oder weniger – in den letzten sechs Jahren?

In Wellen, mal etwas höher, mal etwas niedriger. Das kam immer darauf an, in welcher Stimmung ich mich befand, wie der letzte Termin bei der Frauenärztin gelaufen ist, ob mal wieder eine meiner Freundinnen schwanger war… In diesem Frühjahr hatte ich eine schlimme depressive Phase und musste mir professionelle Hilfe suchen. 

Wie stehst du zum Thema Neid? Wie reagierst du auf andere Frauen, bei denen es einfach so klappt mit der Schwangerschaft?

Ich bin nicht neidisch. Ich bin dann einfach unfassbar traurig, weil es bei uns so problematisch ist. Ich gönne allen meiner Freundinnen eine gesunde und unkomplizierte Schwangerschaft und fiebere mit ihnen mit, wenn es nicht sofort klappt. Und ich kann mich sehr freuen, wenn die Mäuse es auf die Welt geschafft haben. Zwei meiner liebsten Menschen sind jetzt Mamas geworden und eine hat ihre Tochter nach meinem Namensvorschlag benannt. Das fand ich ganz großartig.

Was waren die skurrilsten Dinge, die dir in Zeiten des Kinderwunsches begegnet sind? 

Versprechungen von Heilpraktikern, die mich erst ausgependelt und dann mit Magnesium behandelt haben. Oder diese Sätze wie: Ihr müsst Geduld haben. Wenn ihr nicht damit rechnet, dann passiert es von alleine. Du musst dich nur entspannen und diesen Tee trinken…. Man, man, man….

Welche Maßnahmen habt ihr ergriffen bislang? 

Zwei Jahre Kinderwunschklinik mit fünf Zyklen Clomifen in acht Monaten. Eine hormonelle Stimulation zur Vorbereitung einer IVF mit Fertilisationsversagen (geringe Anzahl und Qualität der Eizellen), eine hormonelle Stimulation zur Vorbereitung einer ICSI mit Fertilisationsversagen (keine der entnommenen Eibläschen enthielt eine befruchtbare  Eizelle).

Zu diesem Zeitpunkt war ich noch massiv übergewichtig und hatte die Hoffnung, dass eine Magenverkleinerung sich positiv auf die Qualität meiner Zellen auswirken könnte. Damit habe ich fast 50kg abgenommen und endlich auch einen regelmäßigen Zyklus… aber die Bläschen blieben leer.

Wir sind beim Jugendamt im HSK als potentielle Adoptiveltern in die Karteien aufgenommen worden. Aber bisher hat sich kein passendes Match finden lassen.

Weißt du, ob es medizinische Ursachen gibt?

Wir haben alles abklären lassen. Hormone, Genetik, Blutbilder. Ich habe einfach Pech gehabt und eine sehr geringe Anzahl an Eizellen abbekommen. Da lässt sich nichts machen.

Nun steht bei euch ein nächster großer Schritt an. Ihr wollt für eine Eizellspende ins Ausland. Wie kamt ihr darauf? Welche Hoffnungen setzt ihr darein? Wird das von den Kassen mitfinanziert? 

Unsere erste Behandlung hat die Krankenkasse übernommen. Ohne Diskussion. Man muss aber dazu sagen, dass dies nur gilt, wenn die Frau jünger als 40 ist. Und Jede Kasse kocht da mit ihren Beiträgen auch ihr eigenes Süppchen… Wir zahlen die kommende Kinderwunschbehandlung in Salzburg aus eigener Tasche. Eizellspende wird in Deutschland nicht von der Kasse mitgetragen und deutsche Ärzte dürfen nicht über eine solche Behandlung aufklären. 

Im Frühjahr waren wir noch einmal zu einem Gespräch in Münster, weil wir noch eine ICSI versuchen wollten. Der Professor war entwaffnend ehrlich und sagte, wir sollten das Geld lieber in einen Urlaub stecken. Dort haben ich das mit der Spende angesprochen. Er sagte, er dürfe nicht darüber reden, empfahl uns aber Madrid im Frühjahr als Urlaubsort (Spanien hat die besten Kliniken in der Welt der Eizellspenden). Wir haben große Hoffnungen auf ein eigenes Kind, weil ich nicht auf meine eigenen Eizellen angewiesen bin. Und wenn wir kinderlos blieben sollten, dann haben wir aber alles versucht.

Wenn du fünf Jahre weiterdenkst: Wo siehst du dich da? Und wie stellst du dir das Leben mit eigenem Kind vor, auf was würdest du dich am Allermeisten freuen?

Ich sehe mich als Mama von mindestens einem kleinen Wesen. Vielleicht ist es auch nur ein Hund, aber es wird etwas sein, das viel Liebe bekommt. Mich darauf zu versteifen, baut nur zusätzlichen Druck auf und so nehme ich es, wie es kommt. 

Aber wenn es ein Kind ist, freue ich mich auf alles. Auch auf Geschrei und Tränen. Es würde einen wunderbaren Papa und viele liebe Menschen um sich herum haben, und wahrscheinlich wäre es völlig verzogen, aber es wüsste immer, wohin es gehört und das es geliebt wird. 

Du magst vielleicht auch


Mehr zum Thema



3 comments

  1. Wir haben in der Tat unser Glück dank einer Eizellenspende in Valencia gefunden. Nach 9 Behandlungen in Deutschland ( 7 Inseminationen, 2 ICSI’s)und nach 3 Fehlgeburten haben uns die Ärzte in Valencia eine Chance von 60-70% vorausgesagt. Eine Spenderin wurde nach einem Monat gefunden. Alles anonym. Eine sehr seriöse und professionelle Klinik, extrem kompetentes Team! Gleich nach der ersten Behandlung wurde ich schwanger und unsere Tochter ist heute 12. Das war eine wunderschöne Reise, ein tolles Abenteuer und ich würde immer wieder die gleiche Entscheidung treffen!

  2. „Spanien hat die besten Kliniken in der Welt der Eizellspenden.“
    Ich hab gedacht, dass die ukrainische Kinderwunschklinik Biotex die beste der Klinik in der Welt der Eizellspenden und Leihmutterschaft ist.

  3. Ich kann die Frauen verstehen weil ich und mein Mann wünschen uns ein Baby aber es klappt nicht ich bin nicht neidisch auf andere Frauen die schwanger sind aber ich bin sehr traurig darüber das ich nicht schwanger werden kann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.