Wechselmodell ohne Drama: Bei Andrea funktioniert das perfekt

Ihr Lieben, wir haben hier ja oft Geschichten, bei denen es um problematische Trennungen gehr. Oft werden da die Kinder instrumentalisiert und die Eltern reden nicht mehr miteinander. Dass es auch ganz anders gehen kann, zeigt diese Geschichte. Andrea lebt seit drei Jahren im Wechselmodell, ganz ohne Dramen!

Liebe Andrea, du hast ein 5-jähriges Kind, das im Wechselmodell lebt. Stand dieses Modell für euch von Anfang an fest?

Wir hatten schon während der Beziehung eine Art Wechselmodell mit unserem Sohn, es wechselte schob damals wöchentlich, wer ihn in die Kita bringt und wer ihn abholt. Das lag an den damaligen Arbeitszeiten meines Mannes (wir sind noch verheiratet) geschuldet, die wöchentlich zwischen Früh- und Spätdienst wechselten. Nach unserer Trennung und dem Auszug meines Mannes war dann klar, dass wir dabei bleiben wollen, um beide gleichberechtigt weiter für unseren Sohn zu sorgen.

Wie genau sieht die Regelung aus?

Derjenige, bei dem unser Sohn gerade ist, bringt ihn am Freitag Morgen zur Kita und der andere holt ihn dann am Nachmittag ab. Wir haben uns auch bewusst für den Wechsel am Freitag entschieden, damit unser Sohn die Möglichkeit, hat sich über das Wochenende dann in Ruhe auf alles einzustellen. Bei einem Wechsel am Montag hätte erst sich sowohl auf das andere Elternteil als auch auf den normalen Kita-Alltag einlassen müssen. Im Sommer kommt unser Sohn zur Schule, da müssen wir dann prüfen, ob der Freitag immer noch so gut passt.

Da mein Mann und ich grundsätzlich auch immer noch sehr gut als Team funktionieren, ist unsere Regelung auch sehr flexibel. Wenn also einer von uns mal einen Termin hat oder mal an einem Wochenende etwas geplant hat, dann bleibt unser Sohn durchaus auch mal länger oder kürzer bei dem entsprechenden Elternteil.

Das hört sich wirklich sehr friedlich und gut an!

Ja, jetzt im Mai war ich mit unserem Sohn im Urlaub in einer Woche, die eigentlich Papa-Woche gewesen wäre. Somit hatte ich ihn dann drei Wochen am Stück. In der Zeit, wo wir nicht im Urlaub waren, hat er seinen Papa aber trotzdem gesehen. Mein Mann und ich sind als Trainer in einem großen Schwimmverein tätig und unser Sohn schwimmt ebenfalls schon in einer kleinen Trainingsruppe, so dass wir uns auch regelmäßig im Schiwmmbad sehen.

Da ich neben der Arbeit eine Fortbildung mache, konnte ich dann jetzt als „Ausgleich“ für die drei Wochen mit Kind auch problemlos darum bitten, dass er noch das Wochenende bei seinem Papa verbringt, damit ich Ruhe zum Lernen habe.

Wie findet euer Sohn das Wechselmodell?

Wir sind seit drei Jahren im Wechselmodell, er war damals ja erst zwei Jahre alt. Er kennt es also eigentlich nicht anders. Tatsächlich habe ich ihn noch nie direkt gefragt, wie er es findet. Nicht weil mir die Meinung meines Sohnes egal ist, sondern einfach weil unser Sohn uns nie einen Grund gegeben hat anzunehmen, dass es ihm damit nicht gut geht.

Was genießt du in der Woche, in der dein Sohn bei dir ist, am meisten?

Am meisten genieße ich mein Kind selbst. Seine Art, seine unbändige Liebe zu Mama. Einfach die Zeit mit ihm. 

Und wie geht es dir in der anderen Woche?

In der anderen Woche geht es mir sehr gut. Natürlich vermisse ich mein Kind. Aber wir sehen oder hören uns auch trotzdem in der Zeit.

Ich schätze aber die Zeit, in der ich nur für mich verantwortlich bin und mich um mich selbst kümmern kann, sehr. Die klassische Me-Time, die Müttern oft fehlt. Es ist auch wirklich toll, im Büro nicht immer auf die Uhr schauen zu müssen, wann mann man zur Kita los muss, sondern seine Sachen in Ruhe und ohne Druck fertig zu machen.

Oder einfach auch mal in Ruhe einen Arzttermin wahrnehmen oder zum Friseur gehen. Das sind alles Dinge, die ich immer in diese Woche lege. Am liebsten gehe ich in der Zeit tatsächlich zum Sport, fahre Motorrad oder treffe mich mit Freunden – ohne schlechtes Gewissen.

Was meinst du, welche Voraussetzungen es braucht, damit das Wechselmodell erfolgreich ist?

Kommunikation unter den Elternteilen! Wir haben über eine App einen gemeinsamen Kalender, da ist eingetragen, in welcher Woche unser Sohn bei wem ist. Dort werden Arzttermine etc. für ihn eingetragen. Da trägt aber auch jeder von uns Termine ein, in der er dann außer der Reihe beim anderen wäre, z.B. Konzerte oder sowas.

Wir sprechen miteinander und funktionieren auch nach wie vor als Familie mit unserem Sohn. Wir fragen uns gegenseitig „Könntest du ihn an Tag x nehmen, ich würde gern dieses und jenes tun?“ und legen nicht einfach fest „Da ist er dann bei dir!“.

Wir überlegen zusammen, wo man ihn stattdessen vielleicht hingeben kann, wenn wir beide mal nicht können (z.B. zu meiner Schwester oder seinen Eltern)

Was sind die größten Herausforderungen für dieses Modell?

Diese Frage zu beantworten ging mir tatsächlich am schwersten von der Hand, da es bei uns wirklich so unkompliziert läuft, dass ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht habe.

Ich denke, eine Herausforderung ist es, dafür zu sorgen, dass das Kind nicht das Gefühl hat, dass eine ist „Zuhause“ und das andere „bei dem anderen“ ist. Sondern dass beide Wohnungen für das Kind das Zuhause ist.

Womit wir auch wieder bei der Kommunikation wären, die schon bei banalen Formulierungen beginnt. Ich sage z.B. nicht „Das hast du bei Papa“ sondern sage bewusst „Das hast du Zuhause, bei Papa“.

Man muss auch immer daran denken, die Lieblingskuscheltiere einzupacken. 🙂 Wobei das der Papa eher mal vergisst als ich. 😉 

Was wünscht du dir für die Zukunft? 

Dass mein Sohn trotz getrennter Elternteile eine schöne Kindheit hatte und uns trotzdem als Familie sieht, die alles getan hat, damit er niemals unter der Trennung leiden oder sich zwischen seinen Eltern entscheiden musste.

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11 comments

  1. Ich wusste von Anfang an, dass mein Sohn vom Wesen her kein Wechsel Modell-Kind ist. Hatte ich seinem Papa, auch so mitgeteilt, als dieser das Modell vorschlug. Er meinte damals: das schafft er schon. Er hats nicht geschafft, es gab Tränen und stiller Kummer. Mehrmals musste sein Papa ihn vorbeibringen anfangs, weil das Vermissen so groß war. Mein Sohn hat sich mit der Zeit von mir entfremdet, wir waren über 4 Jahre eine Einheit, es gab nur ihn und mich. Papa-Zeit mal am Wochenende. (wir waren schon vor dem 1. Geburtstag kein Paar mehr) Plötzlich und immer wieder diese Trennungen, das hat ihm nicht gut getan. Einmal hat er zu mir gesagt, er möchte es nicht mehr so haben, ich solle es seinem Papa sagen. Wollte dieser dann nichts von wissen. Manchmal glaube ich, dass mein Sohn sich von mir verstoßen gefühlt hat, weil er trotzdem weiterhin eine Woche beim Papa sein musste.
    Heute ist er 11 und da gibt es immer noch einen Platz in meinem Herzen, der unfassbar schmerzt, wenn ich an unsere ersten knapp 5 Jahre denke und dann an die Zeit danach. Das fühlt sich wie ein großer, schwerer Verlust an, wofür es keine Wiedergutmachung gibt. Ich mache mir bis heute Vorwürfe, dass ich nicht genug gekämpft habe, dass es nicht zum Wechselmodell kommt. Ich habe nie auf diese starren alle 2 Wochen Papa-Wochenende bestanden, aber könnte ich nochmal entscheiden, wäre es ganz klar nicht das Wechselmodell.

  2. Schön, dass es in diesem Fall so gut klappt. In der Regel können Paare, die sich trennen aber nicht toll kommunizieren. Die Regel ist auch nicht, dass die Carearbeit vor der Trennung schon so gut geteilt war. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Nähe der neuen Wohnorte stimmen bei den meisten nicht so. Dieser Fall ist eine Art Bullerbü unter den Trennungsfällen bei dem man sich fragt, wieso sich die Erwachsenen überhaupt getrennt haben. In der Regel gibt es offensichtliche gravierende Trennungsgründe und Konflikte. Auch reagieren die meisten Kinder nicht so locker auf dauernde Ortswechsel und Wechsel der Bezugsperson. Die meisten Kinder haben auch eine Hauptbezugsperson und es kann laut Entwicklungspsychologen für sie schädlich sein, wenn der Kontakt zu dieser so häufig unterbrochen wird. Die beiden Elternteile müssen schon vor der Trennung beide eine gleichwertig gute Bindung haben, was in der Realität selten vorkommt. Von daher viele Grüße aus der Realität nach Bullerbü.

    1. Wir haben genau dir gleiche Realität seid 4 Jahren, es gibt sogar Ausflüge und gemeinsame Urlaube zwischen durch… viele Grüße

  3. Ich bin Erzieherin und habe mehrere Kinder im Wechselmodell erlebt. Mein Fazit: Kommunikation der Eltern allein reicht nicht, auch das Kind muss „passen“. Es gibt Kinder, denen das Wechselmodell nicht gut tut, obwohl beide Eltern sich redlich bemühen. Ich würde solche Entscheidungen immer am Wesen des Kindes festmachen und, sobald sein Alter es erlaubt, tatsächlich auch an seinem Wunsch, auch wenn es vielleicht einem Elternteil wehtut. Letztendlich stehen bei solchen Absprachen die Bedürfnisse der Eltern im Mittelpunkt, jeder möchte etwas „vom Kind haben“, „eine Rolle spielen“ im Leben des Kindes. Wer fragt das Kind, ob das für ihn oder sie so in Ordnung ist? Und wer ändert die Absprache, wenn das Kind mit Nein antwortet? Ich hinterfrage das, weil ein Kind meiner Gruppe überhaupt nicht gern zum Vater ging, letztendlich beide Eltern bestahl und gegeneinander ausspielte. Bei einem anderen konnte man am Verhalten erkennen, welche Woche gerade dran war: Vater streng und klar, das Kind „funktionierte“. Mutter nachgiebig und komplett überfordert, Kind extrem verhaltensauffällig. So kann es dann auch nicht sein.

    1. dem was Hanka erzählt, kann ich mich aus eigener erfahrung anschließen. meine schwester und ich mussten im wechselmodell jahrelang leben bis wir alt genug waren das unsere meinung gezählt hat. letztens haben wir uns unterhalten: meine schwester ( 2 jahre älter und eine ganz andere persönlichkeit) fand das alles gar nicht schlimm und findet toll wie toll unsere eltern das alles geregelt haben. und für mich war das alles furchtbar. ich habe das wechseln jede woche ( später alle 2-3 wochen) gehasst. ich war nirgends zuhause und habe gefühlt aus einer kiste gelebt. deswegen kann ich dem nur zustimmen das es auch sehr auf das kind ankommt wie es damit zurecht kommt!

  4. Das klingt toll!

    Ich frage mich allerdings immer, ob und wie das auch mit mehreren Kindern funktionieren kann. Schwierig finde ich schon, dass beide dann ja große Wohnungen / ein Haus bräuchten, damit sie Kinder bei beiden ein eigenes Zimmer haben. So ein Bericht würde mich mal interessieren!

    Ich bin auch frisch getrennt und wir haben uns für das Experiment entschieden, in einem Haus mit 2 getrennten Wohnungen zu leben. Einfach weil wir uns das Wechselmodell für unsere drei Kinder nicht vorstellen können. Ob das funktioniert wird sich zeigen…

  5. Danke für den schönen Bericht!
    Bei uns läuft es, mit unserem 7-jährigen Sohn, ebenso gut!
    Meine Frage an dich: Welche Kalender-App benutzt ihr?
    Ich bin vom Angebot überfordert!

    Vielen lieben Dank, deine Lena

  6. Liebe Andrea, ich schließe mich an, es ist toll zu lesen, dass bei euch alle „Randbedingungen“ derart gut miteinander funtkionieren/harmonieren, dass das Wechselmodell bei euch so gut klappt. Wie du es schreibst, die Kommunikation ist das A und O hierbei und ein wertschätzender, respektvoller Umgang unter den Elternteilen.

    Ich würde diesen Weg auch gern gehen – mangels eben dieser so wichtigen Kommunikation sowie dem gegenseitigen Respekt, kommt es für mich im Moment noch nicht in Frage. Und dennoch kann auch im Residenzmodell der andere Elternteil in gewissem Maße teilhaben am Alltagsgeschehen, die Kinder auch gern öfter als 2x am Wochenende sehen… Jedes Modell hat seine Vor- und Nachteile und ist meiner Meinung nach immer von der eigenen Familienkonstellation abhängig. Ich find es schön, dass du hier so wertfrei über eure Erfahrung sprichst und auch ehrlich aufzeigst, worüber du dir (glücklicherweise) vor dem Interview noch keinen Kopf machen musstest 🙂 Danke fürs Teilen!

  7. Liebe Andrea, es ist so toll zu lesen, dass ihr nach eurer Trennung eine für alle Beteiligten optimale Lösung gefunden zu haben scheint. Ihr ermöglicht eurem Kind hat eine Beziehung zu beiden Elternteilen. Das hätte ich mir damals auch gewünscht. Heute habe ich keinen Kontakt mehr zu meinem Vater, das bedauere ich schon. So sehr ich die Trennung meiner Eltern unterstützt habe (dafür gab es Gründe), so sehr habe ich auch unter der Abwesenheit des Vaters gelitten. Schön, dass ihr das besser hinbekommt!

    1. Danke für den positiven Bericht.
      Meine Tochter wird im September 5 Jahre alt.
      Ihr Vater und ich haben uns ebenfalls getrennt als unsere Tochter 2 Jahre alt war.
      Wir haben es so geregelt, dass der Papa unsere Tochter am Dienstag vom Kindergarten abholt und Sie am Mittwoch morgen bringt. Mittwoch Mittag hole ich Sie ab. Bis Freitag morgen bleibt Sie bei mir. Freitag Mittag ist wieder Papazeit. Jedes 2.Wochenende bleibt Sie dann bis Sonntag bei Ihm. Mit Urlaub, Fortbildungen etc sind wir ansonsten sehr flexibel. Unsere Ehe ist zu Ende, jedoch nicht unsere Elternschaft. Die funktioniert seit der Trennung viel besser. Meine Tochter meinte demletzt, wir sind eine richtige Familie mit 2 Wohnungen.
      Über Erziehungsfragen tauschen wir uns regelmäßig am Telefon ohne Kind aus.

    2. Herzlichen Dank für diesen positiven Bericht.
      Der Vater meiner Tochter und ich haben uns getrennt, als Sie 2 Jahre alt war. Nun ist Sie fast 5 Jahre alt.
      Dienstag auf Mittwoch ist Sie beim Vater. Ebenfalls jeden Freitag. 14 Tägig die Wochenenden. Urlaube und Fortbildungen und sonstiges regeln wir in Absprache.
      Seit der Trennung verstehen wir uns in Fragen Erziehung wesentlich besser. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und sehe uns als Familie ohne Paarbeziehung. Auch unsere Tochter vermisst nichts. Neulich meinte Sie, wir sind eine Famile in 2 Wohnungen.
      Es gibt viele Familien die getrennt leben, in denen es ähnlich gut funktioniert.

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