Wechselmodell: Für uns war das nach der Trennung die beste Lösung

Liebe Antje, heute geht es um das Wechselmodell. Erzähl mal, seit wann lebt Ihr in welcher Konstellation?

Mein Exmann und ich haben 2 gemeinsame Kinder. Die Jungs sind jetzt 7 und 11 Jahre alt. Vor 3 Jahren haben wir uns getrennt. Wir haben jeweils neue Partner, mit denen wir auch zusammen leben. Wir wohnen auf dem Dorf und wollten wegen der Kinder auch nicht weit voneinander entfernt ziehen. Mein Exmann hat das ehemalige, gemeinsame Haus behalten – mein Partner und ich haben neu gebaut. Die Kinder pendeln wochenweise. Immer am Montag Nachmittag ist „Übergabetag“. 

War für Euch schnell klar, dass Ihr das Wechselmodell leben möchtet?

Uns war von Anfang an klar, dass es das Wechselmodell wird. Es kam einfach nichts anderes in Frage. Ich denke, im damaligen Trennungsstress wollte auch keiner weniger Zeit mit den Kindern verbringen als der andere. Wir persönlich fanden, dass es die gerechteste Sache überhaupt ist. Außerdem fällt das Hin und Her mit dem Unterhalt für uns weg. Was die Kinder betrifft: Sie lieben Papa und Mama gleich und hätten nicht verstanden, warum sie Einen weniger sehen sollten, als den Anderen. 

Wie ist das Verhältnis zu Deinem Ex-Mann?


Mein Exmann und ich haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Ebenso schließt das unsere jeweiligen Partner ein. Feste, wie die Geburtstage der Kinder, feiern wir gemeinsam. Die ganz wichtigen Dinge werden untereinander besprochen, beispielsweise Schulthemen, gemeinsame Geschenke oder auch wenn etwas in der Erziehung aus dem Ruder läuft. Ansonsten gilt: Papa macht in seiner Woche, was er für richtig hält und ich in meiner. Hierbei reden wir uns nicht rein, auch wenn es manchmal Sachen sind, die der andere Part ganz anders machen würde. 

Was meinst du sind die Voraussetzungen dafür, dass das Wechselmodell gut gelingt?

Die Kommunikation zwischen den ehemaligen Partnern muss stimmen und das Verständnis, dass Kinder immer Papa und Mama brauchen. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass Mütter sich häufig für unersetzlich halten. Alles was die Mama kann, kann der Papa letztendlich auch und umgekehrt.  

Wie geht es den Kindern damit, zwischen den Eltern zu pendeln?


Unsere Kinder wünschen sich nichts anderes als diese Woche / Woche Regelung. Sie freuen sich genauso auf Papa wie auf Mama. Wir fragen sie regelmäßig, ob sie eigene / andere Wünsche haben. Dies war bisher nicht der Fall. Sie wissen, dass es in beiden Haushalten unterschiedliche Regeln gibt. Das ist völlig in Ordnung. Keines der Kinder hatte auffällig mit der Trennung zu kämpfen, da es auch keinen Elternteil lange vermissen muss. Die große Reisetasche wird hier allerdings nicht gepackt. Alle Sachen sind doppelt vorhanden. Jeder besorgt für die Kinder, was er für notwendig hält. Am Montag, nach der Schule wird einfach der Ranzen mitgenommen – das wars. 

Wie geht es dir in der Zeit, in der die Kinder nicht da sind?

In der kinderfreien Woche arbeite ich meistens länger, da ich nicht pünktlich im Hort sein muss. Mein Partner und ich machen dann gemeinsam Dinge, die wir mit Kindern nicht machen würden, zum Beispiel im Bett liegen und Pizza futtern. Wir sind auch schon häufiger mehrere Tage weggefahren. Wir machen gern Städtetrips, die für die Kinder eher langweilig wären oder gehen Abends aus.  Vermissen, in dem Sinne, tu ich die Kinder in der Papawoche nicht, da ich weiß, dass es ihnen beim Papa und seiner Freundin sehr, sehr gut geht. 

Wie werden Feiertage, also Geburtstage und Weihnachten und Ferien, verbracht?

Geburtstage der Kinder feiern wir alle grundsätzlich zusammen. Die Feiertage werden bei dem Elternteil gefeiert, in dessen Woche sie zufällig fallen. Ausnahme ist Weihnachten: hier machen wir gemeinsam die Bescherung. Die Ferien werden genau zur Hälfte geteilt. In den Sommerferien sind die Kinder 3 Wochen bei Papa und 3 Wochen bei Mama. 

Hast du schon mal negative Reaktionen a la „Also ich könnte ja nicht so lange ohne meine Kinder“ gehört? 

Ja, diese Kommentare kommen aber in der Regel nur von Frauen, weil Väter häufig gar nicht gefragt werden. Besser wäre es, dass in diesen Fällen grundsätzlich die Trennungskinder gefragt werden, ob sie selbst so lange ohne den Vater leben möchten. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber ich vermute, in den meisten Fällen möchten Kinder auch ihren Vater mehr als nur wenige Tage im Monat haben. 

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Die Kinder werden älter. Ich wünsche mir, dass sie in ein paar Jahren einfach nach Lust und Laune zwischen ihren Eltern pendeln und selbst entscheiden, wo wer gerade, wie lange bleiben möchte. Ich würde mich freuen, wenn mehr Eltern dieses Modell zukünftig in Erwägung ziehen um ihren Kindern zu zeigen, dass jederzeit auf Papa und auf Mama Verlass ist und dass man auch trotz Trennung eine Familie bleiben kann

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1 Kommentar

  1. das hört sich sehr harmonisch an. für mich war als kind das wechselmodell nicht gut. wir mussten aber auch zwischen zwei städten pendeln , da shah es wahrscheinlich schwerer gemacht. dazu mussten wir selbst alles mit rad, zu fuß oder dem zug/bus erreichen. wenn wir bei meinem vater waren waren wir in der anderen stadt. ich kann mich nicht daran erinnern das mein vater sachen mit uns wirklich unternommen hat ( meine mutter ist zb jede woche mit uns ins schwimmbad gefahren oder hat uns eine zeit lang zum reiten gebracht). und mein vater hatte eine neue frau mit der ich nicht zurecht kam. bei meiner mutter gab es andere probleme da es ihr oft schlecht ging ( sie hat trotzdem ihr bestes gegeben, aber mir hat ein sichere hafen gefehlt). aber ich finde es toll mal zu lesen das eine trennung und das wecshelmodell im großen und ganzen gur läuft, vor allem auch im interesse der kinder! ich weiß gar nicht wie es bei uns wäre, unsere kinder lieben uns beide. wir leben auf einem grundstück mit meinen schwiegereltern, definitiv ich müsste ausziehen und könnte und wollte sie gar nicht so lange dort aus ihrem gewohnten umfeld heraus ziehen und nur alle paar wochenenden dort lassen. aber ich denke oft hängt es auch nicht nur an den müttern sondern auch am engagement der väter…..

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