Immer mit Gepäck: Vom Leben im Wechselmodell

Trennung

Foto: pixabay

Ihr Lieben, was macht das mit Familien, wenn sie nach der Trennung im Wechselmodell leben? Wie fühlt sich das für die Mama an, wenn sie allein in der Wohnung zurückbleibt, weil die Kinder dann wieder für einige Zeit beim Vater sind? Hier schreibt uns Sarah von ihren Gefühlen.

„Wenn man mich nach Sinnbildern meines Lebens fragt, dann fällt mir ganz konkret das Bild von vollgepackten Jutebeuteln und Rucksäcken mitten in unserem Flur ein. Jede Woche Montag verändert sich der Eingangsbereich unserer Wohnung. Jede zweite Woche liegt der Flur voll mit Beuteln und Rucksäcken, die dort in Teilen die ganze Woche verweilen, weil nicht immer alles gebraucht und in die Zimmer getragen wird.

Zwischen den Welten hin und her

Obwohl beide Kinder nahezu alles doppelt haben, trägt jedes von ihnen mindestens drei Beutel der wichtigsten, persönlichen Dinge Woche für Woche zwischen ihren zwei Welten hin und her. Voll bepackt kommen sie dann völlig außer Puste die Treppen hinauf und umarmen mich, nachdem wir uns eine Woche lang nicht gesehen und gehört haben.

Die Taschen fallen direkt hinter der Tür auf den Boden im Flur und wir setzen uns erst einmal zu dritt aufs Sofa im Wohnzimmer. Ankommen, erzählen, kuscheln, umarmen. Erst dann gehen beide gemächlich in ihre Zimmer und ich bekomme jedes Mal das Gefühl, sie müssen sich erst langsam wieder gewöhnen und einleben in den Raum, der eine Woche lang unberührt war. Ein Raum, der eine Woche lang ausgeklammert war von all dem, was sie erlebt haben.

Die Kinderzimmer: Unberührt

Manchmal ist es eine kleine Zeitreise in die Zeit vor zwei Wochen. Da ist noch das Spiel aufgebaut, das sie vor zwei Wochen gespielt haben oder es liegt noch ein angefangenes Nähprojekt am Boden. Irgendwie fremd, denn zwischen dem, was hier eine Woche lang unberührt war und dem, was sie in der vergangenen Woche gelebt und erlebt haben, scheinen Welten zu liegen. Nun mussten sie auch im Zimmer beim Vater alles zurücklassen, was sie aktuell beschäftigt hat, was mit Erlebnissen und ihrem Leben der vergangenen Woche zusammenhängt.

Langsam, ganz langsam kommen sie wieder an. Am Abend sitzen wir beim Abendbrot zusammen. Auch hier sind noch die Ereignisse der vergangenen Woche Thema, die Kinder bringen uns auf den Stand der kommenden Woche, mit allem, was ansteht, von dem wir noch nichts wissen. Am Dienstag hat man das Gefühl, dass sie schon fast angekommen sind und der Alltag hier Routine ist und die vergangene Woche in den Hintergrund gerät. Mittwoch und Donnerstag erleben wir meistens einen routinierten Alltag miteinander, in dem es sich so anfühlt, als könnte es nicht anders sein. Am Freitag kreisen die Gedanken der Kinder meistens schon darum, dass nach dem Wochenende schon wieder ein Wechsel ansteht.

Zeitdruck als ständiger Begleiter

Die große Tochter überlegt, was sie noch machen möchte, und ob sie das Nähprojekt oder das gründliche Aufräumen ihres Zimmers noch innerhalb des Wochenendes schaffen kann. Zeitdruck ist unser aller, ständiger Begleiter. Ausdruck des Mangels an gemeinsamer Zeit sind auch die Gedanken an Verabredungen der Kinder. Eine Verabredung mit Freundinnen am Wochenende mit Übernachtung bedeutet gleichzeitig auch immer, dass die gemeinsame Zeit früher endet. Dass die Zeit für geplante Dinge fehlt. Spätestens ab Sonntagnachmittag machen sich die Kinder Gedanken darum, was sie einpacken und es sammeln sich kleine Haufen in unserem Flur.

Die Wecker klingeln am Montag eine halbe Stunde früher als sonst, damit noch genug Zeit bleibt, in Ruhe zu überlegen, ob an alles gedacht ist und um sich voneinander zu verabschieden. Zwei voll bepackte Kinder verlassen die Wohnung. Der Flur wirkt fast leer und in den Kinderzimmern steht die Zeit nun wieder eine Woche lang still.“

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6 comments

  1. als kind musste ich das wechselmodell mit machen. wobei wir ( meine schwester und ich) zwischen zwei städten pendeln „umziehen“ mussten. in der stadt in der meine mutter gelebt hat, war auch unsere schule, da war auch geigenunterricht etc. in die stadt in der mein vater mit seiner frau wohnte mussten wir immer selbst mit zug und bus fahren. wir hatten drei kisten ( jeder von uns eine alleine und eine zusammen) in die wir unsere sachen die wir vom einen ins andere zuhause mit nehmen wollten oder mussten rein tun konnten. wir hatten aber auch nicht alles doppelt, mehr durfte aber auch nicht mit. dazu kam das meine eltern ein sehr schlechtes verhältnis hatten, ich könnte auch nicht sagen bei wem ich am
    liebsten komplett wohnen wollte. beide keine gute option für mich. meine mutter hat sehr darunter gelitten, sie hat uns aber auch als emotionalen partnerersatz benutzt. und unser vater findet arbeit und ehefrau am wichtigsten. ich finde aus meiner persönlichen erfahrung ein wechselmodell nur gut, wenn beide eltern in gut erreichbarer nähe wohnen und die kinder kein schlechtes gewissen bekommen weil sie nun wieder zum anderen gehen ( müssen). und wenn trotzdem die kinder das gefühl haben einen sicheren hafen zu haben und wissen wohin sie gehören. ich hatte das erst als ich mit meinem mann zusammen gezogen bin. davor wusste ich nie wo ich hin gehöre und wo mein „sicherer hafen“ ist.

  2. ich kann die geschilderten Ereignisse nicht nachvollziehen. Meine Kinder leben auch im Wechselmodell. Sie packen nichts außer ihren Schulranzen. Teils ziehen sie noch nicht einmal Schuhe an, wenn sie wechseln. Wie es mehrere Taschen voller wichtigster persönlicher Dinge geben kann, ist mir rätselhaft.

    Generell muss gesagt werden: Wenn Kinder beide getrennten Eltern erleben sondern dürfen, werden Kinder nahezu immer in einen „Wechsel“ gezwungen. Beim Residenzmodell gibt es in der Regel sogar mehrere Wechsel. Sie lassen sich also schlicht nicht vermeiden. Bisher konnte mir niemand plausibel erklären, warum ein anderes Modell für Kinder vorteilhafter ein soll.

    Der Wechselzeitpunkt NACH dem WE erscheint mir schwieriger/ stressiger als ein Wechsel direkt vor dem WE.

  3. Ich finde den Artikel sehr gefärbt von den persönlichen Gefühlen der Autorin, man liest ganz klar, dass das Wechselmodell für sie nicht wirklich gut annehmbar ist.

    „Die Mama, die alleine in der Wohnung zurückbleibt“….kann asich auch freuen, dass wieder Ruhe einkehrt. Kann sich um eigene Dinge und Hobbies kümmern und sich umso mehr auf gemeinsame Zeit freuen.
    Was ich überhaupt nicht verstehe, weshalb der Kontakt für eine Woche komplett abbricht. Wir leben auch das Wechselmodell und ich spreche trotzdem fast täglich mit meiner Tochter, auch wenn sie beim Papa ist.
    Da wir nahe beiander wohnen, sehen wir uns auch zwischendurch, aber das kommt sicher immer auf die individuelle Situation an.
    Ich freue mich, mal Zeit für mich zu haben und freue mich ebenso über die gute Bindung unserer Tochter zum Papa.

    Was ich eigentlich sagen will: nehmen wir die Situation als Eltern gut an, können es auch die Kinder besser annehmen. Hadern wir, hadern auch sie (noch mehr).

    LG Lilly

    1. Wovon soll der Artikel denn sonst gefärbt sein, wenn nicht über die persönlichen Gefühle???? Siehe Einleitung: „Hier schreibt uns Sarah von ihren Gefühlen.“?

      Dieser Satz besagt doch, dass es hier nicht um eine Recherche oder einen wissenschaftlichen Beitrag geht, welche Vor- und Nachteile das Wechselmodell haben oder wie man es (am besten) leben kann etc.
      Die ein oder andere Anmerkung von dir finde ich unangemessen, weil der Text einen minimalen emotionalen Eindruck dieser Mutter vermittelt und wir sicher weeeeeit davon entfernt die Situation in irgendeiner Weise beurteilen zu können (z.B. deine Anmerkung, dass du überhaupt nicht vollziehen kannst, warum die Mutter mit ihren Kindern innerhalb der Woche keinen Kontakt hat. – es ist sehr stark anzunehmen, dass es dafür einen Grund gibt). Dass die Mutter mit der Situation hardert ist deine Interpretation. Ich finde deinen letzten Satz unangebracht und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass er die Mutter emotional trifft.
      Gerne kann man SEINE Erfahrung teilen in den Kommentaren. Aber meines Erachtens sollte man nicht interpretieren, Unverständnis äußern (wenn man nicht die komplette Situation kennt) oder gar jemanden etwas unterstellen, wenn er lediglich (!) über SEINE Gefühle und SEIN Erleben schreibt.

  4. Hallo!
    Ich war auch ein Kind, dass immer seine Tasche dabeihaben musste. Mein Modell war sogar noch ein wenig stressiger, da die damalige Partnerin meines Vaters in der ersten Zeit noch nicht bei uns qohnte und wir dann am Wochenende oft noch bei ihr übernachtet haben. Ich habe seitdem ein extremes Problem mit dem packen. Es stresst mich dermaßen, dass ich für einen ganzen Tag einplanen muss, wenn wir nur über das Wochenende verreisen wollen. Ich bin dann unausstehlich und extrem genervt. Ich fand es als Kind so schlimm, nirgends einen sicheren Hafen zu haben und manchmal nicht zu wissen, wo man denn abends schläft. Ich denke, dass ich daher auch immer alles planen muss und sicher sein muss, wo man abends ist. ICH HASSE PACKEN!!!!

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