Jobwut, Burnout, Trennung: So hilft Katrin Frauen aus der Lebenskrise

Ihr Lieben, das Leben kann manchmal ganz schön turbulent sein und stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Manche kann man gut anpacken und bewältigen und manche scheinen uns zunächst zu überfordern.

Vor ein paar Wochen war ich an einem Punkt, an dem ich emotional feststeckte. Meine Gedanken fuhren Achterbahn, ich war dauer-nervös, erschöpft und fand keinen Ausweg aus dieser Spirale.

Normalerweise ziehe ich, wenn es mir nicht gut geht, die Joggingschuhe an und laufe mir den Kopf im Wald frei – aber das ging an dem Punkt nicht mehr. Ich spürte, dass es auch nicht reicht, mich bei einem Glas Wein bei einer Freundin auszukotzen. Ich merkte, dass ich jemanden an meiner Seite brauche, der mir hilft, meine Gedanken zu ordnen, eingeschliffene Gedankenmuster professionell zu hinterfragen und andere Sichtweisen einzunehmen.

Wir alle gehen regelmäßig zur Vorsorge zum Frauenarzt, zur Zahnreinigung – die wenigsten beschäftigen sich regelmäßig mit ihrer psychischen Gesundheit. Zum einen, weil es immer noch ein Tabu-Thema ist – zum anderen, weil es auch gar nicht so leicht ist, professionelle Unterstützung in Lebenskrisen zu finden. Die Wartelisten sind lang – und wenn man jemanden gefunden hat, ist ja noch nicht klar, dass die Chemie auch wirklich stimmt.

Ich hatte Glück, denn ich hatte Katrin. Wir kennen uns schon einige Jahre und in dieser Zeit haben wir schon so manche gemeinsame Runde durch den Wald gedreht. Für mich ist und war Katrin ein enormer Halt. Sie schafft es, mich wieder „gerade zu rücken“, mir neue Denkanstöße und Lösungsansätze mitzugeben. Sie hört mir zu, lässt mich auch einfach mal weinen und hat mich vor wenigen Wochen eng und emphatisch durch dieses emotionale Tal begleitet.

Katrin ist aber nicht nur meine Freundin, sondern das Begleiten von Menschen ist ihr Beruf. Sie hilft in Lebenskrisen, bei Jobfragen, in Trennungsprozessen. Darüber habe ich mit ihr für euch gesprochen und falls ihr gerade auch auf der Suche nach professioneller Hilfe seid: Ich kann euch Katrin von Herzen empfehlen. Ich könnte mir keine bessere Frau für stürmische Zeiten als sie vorstellen. Sie lebt zwar in Berlin, arbeitet aber bundesweit. Mehr Infos zu Katrin findet ihr hier: https://www.abrightview.de

Liebe Katrin, du bist Mediatorin, Rechtsanwältin und systemische Coachin und du begleitest Frauen in Trennungsprozessen. Trennungen sind selten „einfach“ – mit welchen Gefühlen kommen die Frauen zu dir?

Oh, das ist natürlich sehr unterschiedlich. Das hat viel mit der Frage zu tun, warum die Beziehung auseinander gegangen ist und wer die Beziehung am Ende verlassen hat. Was aber die Frauen, die auch Mütter sind, alle teilen, ist die Sorge um ihre Kinder. 
Wenn die Frauen zu mir kommen, sind sie meistens schon in einem juristischen Verfahren. Sie möchten eine bestmögliche Lösung für ihr Kind und hoffen, dass ein Gericht sie dabei unterstützt. In der Realität sind diese Verfahren jedoch oft extrem kräftezehrend: Die Anwälte haben oft wenig Zeit für die Nöte der Frauen und ihre Auskünfte sind oft sehr vage. Ich erlebe immer wieder, wie herausfordernd es ist, sich in diesen juristischen Verfahren zurecht zu finden: Wie geht das aus? Wie soll ich mich verhalten? Wie mache ich jetzt weiter? Was für Kosten erwarten mich? Wie gehe ich damit um, wenn mich der Anwalt des Ex-Partners beleidigt oder provoziert? Das sind Themen, die ich immer wieder höre. 

Wie unterstützt du diese Frauen? 

Indem ich sie begleite. Schritt für Schritt. In Zeiten großer Krisen auch Tag und Nacht. Ich habe in einer eigenen Krise die Erfahrung gemacht, wie heilsam es ist, jemanden an der Seite zu haben, der bei mir ist, der mir zuhört, der mich annimmt, hält – und mir neue Perspektiven anbietet. Wie wir auf eine Situation blicken, ist aus meiner Sicht der Schlüssel für die Frage, wie wir mit ihr umgehen können. Hier setze ich immer an. 
Gleichzeitig unterstütze ich ganz pragmatisch: ich lese die Schriftsätze, wir besprechen die Prozesse, bereiten Gerichtstermine vor und erarbeiten Kommunikationsstrategien. 

Durch jede Krise kann man auch etwas lernen – was könnte dies bei einer Trennung sein?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche meiner Klientinnen sagen, sie hätten gelernt, sich unabhängiger von Anderen zu machen. Manche sagen mir, sie hätten sich zum ersten Mal mit ihren eigenen Bedürfnissen beschäftigt. 
Zu erkennen, dass es niemals ein Partner ist, der über unser „Glück“ oder „Unglück“ entscheidet, das halte ich persönlich für das größte Geschenk. 

Das heisst im Umkehrschluss also, dass nur wir selbst und glücklich bzw. unglücklich machen können?

Jetzt wird es philosophisch. Natürlich kann ich „glücklich“ sein, wenn mein Partner mir Blumen schenkt oder meine Wäsche wegräumt. In diesem Moment erfüllt er mir nämlich ein Bedürfnis. Zum Beispiel das nach Wertschätzung oder Unterstützung.
Was aber, wenn die Wäsche nicht weggeräumt wird? Kann ich dann trotzdem „glücklich“ sein? Hier wird es meistens eng. Denn wenn wir ehrlich sind, lautet die Gleichung: Wenn mein Partner tut, was ich möchte, geht es mir gut. Tut er es nicht, geht die Laune in den Keller. Damit begeben wir uns gegenseitig in eine Form der Abhängigkeit, die eine Menge Zündstoff bietet. 

Ich bin mittlerweile überzeugt: Wenn ich schlechte Laune habe, ist es MEINE schlechte Laune. Sie kommt aus mir. Also muss es wohl ich sein, die sie macht. Und ich habe für mich erkannt, dass ich nicht schlechte Laune haben MUSS, wenn die Wäsche nicht weggeräumt ist. Ich habe erkannt, dass ich für meine Laune verantwortlich bin – das schenkt mir ziemlich viel Unabhängigkeit. Für diese Unabhängigkeit arbeite ich. Tag für Tag. 

Erlebst du Unterschiede in den Emotionen bei Männern und Frauen während einer Trennung?

Ich sehe bei Trennungen eher Unterschiede zwischen denjenigen, die die Beziehung freiwillig verlassen und denjenigen, die gerne in der Beziehung geblieben wären. Nicht so sehr bei den Geschlechtern. 

Meinst du damit, dass die, die freiwillig die Beziehung verlassen, es also leichter haben?

Nicht unbedingt. Wie schwer oder leicht eine Trennung für einen Menschen ist, ist total unterschiedlich. Ich meinte eher, dass sich die Themen dann eher ähneln. Wer eine Beziehung verlässt, beschäftigt sich oft eher mit Schuld oder Rechtfertigung, wer verlassen wird, eher mit Traurigkeit, Wut oder Angst. 

Gibt es auch Paare, die sich entschließen, dich gemeinsam aufzusuchen, damit die Trennung keine Schlammschlacht wird? 

Unbedingt. Es macht immer, aber besonders wenn Paare Kinder haben, ganz viel Sinn, direkt am Anfang mit einer dritten Person herauszufinden, was jetzt zu regeln ist, wo es übereinstimmende Ideen gibt und wo nicht. Zum Glück entscheiden sich immer mehr Paare dazu. Das ist allein schon deshalb klug, weil es so viel kostengünstiger ist. Aber auch, weil es der einzige Weg ist, um selbstbestimmt zu bleiben. Die wichtigsten und persönlichsten organisatorischen Fragen des eigenen Lebens selber in die Hand zu nehmen und nicht fremden Menschen zu überlassen, das wollen immer mehr. 

Oft gibt es Streit um Umgangsregelungen der Kinder. Wie kann man da eine gute Einigung erzielen?

Es gibt keine Patentrezepte. Aber eine Zutat braucht jede Einigung: Echtes Zuhören. Echt ist zuhören dann, wenn ich das, was ich höre, ausschließlich als Information über die andere Person erkenne – und nicht als Angriff gegen mich.  Das ist der Schlüssel für jede Einigung. Es ist die größte Kunst und das kostbarste Werkzeug in jeder Kommunikation. 

Leider gibt es immer noch große Hemmschwellen, sich im Falle einer Trennung externe Hilfe zu holen. Was meinst du, warum das so ist?

Meine Erfahrung ist, dass es für viele schwer ist, sich mit den persönlichsten Themen Anderen zu zeigen: Woher weiß ich, wem ich vertrauen kann? Was erwartet mich? Mein Tipp ist: Rumtelefonieren, fragen – und dann der Intuition folgen. Jeder seriöse Coach oder Mediator ist zur Verschwiegenheit verpflichtet, führt ein kostenloses Vorgespräch und beantwortet freundlich und offen alle Fragen. Ruhig mehrere Vorgespräche führen. Ihr probiert ja auch mehrere Mäntel an, bevor ihr einen kauft. 

Oft sind logischerweise auch die Kosten ein Thema. Aber zur Wahrheit gehört auch: Konfliktcoaching oder Mediation sind so wertvolle Investitionen in die eigene Entwicklung. Die Gelassenheit und die Unabhängigkeit, die wir hier entwickeln, kann uns niemand jemals mehr nehmen. Da spreche ich auch und besonders aus eigener Erfahrung. 

Gibt es eine Familiengeschichte, die dich ganz besonders berührt hat? 

Alle meine Klientinnen berühren mich. Mit jeder von ihnen fühle ich mich sehr verbunden. 
Besonders beeindruckt hat mich in den letzten Monaten eine junge Frau, die sich von ihrem Partner getrennt hatte. Ihr Kind war vier Jahre alt. Sie wollte, dass das Kind überwiegend bei ihr lebte, der Partner wollte das Wechselmodell leben. Als sie zu mir kam, befand sie sich in einem erschöpfenden Gerichtsverfahren. Sie war frustriert, weil ihre Anwältin stets vage bliebt, wütend, weil der Ex-Partner offensichtliche Lügen vor Gericht auftischte und hilflos, weil ihr Kind deutlich unter der angespannten Situation litt. 

Nach einigen Wochen gemeinsamer Arbeit beendete sie das Gerichtsverfahren. Sie trat in eine eigenständige Kommunikation mit dem Ex-Partner ein, entwickelte Lösungen und stand für sie ein. Letzte Woche fand sie sich gemeinsam mit Ex-Partner und Kind in einem Eiscafé wieder. Niemand außer der jungen Frau hatte etwas verändert. Und doch war für alle alles anders. Ich habe sie gefragt, was die Änderung bewirkt hat. Sie hat geantwortet: „Ich habe gelernt, nicht mehr alles zu glauben, was ich denke. Was andere Leute über mich denken, was die Zukunft bringt, wie der Andere sich verhalten sollte- an diesen Gedanken habe ich deutlich weniger Interesse. Das ändert alles.“ 

——Hier nochmal Katrins Homepage: https://www.abrightview.de

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