Trennung aus Sicht eines Vaters: Ich hatte große Angst, die Kinder zu verlieren

child 1835730 1280 665x435 - Trennung aus Sicht eines Vaters: Ich hatte große Angst, die Kinder zu verlieren - Daniel hat lange um seine Ehe gekämpft - heute berichtet er, wie sich die Trennung anfühlte.

Lieber Daniel, Du warst 3 Jahre lang verheiratet, Ihr habt zwei gemeinsame Kinder. Vor 1,5 Jahren hat sich deine Frau von dir getrennt. Kam das überraschend für dich oder hat sich das angedeutet?

Das war etwas komplizierter. Wir hatten vorher schon seltsame Phasen, haben z.B. eine Paartherapie in unserer letzten Heimatstadt angefangen, aber nicht beendet, weil meine Ex-Frau nicht der „Therapie-Typ“ ist und nach der dritten Sitzung meinte unser Problem identifiziert zu haben.

Dann lief es aus meiner Sicht gut – mit einer zeitweise beruflich bedingten Fernbeziehung, dem zweiten Kind und einer unbefriediegenden Jobsituation war nicht alles immer Sonnenschein, aber ich hielt uns für ein unschlagbares Team.

In einer Kur hat meine Ex-Frau dann wieder Kontakt zu einem Ex-Partner aufgebaut, was ich nicht wusste und ab da ging es bergab. Ich war außen vor, er wurde eine Art Lichtgestalt und am Ende hat Affäre gegen Beziehung gewonnen. Ja, ich war überrascht, als die Beziehung in die Brüche ging und obwohl wir noch fast 1,5 Jahre versucht haben, alles zu kitten (Paartherapie, Urlaub, getrennte Wohnung), hatte unsere fast 11 Jährige Beziehung das Nachsehen.

Das hat mich verletzt, da ich gekämpft habe, aber wenn der Andere innerlich weitergezogen ist, kämpft man gegen Windmühlen. 

In der Therapie habt Ihr sicher auch über die Gründe ihres Fremdgehens gesprochen. Was hat deiner Ex in der Beziehung gefehlt?

Ihr fehlte das Wilde, was eine Beziehung anfangs ausmacht. Sogar die Ungewissheit, das Zurückgewiesen werden und Erobern müssen. Sie hat sich gelangweilt, weil unser Leben mehr aus Pflichten (Kinder, Haushalt, Steuer, Rechnungen) als aus Abenteuern bestanden. Ich habe uns als Familie verstanden, sie uns als Einschränkung der persönlichen Entwicklung. Meine Ex hatte schon immer einen großen Freiheitsdrang. 

Wie habt Ihr den Kindern von der Trennung erzählt und wie haben sie es aufgenommen?

Wir haben uns zwei Mal getrennt und es dazwischen noch mal versucht. Beim ersten Mal haben wir den Kindern erzählt, ich wäre beruflich sehr eingespannt, beim zweiten Mal waren wir dann ehrlich. Ein klares Gespräch mit dem Inhalt „Mama und Papa haben sich nicht mehr lieb, lieben euch aber umso mehr!“. So was in der Art.

Wir haben die neue Wohnung meiner Ex-Frau gezeigt und die Kinder schnell auch den neuen Partner meiner Ex-Frau kennen gelernt. Ich glaube, die Kinder haben es damals sehr gut aufgenommen, aber man merkt auch heute beim Kleinen, dass er die Endgültigkeit nicht ganz begriffen hat.

Auf welches Modell habt Ihr Euch geeinigt und wart Ihr Euch da schnell einig?

Vor der Geburt des Großen haben wir eine Eintragung der Vaterschaft vorgenommen und gesetzlich geklärt, dass wir immer eine 50:50 Betreuung haben werden. Ich habe das damals, weil wir nie vorhatten zu heiraten, als einen absoluten Liebes- und Vertrauensbeweis empfunden und bin heute sehr froh, dass das so ist.

Letztlich ist meine Ex ausgezogen, weil ich nach all den Kämpfen und meiner Trauer nicht eingesehen habe, auch hier das Nachsehen zu haben. 

Du hast gesagt, dass du seit 1,5 Jahren den Kindern zu Liebe, deine persönlichen Empfindungen komplett zurückstellst und eigentlich nie Zeit und Raum für Trauer und Wut hattest. Wie genau meinst du das?

Als ich von meinem „Nebenbuhler“ erfahren habe, war ich traurig und schockiert.  Und ja, auch sehr wütend. Ich bin nicht gewalttätig – war ich nie. Aber da war ein Feindbild, dem ich nicht viel Gutes gewünscht habe. Aber es hieß, das sei etwas einmaliges und ich habe das schnell „verziehen“, da ich auch bei mir Fehler gesucht und gefunden habe.

Als er dann doch wieder aktuell wurde und eine Stellung bekam, die über meiner als Vater, Freund, Ehemann, Partner und Vertrautem stand, war ich unglaublich getroffen. Ein paar schöne Worte, ein selbstgeschriebenes Liebeslied, ein heimliches Treffen – und unsere Partnerschaft, unser gemeinsames Leben waren obsolet. So kam es zumindest mir vor.

Ich habe versucht durch mehr Aufmerksamkeit und Verständnis zu beweisen, dass unsere Beziehung das übertrifft – und mich geiirt. In unserer Therapie wurde mir von ihr klar gesagt, dass ich die Nummer 2 im emotionalen Haushalt meiner Ex-Frau spielen würde. Ich sollte mich mit der Rolle als Vater und Ehemann zufrieden geben und akzeptieren, dass die Romantik, Erotik und Vertrautheit jemand anderem gehören würde. Da hätte ich begreifen müssen, dass es kein WIR mehr gibt….

Aber du hast noch nicht aufgegeben….

Nein, ich war verliebt, dachte an die Familie, die Kinder und war naiv genug zu glauben, dass man so etwas reparieren kann. Ich habe Freiräume eingeräumt und dabei vergessen, dass eine Beziehung nicht glücklich ist, wenn einer unglücklich ist. Ich hätte es beenden sollen. Es hätte uns eine Menge Zeit und mir sehr viel Schmerz erspart.

Es gab dann nochmal einen Neuanfang mit Umzug, Jobwechsel etc. Mir sagte sie, sie wolle die Beziehung und wisse, was sie an uns und der Familie habe, dass wir arbeiten müssten und achtsam sein sollten. Ich glaube wir haben uns damals beide etwas vorgemacht. Der neue Mann hatte schon so viel Raum eingenommen, dass ich dann das Feld geräumt habe, um Frieden zu finden.

Wir hatten schon zahlreiche Interviews mit Müttern nach einer Trennung. Wie fühlst du dich als Vater nach diesem Einschnitt?

Es ist eine seltsame Erfahrung. In der ersten Woche nach ihrem Auszug, als die Kinder bei mir waren, dachte ich: „Das schaffe ich nicht. Ich bin ein lausiger Vater und komplett überfordert!“ Ich habe am Abend geweint und dachte, dass wenn ich das nicht hinbekomme ich am Ende auch die Kinder verliere. Es ist aber erstaunlich, wie schnell es sich dann doch alles einspielt.

Natürlich ist es schwierig, wenn z. B. Freizeit gestaltet werden soll und man am Ende beide Kinder in einen Kompromiss zwingt, weil man alleine nicht zwei Dinge leisten kann. Oder das Gefühl der Überforderung, weil man Haushalt, Job und Kinder unter einen Hut bringt. Ich denke, dass jede alleinerziehende Mutter jetzt wissend lächelt.

Wobei ich sagen muss, dass ich gegenüber alleinerziehenden Müttern natürlich zwei große Vorteile habe: 1. ist es so, dass man als Vater in dieser Rolle automatisch mehr Anerkennung bekommt, weil viele es immer noch außergewöhnlich finden, wenn ein Vater aktiv seine Rolle leben will. Und 2. habe ich ja immer wieder Zeit, um Kraft zu sammeln, wenn die Kinder bei der Mutter sind.

Wie ist denn die Zeit für dich, wenn die Kinder nicht bei dir sind? Was vermisst du am Meisten?

Die Nähe und das Erleben, wie sie sich entwickeln. Banal ausgedrückt: das Kuscheln und die Gespräche. Ich hatte kurz Phasen, wo ich mir gewünscht habe, meine Ex solle einfach ihr Leben mit dem Neuen und dessen Kind leben – und unsere Kinder würden ganz bei mir bleiben. Das war extrem egoistisch, denn die Kinder lieben und brauchen uns beide.

Es zerreißt mich aber immer, wenn sie gehen. Meine Ex und ich haben den Deal, dass die Kinder anrufen können, wenn sie uns vermissen und diese Anrufe, die sehr selten sind, sind immer wie ein Lichtblick. Und wir schicken uns immer Fotos der Kinder, das hilft auch.

Wie ist das Verhältnis zu deiner Ex momentan?

Recht entspannt. Wir tauschen uns aus, wichtige Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Da wir beide nicht unterhaltspflichtig sind, gibt es auf diesem Gebiet keine Streitpunkte. Die persönliche Erlebnisse und mein angeknackstes Ego mache ich mit mir aus.

Fü mich ist es das Wichtigste, dass die Kinder sich glücklich entwickeln. Da spricht man über den neuen Partner auch mal positiv, obwohl es tief drinnen etwas anders aussieht.

Ich gebe zu, mein größtes Problem war mein eigenes Ego, der Gedanke, dass man jetzt „nur“ noch der Vater der Kinder ist, obwohl man selbst von einem „und glücklich bis ans Lebensende“ ausgegangen ist.

Viele Mütter sagen, dass die Kinder ein Hinderungsgrund sind, einen neuen Partner kennen zu lernen. Wie ist das bei Vätern?

Ich kann da natürlich nur für mich sprechen und ja – wenn man bei einem Date über die Kinder spricht, ist das ein entscheidendes Kriterium. Andererseits bin ich in einem Alter, in dem es nicht ungewöhnlich ist, Vater zu sein.

Was viele Frauen irritiert hat, war dass ich nicht das bekannte System des „jedes 2. Wochenende sehen“ fahre, also sehr viel mehr Vater als „freier Partner“ bin.

Du hast auch wieder eine neue Partnerin…

Ja, und es war schon so, dass es für sie anfangs nicht so leicht war. Denn Kinder sind ja für immer die Verbindung mit dem Ex-Partner. Aber sie hat sich schnell an diese Situation gewöhnt, sie mag die Kinder sehr und umgekehrt ebenso.

Könntest du dir vorstellen, mit einer neuen Partnerin nochmal ein Kind zu bekommen?

Ich schließe das keinesfalls aus. Ich wollte immer gerne drei Kinder haben, aber mich schreckt der Gedanke etwas ab, dass meine beiden Kinder dann nur wochenweise da wären und evtl. glauben weniger geliebt zu sein als das Kind, das immer anwesend wäre. Zudem entsteht natürlich ein extremer Altersunterschied, der Große ist bald 9, auch der Kleine wird bald 6. Aber wenn unsere Beziehung weiterhin so gut läuft, wüsste ich neben diesen Bedenken nichts, was dagegen spräche. Ich bin gerne Vater und war auch gerne Baby-Vater mit allem was dazugehört.

Was hast du durch diese ganze Geschichte der Trennung gelernt?

Ich glaube, wenn ich es zusammenfassen müsste, dass man Reisende nicht aufhalten kann. Ich bereue diesen einen Moment, als klar war, dass ich gegen meinen Nebenbuhler verloren hatte – dass ich damals nicht den Mut und den Selbstrespekt hatte aufzustehen und klar zu sagen „damit hast Du eine Entscheidung getroffen und Du wirst mit den Konsequenzen zu leben haben.“ Stattdessen habe ich auf meine Bedürfnisse verzichtet und somit ein totes Pferd geritten.

Im Bezug auf die Kinder habe ich gelernt, dass man mit klaren Worten, Verständnis und Respekt mehr erreicht, als mit Schutzmaßnahmen und Flunkereien. Ich denke ich bin als Mensch und Vater gewachsen, als Partner weiß ich es nicht. Ich habe nicht vor, jetzt ein eifersüchtiger, mißtrauischer Mensch zu sein und glaube das gelingt mir, aber ich würde nicht mehr so viele Kompromisse machen. Und ich bin weniger „flexibel“ geworden, wenn es um Vertrauensbrüche geht.

Noch immer tut es mit um unsere Familie leid, aber die Kinder haben zwei tolle Eltern und neue Einflüsse durch die neuen Partner. Ich hoffe, am Ende wird sich zeigen, dass es für etwas gut war.

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3 Kommentare

  1. Interessant wäre dazu die Sichtweise der Exfrau. Ich lese heraus, dass der Vater sagt, alles versucht zu haben um die Beziehung zu retten und die „Schuld“ des Scheiterns als Familie bei der Partnerin sieht. Was war sein Part, dass Beziehung und Familie nicht funktioniert haben?

  2. Vorweg: dieser Bericht triggert mich sehr. Leider gibt es nicht die Darstellung der zugehörigen Ex Ehefrau, um ihre Sicht der Dinge nachvollziehen zu können, jedoch mangelt es aus *meiner Sicht* an Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit sowie Wahrhaftigkeit ihrem Gatten ggü. Warum erst eine Affäre starten (Achtung: dies tut dem Partner weh!), und dann zur Erkenntnis zu gelangen, dass es nicht reicht. In einer idealen Welt würden Menschen verstehen, dass sie alleinig für ihre Gefühle verantwortlich sind, der Partner nicht dazu da ist, die eigenen Mängel auszufüllen und in Beziehung sein dürften ein Geschenk bedeutet. Wenn der Punkt der Unzufriedenheit kommt, ist SELBST Reflexion gefragt und ein faires Auslösen aus der Beziehung vor dem Start einer Affäre. Sollte die Dame nicht reflektiert haben (Muster erkannt, Glaubenssätze reflektiert), ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie auch in einer Folgebeziehung nicht glücklich sein wird. Beziehung ist immer eine Kunst und in Beziehung zu bleiben die größte Herausforderung. Ich wünsche mir eine Welt, in der die Menschheit versteht, dass jeder Mensch genauso viel wert ist wie man selbst und mehr Bewusstsein seiner eigenen Gefühle/ Bedürfnisse mit eingebracht wird. Dann würden Beziehung achtsamer auseinandergehen ohne so viel Seelenleid auf Verlassenenseite auszulösen oder auch Beziehungen lebendig bleiben und nicht auf begrenzte Rollen reduziert werden. Somit der Appell: bitte seht eure Partner nicht als selbstverständlich, versteht einander als Geschenk, reflektiert euch und geht einen fairen & achtsamen Weg miteinander.

  3. Ein sehr lesenswerter Beitrag, wenn auch aus einer sehr traurigen Situation heraus. Ich finde es schön zu lesen, dass auch mal die Seite eines Mannes bei der Scheidung gezeigt wird. Männer haben es bei einer Scheidung am schwersten finde, wenn Kinder mit im Spiel sind.

    Gruß

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