Mein Weg aus der Krise: Hört nicht auf zu kämpfen, es lohnt sich.

Ich heiße Sarah und ich habe ein paar sehr bewegte Jahre hinter mir. Um meine Geschichte ein bisschen besser erzählen zu können, habe ich sie in drei Kapitel gegliedert. Meine Geschichte soll Euch zeigen, dass das Leben oft schwer ist, aber dass man es auch schaffen kann, wieder glücklich zu sein.

Kapitel 1

2018 war ich noch mitten in meiner Doktorarbeit und damals noch mit meiner ersten Liebe verheiratet. Wir hatten zwar erst später Kinder geplant, dann wurde ich aber plötzlich schwanger, was eine schöne Überraschung war. Wir freuten uns auf die Zukunft und zogen näher an meine Familie, was sich im Nachhinein als das größte Glück herausstellte. Unser Sohn kam auf die Welt und anstatt vor Glück zu sprühen, bekam ich eine Wochenbettdepression. Es folgten sehr sehr schwere Wochen, in denen mein Mann weiterhin 60 Stunden pro Woche arbeitete. Mein Sohn trank nicht richtig, was mich zur Verzweiflung brachte. Ich hatte mir das alles anders ausgemalt und war völlig fertig, dass die Realität so anders war als meine Wunschvorstellungen. Zwei Dinge haben mich damals gerettet: 1. Ich bekam Unterstützung von einer Familienhebamme, die das Trinkproblem meines Sohnes feststellte und uns Alternativen aufzeigte. Sie lehrte mich auch, dass ich trotz Abpumpen „gut genug“ bin. 2. Meine Mutter wurde zur Vollzeitoma. Sie krempelte ihr eigenes Leben komplett um war die ersten Monate fast nonstop bei uns. Dafür bin ich ihr unglaublich dankbar. Schritt für Schritt gewöhnte ich mich an meine neue Rolle. In Mein Mann orientierte sich immer weiter nach außen, da er mit meiner Situation und der geänderten Priorität nicht klar kam.

2. Kapitel

Ich hatte das Gefühl, dass ich mich gefangen hatte. Das änderte sich schlagartig mit Wiedereintritt in die Arbeit. Ich musste teilweise am Wochenende pendeln, kam mit diesem Wechsel gar nicht klar. Unser Betriebsarzt hat mich an eine psychiatrischen Ambulanz verwiesen, ich hatte Bammel, denn das hörte sich nach Klapse an. Aber dort bekam ich endlich eine Diagnose. Es stellte sich also heraus, dass ich eine Anpassungsstörung habe – dass ich also auf Veränderungen im Leben mit Depressionen reagiere. Endlich hatte ich eine Erklärung für das, was in mir vorging und das beruhigte mich.

In dieser Phase trennten mein Mann und ich uns. Er hatte einfach andere Lebensvorstellungen und die Trennung empfand ich tatsächlich als befreiend. Dann am auch noch Corona. Im ersten Lockdown zog meine Mutter komplett zu mir und unterstützte mich bei Kinderbetreuung, weil die Kitas ja beschlossen waren. Da das alles natürlich wieder eine enorme Veränderung war, reagierte ich mit wieder mit Anpassungsstörungen, also Depressionen. Ich bekam medikamentöse Unterstützung und musste lernen, dass ich einfach Tag für Tag so nehme wie er kommt. Und dass ich Hilfe annehmen darf, dass das kein Zeichen von Schwäche ist.

3. Kapitel

In den letzten Monaten hat mein Leben sich sehr zum Guten gewandelt. Meine Mutter unterstützt mich immer noch sehr. Ich habe eine Therapie gemacht und dort meine beste Freundin kennengelernt. Ich habe meine Doktorarbeit inzwischen beendet, arbeite wieder und stehe finanziell auf eigenen Beinen. Ich werde wohl nie die „perfekte Mutter“ sein, aber genieße das Leben mit meinem Sohn und meiner Familie. Schlechte Phasen bedeuten nicht, dass das ganze Leben schlecht ist – oder dass man ein schlechter Mensch ist.

Inzwischen verstehe ich die Aussage „Kinder geben so viel zurück“ nur zu gut – ich wusste immer, dass aufgeben keine Option ist und dass sich der ganze Kampf für mein Kind lohnt. Ich denke, die wichtigsten Dinge, die ich in den letzten 3 Jahren gelernt haben, sind:
– Ich bin gut genug! Auch, wenn ich das selbst nicht immer sehe
– ich darf nach Hilfe fragen. Erstmal völlig egal, ob Arzt, Familie oder Beratungsstelle.  
– Ich schaffe das. Wenn nicht heute, läuft der Tag so gut es geht. Und morgen gibts eine neue Chance.

Deshalb: Gebt nicht auf, wenn Ihr in einer Krise steckt. Ihr könnt es schaffen, diese zu überwinden. Es lohnt sich. Für das Leben selbst, für Euch und Eure Kinder.

Du magst vielleicht auch


Mehr zum Thema



3 comments

  1. Vielen Dank für die positive Rückmeldung. Durch den ganzen Prozess des Revue passieren lassen und des Schreibens, habe ich tatsächlich den nächsten Schritt gewagt und bin seit einer Woche Tablettenfrei. Und ich muss sagen, dadurch ist die Welt nochmal etwas bunter geworden 😁

  2. Vielen Dank Sarah, für diese offenen Worte und was für ein schönes Fazit. Du kannst sehr stolz auf dich sein.

    Liebe Grüße,
    Anna

  3. Schön, dass hier explizit die psychiatrisch-psychotherapeutische Unterstützung benannt wird! In vergangenen Berichten zum Thema Erschöpfung bzw. psychische Probleme war dieser Aspekt eher kein Thema. Da kamen dann die Berichte der Frauen so locker-flockig rüber von wegen, „Als ich Erkenntnis X hatte, nahm ich Veränderung Y vor und dann ging es mir besser“. So einfach ist es aber meistens nicht, jedenfalls dann nicht, wenn tatsächlich klinisch relevante psychische Probleme vorhanden sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.