Wie ich mich im Baby-Alltag verlor und jetzt besser auf mich aufpasse

Ihr Lieben, nach unserer Frage bei Facebook, was ihr als das Krasseste in der Elternschaft empfindet erreichten uns zahlreiche unterschiedliche Zuschriften mit ganz verschiedenen Themen.

Auch Julia meldete sich bei uns, sie schrieb: „Die plötzliche Fremdbestimmung und der Versuch dabei selbst nicht verloren zu gehen. Aber auch die überwältigende Liebe und oft damit verbundene Ängste um das Kind. Das kann man sich vorher nicht vorstellen.“

Wir haben dann einmal nachgehorcht und wollten wissen, wie sie es schafft, in alle dem Familientrubel selbst nicht unterzugehen. Und hier schreibt sie sehr ehrlich von ihrem Tiefpunkt – und ihren Inseln und Oasen.

Als alles zu viel wurde

„Ich muss vielleicht ein wenig ausholen. Ich hatte in der Schwangerschaft wirklich keine rosa Brille auf, was das Leben mit Kindern betrifft. Und trotzdem hat mich die Realtität eiskalt erwischt und umgehauen.

Ich war immer ein Mensch, der auch sehr gerne mal für sich war, ich konnte als Kind schon einfach alleine in meinem Zimmer spielen. Und auch später war ich gerne mal mit mir allein. Plötzlich war das vorbei, da war dieser kleine Mensch, der einfach alles, aber wirklich ALLES bestimmte.

Ich entwickelte leider schnell eine Wochenbettdepression, die aber lange unerkannt blieb. Ich sah immer die anderen Mütter, die scheinbar alles problemlos mit Kind auf dem Arm wuppten und glücklich damit schienen.

Heute weiß ich, dass das nur Schein ist, aber damals hatte ich das Gefühl, nicht zu genügen. Ich gab alles, trug meinen Sohn die ersten sechs Monate ständig am Körper, da er sich nicht ablegen lies, stillte die Nächte durch und wollte die Dinge von meinem Mann fernhalten, da er ja arbeitn ging und ich zuhause war.

Irgendwann kam aber die große Erkenntnis, dass es so nicht weiter gehen kann, dass ich nicht glücklich bin und meine Auszeiten brauche. Da genügte halt nicht einfach mal eine Tasse Kaffee in Ruhe, das musste für mich mehr sein. Also spannte ich meinen Mann mehr ein, auch die Großeltern mussten ran.

Wir haben mittlerweile feste (halbe) Tage eingeführt, an denen mein Sohn bei den Großeltern ist. In dieser Zeit mache ich keinen Haushalt und auch keine Einkäufe, sondern tue nur das, auf was ich Lust habe. Anfangs hatte ich dabei ein schlechtes Gewissen, aber ich sehe selbst, wie gut es mir tut. Danach habe ich viel mehr Energie für mein Kind.

Ich glaube das berühmt berüchtigte „Dorf“, das es brauch um Kinder zu erziehen, ist ganz wichtig und jeder sollte versuchen, sich das aufzubauen. Ich weiß, dass ich priviligiert bin, weil die Großeltern in der Nähe sind und Zeit haben, das hat nicht jeder. Aber wäre das nicht so, würde mein Sohn zu einer Tagesmutter oder in eine Krippe gehen.

Kein schlechtes Gewissen haben!

Man darf auch kein schlechtes Gewissen haben, den Mann einzuspannen. Ich denke manchmal, sogar an meinem Arbeitsplatz war ich weniger fremdbestimmt als an einem Tag zuhause mit Kleinkind oder Baby.

Ich nehme mir bewusst Zeit für mein Hobby (ich nähe gerne), nehme mir bewusst Zeit mit meinen Freundinnen und bespreche diese Zeiten halt vorher mit meinem Mann. Der arbeitet Schicht, ist also auch nicht immer einfach verfügbar, aber es klappt wunderbar, wenn man miteinander spricht.

Wir erwarten bald unser zweites Kind und ein wenig Angst habe ich schon, dass die zurück gewonnenen Freiheiten dann wieder verloren gehen. Aber dieses Mal weiß ich, auf was ich achten muss, damit es mir besser geht.“

Foto: pixabay

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1 Kommentar

  1. Ich verstehe dich total. Dreimal erlebt. Jedesmal aufs neue ist es ein Prozess, bis alle zu ihrem Recht kommen, wobei für mich immer die Phase zwischen dem 1.Geburtstag und 2 1/2 besonders heftig waren, da ich dann neben Kindern, Haushalt, Mann auch noch Erwerbsarbeit und meinen Ehrgeiz ins rechte Lot setzen lernen musste. Dazu kommt, dass wir nicht (mehr) das Glück mit den sich kümmern können Omas haben.
    Diesen Monat wird K3 3 Jahre…wir sind auf einem guten Weg und erfreuen uns sogar wieder über kleine Inseln nur für meinen Partner und mich.

    Dir alles Gute!

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