Mitten in der Pandemie fand Stephanie ihre Patchwork-Familie

Mein Name ist Stephanie und ich würde heute gerne über unsere Patchwork-Situation berichten. Wobei ich das Wort Patchwork gar nicht mag, es hört sich irgendwie nicht besonders nett an.

Ich habe mich vor drei Jahren von meinem Mann getrennt. Plötzlich alleine mit allem klar zu kommen, war echt eine sehr große Herausforderung. Ich war am Limit und fuhr deshalb mit meinen Kids (7 und 10 Jahre) auf eine Mutter-Kind-Kur. Diese Auszeit vom Alltag hat uns so gut getan, wir sind richtig zusammen gewachsen.

Ich hatte Schuldgefühle wegen der Trennung

Das Gefühl, meinen Kindern die Familie genommen zu haben, hat mich sehr lange beschäftigt. Ich habe noch der Trennung auch immer wieder gemerkt, wie sehr ich mir eine Familie wünsche und habe deshalb auch nie die Hoffnung auf einen neuen Partner und einer männlichen Bezugsperson für die Kinder aufgegeben. Doch es war dann doch schwerer als gedacht, denn in meinem Alter hat jeder bereits ein Päckchen zu tragen – und das ist für andere oft zu schwer. Und ich denke, dass ich mir den perfekten Partner wünschte, den es eben in der Realität nicht gibt.

Seit einiger Zeit habe ich aber nun wieder einen Partner, er hat zwei Kinder mit zwei unterschiedlichen Frauen. Wir hatten keine sanfte Gewöhnungszeit aneinander, denn alles fing zu Beginn der Corona-Pandemie an. Mein Partner infizierte sich ganz zu Beginn, wurde dann auch noch arbeitslos, weil sein Betrieb aufgrund der Corona-Wirtschaftskrise dicht machen musste. Und dann auch noch der Lockdown. Ihr seht, wir wurden also gleich ins kalte Wasser miteinander geworfen.

Zu Beginn haben wir viele Fehler gemacht

Wir haben damals viele Fehler gemacht, haben von uns und auch von den Kindern zu viel erwartet. Es gab Tränen, Enttäuschungen und auch Gebrüll. Da habe ich gemerkt, dass es wirklich eine Herausforderung ist, eine gute Patchworkfamilie zu leben, also habe ich mir Hilfe bei der Familienberatung gesucht. Die Gespräche dort haben mir sehr geholfen, weil ich dort auch gelernt habe, meine Rolle in diesem neuen Familienkonstrukt zu begreifen.

Wir sind mittlerweile zusammen gezogen, was für uns alle sehr aufregend und auch ein bisschen angsteinflößend ist. Schon einmal haben die Kinder und ich unser Zuhause verloren, weil eine Beziehung zerbrochen ist. Diese Erfahrung steckt uns noch in den Knochen.

Was wir wirklich gut hinkriegen: Mein Partner und ich können sehr gut miteinander reden, wir sprechen alles an. Wir wissen beide, dass Kritik und auch mal ein lautes Wort uns als Paar nicht in Frage stellt. Das ist manchmal nicht einfach, aber sehr hilfreich. 

Ich nehme Hilfe an

Ich habe für mich entschieden, jede Hilfe anzunehmen, die mir bzw. uns hilft, ein gutes Familienleben hinzubekommen. Ich habe zwei sehr wichtige Dinge gelernt: 

1. Die Kinder und mein Partner sind nie gegen mich, sondern immer für sich. 
2. Der richtige Moment ist immer jetzt.

Die wichtigste Person ist immer die, mit der ich gerade meine Zeit verbringe. Ich versuche allem mit Liebe und Verständnis zu begeben. Jeder darf seine Gefühle zulassen. Ohne Wertung. Ich glaube fest daran, dass das ein guter Weg ist, damit so viele unterschiedliche Menschen glücklich werden.

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