Alleinerziehende Mama: Bemitleidet uns nicht, macht uns lieber Mut!

Mutter und Tocher

Foto: pixabay

Ihr Lieben, Denise hat zwar etwas gebraucht, um sich daran zu gewönen, dass ihr Kind nach der Trennung nicht mehr rund um die Uhr bei ihr war, sondern auch Papa-Wochenenden und sogar Papa-Urlaube hatte. Aber mittlerweile kann sie diese Zeiten auch richtig genießen. Sie sagt, sie brauche als Alleinerziehende kein Mitleid. Eher Zuspruch und Lob.

Liebe Denise, du bist seit vier Jahren alleinerziehend, gibt es etwas, das du aktuell im Alltag mit deinen Kindern vermisst?

Ja, ich bin seit vier Jahren alleinerziehend und das Einzige was ich vermisse, ist, dass ich nicht immer so flexibel bin (vor allem abends) wie andere, wo der Papa den Babysitter spielen kann. Aber meine Freund*innen wissen das und berücksichtigen es bzw. wir treffen uns dann einfach bei mir.

Als ihr frisch getrennt wart, welche Sorgen waren da die präsentesten bei dir? Dass die von dir erträumte Zukunft erstmal so nicht stattfinden wird?

Als wir frisch getrennt waren, war meine größte Sorge, dass ich es finanziell nicht schaffe. Ich hatte Gott sei Dank immer Leute im Rücken, die mir ausgeholfen hätten. Aber ich habe es nie gebraucht. Ich habe hier und da ein wenig auf eigene Bedürfnisse verzichtet (Shoppen, Friseur), damit ich zumindest einmal im Jahr in den Urlaub fahren kann. 

Wie fühltest du dich dann, als dein Kind die ersten Male ohne dich beim Papa war? Kannst du das beschreiben?

Die ersten Male ohne Kind waren ganz komisch. Obwohl sie auch vorher schon woanders übernachtet hatte oder in den Ferien mal bei Oma war, war DAS nochmal was ganz Anderes.

Mein Gefühl war immer (und das ist es auch heute noch manchmal), dass der Papa versucht, sie zu beeinflussen, so dass sie irgendwann lieber bei ihm ist als bei mir. Wir haben zwei Jahre lang das „Modell“ gefahren, dass unsere Tochter nur alle zwei Wochen für eine Nacht beim Papa war. Solange brauchte ich einfach, mich daran zu gewöhnen.

Habt ihr ähnliche Erziehungsstile oder gab es da auch schon mal das ein oder andere Ärgernis wegen zu vieler Süßigkeiten oder zu langer Medienzeiten?

Die Erziehung liegt – denke ich – zu 80% bei mir. Es gibt ein gewisses „Grundgerüst“, das auch beim Papa eingehalten werden soll, aber prinzipiell mische ich mich nicht ein, wie er es in seinem Zuhause handhabt.

Da kommt es manchmal zu Aufregern, aber in der Regel sind die Situationen schnell und unkompliziert besprochen. Es gibt jedoch auch Dinge, die ich einfach gar nicht anspreche, manchmal auch um mir unnötigen Stress zu ersparen.

Konntet ihr den Schmerz der Trennung von der gemeinsamen Verantwortung fürs Kind trennen?

Den Schmerz der Trennung haben wir beide immer fern von unserer Tochter gehalten. Wir haben von der Trennung bis heute immer einen freundschaftlichen Umgang zueinander gepflegt, kein schlechtes Wort über den anderen verloren und in den ersten beiden Trennungsjahren sogar noch den Kindergeburtstag und Heiligabend zusammen verbracht.

Unsere Tochter sollte und soll immer das Gefühl haben, dass wir trotzdem eine Familie sind, nur eben nicht mehr zusammen. Sie soll nie in die Not kommen, sich für einen von beiden entscheiden zu müssen (z.B. wer ist bei der Abschlussfeier dabei, etc.).

Ab wann konntest du die Zeiten ohne dein Kind auch genießen?

Genießen konnte ich die erste Zeit ohne Kind gar nicht richtig. Hätte ich meine beste Freundin nicht, wäre ich so manches Mal wirklich einsam gewesen. Ich denke, so gute zwei Jahre hat das gedauert. Tatsächlich habe ich durch Corona und die Mehrbelastung durch Job und Homeschooling gelernt, meine freien Tage zu genießen. Mittlerweile freue ich mich auch darauf, mal „kindfrei“ zu sein und einfach machen zu können was ich möchte. Und ich genieße es auch mittlerweile, mal ganz alleine zu sein, so ohne Verabredung etc.

Wie hast du die Zeit für dich gestaltet?

Wenn mein Kind jetzt beim Papa ist, mache ich das, worauf ich Lust habe. Ich gehe Shoppen, ins Kino, mache Sport, treffe meine Freund*innen. Meistens sind die Wochenenden schon im Voraus gut verplant.

Wie war das dann, als dein Kind auch mal für zwei Wochen in den Ferien beim Papa war? Ich stell mir das gar nicht so leicht vor…

Die ersten Male Ferien beim Papa waren schrecklich lang und ich habe in dieser Zeit meistens mehr gearbeitet, um mich abzulenken. Wir verabreden uns aber immer zum Telefonieren, so ist’s für uns beide nicht so lang 😉 Und mittlerweile ist es so, wie bei allen Kindern: wenn man nix hört, dann haben sie ne gute Zeit 😉

Was würdest du anderen Alleinerziehenden mit auf den Weg geben wollen? Was hätte dir damals Mut gemacht?

Anderen Alleinerziehenden würde ich mitgeben: – Alles ist machbar und schaffbar! – Wenn jemand seine Hilfe/Unterstützung anbietet, nimm sie an! – Nimm dir solange Zeit wie du brauchst, um die vergangene Liebe zu betrauern! – Auch wenn es manchmal schwer fällt: Versuche zum Ex-Partner*in immer ein freundschaftliches Verhältnis zu wahren, es geht nicht mehr um euch, sondern immer und ausschließlich um das Kind/die Kinder.

Mir oder auch anderen würde es vielleicht etwas mehr Mut machen, wenn man uns Alleinerziehende nicht bemitleidet, sondern uns bestärkt und ermutigt und vielleicht auch mal lobt. Die Gesellschaft sollte sich mittlerweile einfach daran gewöhnen, dass es verschiedenste Familienmodelle gibt. Wenn die Beteiligten in diesen Familien gesund, gut und glücklich leben, dann sollte man dies auch nicht in Frage stellen.

Wenn mir jemand sagt, dass ich das alleine schon alles ganz gut mache, dann ist das ein riesen Geschenk und eine Bestätigung für mich, dass ich die Selbstzweifel ab und zu auch mal gehen lassen kann. 

…Übrigens ein Sat, den Mütter und auch Väter generell öfter hören sollten!

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8 comments

  1. @Chris

    Dem stimme ich vollumfänglich zu. Finde es erbärmlich, wie Väter als Babysitter bezeichnet werden und in einer Trennung null emotional berücksichtigt werden.

    1. Ja, mich erstaunt auch dass in den Kommentaren zum Beitrag über den Mental Load moniert wird, wie wenig sich Väter einbringen und die Arbeitslast der Frauen sehen. Und auf der anderen Seite bleibt der große Aufschrei aus, wenn eine Frau ganz selbstverständlich die meiste Zeit das Kind bei sich haben möchte und den Vater gerne nur zur zeitweisen Unterstützung als Babysitter nutzen will. Das passt doch nicht zusammen und bei dieser Einstellung zur Rollenverteilung braucht man sich über Schieflagen beim Mental Load die der Gender Pay Gap auch nicht zu wundern.

  2. Ich bin auch alleinerziehend und möchte auch kein Mitleid und auch keine Bewunderung wie ich das alles schaffe.
    Ich mache einen Job, der mir keinen Spaß macht, tatsächlich um alle Ferien und Brückentage abzudecken… neulich wurde mir dann etwas vorwurfsvoll gesagt „du bist also so richtig alleinerziehend“ Ja. Das bin ich wohl und habe es mir nicht ausgesucht, aber es läuft.
    Trotzdem ärgern mich Dinge, die ich einfach unfair finde, zB einen Coronabonus der vom Unterhalt abgezogen wird, alle „Bonuse“ die beiden Elternteilen zustehen.
    Und das Alleinerziehende sooo wenig Anerkennung bekommen und man sich ständig schlecht fühlt, wegen zu vielen Kindkranktagen oder sich diese nicht zu nehmen, weil man schon so viel gefehlt hat und dann ständig auf den Anruf wartet, dass das Kind abgeholt werden muss. Ich würde keine Alleinerziehende einstellen. Traurig, aber wahr.
    Eine Kur alleinerziehenden auch nur noch alle 4 Jahre zusteht und solche Dinge.. Das ist nicht gerecht, alleine muss man mehr leisten und mehr kämpfen.

    1. Ich muss noch ergänzen. Oder dieser Status so verrückt ist, ich lebe nicht vom Staat, verdiene genügend selbst, aber keiner glaubt das, außer der Staat..
      Bei der Wohnungssuche oder ähnliches hat man alleinerziehend einfach noch weniger Chancen.
      Dabei verdiene ich genügend, habe hier ein Netzwerk, Schule, Kita, Arbeit… wäre eine lange Mieterin, aber das interessiert nicht, wo ist das Vertrauen, alleinerziehend Dinge wippen zu können.

  3. Ich könnte mich über solche Aussagen so sehr aufregen:
    „Ja, ich bin seit vier Jahren alleinerziehend und das Einzige was ich vermisse, ist, dass ich nicht immer so flexibel bin (vor allem abends) wie andere, wo der Papa den Babysitter spielen kann.“

    Ständig werden Väter als „Babysitter“ bezeichnet! Nein! Ein Vater hat die gleiche Rolle, wie eine Mutter!
    Im Artikel schreibt die Mutter, dass sie sich nicht vom Kind „trennen“ kann:
    „Wir haben zwei Jahre lang das „Modell“ gefahren, dass unsere Tochter nur alle zwei Wochen für eine Nacht beim Papa war. Solange brauchte ich einfach, mich daran zu gewöhnen.“ aber der Vater kann direkt aufs Kind verzichten- ach, stimmt, er ist ja nur der Babysitter…

  4. Echten Alleinerziehenden gebührt meine volle Anerkennung. Alles alleine wuppen, die gesamte Verantwortung allein tragen – da möchte ich nicht tauschen. Aber bemitleiden tue ich diese Muttis nicht, eher für ihre unglaubliche Kraft bewundern. Die wirklich wenigstens sind doch aber alleinerziehend, meist wird das „Teilmodell“ gefahren bei denen die Kinder an den Wochenenden und in den Ferien regelmäßig beim Papa sind. Und diese Muttis wiederum beneide ich im Stillen, weil sie mal Pause haben, die Akkus aufladen können und ihre eigenen Bedürfnisse zumindest zeitweise in den Vordergrund stellen können.

  5. Ich wünsche Denise alles Gute und es hört sich ja auch so an als würde sie das Ganze ja auch richtig gut hinbekommen! Jetzt aber trotzdem das ABER:
    – Wenn Alleinerziehende nicht nur bemitleidet werden wollen, dann sollten sie nicht ständig nur betonen, wie schrecklich schwer ihr Schicksal ist. Und dass man sie doch unterstützen muss. Doch, das tun viele zumindest in meiner Wahrnehmung sehr!

    – Es sollten sich nur Menschen als Alleinerziehend bezeichnen, die es auch sind. Mein Ex-Mann hat die Kinder alle 14 Tage am Wochenende, jeden Donnerstagnachmittag und die Hälfte aller Ferien. Außerdem übernimmt er Zahnarzt und einige Elterngespräche in Schule/Kiga. Da kann ich mich doch nicht als alleinerziehend bezeichnen! Und auch das erlebe ich sehr regelmäßig (auch hier im Artikel ).

    1. Jein. Sie sagt nicht das sie es schwerer hat!? Das wird von außen unterstellt ( Mitleid= bedauern für eine nachteilige/ schlechtere Situation). Sie sagt sogar ALLE Mütter sollten ermutigt werden, dem stehen nur leider einzelne keifende “ Frauen“ selbst aktiv im Weg. Schade.
      Ich selbst erzähle es garnicht mehr; weil dann die Ehefrauen gern erzählen wie schlimm sie es haben von wegen alles alleine machen trotz Partner… Die Lamentierer braucht keine/r.

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