Als Alleinerziehende geht es mir besser als in der Partnerschaft

Besser fühlen nach Trennung

Foto: pixabay

Ihr Lieben, natürlich ist nicht alles rosig nach einer Trennung, Tanja hat aber ihr Leben in die Hand genommen und sagt trotz der fehlenden Routinen und der ab und zu auch einsamen Wochenenden: „Mir geht es so besser als vor der Trennung.“ Und natürlich könnte vieles noch besser sein… aber eben auch schlechter. Eine wunderbare Einstellung, zu der wir gern mehr erfahren wollten.

Liebe Tanja, du bist 39, Mama von zwei Kindern und seit knapp drei Jahren vom Vater der Kinder getrennt. Wie geht es dir derzeit so alleinerziehend?

Ich würde mal sagen, ich mache das Beste daraus. Mir persönlich geht es viel besser als damals in der Beziehung. Corona ist nun natürlich eine Sache, mit der keiner gerechnet hat und die alles durcheinanderwirft. Ich war mit der Orga des Alltags in den letzten Monaten wirklich oft am Anschlag und kann mir im Rückblick manchmal gar nicht mehr erklären, wie wir das hinbekommen haben. Aber es ging. 🙂

Du sagst, wenn es um Ein-Elter-Familien geht, liest man recht häufig von Geldsorgen, Stress und Nöten. Hast du die denn gar nicht?

Doch, natürlich habe ich solche Sorgen auch. Ich bin in der glücklichen Situation, beide Male nach nur einem Jahr Elternzeit wieder angefangen zu haben zu arbeiten, so dass ich nie wirklich „raus“ war aus dem Berufsleben. Dank meines tollen Arbeitgebers hatte ich die Möglichkeit, nach der Trennung sehr kurzfristig meine Arbeitszeit zu erhöhen, damit mehr Geld reinkommt. Dennoch habe ich finanziell natürlich eine andere Ausgangssituation als Zwei-Eltern-Familien.

Wir leben das Wechselmodell, der Vater zahlt keinen Unterhalt. Gewisse Dinge kann ich meinen Kindern einfach nicht ermöglichen, wie zum Beispiel Ballettunterricht für 80€ pro Monat oder teuren Tennisunterricht. Das ist oft schwierig, wenn alle in der Umgebung solche Hobbies ohne Probleme finanzieren und nicht nachvollziehen können, warum das bei uns nicht geht. Aber das sind in meinen Augen Luxusprobleme, wir haben ein schönes Zuhause und können ab und zu eine Woche in den Urlaub fahren. Wenn alle Stricke reißen, springen auch meine Eltern finanziell ein, dafür bin ich sehr dankbar.

Dann lass uns mal über andere Themen sprechen, die Alleinerziehende eben auch betreffen, wie geht es dir zum Beispiel bei Einladungen, bei denen du die einzige ohne „intakte“ Familie bist.

Ich bin inzwischen seit drei Jahren getrennt. In der Anfangszeit haben viele Leute, als sie von der Trennung erfahren haben, Unterstützung angeboten und ab und zu gefragt, ob wir Lust auf gemeinsame Unternehmungen hätten. Aber schon nach wenigen Monaten hat sich die Spreu vom Weizen getrennt. Die Einladungen wurden weniger, vor allem, wenn Familienaktivitäten stattfanden, wo eben lauter „komplette“ Familien dabei waren, gern mit der „klassischen“ Rollenverteilung. Da passt es für viele nicht, wenn wir ohne Papa dabei sind, warum auch immer, das kann ich nicht nachvollziehen. Oft war es auch so, dass genau diese Mütter sich oft wochentags auf einen Kaffee getroffen haben, zu Zeiten, zu denen ich immer arbeite. Solche Vormittagstreffen muss ich natürlich immer absagen, wofür wenig Verständnis da war.

Natürlich habe ich auch immer selbst andere Familien gefragt, ob sie Lust hätten mit uns Ausflüge zu machen, mal an den See, in den Zoo oder in die Berge zu fahren. Wir sind nämlich viel und gern unterwegs, und ab und zu ist es einfach lustiger und schöner, wenn viele Leute dabei sind. Bei vielen kamen dann Ausreden („Total gern, aber gerade dieses Wochenende geht es nicht“) – und im Nachhinein habe ich dann erfahren, dass sie gemeinsam mit einer anderen befreundeten Familie unterwegs waren. Sowas tut einfach unglaublich weh, sowohl mit als auch den Kindern. Ich zweifle dann an mir, suche den Fehler bei mir, und versuche gleichzeitig, solche Sachen von den Kindern fern zu halten. Das ist natürlich mit zunehmendem Alter der Kinder schwieriger, sie hinterfragen viel und ich muss dann Erklärungen finden. 

Haben sich deine Freundschaften durch die neue Familiensituation verändert?

Ja, definitiv. Zum einen sind einige Freundschaften einfach zerbrochen, durch solche Erlebnisse, wie ich sie oben beschrieben habe. Mit anderen habe ich mich zum Teil auseinandergelebt, ohne dass es einen konkreten Vorfall gab. Die Welten waren einfach irgendwann zu unterschiedlich. Das ist in Ordnung, so ist es manchmal, und ich habe momentan nicht die Energie, solche Kontakte zu erhalten, wenn von der anderen Person nichts kommt.

Auf der anderen Seite habe ich eine Hand voll Freundinnen, auf die ich mich 200%ig verlassen kann. Das war schon früher so, und es hat sich in den letzten drei Jahren nochmal verstärkt. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Ich weiß, dass ich mich jederzeit melden kann. Eine Freundin saß mit mir bis 4 Uhr morgens auf dem Sofa und hat mich aufgebaut, als es mir mal überhaupt nicht gut ging. Ich bin dann schlafen gegangen, und sie ist zu ihrer Frühschicht gefahren, von der ich die ganze Nacht nichts wusste!

Hast du das Gefühl, mehr beäugt zu werden? Ob du das auch wirklich hinkriegst mit der Erziehung? Ob du evtl. sogar eine „Gefahr“ für die Ehemänner der anderen sein könntest?

Ja, beäugt wird man in unserer Situation sicherlich. Gerade, weil wir Exoten in unserem Umfeld sind. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass jemand meine Erziehungskompetenz anzweifelt. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Kinder ja jede zweite Woche bei ihrem Vater leben, und ich dadurch nicht zu 100% immer für alles verantwortlich bin. In der kinderfreien Zeit lebe ich dann quasi ein Singleleben und habe in den Augen der anderen „frei“ (eigentlich arbeite ich in dieser Zeit natürlich entsprechend mehr, da ich meine 40 Wochenstunden in den Kinderwochen nicht schaffe). D.h. ich werde eher dahingehend beäugt, dass ich die Zeit natürlich auch zum Ausgehen und für Verabredungen (und auch Dates) nutze, weil ich in der jeweils anderen Woche keinerlei Zeit nur für mich habe. Diese Extreme können viele schwer nachvollziehen.

Als „Gefahr“ für die Ehemänner der anderen werde ich glaube ich nicht gesehen, zumindest nicht im Freundes- oder Bekanntenkreis. Sowas passiert dann eher im Urlaub, dass die Mama den Papa vom Spielplatz wegzitiert, wenn er sich einen Moment zu lang mit mir unterhalten hat…

Wie geht es dir mit dem Alleinsein an kinderfreien Wochenenden?

Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal genieße ich es, einfach mal auszuschlafen oder einen Sonntag lang „nichts“ zu tun. Ich nutze diese Zeit auch viel für Sport, zum Ausgehen, zum Treffen mit kinderlosen Freunden usw.  Aber natürlich auch, um Wäsche zu waschen, zu putzen und so weiter. Einfach querbeet alles, wofür sonst keine Zeit ist.

Oft gibt es aber auch Wochenenden, an denen ich mich unglaublich allein fühle. Dann höre ich die Nachbarskinder draußen spielen und vermisse meine Kinder sehr. Und auch ein Partner fehlt mir dann.  

Im Grunde fehlt mir oft eine gewisse Stabilität in meinem Leben, ich schwanke zwischen einer Woche Vollzeitmama plus Vollzeitjob und dadurch keine Minute für mich und einer Woche Singleleben und relativ vielen Freiheiten für „Erwachsenendinge“. Das fällt mir auch nach all der Zeit noch sehr schwer und entspricht eigentlich nicht meinem Naturell, ich brauche eigentlich mehr Routine. Dadurch fällt es mir oft schwer zur Ruhe zu kommen.

Mit wem teilst du abends deine Alltagssorgen. Mit wem besprichst du schwierigere Entscheidungen? Wer nimmt dich mal in den Arm?

Ich habe eine sehr gute Freundin, mit der ich wirklich über alles sprechen kann, die immer ein offenes Ohr hat, mich in den Arm nimmt, wenn ich das brauche. Entscheidungen, die die Kinder betreffen, treffe ich auch trotz der Trennung mit dem Vater zusammen.

Was bräuchten Alleinerziehende noch viel mehr an Unterstützung?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, es gibt so viele Dinge, bei denen es Alleinerziehenden unnötig schwer gemacht wird. In finanzieller und steuerlicher Hinsicht müssen Alleinerziehende die gleichen Steuervorteile erhalten wie Verheiratete. Ich zahle fast so viele Steuern wie ein Single, das ist hochgradig ungerecht.

Bei vielen Freizeitaktivitäten gibt es Familientickets, die aber nur Zwei-Eltern-Familien finanziell unterstützen. Ich zahle für einen Schwimmbadeintritt in einigen Bädern fast so viel wie eine Familie mit zwei Elternteilen und zwei Kindern. Das ist nicht logisch und sehr unfair. 

Du hast jetzt drei Jahre Erfahrung als Alleinerziehende. Was würdest du wieder so machen? Und was nicht?

Ich würde nicht viel anders machen. Wahrscheinlich würde ich schneller aktiv werden, um mein neues Leben zu organisieren. Ich habe anfangs vor Angst vor der Zukunft den Kopf in den Sand gestreckt.

Hast du noch einen Mutmacher für alle in ähnlichen Lagen?

Mein Tipp an alle, egal ob in glücklichen oder unglücklichen Beziehungen: Macht euch nicht von einem Mann abhängig. Weder finanziell noch sonst wie. Sorgt dafür, dass ihr auch alleine klarkommen würdet!

Du magst vielleicht auch


Mehr zum Thema





6 comments

  1. Von Geburt an 100% alleinerziehend. Heute ist meine Tochter 4 und hat vor 2 Monaten ihren Vater kennen gelernt. Es gibt bei uns noch kein System bezüglich der Besuchsintervalle und Zeiten. Die beiden sind in der Kennenlernphase. Ich hoffe, dass ich eines Tages ein Wochenende für mich habe, mal sehen, ob ich mich dann einsam fühle. 🙂
    Aber bis dahin sehe ich es eher positiv und genieße die Zeit mit meiner Tochter.
    Das leidige Thema mit den Freunden und dass man nicht als die klassische Familie gesehen wird, so wie die Steuern, Tickets im Schwimmbad etc. sehe ich genauso.
    Dennoch bin ich froh, dass ich es bis hierher geschafft habe und die finanzielle Unabhängigkeit, ja, die ist wirklich so wichtig und fühlt sich so gut an !

  2. Ich kann allen „Gertrennterziehenden“ und erst Recht den „Alleinerziehenden“ nur meinen vollen Respekt aussprechen. Jede Sorge, jede Entscheidung und auch jede Elternfreude alleine zu tragen, stelle ich mir richtig schwer vor. Ich habe eine Freundin, die auch „getrennterziehend“ im Wechselmodell ist. Der Vater der Kinder verdient ebenso deutlich mehr und sie arbeitet weiterhin in Teilzeit. Trotzdem bekommt sie für die Kinder Unterhalt, der von der Anwältlin festgelegt/ausgehandelt wurde. Laut Anwätlin meiner Freundin steht ihr dieser Unterhalt zu- trotz Wechselmodell.

  3. Warum zahlt der Vater nicht den Balletunterricht oder das Tennis, wenn er wesentlich mehr verdient? So was verstehe ich nicht. „Kinder, Ballett und Tennis als Hobbys würden euch in eurer Entwicklung fördern und ich könnte es auch bezahlen, aber weil eure Mutter arm ist, deswegen geht es nicht.“ Das ist doch bescheuert.

    Dass sich viele Freunde abwenden, verstehe ich auch nicht. Ob man Spaß im Zoo hat, ist doch nicht davon abhängig, ob alle teilnehmenden Familien aus Vater, Mutter, Kind bestehen. Merkwürdig.

  4. Interessantes Interview!

    Nur eins finde ich seltsam: Dass Tanja sich hier als alleinerziehend bezeichnet.

    Wir leben auch das Wechselmodell, und ich verwende den Begriff gerade NICHT für mich, weil ich ja eben nicht allein meine Kinder versorge und erziehe, sondern jemand diese Aufgabe zur Hälfte mit mir teilt!
    (Und zwar viel mehr als vorher, als der Papa zwar mit mir zusammen in der klassischen Familie war, sich aber praktisch für nichts zuständig fühlte…)

    Ich verwende für uns mit Wechselmodell den Begriff „getrennterziehend“ und finde das wesentlich treffender.

    Die positiven Seiten, die Tanja darstellt, kann ich genauso unterschreiben.

    Aber als wirklich alleinerziehendes Elternteil hat man all das genau nicht: Keinen Ex-Partner, der sich genauso zuständig fühlt im Alltag, keine „Single-Wochen“, in denen man seine Stunden für die Vollzeitstelle nachholen kann oder ausschlafen am Wochenende oder nicht zuständig ist für die Fahrten zum Fußballtraining oder oder oder.

    Alleinerziehende wuppen das alles non stop, und das sorgt dann auch noch für ein geringeres Einkommen wegen Zeitmangels – oder man muss doppelt und dreifach schuften…

    Insofern empfinde ich meine Situation im Wechselmodell als sehr privilegiert und hatte nach dem Interview den Eindruck, dass es der Autorin auch so geht – und bin deshalb dafür, den Begriff alleinerziehend bei den Elternteilen zu lassen, die wirklich (überwiegend) allein zuständig sind.

    Tanja und den Kindern wünsche ich alles Gute!

    1. Ich bin 100% alleinerziehend, d.h. das Kind ist nie beim Papa. Das Gefühl der Einsamkeit kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass manche Freundschaften sich auseinander gelebt haben mangels Verständnis für meine Situation und dass sich Zwei-Eltern-Familien am Wochenende nicht gern mit mir und meinem Sohn treffen. Warum das wohl so ist?? Mich bedrückt das auch. Ich bin zwar nie allein, weil ich entweder arbeite, oder mein Kind betreue, aber einsam bin ich dennoch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.