Mutige, motivierende Mama: Petra schreibt ein Buch auf Bali – über Burnout als Mutter

petra hamacher

Liebe Petra, Du bist alleinerziehende Mutter eines Kindes, dein Chef hat dir grad gekündigt und du strahlst den ganzen Tag. Erzähl mal, wie es dazu kommt. Was hast Du vor?

Hallo Ihr Lieben, ich freue mich wie Bolle auf eurem Blog zu Gast zu sein! Vielen Dank dafür! Zunächst eine kleine Anmerkung: die Kündigung passierte einvernehmlich. Nicht, dass hier jemand etwas Falsches denkt!

Und das kam so: Im November 2016 war ich sehr unzufrieden mit meinem Leben. Ich hatte das Gefühl, dass ich das gesamte Jahr irgendwie nur so vor mich hin gelebt habe. Es ist schön, wenn nichts Aufregendes passiert – gerade als Eltern mag man ja keine Katastrophen – und die schönen Momente überwogen auch. Dennoch fühlte ich, irgendwie vermisst du was.

Wie ging es wieter?

Ich startete eine Umfrage unter einigen Freunden (das kann ich jedem nur empfehlen): Wenn Du mich ansiehst, oder mir einen Job geben müsstest, was wäre das? Die Antworten waren unfassbar ehrlich, aussagekräftig und ja, auch passend! Das Fazit habe ich in einfache Sätze zusammengefasst: „Ich sehe Dich mit Menschen“, „für mich bist Du immer die, die schreibt“, „Du solltest all Deine Erlebnisse mal aufschreiben“, „mach etwas Soziales“. BANG! Das saß!

So kam es nach langen Überlegungen, dass ich mich dazu entschloss, ein Buch zu schreiben. Das Thema war auch schnell klar: Über Selbstfindung einer Mutter, die unter Burnout und depressiven Phasen leidet bzw. litt – also zum großen Teil über mich.

Dein Projekt heißt „Ein Buch auf Bali“. Wieso?

Zeitgleich zu meiner Buchidee wusste ich für mich, ich kann und möchte dieses Buch nicht zwischen Haushalt, Arbeit und Kind schreiben. Jeder, der schon mal als Autor gearbeitet hat, weiß, das ist unglaublich anstrengend! Gerade, wenn das Thema so sensibel ist, muss man sich darauf konzentrieren und mit Abstand darüber schreiben können. Sonst wird der Schreibprozess schnell zur psychischen Falle. Davor hatte ich jedenfalls Angst!

Gesagt getan! Nun ging es an die Realisierung des Projektes und erste Fragen stellten sich ein. Wie finanziert man so etwas? Was brauche ich, um das Projekt bekannt zu machen? Worauf muss ich mit Kind achten? Gerade mit Kind kann ich ja nicht einfach alle Zelte abbrechen und aus dem Land fliehen.

Entschluss Crowdfunding

So gestaltete ich mir einen Ablaufplan vom Aufbau der Website, über ein wunderschönes (finde ich) Logo und Fotos bis hin zu einem Podcast. Und das aller aller Wichtigste, ich habe ein Crowdfunding Projekt daraus gemacht! Jeder, der mich unterstützen möchte, kann dies hier ganz freiwillig tun: www.startnext.com/ein-buch-auf-bali.de Dort findet ihr auch Informationen und ein Video, warum ich das alles mache und was ich als Dankeschön für die Unterstützung zurückgebe 🙂

logo ein buch auf bali

Wir lieben ja Frauen, die einfach ihr Ding machen. Die nicht mit einem „Es geht halt nicht“ im Kopf zu Hause sitzen und nichts ändern, sondern sagen: Nö, ich erfülle mir jetzt meine Träume. Bätsch. Was war da dein Antrieb?

Warum dieser Weg und warum dieses Thema? Tja also als Betroffene einer ausgewachsenen Schwangerschaftsdepression, einer Wochenbettdepression und auch heutigen depressiven Phasen möchte ich für dieses Thema sensibilisieren, darauf aufmerksam machen, anderen Betroffenen Tipps geben! Und das kann ich aus der Sicht einer Mutter, des Arbeitgebers und Arbeitnehmers – alles durchlebt.

Das ist mein großer Antrieb. Was mich persönlich betrifft, ich möchte dieses Projekt und diese Reise als Abschluss sehen, als Cut, als Neuanfang! Ich bilde mir nicht ein, ich reise nach Bali und bin danach nie wieder von einem Burnout-gefährdet. Ein solches Projekt kann aber enorm positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Und es zeigt der Gesellschaft: Alleinerziehende Mütter können das!

Und wie Du schon sagtest, seit dem Start dieses Projektes grinse ich tatsächlich wie ein Honigkuchenpferd! Es ist genau mein Ding. Mein Herzding!

Hachz. Und worum genau soll es in deinem Buch gehen und warum?

Es ist sooo wichtig, dass wir uns alle bewusster machen, dass Eltern in der heutigen Zeit enorm unter Druck stehen! Sie leben zwischen so vielen Welten und werden zugeschüttet mit Informationen, dass ihnen das Bauchgefühl abhandenkommt. Die Folgen sind gestresste Mütter, die unsicher sind und schon im Wochenbett depressive Phasen durchleben.

Ja, ich weiß auch, dass wir es heute besser haben denn je, in fast allen Lebensbereichen. Aber es ist doch so, früher hat sich ein ganzer Clan um ein Kind mit gekümmert. Heute machen das die meisten Mütter / Väter allein, mehrere Millionen Eltern sogar gänzlich allein. Wenn es dann zu viel wird, wie soll man denn da nicht an sich selbst zweifeln? Leider sehen das Betroffene nicht so klar, sondern stellen sich selbst in Frage. Dann kommen noch Bemerkungen von außen hinzu.

Meine Erfahrungen und auch Berichte von anderen Betroffenen zeigen, dass Familie, Freunde und Arbeitgeber selten Verständnis für solche Situationen aufbringen. Meiner Meinung nach müssen wir innerhalb der Gesellschaft die Auslöser für Depressionen und Burnout minimieren – das können wir aber erst, wenn wir das Krankheitsbild verstehen. Ebenso wichtig ist es, den Betroffenen zur Seite zu stehen. Ehe ich mich in Rage schreibe: DAS will ich mit meinem Buch zeigen!

Wachst Du manchmal auch nachts auf und denkst: Oh ha, jetzt krieg ich langsam Muffensausen vor meiner eigenen Courage?

Lach! Momentan arbeite ich ja noch, also mache ich mein Projekt in den Abendstunden und an den freien Wochenenden. Daher bin ich nachts zu müde, um aufzuwachen. 🙂 Aber natürlich, meine Ängste und Sorgen sind nicht von einem Tag auf den anderen verschwunden. Zwei Wochen vor der Finanzierungsphase beispielsweise wollte ich das Video für das Crowdfunding fertig schneiden. PENG! Ich hatte plötzlich so einen Respekt vor all dem, dass mich Freunde regelrecht motivieren mussten, nicht aufzugeben.

Es ist so toll, dass ich so wahnsinnig viele Unterstützer habe, die neben Spenden oder Retweets auch einfach mal anrufen und sagen: MACH!
Da bricht man vor Rührung auch schon mal in Tränen aus 🙂

Wie schön. Und sag, was sagt eigentlich Dein Kind zu den Planungen?

Mein Sohn ist begeistert! Auch, weil wir den Podcast "Bärti on air" gehört haben. Er hat ja auch schließlich das Reiseziel ausgesucht! Ja, er ist 5, aber wir haben uns Bilder in einem Atlas angeschaut. Dann schwankte er zwischen Thailand und Bali – Hauptsache Palmen und einen Pool 😉 Den Ausschlag gab dann, dass er wahnsinnig gern die Leguane sehen möchte, die es dort gibt!

Aber im Ernst: Wir reden über die Reise. Allerdings weiß ich ja noch nicht, ob das alles so klappt. Daher sprechen wir über unsere „Traumreise“. Dann kann ich seine Erwartungen noch etwas lenken. Hinzu kommt, dass er seit langer Zeit immer wieder mal anmerkt, wie blöd er meine Arbeitszeiten findet, wie wenig Zeit wir miteinander verbringen und wie wenig Zeit er zum einfach mal „spielen“ hat. Ich spüre deutlich, dass es ihm sehr ernst ist. Ich glaube, er wird auch von dieser Auszeit profitieren.

Worauf freust Du Dich am meisten?

Ganz ehrlich? Auf das Meer und den Dschungel! Ich liebe die Bilder von Bali, den Tempeln, den Stränden. Aber auch die Aussicht, abends einfach an dem Buch schreiben zu dürfen, ohne dass ich an den Alltag denken muss, das beflügelt mich! Gänsehaut pur!

Wer Dir bei Twitter oder Facebook folgt, sieht, wie viele Deine Idee toll finden. Was meinst Du, wieso sich so wenige wagen?

Mmmmh, ich denke, wir leben in einer Welt in der wir meinen, wir müssten bestimmten Strukturen folgen: Schule, Ausbildung, Job, Ehe, Kinder, Haus. Und das ein Leben lang. Ich glaube aber, die wenigsten sind damit wirklich glücklich! Unsere Lebensspanne wird immer länger und den Beruf, den ich mit 20 erlernt habe, der kann mir mit 40 schon keinen Spaß mehr machen. Dafür ändert sich doch alles viel zu schnell.

In unseren Köpfen ist aber verankert: Das gehört sich so! Was für ein Blödsinn! Wenn ich unglücklich bin, muss ich etwas ändern. Das mag sich radikal anhören, aber für mich gehören Trennungen im Privaten wie im Berufsleben dazu… Mit diesem Denken gehöre ich aber zu einer seltenen Spezies…

Hast Du ein Motto?

Ja! „Ich habe ein Recht auf ein erfülltes, glückliches Leben und ich bin selbst dafür verantwortlich, dass es so kommt! Was kann im schlimmsten Fall denn schon passieren?“

Das ist so ein Mantra, was ich mir immer mal wieder so durch den Kopf gehen lasse. Mantras sind eh ein wichtiges Thema, aber dazu schreibe ich dann auch noch etwas… 🙂

Danke, dass ihr so einen tollen Blog habt, der auch mal Meinung hat! DANKE für dieses Interview und: Schön, dass ihr alle da seid!

 

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3 comments

  1. Buch auf Bali
    Hallo Petra,

    viel Kraft und viele lichtdurchflutete Momente. Ich bin auch an einem persönlichen Scheideweg und kann dir nur beipflichten. Ich bin selbst Mutter und war knapp 2 Jahre at home…Vertrag lief aus. Nun mache ich nebenbei eine Ausbildung zu Tagesmutter und arbeite seit kurzem als Ausbilderin mit Jugendlichen.
    Ich habe im Kopf jedoch einen anderen Traum, aber das Finanzielle bremst. Sicher auch die Vernunft. Mein Mann ist selbstständig und tut was er kann.
    Ich habe kein direktes Mantra wie du, doch eine ähnliche Denke. Danke für deine tollen Zeilen.

  2. toller Bericht
    Ganz toller Bericht, ganz tolle Frau. Da wünsche ich mir, manchmal auhc einfach mal mutiger zu sein.
    Ich wünsche dir alles gute für dein tolles Projekt und hoffe das du alles so realisieren kannst, wie du dir das vorstellst 🙂

    1. Danke für deine Glückwünsche
      Liebe Denise,
      Danke, dass Du mir Glück wünscht <3 Ich bin gar nicht so mutig!
      Im Gegenteil: Depressive Phasen halten mich auf, durchbrechen oft meinen Plan. Das gehört aber dazu, ich möchte ja zeigen, dass man es trotz allem kann!

      Danke <3