Gedanken zum Rechtsanspruch auf Kitabetreuung ab August… und meine ganz persönliche Kitaplatz-Odysee

kita
Liebe Caro,

ich wollte nochmal eben auf Deinen Kitasuche-Artikel antworten. Bei uns war das ja ein ähnliches Drama.

Erst habe ich über die Arbeit meines Mannes eine Vermittlung in eine Kita in Prenzlauer Berg bekommen, dann waren wir Eltern dort aber so unzufrieden, dass wir heimlich eine eigene Elterninitiative gegründet und einen alten Schleckermarkt umgebaut haben. Dann sind wir samt Erziehern gleichzeitig alle „umgezogen“ in unser neues Projekt. Das war eine heiße Phase, ich sag es Dir. Und dann kam unser Umzug aufs Land und ich stand mit einem Vorschulkind und zwei Über-Dreijährigen (also mit Rechtsanspruch auf Kitaplatz) wieder auf Null.

Die Große durfte dann ausnahmsweise die letzten Wochen vor der Einschulung als Überbelegungskind in die örtliche Kita. Die Zwillinge: bei mir auf den Schoß. Und zwar ohne Herdprämie oder ähnliches. Unser Buch musste fertig geschrieben werden, die neue Heimat erkundet und meine Zwischenprüfung an der Uni absolviert werden – mit zwei Kindern zu Hause. Es gab einfach keine Plätze.

Fünf lange Monate lang standen wir ohne Betreuung da. Bis ich eines Tages das Jugendamt anschrieb und freundlich fragte, wo ich denn jetzt bitteschön die teuren Babysitter-Rechnungen einreichen dürfe, um die Kosten erstattet zu bekommen. Die Mail schickte ich am Vormittag raus. Am Nachmittag gab´s einen Anruf. „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir zwei Plätze für Ihre Söhne haben.“ Ein Schelm, der zewschen Mail und Telefonat einen Zusammenhang erahnt…

Nun, die Plätze nahmen wir, die Kita ist wirklich ein Traum, aber sie ist eben auch weit weg. Ich fahre morgens elf Kilometer hin, dann wieder elf Kilometer zurück an den Schreibtisch, dann wieder elf hin zum Abholen und mit allen an Bord abermals elf Kilometer zurück. Das macht allein 44 Kilometer pro Tag für die Kitatouren, das kostet nicht nur Benzin-Geld, sondern eben auch Zeit! Und die Schulfahrten für meine Tochter sind da noch nicht eingerechnet.

Was ich sagen will: Erstens ist es nicht nur in den Großstädten so schlimm und zweitens: Wenn jetzt ab 1. August der Rechtsanspruch auf den Kitaplatz auch für Unter-Dreijährige in Kraft tritt, dann drücke ich Deutschland wirklich die Daumen. Denn wenn dann erst einmal alle Lücken in der Betreuung gestopft sind, dann werden die Wartelisten ellenlang werden. Und zwar nicht die Wartelisten der Kindergärten… sondern die der Burnout-Kliniken, die sich vor überstressten Jugendamtsmitarbeitern nicht mehr retten können…


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1 comment

  1. Kita?
    Tja, auf dem Land ist das so ne Sache… Immerhin haben wir in unserem Dorf eine Kleinkindgruppe ab 1 Jahr. Ich hatte Glück und habe beide Kinder dort unterbringen können. Aber die Öffnungszeiten von halb acht bis halb zwei sind so, dass es eigentlich fast nicht lohnt, einen Job anzunehmen, zumal man hier auch in größere Städte mindestens ne halbe Stunde fährt. Nachmittagsbetreuung, warmes Mittagessen im Kindergarten etc. Fehlanzeige und von der Schulzeit mag ich gar nicht erst anfangen, denn da wird alles noch schlimmer!!!