Mein Sohn war sieben Mal in Quarantäne – was das mit einem Kind macht

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Ihr Lieben, ab dem 1. Mai soll die Isolation bei einer Corona-Infektion nur noch freiwillig sein – das verkündete der Bundesgesundheitsminister vorgestern. In anderen Ländern (z.B. England) ist das schon seit Monaten so und dennoch kam die Nachricht für mich überraschend. Viele von euch waren in den letzten zwei Jahren immer wieder in Isolation oder Quarantäne, für die meisten waren das sehr, sehr anstrengende Wochen. Wir haben die Meldung der neuen Isolationsregeln auch auf unserer Facebook-Seite geteilt, eure Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Von „Endlich, das wurde ja auch Zeit“ bis hin zu „Aha, jetzt kann also jeder Positive seine Viren im Supermarkt verteilen“ war alles dabei.

Nur einen Tag nach der Verkündung der freiwilligen Quarantäne/Isolation folgte dann die Rolle rückwärts. „Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Coronainfektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen“, schrieb Lauterbach auf Twitter. „Hier habe ich einen Fehler gemacht. Das entlastet zwar die Gesundheitsämter. Aber das Signal ist falsch und schädlich.

Bleibt also doch alles beim Alten? Birgits Sohn war sieben (!) Mal in Quarantäne und hat psychisch sehr darunter gelitten. Sie erzählt uns heute von dieser schweren Zeit.

Liebe Birgit, seit Beginn der Pandemie war dein sechsjähriger Sohn siebenmal in Quarantäne. Wann und wie lange war das jeweils?

Wir waren 14 Tage im Oktober 2020, Januar 2021 14 Tage, Ende Februar 14 Tage. 5 Tage wieder frei und dann gleich im Anschluss Anfang März wieder 14 Tage. Juli 2021 10 Tage, Ende September 10 Tage. Ende Januar 2022 nochmals 10 Tage. Im Januar 2022 war er selbst positiv. Vermutlich angesteckt von einem Kita-Kind, da wir weitere Fälle dort hatten. Die 6 Quarantänen davor waren alle vorsorglich aufgrund eines Kontakts mit einem positiven Kind in der Kita. 

Im Januar ist er ja dann selbst infiziert gewesen. Wie ging es ihm?

Gesundheitlich ging es ihm sehr gut. Er hatte keinerlei Symptome. Auch psychisch war er diesmal einigermaßen stabil. Er war froh positiv zu sein und meinte „Jetzt ist es endlich vorbei mit den Quarantänen. Danach muss ich nie mehr in Quarantäne“.

Wie habt ihr die wochenlangen Quarantänen überstanden?

Die Quarantänen waren sehr schwierig. Ich bin alleinerziehend und Vollzeit berufstätig. Das erste Mal habe ich versucht, noch zu arbeiten. Aber da ich gemerkt habe, dass es kaum möglich ist, habe ich Kindskrankmeldungen aufgrund der Epidemie eingereicht und es in Kauf genommen, weniger Geld zu verdienen. Mein Sohn brauchte mich einfach, das ging für mich vor.

Wir leben in einer 4-Zimmer-Wohnung im 2. OG mit Balkon. Auf den Balkon habe ich eine Sandel-Matschküche eingerichtet, damit er etwas an der Luft ist. Wir haben viele Seifenblasenspiele gespielt, also: Welche fliegt am höchsten, am weitesten.

Das alles ersetzt natürlich keine Tobezeit auf dem Spielplatz. Mein Sohn hat einen sehr hohen Bewegungsdrang. Er ist normalerweise jeden Tag draußen, geht 2x in der Woche noch ins Fußball und 1x in den Schwimmkurs. Dass mein Sohn sich nicht ordentlich austoben und bewegen konnte, war ein großes Problem in der Quarantäne.

Ich habe mir dann verschiedene Spiele ausgedacht: z.B. 10 Luftballons aufgeblasen und keiner durfte den Boden berühren. Liegestützen und Seilspringen geübt. Spielerisch englische Wörter in den Alltag eingebaut und man musste erraten, was es ist. Wir haben Vorschulblätter gemacht, gemeinsam gebacken oder gekocht.

Wie hast du dein Kind in dieser Zeit erlebt?

Bei der 1. Quarantäne waren die ersten 4 Tage ok, dann kippte die Stimmung und er bekam jeden Tag heftige länger anhaltende Wutanfälle. Bei allen weiteren Quarantänen waren auch die ersten 2-3 Tage ok, dann war es nur noch ein ständiger Wechsel zwischen Depression (er war völlig in sich gekehrt, ließ niemand an sich ran, wollte nicht mal mehr mit seinen Freunden facetimen) oder sehr heftigen Wutanfällen, die immer schlimmer wurden. Er wurde auch mir gegenüber sehr aggressiv und fast schon gewalttätig wurden. Ich hatte oft blaue Flecken.

Als er Ende Februar / Anfang März 2021 fast direkt hintereinander in Quarantäne musste, war er psychisch so labil, dass er mich fragte „Mama, wie kann ich mich umbringen, damit ich in den Himmel komme?“ Ich war völlig geschockt und mein Herz brach. Ich fragte ihn, warum er das möchte und er sagte mir, dann wäre er nicht mehr so alleine. Denn im Himmel sind auch Oma, Opa und sein Hund.

Ich habe den Kinderarzt dann regelrecht um Hilfe angefleht, denn mir war klar, dass mein Sohn dringend psychologische Hilfe braucht. Egal wo ich anrief, hieß es nur, dass keine Plätze frei sind und es lange Wartelisten gibt.

Als die Kitas dann auch noch schlossen, bekamen wir aber zumindest ein Attest, dass er in die Kita-Notbetreuung durfte, da er dringend den sozialen Kontakt brauche. Ansonsten wurde ich mit der Situation komplett allein gelassen.   

Wie ging es deinem Sohn, wenn die Quarantänen wieder vorbei waren?

Jedes Mal, wenn wir die Quarantäne überstanden hatten, haben wir ganz viel draußen gemacht. Ich hatte meine Ersparnisse zusammengekratzt und bin mit ihm im Sommer 2021 in den Urlaub ans Meer gefahren, das hatte er sich sehr gewünscht. Dort ist er das erste Mal wieder aufgeblüht. Davor war er oft in sich gekehrt, hatte keine Lust auf nichts oder er hatte heftige Wutanfälle, ganz plötzlich ohne ersichtlichen Grund.

Fortan habe ich versucht, immer wieder tolle Ausflüge zu machen. Das hat ihm sehr gutgetan. Ich habe versucht, ihm zu zeigen, wie schön das Leben ist und ihm beizubringen, dass man nicht aufgeben darf, auch wenn es schwierig ist. Das Leben ist schön toll und mein Sohn etwas ganz Besonderes.

Im Dezember waren wir Skifahren und er hatte wieder richtig Spass und konnte wieder richtig herzhaft lachen. Es war ein Prozess mit vielen kleinen Schritten.

Die letzte Quarantäne hat er dann für seine Verhältnisse gut gemeistert. Die letzten Tage kamen wieder Wutanfälle durch, die wir allerdings diesmal schnell in den Griff hatten. Er machte sich selbst Mut, weil er wusste, dass dies die letzte Quarantäne sein würde.

Was hat das alles mit dir als Mutter gemacht?

Ich selbst habe versucht, ihm ganz viel Liebe zu geben, ihm zu zeigen, dass ich für ihn da bin in jeder Situation. Aber das alles hat mich auch fix und fertig gemacht. Ich habe oft heimlich geweint. Zum einen, weil ich ratlos war, wie ich ihn aus diesen negativen Gedanken wieder rausbekomme und in großer Sorge war. Zum Anderen, weil ich nervlich auch an meine Grenzen kam. Ich war teilweise wirklich völlig erschöpft und es zehrt heute noch an mir. Ich fühle mich, als wäre ich um 20 Jahre gealtert…

Nun sah es so aus, als würden die Quarantäne Regeln ab Mai abgeschafft. Was denkst du darüber?

Nachdem die Zahlen so hoch sind, wunderte ich mich sehr darüber. Ich kam mir wirklich veräppelt vor – um es mal gelinde ausdrücken. Die Kinder mussten so viel durch machen, die Eltern waren monatelang an ihren Grenzen. Viele haben bleibende Schäden davongetragen und müssen noch lange in Behandlung. Und nun? Ist Corona etwa auf einmal nicht mehr ansteckend?

Was empfindest du generell, wie in den letzten zwei Jahren mit Familien umgegangen wurde?

Ich bin sehr enttäuscht, weil man uns so viel abverlangt hat und wir Familien oft alleine gelassen wurden. Ich kann nur sagen, dass ich froh war, einen tollen verständnisvollen Arbeitgeber zu haben, der mir zumindest in dieser Hinsicht das Leben nicht schwer gemacht hat. 

Was wünschst du dir für die nächste Zeit?

Frieden und Gesundheit, ein Miteinander. Und dass niemand mehr einfach alleine gelassen wird.

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18 comments

  1. Eine sehr bittere und ambivalent anmutende Nachricht zwischen Verständnis und Druck aufbauen. Natürlich gibt es Hilfen zur Erziehung, aber ich arbeite als Pädagogin genau mit diesen Problemen und Familien die Schlange stehen, je nach Wohnort und Zeit. Denn wer arbeitet, hat erst Recht weniger Zeit sich zusätzliche Amtstermine raufzulegen, von den überlasteten Ämtern die keine Termine mehr geben abgesehen. Noch dazu gibt es schlimmere Fälle als den oben, weshalb es immer eine systemische Problematik ist überhaupt Angebote vermittelt zu bekommen. Die krassen Fälle gehen vor, eine liebende und besorgte Mutter die überfordert ist leider nicht. Der obere Fall schildert sehr gut das Dilemma. Sie weiß um die Dringlichkeit von Handlung seitens der Politik und fühlt sich deshalb so ausgelaugt, weil sie, wie so viele von uns, das Hin und Her jahrelang mitgetragen haben, in Verständnis und dem Gefühl für eine gute Sache (Schutz der Gefährdeten, Angst vor einer Verschlimmerung und natürlich auch einem gewissen Grundvertrauen in Politik und Wissenschaft). Jetzt wird aber deutlich, diese permanenten Änderungen, der schnelle Wandel von Panik, zu Abbruch aller Maßnahmen, ist kaum psychisch zu begreifen. Es braucht da eine Menge Verständnis und Phantasie zu, nicht irgendwann zu denken man sei blöd oder die anderen seien es. Tatsächlich ist es aber so viel komplexer. Menschen die jetzt zurecht Angst haben sich anzustecken oder gefährdet zu sein, in ihrer Existenz bedroht oder gesundheitlich hohe Risiken zu tragen, sind aber auch jene Menschen, die unser System sowieso rigoros aussiebt. Die finden weniger attraktive Arbeitsplätze, seltener eine Partnerschaft, können sich weniger an Freizeitangeboten beteiligen oder mal eben ohne große Planung einkaufen, essen gehen oder ins Kino. Inklusion läuft seit jeher schief, nicht erst seit Corona. Was außerdem schief läuft, ist anderen zu sagen sie seien falsch, gäben sich keine Mühe oder würden auf hohem Niveau jammern. Das ist unsolidarisch und in diesem Fall von Frau zu Frau sowieso beschämend patriachalisch gedacht. Wo ist denn da der Vater? Ist zudem übergriffig.

  2. Wenn ich ehrlich bin, ist das eigentlich präkere an der Situation doch die Tatsache, dass der arme Kerl in die KiTa musste statt zuhause zu bleiben. Ich verstehe, dass man als alleinerziehender Elternteil hier vor viel größeren Herausforderung stehen mag als andere Familien. Aber auch dieses Kind hat einen Vater/Erzeuger. Auch dieses Kind hat Großeltern, eventuell auch Onkel und Tanten. Es war doch von vorneherein klar, dass eine Notbetreuung ihre Risiken hat und die Wahrscheinlichkeit damit steigt in Quarantäne oder Isolation zu kommen. Und um es mal ganz konkret zu benennen: viele Kinder waren wochen- oder monatelang nicht in einer KiTa oder Schule. Sicher ist das in einer Wohnung ohne Garten noch einen Ticken härter. Aber Fakt ist: diese Wohnsituation wurde sich vorher aktiv ausgesucht. Vielleicht bietet sie dafür andere Vorteile wie gute infrastrukturelle Anbindung, kurze Wege, ein gutes Angebot an Arbeitsmöglichkeiten etc.
    Als Mutter von vier Kindern, davon zweien mit ADHS, weiß ich, wie wichtig Bewegung ist. Aber die lässt sich auch in einer Wohnung möglich machen – egal ob mit Hüpfmatte, Springseil, Sportvideos für Kinder etc. Einfach ist das sicher alles nicht, aber eben auch nicht der Weltuntergang. Mir stellt sich da eher die Frage, warum es hier mit der Resilienz schon vorher anscheinend nicht weit her war und warum es erst zu Selbstmorddrohungen kommen musste. Diese sind vor der Pubertät im Übrigen schon immer eine extreme Ausnahme und zeugen in meinen Augen von anderen Baustellen, die es sich dringend gilt anzusehen. Dass es gerade nicht einfach ist einen Therapieplatz zu bekommen, weiß ich aus eigener Erfahrung. Nur war das auch vor der Pandemie nicht einfach. Die Situation hat nur die bestehenden Probleme verschärft – bei den therapeutischen Angeboten wie bei den betroffenen Familien. In meinen Augen fördert sie zu Tage, was schon seit längerem unter der Oberfläche am Schwelen war. Dafür jetzt aber die Quarantäne als Ursache und Grund auszumachen greift imho zu kurz und wird dem eigentlichen Problem nicht gerecht. Aber es kehrt sich natürlich leichter vor anderer Leute Haustüren als vor der eigenen. Und wir sollten uns doch alle fragen, was WIR tun müssen, um die Gesamtsituation zu verbessern. Und ja: ich weiß als Kind einer Alleinerziehenden, dass diese Situation sehr belastend sein kann für alle. Aber: man kann und sollte sich da auch Hilfe holen. Ggfs. z.B. auch beim Jugendamt. Das ist deren Job einen hier zu unterstützen. Die hätten einem z.B. u.U. auch eine andere Betreuungsform mit weniger Sozialkontakten als in einer KiTa vermitteln können, z.B. in Form einer Tagesmutter.
    Und zum Schluss noch eines: Wir könnten uns weder einen kurzfristigen Urlaub am Meer noch Skifahren leisten. Das ist in unserer Realität ein Luxus. Beides käme für uns finanziell nicht in Frage und da obwohl wir sonst schon nur nach jahrelanger Planung alle 2-4 Jahre für eine Woche innerdeutsch Urlaub machen. Aber dafür leisten wir uns dann halt den Luxus den Rest der Zeit die Kinder auch in Quarantäne in den Garten lassen zu können. Abschließend noch eines: um dieses Quarantänedrama als Kontakt zu umgehen, sind unsere vier Kinder (2-10 J.) bereits seit Anfang Dezember 2021 off-lable geimpft. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Im Nachgang über die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen zu jammern, finde ich wenig erwachsen.

    1. Jedes Kind har Großeltern? Selber Schuld, wenn man keine Garten hat, Wohnsituation ist schließlich selbst ausgesucht?

      Selten habe ich solchen Stuss gelesen. Und eine Impfung im Dezember 21 hätte Birgits Sohn 6/7 Quarantänen auch nicht erspart.

      Liebe Birgit, ich finde es ganz toll wie du dich um deinen Sohn gekümmert hast, bitte lass dich nicht von Amys engstirnigem Kommentar verunsichern.

    2. Wie bitte? Der Kommentar ist dermaßen deplatziert dass ich nicht mal weiß wo ich anfangen soll. Statt die unsinnigen Quarantäneeregeln bei Kleinkindern zu hinterfragen, werden der Mutter Vorwürfe gemacht, dass sie das Kind nicht woanders hin wegorganisiert hat? Dass sie nur eine Wohnung und keinen Garten hat? Dass sie ihrem Kind nicht vorher genug Resilienz antrainiert hat? Dass sie Urlaub macht (ist mit 1 Kind leichter als mit 4, was soll der unsinnige und misogyne Hinweis auf die eigene Situation)? Dass sie ihr Kind nicht schon im Dezember 21 geimpft hat? (abgesehen davon, dass wir das nicht wissen, hätte ihr das höchstens 1 von 7 Quarantänen im Jänner 22 erspart und nicht die Ansteckung, abgesehen davon dass Off label-Impfung wirklich niemandem als State of the Art verkauft werden müssen). Erschreckend wenn das alles ist was einem zu diesem Bericht einfällt. Der Mutter im Bericht nur das Allerbeste, klingt als wärt ihr ein tolles Team, hoffentlich kommen leichtere Zeiten auf euch zu.

    3. Hallo Amy, ehrlich gesagt höre ich aus Deinem Kommentar viel jammern. Wollen wir es nicht lieber alle mit Toleranz halten: die einen wohnen eben mit Garten und sparen am Urlaub, die anderen ohne und fahren öfter in den Urlaub. Übrigens hat das oft noch nicht einmal etwas mit der eigenen finanziellen Situation zu tun, als mehr mit dem Ort an dem man lebt. Wir leben in einer recht großen Stadt in einer guten zentralen Lage, da ist eine moderne Wohnung oft teurer als ein kleineres oder älteres Haus auf dem Land. Manchmal lebt man aber schon n der Stadt, weil man da verwurzelt ist und nicht der Fremde Zugezogene auf dem Land sein möchte ( ging mir in meiner Jugend so). Da nun die Quarantäneregeln ja eben auf Infizierte beschränkt wurden und 2020/2021 aber in meinen Augen Kontaktpersonen einfach nur weg gesperrt worden, vor allem die Kinder, darf man sich schon fragen, wie sinnvoll das alles war. Wie gesagt, mein Sohn musste im Nov. 2020 volle 14 Tage zu Hause bleiben, weil er ein infiziertes Kind von weitem gesehen hatte, Gesundheitsamt nicht erreichbar. Bei meiner Tochter war wiederum verpflichtender Päsenzunterricht während Corona einmal durch die Klasse fegte jetzt im März, die Schule hätte da gerne mehr getan, konnte aber nicht. Das 2 mal so gegensätzlich zu erleben ist schon merkwürdig. Und gerade in verunsicherten Zeiten noch die Betreuungssituation für ein Kind komplett zu verändern würde ich auch nicht machen. Und Großeltern stehen leider nicht immer zur Verfügung, weil sie vielleicht auch krank sind oder schon verstorben, andere Verwandte müssen auch arbeiten etc… Toll, wenn bei Euch in der Familie für Eure 4 Kinder innerhalb der Verwandtschaft immer jemand da ist. Das hat nur eben nicht jeder.

  3. Ja, verrückt, was die Pandemie so mit uns macht. Mein Sohn musste im November 2020 für 14 Tage ohne die Möglichkeit einer Freitestung für 14 Tage in Quarantäne, weil ein Kind in der Klasse positiv war. Bei meiner Tochter griff jetzt Omikron in der Klasse um sich, am Ende waren noch 9 von 22 Kindern da, wobei diese alle kürzlich erst genesen waren. Keiner musste mehr in Quarantäne… Wäre der Ausbruch nur eine Woche früher gewesen wäre die Klasse geschlossen worden, so konnte die Schule nicht handeln nur noch zu sehen.

  4. Liebe Birgit,

    es ist wirklich schlimm zu hören, was ihr durchgemacht habt.
    Ich kann verstehen, dass du dich daran festklammerst, dass es unbedingt notwendig war, die Kinder bei jedem Kontakt in Quarantäne zu schicken, da es das Ganze nur noch schlimmer macht, wenn es sich im Nachhinein als „unnötig“ herausstellt.
    Aber deshalb weiter an einer Regel festhalten, die – wie du aus eigener schmerzvoller Erfahrung bestätigen kannst – Kinder massiv psychisch belasten kann? (Zum Glück muss bei „Kontakt“ ja niemand mehr in Quarantäne, aber hier hätte man viel früher zum Wohle der Kinder die Regel ändern müssen).
    Hirnforscher Gerald Hüther hat bereits vor über einem Jahr die Eltern dazu aufgerufen, ihre Kinder vor den Maßnahmen zu schützen.

    Hier sein Appell an die Eltern (ab Minute 6):

    https://www.youtube.com/watch?v=fBIKBgFfhBg

  5. Für alle Zweifler, wie die einzelne Kita/ Schule die Quarantäneregeln ( anders) festlegt ist der jeweiligen Einrichtung überlassen! Also bitte weniger zickig, DANKE!
    Schlimm..

  6. Das tut echt weh, das zu lesen. Schlimm, was einige Kinder da ertragen mussten zum Wohl der Gemeinschaft, die allermeisten, ohne selbst ein erhöhtes Risiko für eine schwere Erkrankung zu tragen. Die Krankheit zeigt sich für die meisten Kinder viel weniger schlimm als die Quarantänen, Schulschließungen, Kontaktverbote und ausfallenden hobbies und Unternehmungen. So toll Birgit, wie Du für Deinen Sohn da warst.
    Corona wird noch lange nachwirken. Einige Menschen haben so große Ängste vor der Erkrankung aufgebaut, dass sie Leute hassen, die nun keine Maske mehr tragen, dabei wird Corona von nun an immer zu unseren Leben dazu gehören. Sollen wir für immer Maske tragen? Andere haben (irrationale?) Ängste vor der Impfung. Fast alle sind erschöpft und wütend. In 2 Jahren Pandemie ist leider auch viel an Toleranz, Verständnis und sozialen Umgangsformen auf der Strecke geblieben.
    Meine Meinung: keine Isolationen/Kontaktverbote und sonstige Maßnahmen mehr, stattdessen Eigenverantwortung: Impfen (keine Impfpflicht für junge Menschen, aber eben für vulnerable Gruppen), Maskentragen zum Selbstschutz (und wenn möglich ohne Verachtung für diejenigen, die keine Maske tragen, weil sie eben keine Angst mehr vor der Krankheit haben). Toleranz.

    1. Gerald Hüther steht aber mit so mancher seiner postulierten Standpunkte in der fachwissenschaftlichen Welt ziemlich einsam da. Er vertritt in vielerlei Hinsicht nicht den derzeitigen fachlichen Konsens.

  7. Hallo zusammen,

    Ich wundere mich auch etwas über diesen Artikel.
    1. Muss man nach jedem Kontakt zu einem positiven 14 Tage in Quarantäne? Diese Regeln wurden doch längst angepasst. Meine Tochter hatte im KiGa auch Kontakt zu positiven Kindern, wurde danach aber einfach weiter getestet und durfte nach der Auflösung des Pooltests wieder in den KiGa. Und das war auch vor der Impfung schon so. Ich dachte in der Schule war bzw ist das ähnlich.
    2. Ja, ich schließe mich den Zweifeln von Ina an. Man kann mehrmals positiv sein und bei uns haben die Genesenen diesen Status nur 90 Tage. Danach wird wieder getestet. Und es gehen ja immer noch verschiedene Varianten rum. Eine Bekannte von mir hatte jetzt wohl die Delta Variante, obwohl gerade Omikron Saison ist. Also ich würde mich da auch nicht zu sicher fühlen.

    Aber… Der Artikel hat mich sehr berührt. Und ich hoffe dein Sohn erholt sich wieder komplett. Ich kann es nicht anders beschreiben, es ist krass was die Isolation mit einem Menschen machen kann. O.o Da kann man nur froh sein, wenn man gut durch diese Zeit durchgekommen ist. Wie gesagt, gute Besserung und alles Gute!!! Liebe Grüße.

    1. Zu 1.) Die Regelungen variieren stark von Bundesland zu Bundesland; in Berlin zum Beispiel hat erst am 24.01. in Kitas eine Testpflicht gestartet, allerdings werden diese zu Hause von den Eltern beim Kind durchgeführt und dokumentiert. Pooltests gibt es in Berlin nicht.
      Die Quarantäneregeln galten in Berlins bis 31.01.22: als Kontaktperson 1 (also bei jedem längeren Kontakt ohne Maske) wurde die Quarantäne angeordnet (14 Tage, später 10 , irgendwann mit Möglichkeit des „Freitestens“ nach 7 bzw. 5 Tagen).
      Wir waren als Familie 4 mal in Quarantäne und einmal als selbst Betroffene in Isolation.
      Zu 2.) Mit genesenenstatus ist man dann 90Tage lang ab dem 29.Tag als Kontaktperson nicht mehr zur Quarantäne verpflichtet. Vermutlich m Inge dies das Kind.

  8. Ich wünsche allen Familien leichtere Zeiten und mir/uns eine große Lobby für die Kinder und Jugendlichen. Das ist unsere Zukunft, was kann wichtiger sein? Auch mein Sohn hat diese laaangen Lockdowns ohne Präsenz und Freunde sehr schlecht verkraftet. Er ist ein sehr guter Schüler, ruhig und vernünftig aber danach haben ich und auch seine Lehrer ihn kaum wieder erkannt. Seine Klassenlehrerin hatte Angst um ihn, ob er an das Vorherige wieder anknüpfen kann. Den Eindruck hatte sie bei vielen Kindern, unabhängig vom unterstützenden aktiven Elternhaus, es gibt da einfach Grenzen.

  9. Leider ist dieser Beitrag schon wieder überholt: Karl L. hat gestern zumindest in einer Talkshow bei Lanz zurückgerudert und will das mit der Aufhebung der Quarantäne zurücknehmen. Was mich zudem auch stutzig macht: Warum ist das mit der Quarantäne vorbei, nur weil man selbst einmal positiv war? Der kleine Sohn einer Freundin ist innerhalb von vier Wochen das zweite Mal positiv……

    1. Ina,
      weil Sie eben nun nicht bei jedem einzelnen Keim dauernd ausfallen können. Wirtschaftlich nicht machbar, Corona ist eine normale Atemwegserkrankung ( die mal mehr mal weniger invasiv ausfällt ähnlich Erjältung,Grippe, Lungenentzündung…) und wir müssen ( und können) damit leben.

      1. Leider ist Corona keine normale Atemwegserkrankung und damit auch nicht mit der Grippe vergleichbar. Das Coronavirus greift, anders als bei der Grippe, die Organe an. Am stärksten sind Lunge (daher Atemnot etc.) und Gehirn (siehe Geruchs- und Geschmacksverlust) betroffen, inklusive möglicher Langzeitfolgen. Es gibt noch keine ausreichenden Langzeitstudien, sodass noch nicht bekannt ist, ob diese Schädigungen reparabel sind. Das ist gerade das erschreckende an der Erkrankung.

        Aber du hast recht: die Befreiung von der Quarantäne für Geimpfte/Geboosterte und Genesene hat rein wirtschaftliche Gründe.

      1. Silvia, nichts anderes schrieb ich doch: In Quarantäne kommt man ggfs. immer wieder, weil man selbst mehrmals positiv sein kann und Karl Lauterbach hat mal wieder eine Entscheidung zurückgenommen……

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