Alleinerziehender Vater: Ohne Alkohol zurück ins Leben

Ihr Lieben, wir erzählen hier viele Geschichten von Müttern. Umso schöner, wenn sich auch Väter bei uns melden und uns von sich und ihrem Leben berichten. Claus ist 43, zweifach geschieden, hat zwei Kinder aus der zweiten Ehe, die er alleinerziehend betreut und ist „zur Zeit sehr glücklich mit der, die uns liebt“. Claus hat eine harte Zeit hinter sich. Zum Glück geht es nun aufwärts.

Lieber Claus, erzähl gern mal zwei Sätze zu dir und deiner Familiensituation.

Ich bin aktuell 43 Jahre alt, zweifach geschieden, habe zwei Kinder aus meiner zweiten Ehe. Die Kinder leben bei mir, ich habe auch wieder eine neue Beziehung, in der ich sehr glücklich bin.

Wie geht´s dir als alleinerziehender Vater grad in Zeiten der Pandemie, lebst du auch im Grunde nur von Pooltest zu Pooltest?

Nach fast zwei Jahren Homeschooling, Testen, Präsenzunterricht, Maske am Platz ja oder nein, welcher Test ist wirklich zuverlässig, dürfen die Kinder das gerade oder sollten wir es lieber lassen, bin ich einfach erschöpft. Meine Nerven sind dünn.

Hast du ein Netzwerk, das einspringt, wenn du selbst erkrankst oder falls ihr in Quarantäne müsst?

Für die kleinen Notfälle ist ein Netzwerk in unserem Heimatort vorhanden. Für größere Notfälle würde mein Vater aus 580 km Entfernung anreisen.

Du bist seit viereinhalb Jahren alleinerziehend, wie kam es dazu? Wie lief das in der Anfangszeit?

Das erste Jahr nach der Trennung haben die Kinder im Wechselmodell gelebt. Eine Woche bei der Mutter, eine Woche bei mir. Wir haben festgestellt, dass diese wöchentlichen Wechsel den Kindern nicht gut tun. Sie kamen nie richtig an und mussten ständig ihre Sachen packen. Also besprachen die Kindesmutter und ich, dass wir auf 14 Tage wechseln.

Zu dieser Änderung kam es allerdings nicht mehr. Die Mutter der Kinder hatte sich nach einer Kinderübergabe aus dem Staub gemacht. Sie war einfach weg und wir wussten anfangs noch nicht mal mehr, wo sie sich aufhält. Im Eilverfahren bekam ich das alleinige Sorgerecht.

Ab wann, würdest du sagen, hattet ihr euch eingegroovt zu dritt?

Die ersten acht Monate waren chaotisch. Ich habe meine Arbeitszeit halbiert, damit ich für die Kids da sein kann. Mein Vater kam alle 14 Tage für sechs Tage angereist, um während meiner Arbeitswoche die Kinder zu betreuen. Das war natürlich keine dauerhafte Lösung und so wechselte ich intern den Job.

Ohne meinen Chef und die vielen Gespräche mit ihm und sein Verständnis wäre das wohl nicht möglich gewesen. Ich hätte wohl meinen Beruf aufgeben müssen. Es hat aber noch einige Monate, viel Struktur und viele Zeitpläne gedauert, bis Routine reinkam. Je größer die Kids wurden, desto leichter wurde es dann aber natürlich auch.

Du bist seit zwei Jahren und einem Monat trockener Alkoholiker. Wie hast du den Absprung geschafft?

Durch ein Schlüsselerlebnis zwischen Weihnachten und Silvester 2019, bei dem ich stark alkoholisiert im Schlafzimmer gestürzt bin und am nächsten Morgen zwar viele blaue Flecken hatte, aber nicht wusste, woher die kamen.

An diesem Morgen hatte ich ein langes Gespräch mit meiner Partnerin über meinen Alkoholkonsum und ob ich diesen mal überdenken wolle. Am 2. Januar 2020 bin ich zu den Anonymen Alkoholikern gegangen. Seitdem bin ich trocken.

Wie lang warst du alkoholkrank, wie hat das mit deinem Alltag mit den Kindern funktioniert?

Wie lange ich schon zu viel getrunken habe, ist schwer zu sagen. Alkoholsucht kommt schleichend. Erst ist es immer noch das Feierabendbier, dann sind es ein paar Bier abends und schon trinkst du jeden Abend mehr.

Meist war ich morgens verkatert, habe die Kinder fertig gemacht, bin zur Arbeit, aber sobald Feierabend war, habe ich den Kummer und die Sorgen im Wein ertränkt. Das war meine Routine – die ich erst hinterfragt habe, als meine Partnerin mich darauf ansprach und mich aufforderte, mein Verhalten zu überdenken.

Wie hat sich dein/euer Leben verändert, seit du trocken bist?

Positiv! Ich war im März 2020 auch für sieben Wochen in einer Tagesklinik, um meine Depression besser bewältigen zu können. Diese war mit auschlaggebend für den Alkoholkonsum. Seitdem ich mich meinen Problemen stelle, läuft alles viel besser. Wir reden über alles, was uns beschäftigt und bedrückt.

Wie klappt das mit der Vereinbarkeit von Job, Haushalt und Erziehung bei dir?

Ich arbeite 86% und habe Arbeitszeiten, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich machen. Im Haushalt müssen alle mit anpacken. Ich wasche zum Beispiel Wäsche und hänge sie auf, die Kinder müssen ihre Kleidung aber selbst in die Schränke sortieren. Sie müssen auch beim Treppenhaus saugen helfen oder beim Kochen. Ich würde schon sagen, dass ich da streng und konsequent bin, aber anders würde es auch nicht gehen.

Welche Maßnahmen zur Unterstützung von Alleinerziehenden hältst du für angebracht?

Eine bedingungslose Kindergrundsicherung wäre ein Fortschritt. Diese würde für viele Alleinerziehende das Ende Unterhaltsabhängigkeit bedeuten. Denn oft gibt es Machtspiele um Unterhalt und das setzt vielen Alleinerziehenden psychisch zu. Finanzielle Sorgen sind sehr belastend, vor allem wenn man immer wieder um Unterhalt „betteln“ muss und hofft, dass dieser regelmäßig eingeht.

Wenn du anderen Vätern etwas mit auf den Weg geben könntest, was wäre das?

Schaut, was eure Kinder brauchen. Im Falle einer Trennung muss man immer wieder über den eigenen Schatten springen, denn es geht nicht darum, etwas zu „gewinnen“. Es geht darum, den Kindern eine Trennung erträglich zu machen, bei Eltern-Streitigkeiten sind vor allem sie die Leidtragenden. Kinder verstehen und bekommen viel mehr mit, als manch Erwachsener in seiner verletzten Wut meint.

Und man sollte gut auf sich selbst schauen. Ausreichend Schlaf, genügend frische Luft sind wichtig. Kinder brauchen gesunde Eltern, der Haushalt kann auch mal warten.

Was macht dich glücklich?

Gemeinsame Ausflüge. Zusammen Essen, Quatsch am Essenstisch. Meine berufliche Tätigkeit. Sauna, Sonne, Berge, blühende Wiesen, noch mehr Berge und das Meer.

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4 comments

  1. Danke Claus, dass Du Deine Geschichte mit uns teilst. Ich kann Dich in vielem so gut verstehen. Alles Gute für Dich und Euch!!

  2. Offenbar funktioniert heute due Kommentarfunktion nicht so richtig??? Also 2. Versuch!
    Kleiner Tipp an Claus, Unterhaltung per Beistandschaft vom Jugendamt regeln ( Briefverkehr, regelmäßige Finanzprüfung des Unterhaltspflichtigen und jährliche Anpassung bzw altersgemäße regelt das Jugendamt du wirst immer informiert, Zahlungen gehen auch über das Jugendamt dann haben die die Kontrolle das alles pünktlich und richtig gezahlt wird, Jugendamt kann im Gegensatz zur Privatperson sofort Pfunden bei Bedarf). Wichtig ist die Zahlung über das Jugendamt zu wählen, kostet auch nicht viel Zeit spätestens am 4. Tag des Monats ist das Geld auch da. Hoffe der Kommentar geht jetzt nicht wieder “ verloren“!?

  3. Alles Gute Claus! Ein kleiner Tipp, regelmäßige Unterhaltszahlung (und Anpassung der Höhe bzw Einkommensnachweise vom Unterhaltspflichtigen) laufen gut über das Jugendamt nennt sich Beistandschaft und lässt sich, wenn man nicht mehr verheiratet ist, einfach beantragen. Dann macht alles das Jugendamt, Zahlung kann auch übers Amt ( Mutter überweist an Jugendamt und die dann an euch) erfolgen ( dann sehen sie gleich ob die Mutter pünktlich zahlt oder werden aktiv). Dann kommt das Geld zwar bis zu eine Woche später aufs Konto aber ganz sicher. Klappt problemlos, Kopien vom Briefverkehr mit dem/ der Zahlungspflichtigen erhält man automatisch und hat eine große Sorge weniger. Das Jugendamt kann, bei Bedarf, nämlich auch sofort pfänden, bei einer Privatperson dauert das ja.

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