Panikattacken & Depressionen: Ich möchte mein Kind genießen können…

Depressionen

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Ihr Lieben, danke für euer Vertrauen. Danke dafür, dass ihr uns von euch erzählt, uns davon berichtet, welche Herausforderungen für euch anstehen, welche Päckchen ihr tragt, wofür ihr kämpft. Carolina hat vor wenigen Monaten ihr erstes Kind bekommen und gibt alles dafür, um für ihren kleinen Sohn gesund zu werden.

Liebe Carolina, du leidest schon länger an Panikattacken und Depressionen. Beschreib mal, wann das angefangen hat und wann die Attacken auftauchen.

Ich habe schon sehr lange Depressionen und Panikattacken. Beides hat in der Pubertät angefangen, die Depressionen ungefähr mit 13 Jahren, die Panikattacken mit 15 Jahren.

Die Panikattacken tauchen hauptsächlich nachts auf. Ich schrecke dann aus dem Schlaf auf und stecke schon in einer Attacke drin. Ich habe dann Herzrasen, schweißnasse Hände und Übelkeit. Zusätzlich hyperventiliere ich dann. Meistens dauern die Panikattacken akut 2-5 Minuten. Danach bin ich völlig neben der Spur und angespannt. Das Schlimmste ist die Angst davor, dass die nächste Panikattacke kommt. 

Du bist auch medikamentös eingestellt. Seit wann ist das so und wie hat das deinen Alltag verändert?

Ja, ich nehme seit 6 Jahren Medikamente. Diese sollen vor allem die Panikattacken unterdrücken. Allerdings haben sie als Nebenwirkung, dass ich mich nicht mehr so gut konzentrieren kann. Das schränkt mich natürlich sehr ein. Ich kann zum Beispiel keine Bücher mehr lesen.

Als ich schwanger wurde, mussten wir die Tabletten umstellen, weil sie nicht mehr gewirkt haben. Diese Neueinstellung war sehr anstrengend und gar keine gute Zeit. Die neuen Tabletten machen sehr müde, aber dadurch habe ich die Panikattacken wieder sehr gut im Griff.

Wie verlief denn die Schwangerschaft?

Leider hat mich die Hormonumstellung komplett aus der Bahn geworfen, zudem hatte ich die ersten vier Monate extreme Übelkeit und ich habe jeden Tag erbrochen. Die Medikamente wirkten dadurch nicht mehr und ich hatte jeden Tag Panikattacken, war komplett überfordert und unglücklich. Ja, leider konnte ich die Schwangerschaft kaum genießen. Ich hatte zudem auch immer Angst, dass meine Gefühle dem Baby schaden würden. Glücklicherweise hat es sich immer absolut zeitgerecht entwickelt und war kerngesund.

Dein Baby ist nun ein paar Monate alt. Wie geht es dir aktuell?

Es geht mir wesentlich besser als in der Schwangerschaft, da ich fast keine Panikattacken mehr habe. Dafür sind die Depressionen momentan wieder stärker. Mich überkommen so starke Schuldgefühle, weil ich meinen Sohn nicht so genießen kann wie ich es gerne möchte. Seit ein paar Wochen bin ich wieder in Therapie, versuche die Schwangerschaft aufzuarbeiten. Das tut mir gut.

Wie beeinflusst deine Gesundheit deine Partnerschaft?

Ich habe großes Glück mit meinem Partner. Mein Partner ist eine große Unterstützung und Hilfe, er motiviert und tröstet mich. Er ist ein toller Vater, entastet mich viel und ist einfach immer da für mich.

Was wünscht du dir für die nächsten Wochen?

Ich weiß, dass es unrealistisch ist, dass ich innerhalb kurzer Zeit ganz gesund werde. Daher wünsche ich mir, dass ich meinen Alltag meistern kann, ohne immer an allem zu zweifeln und in diese tiefen Löcher zu fallen. Ich wünsche mir, dass ich es schaffe, mein Kind mehr zu genießen und generell das Leben.

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9 comments

  1. An alle verunsicherten Mamas, die eine psychische Erkrankung haben und überlegen, schwanger zu werden: Es kann auch anders laufen! Ich habe ebenfalls seit Teenagerzeiten Angst- und Schlafstörungen, mit Mitte 20 kam noch eine unipolare Depression dazu. Bereits in der Kinderwunschzeit hat meine Psychiaterin meine Medikation umgestellt (auf ein SSRI, mit dem es sehr gute, lange Erfahrungen in Schwangerschaften gibt). Das nehme ich seitdem durchgehend. Ich habe mittlerweile zwei Kinder und alles ist gut. Zwischendurch habe ich zweimal versucht, das Medikament auszuschleichen, aber beide Male ging es mir nach einigen Wochen wieder sehr viel schlechter. Also nehme ich es erstmal weiter, denn ich will ein schönes Leben mit meinen Kindern haben und die Lebensphase, in der die Kinder klein sind, ist nun mal emotional nicht die einfachste. Ich habe und hatte keinerlei Nebenwirkungen durch die Medikamente, keinerlei Probleme in den Schwangerschaften, zwei schöne, unkomplizierte Geburten und meine Kinder sind beide kerngesund.

  2. Du schaffst das, Carolin. Ich war auch mal in deiner Situation mit Depression und Baby und habe inzwischen gelernt, dass „gut genug“ völlig ausreicht. Das genießen der gemeinsamen Zeit kam dann nach und nach.

  3. Sorry zu dicke Finger: @ Silvia: Ah echt jetzt. Irgendwie habe ich das in meinem Studium anders gelernt und irgendwie ist das auch in meiner beruflichen Praxis anders und irgendwie sieht das auch das ICD ganz anders. Aber was weiß ich schon…

    1. Depression ist, ausser nach Trauma, eher chronisch mit depressiven, manischen… Phasen. Und dazu gehört leider auch die Ablehnung der Medikamente in bestimmten Phasen. Deshalb finde ich gut das due Autorin ihre Medikation, auch während der Schwangerschaft, akzeptiert und einhält. Und Medikamente während der Schwangerschaft weiter zu geben spricht schon dafür, daß hier keine “ einfache“ Überforderung vorliegt. Ich konnte die Psychopharmaka während der Schwangerschaft weglassen habe den Unterschied aber auch gespürt. Und nein ich habe das nicht studiert ich lebe nur damit.

      1. Ja Silvia, ein Studium ist nicht alles. Aber Fakten bleiben Fakten. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse mit Alltagserfahrungen abzugleichen geht eben nur, wenn man dafür die passende Ausbildung hat. Nicht jede Depression ist chronisch, nicht alle müssen mit Medikamente behandelt werden und für postpartale Depressionen gilt dasselbe. Postpartale Depressionen können als unipolare Depressionen genauso behandelt werden wie jede andere Depression. Ja es gibt auch bipolare Störungen… aber das führt zu weit.
        Fachlich gesehen hast Du mit großer Entschiedenheit in deinem ersten Beitrag Stuß geschrieben. Deine spezielle Erfahrung gilt nicht für jede. Postpartale Depressionen gehabt zu haben macht Dich zur Fachfrau für Deine Erkrankung. Ich denke Frau Vorsamer ist bestimmt sehr froh, Kontakt zu Fachleuten gehabt zu haben, die sich offen für Ihr Erleben interessieren, anstatt jedem ihre eigenen Erlebnisse und Sichtweisen überzustülpen. 😉

  4. Depression ist eine chronische Erkrankung mit verschiedenen Phasen und, leider, dauerhaft nötiger Medikation. ( hat überhaupt nichts mit Wochenbettdepression zu tun!) Ich wünsche Dir viel Kraft und viele stabile Zeiten mit Deinem Kind! Und ein weiterhin unterstützenden ( nicht verurteilendes) Umfeld.

    1. Ah echt jetzt. Irgendwie habe ich das in meinem Studium anders gelernt und irgendwie ist das auch in mriner beruflichen Praxis anders und irgendwie sieht das auch das ICD gsnz anders. Aber was eriß ich schon…

  5. Hallo Carolina, schau dir mal die Seite Schatten und Licht an. Die sind spezialisiert u.a. auf Wochenbettdepressionen! Deine Hebamme könnte dich u.a. weiterhin begleiten, wenn du einen guten Draht zu ihr hast.
    Alles Gute!

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