Ich ziehe meinen Enkel seit der Geburt auf – Update von Sandra und Louis

Mein Name ist Sandra, vor drei Jahren gab es hier schon mal einen Artikel über mich. Ich bin 52 Jahre alt und ziehe meinen Enkel seit seiner Geburt groß. Wie das kam? Meine Tochter wurde mit 16 schwanger, sie ist geistig behindert und leidet zudem unter Depressionen. Als der Frauenarzt die Schwangerschaft damals bestätigte, haben wir drei Tage lang überlegt, wie es weitergehen soll. Dann haben wir gemeinsam beschlossen, dass wir alle dieses Kind möchten und dass ich meine Tochter unterstützen werde. Es wurde während der Schwangerschaft immer klarer, dass ich das Sorgerecht für meinen Enkel übernehmen werde.

Nach der Geburt kam Louis – so heißt mein Enkel – mit seiner Mama zu uns nach Hause. Es war ein tolles Ankommen, denn er lebte unter einem Dach mit seiner Mama, seinen Großeltern und seinen Urgroßeltern.

Die Beziehung zu dem Papa von Louis hat zwei Jahre gehalten, dann folgte die Trennung. Meine Tochter hat aber seit vier Jahren einen neuen Partner. Mit diesem lebt sie 150 Kilometer von uns entfernt. Leider kann sie momentan nicht arbeiten, weil sie wieder starke Depressionen hat.

Louis geht seit September in die Schule. Er ist ein fröhlicher Kerl, hat viele Freunde. In Deutsch hat er ein bisschen Schwierigkeiten, bekommt dort zusätzliche Förderung. Es war bisher nie ein Problem, dass er bei uns aufwächst. Er weiß, dass seine Eltern nicht so gut für ihn sorgen können. Nachdem er ja von Beginn an bei uns lebt und unser gesamtes Umfeld daran gewöhnt ist, haben wir auch nie negative Kommentare bekommen. Louis wurde deshalb auch nie gemobbt oder so.

Das Verhältnis zwischen Louis und seiner Mama ist gut, auch wenn sie sich momentan etwas wenig sehen. Zuletzt leider an Weihnachten. Die beiden telefonieren aber drei Mal am Tag, das tut ihnen gut. Louis Papa kommt alle drei Wochen für eine Stunde zu Besuch. Das ist natürlich auch wenig und Louis vermisst ihn doch ganz schön.

Als meine Tochter schwanger war, gab es Leute, die sagten, dass „so jemand“ gar keine Kinder bekommen dürfe. Das halte ich für falsch. Ich bin so dankbar, dass Louis auf der Welt ist, freue mich, dass ich erleben darf, wie er sich entwickelt. Mein Mann und ich sind zwar nicht mehr die Jüngsten und manchmal kostet das alles auch ganz schön Kraft. Aber Louis ist das wert.

Das möchte ich auch anderen Großeltern in ähnlichen Situationen sagen: Traut euch, für eure Kinder da zu sein und für eure Enkel. Es lohnt sich so sehr, einem Kind Liebe und Geborgenheit mit auf den Weg zu geben.

Für das restliche Jahr wünsche ich mir, dass wie gesund bleiben, dass meine Tochter die Depressionen besser in den Griff bekommt und öfter zu uns kommen kann. Und dass Louis in der Schule fleißig bleibt und weiterhin so viel Sonne in unser Leben bringt.

—- UND HIER DER ERSTE ARTIKEL VON SANDRA: https://www.stadtlandmama.de/content/gastbeitrag-von-sandra-darum-habe-ich-das-sorgerecht-fuer-meinen-enkel

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4 comments

  1. Holger
    Wer lesen kann ist eindeutig im Vorteil. Hier geht es um das Thema behinderte Menschen und NEIN ich bin weder für Zwangssterilisatuon noch Zwangsverhütung oder Zwangsabbruch. Sie sind hier auf der falschen Seite , rechte Propaganda dürfen Sie auf den einschlägigen Seiten verbreiten. Diese “ Behandlung “ behinderter Menschen in den 30er- 40er Jahren in Deutschland sollte zu denken geben und darf sich vor allem nie wiederholen weil jemand sich geistig überlegen fühlt und Gott spielen will.
    P.S. Ich bin erwachsen und werde mit Sie angesprochen!

  2. Tja Silvia, ich finde z.B. Kinderehen gehören verboten. Da muss der 40jährige keine Kinder mit der 12jährigen haben. Aber falls das für Dich i.O. ist, ist „Übergriffigkeit“ halt Deine Meinung…..
    Immerhin kümmern sich in diesem Fall ja scheinbar Oma und Opa um den Kleinen, so dass es nicht mein Steuergeld kostet- oder bekommen sie dafür Pflegegeld?
    Wenn Frau/Mann sich nicht (vernünftig) um Kinder kümmern können/wollen, sollten sie m.E. auch keine bekommen – dafür gibt es bei uns ja problemlos Verhütungsmittel!
    Solange die Kinder nicht darunter leiden müssen, ist es ja gut. Leider muss eine Freundin vom Jugendamt aber zu viel zu vielen „Noteinsätzen“ ausrücken, weil es zu viele „verantwortungslose“ Menschen gibt……

  3. Liebe Sandra, aus deinen Zeilen spürt man die Liebe für Louis! Toll, dass ihr das Enkelchen so annehmen konntet und das Beste draus macht, auch wenn eure/ deine Lebensplanung mit Sicherheit eine andere war…aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert!
    Ich wünsche euch weiterhin ganz viel Freude mit und an Louis, Starke nerven und die Nötige Gelassenheit gegenüber blöden Kommentaren.

  4. Schön mit wieviel Liebe Louis aufwächst! Er wird seinen Weg machen. Und die Entscheidung ob wer Kinder bekommt ( bekommen darf!) ist eine ganz private, persönliche! Das hat NIEMAND von außen zu entscheiden, auf so übergriffige Menschen kann man gerne verzichten.

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